{"id":199549,"date":"2025-01-23T07:00:46","date_gmt":"2025-01-23T06:00:46","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=199549"},"modified":"2025-01-23T08:56:58","modified_gmt":"2025-01-23T07:56:58","slug":"internationale-arbeitsorganisation-neue-rechtsgrundlagen-fuer-die-schweiz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2025\/01\/internationale-arbeitsorganisation-neue-rechtsgrundlagen-fuer-die-schweiz\/","title":{"rendered":"Internationale Arbeitsorganisation: Neue Rechtsgrundlagen f\u00fcr die Schweiz?"},"content":{"rendered":"<p>Gem\u00e4ss den j\u00fcngsten Sch\u00e4tzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) erlitten 2019 weltweit mehr als 395\u00a0Millionen Arbeitnehmende einen nicht t\u00f6dlichen Arbeitsunfall. Rund 2,93\u00a0Millionen Arbeitnehmende starben an den Folgen von Berufsunf\u00e4llen und Berufskrankheiten.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Diese Zahlen zeigen, dass Berufsrisiken als Folge gef\u00e4hrlicher Arbeitsbedingungen Realit\u00e4t sind. Ein Beispiel war etwa <a href=\"https:\/\/www.faircobaltalliance.org\/blog\/the-fatal-toll-of-artisanal-cobalt-mining-continues-is-responsible-asm-even-possible\/\">der Unfall<\/a> in einer Kobaltmine in der Demokratischen Republik Kongo im Januar 2023, als starke Regenf\u00e4lle zum Einsturz der Minen f\u00fchrten und sechs Menschen dabei ihr Leben verloren.<\/p>\n<p>In der Schweiz sind die Arbeitssicherheit und der Gesundheitsschutz im internationalen Vergleich auf sehr hohem Niveau. Trotzdem k\u00f6nnen sich auch hier schwere Unf\u00e4lle ereignen, wie etwa der Einsturz eines Ger\u00fcsts auf einer Baustelle bei Lausanne im Juli 2024 zeigt. Dabei sind drei Personen ums Leben gekommen und weitere wurden teilweise schwer verletzt. Der Kontext und die Ursachen der beiden Unf\u00e4lle sind nicht vergleichbar \u2013 beide best\u00e4tigen jedoch, wie zentral der Gesundheitsschutz und die Sicherheit am Arbeitsplatz sind. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) hat 2022 \u00abein sicheres und gesundes Arbeitsumfeld\u00bb in die Liste ihrer grundlegenden Prinzipien und Rechte aufgenommen. Die Sonderorganisation der Vereinten Nationen wurde 1919 mit dem Zweck gegr\u00fcndet, weltweit die soziale Gerechtigkeit, die Menschenrechte sowie menschenw\u00fcrdige Arbeitsbedingungen zu f\u00f6rdern.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a><\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Sicheres und gesundes Arbeitsumfeld als Grundprinzip<\/h2>\n<p>Bei den Feierlichkeiten zu ihrem 100-j\u00e4hrigen Bestehen im Jahr 2019 erkl\u00e4rte die ILO, dass \u00absichere und gesunde Arbeitsbedingungen von grundlegender Bedeutung f\u00fcr menschenw\u00fcrdige Arbeit\u00bb seien. Drei Jahre und eine Pandemie sp\u00e4ter, im Jahr 2022, hat die Organisation die <a href=\"https:\/\/www.ilo.org\/de\/publications\/erkl%C3%A4rung-der-iao-%C3%BCber-grundlegende-prinzipien-und-rechte-bei-der-arbeit\">Erkl\u00e4rung \u00fcber grundlegende Prinzipien und Rechte bei der Arbeit<\/a> entsprechend erg\u00e4nzt. Die urspr\u00fcngliche Erkl\u00e4rung wurde 1998 als Antwort auf die soziale Dimension der Globalisierung verabschiedet und legte einen von allen Staaten anerkannten \u00abMindestsozialsockel\u00bb fest.<\/p>\n<p>Mit der Erkl\u00e4rung verpflichten sich die ILO-Mitglieder, bestimmte grundlegende Prinzipien und Rechte einzuhalten, zu f\u00f6rdern und zu verwirklichen. Dazu geh\u00f6ren etwa die Vereinigungsfreiheit und die effektive Anerkennung des Rechts auf Kollektivverhandlungen; die Beseitigung aller Formen von Zwangs- oder Pflichtarbeit; die effektive Abschaffung der Kinderarbeit; die Beseitigung von Diskriminierungen in Besch\u00e4ftigung und Beruf; und seit der \u00c4nderung von 2022 nun also auch ein sicheres und gesundes Arbeitsumfeld.