{"id":200694,"date":"2024-09-13T07:00:14","date_gmt":"2024-09-13T05:00:14","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=200694"},"modified":"2024-09-13T09:00:47","modified_gmt":"2024-09-13T07:00:47","slug":"subventionen-mangelnde-kontrolle-gefaehrdet-die-wirtschaftlichkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2024\/09\/subventionen-mangelnde-kontrolle-gefaehrdet-die-wirtschaftlichkeit\/","title":{"rendered":"Subventionen: Mangelnde Kontrolle gef\u00e4hrdet die Wirtschaftlichkeit"},"content":{"rendered":"<p>Seien es Leistungen an die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV), Direktzahlungen an Landwirte oder Einlagen in den Bahninfrastrukturfonds: Der Bund finanziert mit. Im Jahr 2023 sprach er <a href=\"https:\/\/www.data.finance.admin.ch\/superset\/dashboard\/subventionen\/\">Subventionen<\/a> im Umfang von \u00fcber 47,6 Milliarden Schweizer Franken \u2013 das sind knapp 60 Prozent aller Bundesausgaben. \u00dcber drei Viertel der Subventionen flossen in die soziale Wohlfahrt, die Bildung und Forschung sowie in den Verkehr (siehe Abbildung 1).<\/p>\n<p>Besonders hoch waren die Ausgaben in den Jahren 2020 und 2021, die von der Covid-19-Pandemie gepr\u00e4gt waren (siehe Abbildung 2). Zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen subventionierte der Bund mehrheitlich Kurzarbeitszeitentsch\u00e4digungen gegen vor\u00fcbergehende Arbeitsausf\u00e4lle, H\u00e4rtefallprogramme sowie Corona-Erwerbsersatzentsch\u00e4digungen.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Die Eidgen\u00f6ssische Finanzkontrolle (EFK) pr\u00fcft diese Geldfl\u00fcsse genau. J\u00fcngst hat sie nicht zuletzt wegen der steigenden Subventionen einen Synthesebericht ver\u00f6ffentlicht.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> Er basiert auf 36 vergangenen Subventionspr\u00fcfungen und 90 Empfehlungen aus den Jahren 2018 bis 2022. Auf dieser Basis fasst dieser Artikel die wichtigsten Feststellungen zusammen.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Abb. 1: Fast die H\u00e4lfte der Bundessubventionen wird f\u00fcr die soziale Wohlfahrt eingesetzt (2023)<\/h2>\n<h6 class=\"copy-small-bold\">INTERAKTIVE GRAFIK<\/h6>\n<div class='chart chart--normal' id='AEBY-PFIFFNER_9-2024_ABB_1_de'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#AEBY-PFIFFNER_9-2024_ABB_1_de').highcharts({ \n\n   chart: {\n        plotBackgroundColor: null,\n        plotBorderWidth: null,\n        plotShadow: false,\n        type: 'pie'\n    },\n    title: {\n        text: ''\n    },\n    tooltip: {\n        pointFormat: '{series.name}: <b>{point.percentage:.1f}%<\/b> <br>Total: <b>{point.total} Mrd. 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Das Subventionsgesetz (SuG) verlangt, dass die Unterst\u00fctzung durch Subventionen notwendig ist. Zudem sollen Steuergelder hierf\u00fcr wirtschaftlich eingesetzt werden, und durch Subventionen muss ein Nutzen f\u00fcr die Gesellschaft entstehen.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> Es ist deshalb wichtig, klar zu definieren, was mit Subventionen erreicht werden soll. F\u00f6rderprogramme f\u00fcr energetische Geb\u00e4udesanierungen zielen beispielsweise darauf ab, die Energieeffizienz zu erh\u00f6hen und den CO<sub>2<\/sub>-Ausstoss zu reduzieren. Solche konkreten Ziele tragen zur Transparenz bei und sind wichtig f\u00fcr die Planung, die Steuerung und die Kontrolle der Subventionen.