{"id":200193,"date":"2024-07-16T06:45:09","date_gmt":"2024-07-16T04:45:09","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=200193"},"modified":"2024-07-16T14:31:30","modified_gmt":"2024-07-16T12:31:30","slug":"was-uns-verbindet-deutsch-schweizerische-mobilitaet-und-migration","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2024\/07\/was-uns-verbindet-deutsch-schweizerische-mobilitaet-und-migration\/","title":{"rendered":"Was uns verbindet \u2013 deutsch-schweizerische Mobilit\u00e4t und Migration"},"content":{"rendered":"<p>Das Bild der deutsch-schweizerischen Nachbarschaft wird meist von beachtlichen Wirtschaftszahlen, prominenten Politikertreffen, grenz\u00fcberschreitenden Verkehrsverbindungen oder sportlich-kulturellem Wettbewerb \u2013 vom Eurovision Song Contest bis zur Fussball-Europameisterschaft \u2013 gezeichnet.<\/p>\n<p>Das st\u00e4rkste Band, das uns zusammenh\u00e4lt, bleiben aber unsere B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger. Einerlei ob Ski- oder Strandurlauber, Spitzenforscherinnen oder Handelsreisende: Verst\u00e4ndnis f\u00fcr und Engagement im jeweiligen Nachbarland entstehen aus eigenem Erleben und Erfahrungen auf beiden Seiten des Rheins.<\/p>\n<p>In jeder offiziellen Delegation aus Berlin und in jeder Besuchergruppe aus den Bundesl\u00e4ndern, die ich in der deutschen Botschaft begr\u00fcsse, reisen pers\u00f6nliche Erfahrungen und fr\u00fchere Eindr\u00fccke aus der Schweiz mit. Auch umgekehrt treffe ich in den Kantonen und in Bundesbern unz\u00e4hlige Gespr\u00e4chspartner, die sich in deutschen Belangen aus eigener Erfahrung bestens auskennen. Das hilft der bilateralen Verst\u00e4ndigung ungemein, weit \u00fcber unsere gemeinsame Sprache hinaus.<\/p>\n<p>Mobilit\u00e4t und Migration pr\u00e4gen unsere bilateralen Beziehungen. Nirgendwo ist dies augenf\u00e4lliger als in der weltweit gr\u00f6ssten Passstelle f\u00fcr Auslandsdeutsche \u2013 an der deutschen Botschaft in Bern. Rund 326\u2019000 deutsche Staatsangeh\u00f6rige leben als zweitgr\u00f6sste ausl\u00e4ndische Bev\u00f6lkerungsgruppe \u2013 nach den italienischen Staatsangeh\u00f6rigen \u2013 dauerhaft in der Schweiz. Viele von ihnen erwerben mit der Zeit auch die Schweizer Nationalit\u00e4t. Seit Jahren ist die Eidgenossenschaft vor \u00d6sterreich und Spanien das weitaus beliebteste Auswandererziel der Deutschen. Umgekehrt ist Deutschland f\u00fcr rund 100\u2019000 Schweizer zur Wahlheimat geworden.<\/p>\n<p>Ob f\u00fcr immer oder nicht \u2013 die beruflichen, freundschaftlichen oder gar famili\u00e4ren Bande \u00fcber unsere Grenze wachsen. Das gilt auch f\u00fcr mich und meine fr\u00fchen Studienjahre am Genfersee, meine Heirat in eine Schweizer Familie mit regelm\u00e4ssigen Besuchen im Wallis und in Genf und zuletzt die diplomatische Berufung an die Aare.<\/p>\n<p><span class=\"content-quotes\">Der zwischenmenschliche Austausch zwischen unseren beiden L\u00e4ndern ist mehr als eine statistische Z\u00e4hlgr\u00f6sse.<\/span><br \/>\nDie deutsch-schweizerische Mobilit\u00e4t leistet beachtliche Beitr\u00e4ge zu Wohlstand und Innovation. Im Jahr 2023 waren 66\u2019000 deutsche Grenzg\u00e4nger in Schweizer Unternehmen und Einrichtungen t\u00e4tig. Die grosse Zahl der Zuwandernden und Grenzg\u00e4ngerinnen aus Deutschland macht inzwischen, dank der Freiz\u00fcgigkeit mit der Europ\u00e4ischen Union (EU) und der Schengen-Assoziierung, mehr als 5 Prozent der Erwerbst\u00e4tigen in der Schweiz aus. Zudem erbrachten im Jahr 2023 rund 39\u2019000 Personen aus Deutschland grenz\u00fcberschreitende Bau-, Industrie- und Informatikdienstleistungen, dies sind 46 Prozent aller entsandten Arbeitnehmenden in der Schweiz.