<\/p>\n<p>Die \u00dcbereinkommen der ILO sind bindendes V\u00f6lkerrecht. Sie verpflichten die Staaten, die sie ratifizieren, Massnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu ergreifen. Einige dieser \u00dcbereinkommen werden als \u00abgrundlegend\u00bb bezeichnet, da sie die oben genannten grundlegenden Prinzipien und Rechte bei der Arbeit konkretisieren (siehe Tabelle).<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Grundlegende \u00dcbereinkommen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO)<\/h2>\n<table style=\"border-collapse: collapse; width: 100%;\" border=\"1\">\n<tbody>\n<tr style=\"background-color: #000000;\">\n<td style=\"width: 100%; background-color: #d4d6d6;\"><strong>Vereinigungsfreiheit und effektive Anerkennung des Rechts auf Kollektivverhandlungen:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.ilo.org\/sites\/default\/files\/wcmsp5\/groups\/public\/@ed_norm\/@normes\/documents\/normativeinstrument\/wcms_c087_de.htm\">\u00dcbereinkommen (Nr. 87) \u00fcber die Vereinigungsfreiheit und den Schutz des Vereinigungsrechtes, 1948<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.ilo.org\/sites\/default\/files\/wcmsp5\/groups\/public\/@ed_norm\/@normes\/documents\/normativeinstrument\/wcms_c098_de.htm\">\u00dcbereinkommen (Nr. 98) \u00fcber die Anwendung der Grunds\u00e4tze des Vereinigungsrechtes und des Rechtes zu Kollektivverhandlungen, 1949<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 100%;\"><strong>Beseitigung aller Formen von Zwangs- oder Pflichtarbeit:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.ilo.org\/sites\/default\/files\/wcmsp5\/groups\/public\/@ed_norm\/@normes\/documents\/normativeinstrument\/wcms_c029_de.htm\">\u00dcbereinkommen (Nr. 29) \u00fcber Zwangs- oder Pflichtarbeit, 1930<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.ilo.org\/sites\/default\/files\/wcmsp5\/groups\/public\/@ed_norm\/@normes\/documents\/normativeinstrument\/wcms_c105_de.htm\">\u00dcbereinkommen (Nr. 105) \u00fcber die Abschaffung der Zwangsarbeit, 1957<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 100%; background-color: #d4d6d6;\"><strong>Beseitigung der Diskriminierung in Besch\u00e4ftigung und Beruf:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.ilo.org\/sites\/default\/files\/wcmsp5\/groups\/public\/@ed_norm\/@normes\/documents\/normativeinstrument\/wcms_c100_de.htm\">\u00dcbereinkommen (Nr. 100) \u00fcber die Gleichheit des Entgelts, 1951<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.ilo.org\/sites\/default\/files\/wcmsp5\/groups\/public\/@ed_norm\/@normes\/documents\/normativeinstrument\/wcms_c111_de.htm\">\u00dcbereinkommen (Nr. 111) \u00fcber die Diskriminierung in Besch\u00e4ftigung und Beruf, 1958<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 100%;\"><strong>Effektive Abschaffung der Kinderarbeit:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.ilo.org\/sites\/default\/files\/wcmsp5\/groups\/public\/@ed_norm\/@normes\/documents\/normativeinstrument\/wcms_c138_de.htm\">\u00dcbereinkommen (Nr. 138) \u00fcber das Mindestalter, 1973<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.ilo.org\/sites\/default\/files\/wcmsp5\/groups\/public\/@ed_norm\/@normes\/documents\/normativeinstrument\/wcms_c182_de.htm\">\u00dcbereinkommen (Nr. 182) \u00fcber die schlimmsten Formen der Kinderarbeit, 1999<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 100%; background-color: #d4d6d6;\"><strong>Sicheres