<\/p>\n<p>Oftmals zeigten EFK-Pr\u00fcfungen, dass die Ziele nicht klar bestimmt oder die gef\u00f6rderten Aktivit\u00e4ten ungeeignet waren, um sie zu erreichen. Auch fehlten passende Kennzahlen, um die Zielerreichung zu messen. Bei den finanziellen Beitr\u00e4gen an gemeinn\u00fctze Schweizerschulen im Ausland war es zum Beispiel unklar, was unter der Zielsetzung \u00abVermittlung schweizerischer Kultur\u00bb konkret verstanden wurde. Besonders h\u00e4ufig fehlte eine klare Zielorientierung bei Projekten, an denen mehrere Bundes\u00e4mter und Kantone beteiligt waren. Hier gelang es nicht immer, die unterschiedlichen Interessen der Beteiligten und verschiedener Sektoralpolitiken aufeinander abzustimmen und sich auf eindeutige Ziele zu einigen. Zielkonflikte waren die Folge.<\/p>\n<p>Bei Finanzhilfen m\u00fcssen Subventions\u00e4mter sicherstellen, dass Empfangende eine zumutbare Eigenleistung erbringen und anderweitige Finanzierungsm\u00f6glichkeiten aussch\u00f6pfen. Daf\u00fcr muss ihre Finanzkraft gepr\u00fcft und der effektive F\u00f6rdersatz an die wirtschaftliche Leistungsf\u00e4higkeit angepasst werden. Das tun die Subventions\u00e4mter zu wenig systematisch. Sie neigen zu einheitlichen F\u00f6rders\u00e4tzen, um dem Grundsatz der Gleichbehandlung gerecht zu werden. Das f\u00fchrt aber dazu, dass finanzstarke Unternehmen und Privatpersonen mehr finanzielle Unterst\u00fctzung bekommen, als sie ben\u00f6tigen. Im Landwirtschaftsbereich subventioniert der Bund beispielsweise die einheimische Tierzucht und die Vermarktung schweizerischer Landwirtschaftsprodukte. Davon profitieren auch Verb\u00e4nde mit viel Eigenkapital, das die Ausgaben mehrerer Jahre \u00fcbersteigt.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Abb. 2: Die Bundessubventionen haben w\u00e4hrend der Covid-19-Pandemie sprunghaft zugenommen (2013\u20132023)<\/h2>\n<h6 class=\"copy-small-bold\">INTERAKTIVE GRAFIK<\/h6>\n<div class='chart chart--normal' id='AEBY-PFIFFNER_9-2024_ABB_2_de'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#AEBY-PFIFFNER_9-2024_ABB_2_de').highcharts({ \n\n   chart: {\n        type: 'line'\n    },\n    title: {\n        text: ''\n    },\n    subtitle: {\n        text: ''\n    },\n    xAxis: {\n    \n    title: {\n                text: ''\n            },\n        categories: [\n        \n       \n'\t2013\t'\t,\n'\t2014\t'\t,\n'\t2015\t'\t,\n'\t2016\t'\t,\n'\t2017\t'\t,\n'\t2018\t'\t,\n'\t2019\t'\t,\n'\t2020\t'\t,\n'\t2021\t'\t,\n'\t2022\t'\t,\n'\t2023\t'\t\t\n\n\n],\n\n\n    },\n    yAxis: {\n        title: {\n            text: 'Bundessubventionen in Mrd. 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Den Subventions\u00e4mtern fehlt oftmals ein genaues Verst\u00e4ndnis davon, welches Eigeninteresse potenzielle Subventionsempfangende mitbringen und welche Anreize durch die Subvention geschaffen werden. Bei der Gesamterneuerung des Flugplatzes Gstaad Saanen hat der Bund beispielsweise f\u00fcnf Hangars mitfinanziert, die \u00fcber einen rein funktionalen Baustandard hinausgingen und f\u00fcr verschiedene Anl\u00e4sse genutzt werden konnten. Gleichzeitig hat sich eine private Fluggesellschaft mit einer Spende an der Erneuerung beteiligt. Zusammen wies dies auf ein hohes Eigeninteresse der Nutzenden der Hangars hin \u2013 ein Mitnahmeeffekt liegt nahe.