{"id":200104,"date":"2024-07-09T07:00:07","date_gmt":"2024-07-09T05:00:07","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=200104"},"modified":"2025-03-21T14:52:17","modified_gmt":"2025-03-21T13:52:17","slug":"schulische-inklusion-ja-oder-nein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2024\/07\/schulische-inklusion-ja-oder-nein\/","title":{"rendered":"Schulische Inklusion: Ja oder nein?"},"content":{"rendered":"<div class=\"content-copy-questions\">Frau Eugster, wie kommt es, dass Sie sich als \u00d6konomin mit schulischer Inklusion besch\u00e4ftigen \u2013 also der Absicht, allen Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern eine gleichberechtigte Teilnahme in der Schule zu erm\u00f6glichen?<\/div>\n<p>Sozialwissenschaftliche Fragen interessieren mich, insbesondere im Bereich der Bildungs-, der Arbeits- und der Gesundheits\u00f6konomie. Die schulische Inklusion befindet sich genau an der Schnittstelle dieser drei Bereiche.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Weshalb ist Inklusion zu einem der wichtigsten Themen in der Bildungspolitik geworden?<\/div>\n<p>Bildung betrifft jeden und jede. Wir alle haben fr\u00fcher die Schulbank gedr\u00fcckt, und viele haben heute Kinder im Schulalter. Zudem profitieren wir in vielerlei Hinsicht davon, wenn die Bev\u00f6lkerung als gut ausgebildete Fachkr\u00e4fte in den Arbeitsmarkt kommt. Wir sind uns also einig: Eine gute Bildung ist wichtig.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Allerdings gehen die Meinungen dar\u00fcber, wie eine gute Bildung aussehen sollte, sehr stark auseinander.<\/div>\n<p>Richtig. Seit dem sogenannten Salamanca Statement der Unesco im Jahr 1994 bem\u00fchen sich viele Staaten um die Einf\u00fchrung eines inklusiveren Schulsystems. Diese Reformen haben zu vielen Reaktionen seitens der Eltern und der Lehrer gef\u00fchrt, welche auch immer wieder von der Presse aufgenommen werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span class=\"content-quotes\">Die Schweiz ist kein Musterknabe, was schulische Inklusion angeht.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Wie ist die Situation in der Schweiz?<\/div>\n<p>Die Schweiz ist kein Musterknabe, was schulische Inklusion angeht. Kinder mit st\u00e4rkeren Beeintr\u00e4chtigungen wie etwa geistigen oder k\u00f6rperlichen Behinderungen werden immer noch h\u00e4ufig separiert unterrichtet. Innerhalb der regul\u00e4ren Klassen hat rund ein Viertel aller Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler sogenannte Special Needs \u2013 also besondere Bildungsbed\u00fcrfnisse. Davon haben 18 Prozent eine Lernschw\u00e4che, und rund 6 Prozent weisen Verhaltensauff\u00e4lligkeiten auf. Auch leichte Einschr\u00e4nkungen wie logop\u00e4dische Probleme oder Lernschwierigkeiten werden hier mitgez\u00e4hlt.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Sie haben untersucht, ob es negative externe Effekte gibt, wenn der Unterricht von Sch\u00fclern mit besonderen Bed\u00fcrfnissen in regul\u00e4ren Klassenzimmern stattfindet. Zu welchem Schluss kommen Sie?<\/div>\n<p>Ja, wir haben dies im Kanton St. Gallen in Oberstufenklassen untersucht. Unsere Resultate zeigen, dass es tats\u00e4chlich negative Peer-Effekte gibt. Allerdings: Diese treten erst ein, wenn mehr als 15 bis 20 Prozent der Kinder mit Special Needs in einer Klasse sind. Und: Am st\u00e4rksten negativ betroffen sind diejenigen Kinder, welche selbst am unteren Ende des Leistungsspektrums sind. Die Leistungstr\u00e4ger in den Klassen sind davon kaum negativ betroffen.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Sie haben gesagt, in regul\u00e4ren Klassen habe rund ein Viertel der Sch\u00fcler Special Needs, also deutlich mehr als der Schwellenwert von 15 bis 20 Prozent. Was empfehlen Sie der Politik?<\/div>\n<p>Kinder sollten auf keinen Fall segregiert werden. Denn dies w\u00fcrde zu Klassen f\u00fchren, wo haupts\u00e4chlich Kinder mit Special Needs und schwachen Schulleistungen unter sich sind. Genau das Szenario also, welches zu starken negativen Peer-Effekten f\u00fchrt.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Erh\u00f6ht schulische Inklusion auch die Arbeitsmarktchancen?<\/div>\n<p>Erste Ergebnisse zeigen, dass schulische Inklusion dazu f\u00fchrt, dass mehr Betroffene einen Platz im ersten \u2013 also regul\u00e4ren \u2013 Arbeitsmarkt finden. Aber es braucht noch mehr empirische Evidenz, um diese Frage abschliessend zu beantworten.<\/p>\n<p><em>Interview: \u00abDie Volkswirtschaft\u00bb<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frau Eugster, wie kommt es, dass Sie sich als \u00d6konomin mit schulischer Inklusion besch\u00e4ftigen \u2013 also der Absicht, allen Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern eine gleichberechtigte Teilnahme in der Schule zu erm\u00f6glichen? Sozialwissenschaftliche Fragen interessieren mich, insbesondere im Bereich der Bildungs-, der Arbeits- und der Gesundheits\u00f6konomie. 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