und gesundes Arbeitsumfeld:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.ilo.org\/sites\/default\/files\/wcmsp5\/groups\/public\/@ed_norm\/@normes\/documents\/normativeinstrument\/wcms_c155_de.htm\">\u00dcbereinkommen (Nr. 155) \u00fcber Arbeitsschutz und Arbeitsumwelt, 1981<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.ilo.org\/sites\/default\/files\/wcmsp5\/groups\/public\/@ed_norm\/@normes\/documents\/normativeinstrument\/wcms_c187_de.htm\">\u00dcbereinkommen (Nr. 187) \u00fcber den F\u00f6rderungsrahmen f\u00fcr den Arbeitsschutz, 2006<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h2><\/h2>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Neue grundlegende \u00dcbereinkommen<\/h2>\n<p>In der \u00c4nderung von 2022 werden zwei \u00dcbereinkommen, die den Grundsatz eines sicheren und gesunden Arbeitsumfelds definieren, als \u00abgrundlegend\u00bb anerkannt: das \u00dcbereinkommen Nr. 155 \u00fcber Arbeitsschutz und Arbeitsumwelt sowie das \u00dcbereinkommen Nr. 187 \u00fcber den F\u00f6rderungsrahmen f\u00fcr den Arbeitsschutz.<\/p>\n<p>Das erste \u00dcbereinkommen verlangt von den ILO-Mitgliedsstaaten, dass sie eine koh\u00e4rente nationale Politik f\u00fcr Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz entwickeln, umsetzen und regelm\u00e4ssig \u00fcberpr\u00fcfen. Ziel dieser Politik ist die Pr\u00e4vention von Unf\u00e4llen und Gesundheitssch\u00e4den. Das \u00dcbereinkommen regelt Aspekte wie die Arbeitsplatzgestaltung, die Ausbildung von Arbeitsmedizinern und Arbeitnehmenden oder die Kommunikation zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmenden.<\/p>\n<p>Das zweite \u00dcbereinkommen st\u00e4rkt das Engagement der Mitgliedsstaaten f\u00fcr die F\u00f6rderung eines sicheren und gesunden Arbeitsumfelds. Die Mitglieder werden darin ermutigt, im Inland ein System und ein Programm f\u00fcr Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz zu errichten, um eine pr\u00e4ventive Arbeitsschutzkultur zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">M\u00f6gliche Ratifizierung durch die Schweiz<\/h2>\n<p>Soll die Schweiz die ILO-\u00dcbereinkommen Nr.\u00a0155 und 187 also ratifizieren? 1983 kam der Bundesrat zum Schluss, dass er zwar das \u00dcbereinkommen Nr.\u00a0155 grunds\u00e4tzlich bef\u00fcrworte, dass jedoch eine Ratifizierung aufgrund der fehlenden innerstaatlichen Harmonisierung zwischen den Bereichen Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit nicht m\u00f6glich sei.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> Anfang der 1980er-Jahre war das Bundesgesetz \u00fcber die Unfallversicherung (UVG) noch nicht in Kraft, und es gab nur im Bereich des Gesundheitsschutzes am Arbeitsplatz eine innerstaatliche Koordination durch das Bundesgesetz \u00fcber die Arbeit in Industrie, Gewerbe und Handel (ArG). Im Jahr 2008 kam die Schweizer Regierung aus \u00e4hnlichen Gr\u00fcnden ebenfalls zum Schluss, dass es nicht m\u00f6glich sei, das ILO-\u00dcbereinkommen Nr. 187 zu ratifizieren.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a><\/p>\n<p>Derzeit werden die Bereiche Unfallverh\u00fctung, Berufskrankheiten und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz noch immer durch separate Gesetzgebungen und Kontrollorgane geregelt. Das ArG deckt ein breites Spektrum von Aspekten zur Gesundheit und Hygiene am Arbeitsplatz ab. Seine Einhaltung wird von den kantonalen Arbeitsinspektoraten, dem Bundesamt f\u00fcr Gesundheit (BAG) und dem Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) \u00fcberwacht. Das UVG garantiert den Arbeitnehmenden Leistungen bei Unf\u00e4llen und beinhaltet im Gegenzug strenge Verpflichtungen zur Unfallverh\u00fctung. Die Aufsicht obliegt der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva), den kantonalen Inspektoraten und den Bundesbeh\u00f6rden, insbesondere dem Seco.