<\/p>\n<p>Mit rund 3,6 Millionen Logiern\u00e4chten pro Jahr sind die Deutschen mit einem Anteil von 9,4 Prozent mit Abstand die gr\u00f6sste Touristengruppe in der Schweiz. Umgekehrt stellen die Schweizer mit 7,1 Prozent seit Langem die zweitst\u00e4rkste Besuchergruppe in Deutschland. Die Schweizer Hochschulen z\u00e4hlen als gr\u00f6sste Ausl\u00e4ndergruppe rund 12\u2019000 deutsche Studierende. Rund 9600 Wissenschaftler und fast 1300 Professorinnen aus Deutschland tragen dort zu exzellenter Lehre und Forschung bei. Umgekehrt sind es rund 1100 Wissenschaftler und 330 Professorinnen aus der Schweiz in Deutschland. Das macht sich auch bei der Forschungszusammenarbeit bemerkbar: Im letzten EU-Forschungsprogramm Horizon 2020 entfielen 42 Prozent aller bilateralen Forschungsprojekte der Schweiz auf deutsche Partner. Nach Erhebungen der Denkfabrik Avenir Suisse tragen deutsche Staatsangeh\u00f6rige auch erheblich zum Innovationsplatz Schweiz bei, mit einem Anteil von 11 Prozent der Start-up-Gr\u00fcnder, 17 Prozent der hiesigen Neupatente und 19 Prozent aller forschungsbezogenen Professuren.<\/p>\n<p>Aber der zwischenmenschliche Austausch zwischen unseren beiden L\u00e4ndern ist viel mehr als eine statistische Z\u00e4hlgr\u00f6sse oder eine Kategorie der Wirtschafts- und Migrationsberichte. Er ist die eigentliche Essenz unserer politischen, wirtschaftlichen, wissenschaftlichen, kulturellen und grenzregionalen Zusammenarbeit auf allen Ebenen.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr braucht es weiterhin stabile Rahmenbedingungen. Dies gilt vor allem f\u00fcr das Freiz\u00fcgigkeitsabkommen der Schweiz mit der EU und ihre Assoziierung am Schengen- und am europ\u00e4ischen Forschungsraum. Deutschland hat ein grosses Interesse daran, dass die neuerlichen Verhandlungen zwischen Bern und Br\u00fcssel auch unsere bilaterale Mobilit\u00e4t zukunftsfest machen. Sei es beim Studenten- und Forschungsaustausch im Erasmus- und im Horizon-Programm, bei der angemessenen Aus\u00fcbung der Arbeitnehmerfreiz\u00fcgigkeit oder bei Urlaubs- und Gesch\u00e4ftsreisen ohne Grenzkontrollen. Es geht darum, den Menschen in unseren beiden L\u00e4ndern neue Perspektiven und Potenziale zu bieten, statt hinter alte Barrieren zur\u00fcckzufallen.<\/p>\n<p>Nehmen wir dabei besonders die Sch\u00fclerinnen, Studierenden und jungen Berufst\u00e4tigen in den Blick. Sorgen wir daf\u00fcr, dass sie im jeweils anderen Land so viele eigene Erfahrungen wie m\u00f6glich sammeln k\u00f6nnen. Zum Beispiel mit dualen Berufsabschl\u00fcssen, mit Interrail-Reisen vom Matterhorn bis zu den R\u00fcgener Kreidefelsen, mit unserem Verst\u00e4ndnis von Europa oder mit Pophits auf Mundart. Es sind solche sehr pers\u00f6nlichen Eindr\u00fccke, auf welche die n\u00e4chste Generation der deutsch-schweizerischen Beziehungen aufbauen wird.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Bild der deutsch-schweizerischen Nachbarschaft wird meist von beachtlichen Wirtschaftszahlen, prominenten Politikertreffen, grenz\u00fcberschreitenden Verkehrsverbindungen oder sportlich-kulturellem Wettbewerb \u2013 vom Eurovision Song Contest bis zur Fussball-Europameisterschaft \u2013 gezeichnet. Das st\u00e4rkste Band, das uns zusammenh\u00e4lt, bleiben aber unsere B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger. 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