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Mehr Koh\u00e4renz in der Schweiz<\/h2>\n<p>Eine einheitlichere Politik im Bereich Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz wurde zun\u00e4chst durch das Inkrafttreten des Bundesgesetzes \u00fcber die Unfallversicherung (UVG) und sp\u00e4ter durch die Gr\u00fcndung der Eidgen\u00f6ssischen Koordinationskommission f\u00fcr Arbeitssicherheit (Ekas) gest\u00e4rkt. Diese Kommission koordiniert die Pr\u00e4ventionsmassnahmen, die Aufgabenbereiche im Vollzug und die einheitliche Anwendung der Vorschriften zur Pr\u00e4vention von Berufsunf\u00e4llen und Berufskrankheiten. Vertreten sind darin die Versicherer, die Suva, die eidgen\u00f6ssischen und kantonalen Vollzugsorgane des ArG sowie die Arbeitgeber und die Arbeitnehmenden.<\/p>\n<p>Das Seco und die kantonalen Inspektorate sind sowohl Vollzugsorgane des ArG als auch des UVG und \u00fcberdies in der Ekas vertreten. Dies erleichtert den Austausch und die Koordination zwischen den verschiedenen Bereichen der Verh\u00fctung von Berufsunf\u00e4llen und Berufskrankheiten sowie des Gesundheitsschutzes auf nationaler Ebene. Die Ekas kann auch die Koordination zwischen dem Vollzug der \u00abVerordnung \u00fcber die Verh\u00fctung von Unf\u00e4llen und Berufskrankheiten (VUV)\u00bb und dem Vollzug anderer Gesetzgebungen weiterentwickeln.<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a><\/p>\n<p>Im Laufe der Zeit wurden zus\u00e4tzliche Strukturen und Instrumente geschaffen, um diesen Austausch weiter zu st\u00e4rken. W\u00e4hrend der Covid-19-Pandemie sah Artikel\u00a026 der \u00abCovid-19-Verordnung besondere Lage\u00bb beispielsweise vor, dass der Vollzug von Pr\u00e4ventionsmassnahmen den Vollzugsbeh\u00f6rden des ArG und \u2013 was neu war \u2013 des UVG obliegt. Die beiden Vollzugsorgane standen damals in einem sehr regelm\u00e4ssigen Austausch. Sie arbeiten auch zusammen, wenn sich die Themenbereiche der Verh\u00fctung von Berufsunf\u00e4llen und Berufskrankheiten und des Gesundheitsschutzes am Arbeitsplatz \u00fcberschneiden. Wenn ein Landschaftsg\u00e4rtner bei seiner Arbeit beispielsweise starker Hitze ausgesetzt ist und einen Sonnenstich erleidet, handelt es sich um einen Berufsunfall, der unter das UVG f\u00e4llt. Doch auch Pr\u00e4ventionsmassnahmen wie die Bereitstellung von Schutzkleidung gegen Hitze sind Teil des Gesundheitsschutzes. Entsprechend erarbeiten die Vollzugsorgane gemeinsam Empfehlungen zum Schutz der Arbeitnehmenden vor Hitze.<\/p>\n<p>In seiner Botschaft vom 24.\u00a0August 2016<a href=\"#footnote_6\" id=\"footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor\">[6]<\/a> bekr\u00e4ftigte der Bundesrat seinen Willen, alle grundlegenden \u00dcbereinkommen der ILO zu ratifizieren. Die Schweizer Regierung wird daher in Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern eine m\u00f6gliche Ratifizierung dieser beiden neuen grundlegenden \u00dcbereinkommen analysieren.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Umfangreicher Schweizer Arbeitsschutz<\/h2>\n<p>Doch wie steht es um den Schutz der Sicherheit und der Gesundheit der Arbeitnehmenden in der Schweiz? Derzeit verzeichnet die Schweiz pro Jahr 0,2 Todesf\u00e4lle und etwas mehr als 2 nicht t\u00f6dliche Unf\u00e4lle pro 100\u2019000 Arbeitnehmende.<a href=\"#footnote_7\" id=\"footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor\">[7]<\/a> Im internationalen Vergleich sind das niedrige Werte. Die Gesetzgebung<a href=\"#footnote_8\" id=\"footnote-anchor_8\" class=\"inline-footnote__anchor\">[8]<\/a> und die Praxis in der Schweiz gew\u00e4hrleisten also ein hohes Niveau an Arbeitnehmerschutz. Doch der folgenschwere Einsturz des Ger\u00fcsts nahe Lausanne im vergangenen Sommer erinnert daran, dass weitere Anstrengungen notwendig sind. Eine wichtige Rolle spielen dabei auch die Zusammenarbeit zwischen Arbeitnehmenden und Arbeitgebern in den Unternehmen, der Dialog der Sozialpartner in der Ekas, die Arbeitsinspektion, welche \u00fcber die Anwendung des Arbeitsgesetzes wacht, sowie die Arbeitsmedizin, die insbesondere die Unternehmen ber\u00e4t.<\/p>\n<p>Die Schweiz ist trotz der ausstehenden Ratifizierung der beiden neuen ILO-\u00dcbereinkommen verpflichtet, einen Bericht vorzulegen \u00fcber die von ihr getroffenen Massnahmen zur Einhaltung der grundlegenden Prinzipien und die Fortschritte und Schwierigkeiten in diesem Bereich. Zu den erzielten Fortschritten geh\u00f6rt beispielsweise das aktualisierte Modellkapitel \u00fcber Handel und nachhaltige Entwicklung, das die Schweiz seit 2010 allen Verhandlungspartnern bei Freihandelsabkommen vorschl\u00e4gt. Dieses Kapitel, das auf die grundlegenden Prinzipien und Rechte am Arbeitsplatz verweist, umfasst neu auch das Recht auf ein sicheres und gesundes Arbeitsumfeld.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Siehe ILO (2023). <a href=\"https:\/\/www.ilo.org\/publications\/call-safer-and-healthier-working-environments\">A Call for Safer and Healthier Working Environments.<\/a>&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">F\u00fcr weitere Informationen zur ILO siehe den Schwerpunkt in \u00abDie Volkswirtschaft\u00bb: <a href=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/schwerpunkte\/die-internationale-arbeitsorganisation-betrifft-uns\/\">100 Jahre Dialog: Die Internationale Arbeitsorganisation<\/a>.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\"><a href=\"https:\/\/www.fedlex.admin.ch\/eli\/fga\/1983\/1_25_25_25\/de\">BBl 1983 I 25<\/a>.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">BBl 2008 5569.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\">Siehe Art. 53 Bst. e VUV.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_6\" class=\"footnote--item\">BBl 2016 7013.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_7\" class=\"footnote--item\">Siehe <a href=\"https:\/\/ilostat.ilo.org\/data\/\">Occupational Safety and Health Statistics (OSH) Database, ILOSTAT<\/a>&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_8\" class=\"footnote--item\">In der Schweiz namentlich das Bundesgesetz vom 20. M\u00e4rz 1981 \u00fcber die Unfallversicherung (UVG) und die Verordnung vom 19. Dezember 1983 \u00fcber die Verh\u00fctung von Unf\u00e4llen und Berufskrankheiten (VUV); das Bundesgesetz vom 13. M\u00e4rz 1964 \u00fcber die Arbeit (ArG) und die dazugeh\u00f6rigen Verordnungen (Verordnung 1 vom 10. Mai 2000 (ArGV 1), Verordnung 2 vom 10. Mai 2000 (ArGV 2), Verordnung 3 vom 18. August 1993 (ArGV 3), Verordnung 4 vom 18. August 1993 (ArGV 4) und Verordnung 5 vom 28. September 2007 (ArGV 5) zum Arbeitsgesetz); sowie das Obligationenrecht vom 30. M\u00e4rz 1911 (OR).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_8\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gem\u00e4ss den j\u00fcngsten Sch\u00e4tzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) erlitten 2019 weltweit mehr als 395\u00a0Millionen Arbeitnehmende einen nicht t\u00f6dlichen Arbeitsunfall. 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