<\/p>\n<p>Mitnahmeeffekte sind besonders wahrscheinlich, wenn die finanzielle Unterst\u00fctzung des Bundes nur einen geringen Anteil der Gesamtkosten ausmacht. Sie liegen auch vor, wenn der Durchf\u00fchrungsentscheid von Projekten vor dem F\u00f6rderentscheid gef\u00e4llt wurde. Die Verteilung von Subventionen nach dem Giesskannenprinzip verst\u00e4rkt das Problem zus\u00e4tzlich.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Mangelnde Transparenz erschwert die Aufsicht<\/h2>\n<p>Subventions\u00e4mter m\u00fcssen daher erstens Anreize setzen, damit die Empfangenden die F\u00f6rdermittel zweckm\u00e4ssig und wirtschaftlich einsetzen. Diese d\u00fcrfen n\u00e4mlich nur berechtigte und effektiv erbrachte Leistungen abrechnen. Der Nachweis \u00fcber die Betriebskostenrechnung liegt bei den Empfangenden. Zweitens m\u00fcssen die Subventions\u00e4mter sicherstellen, dass allf\u00e4llige Kosten einer ineffizienten Betriebsf\u00fchrung von den Empfangenden selbst getragen werden. Gleichzeitig darf der Mechanismus, mit dem die Subventions\u00e4mter die finanzielle Unterst\u00fctzung bereitstellen und kontrollieren, nicht zu kompliziert sein. In der Praxis waren nicht immer alle Anforderungen erf\u00fcllt.<\/p>\n<p>Die unklare Unterscheidung zwischen subventionierten und nicht subventionierten Leistungen gef\u00e4hrdete den wirtschaftlichen Einsatz von Subventionen. Ungenaue Leistungsvereinbarungen f\u00fchrten dazu, dass Subventionen in ungeeignete Aktivit\u00e4ten flossen, und sie erschwerten die \u00dcberpr\u00fcfung der Empfangenden. Bei den Qualit\u00e4tskontrollen der Schweizer Milch wurden beispielsweise nicht nur Kosten f\u00fcr die notwendigen Kontrollen gem\u00e4ss Milchpr\u00fcfungsverordnung abgerechnet, sondern auch weiterf\u00fchrende Tests und administrative Aufw\u00e4nde. In diesem wie in anderen F\u00e4llen war die Kostenrechnung zu wenig transparent, um einen zweckm\u00e4ssigen Einsatz von Subventionen nachzuweisen. Tendenziell wurden dadurch zu viele Leistungen \u00fcber den Bund abgerechnet. In diesem Zusammenhang besteht bei Subventions\u00e4mtern eine gewisse Zur\u00fcckhaltung, Subventionen f\u00fcr nicht nachgewiesene oder nicht erbrachte Leistungen zur\u00fcckzufordern.<\/p>\n<p>Zudem f\u00fchrte der hohe Detaillierungsgrad der Finanzierungssysteme zu einem \u00fcberm\u00e4ssigen Verwaltungsaufwand. Starre Finanzierungssysteme k\u00f6nnen bei Anschub- oder Aufbausubventionen \u2013 wie etwa jenen f\u00fcr Nichtregierungsorganisationen, die bei Naturkatastrophen helfen oder in Risikol\u00e4ndern t\u00e4tig sind \u2013 die Motivation der Empfangenden zur Erbringung einer Leistung reduzieren und Innovation blockieren.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Ans\u00e4tze zur Verbesserung<\/h2>\n<p>Subventions\u00e4mter ben\u00f6tigen zus\u00e4tzliche Unterst\u00fctzung, um Subventionen zielorientiert auszugestalten und zu \u00fcberpr\u00fcfen. Die EFK hat deshalb der Eidgen\u00f6ssischen Finanzverwaltung (EFV) empfohlen, die Subventions\u00e4mter entsprechend anzuleiten und die \u00dcberpr\u00fcfung der Bundessubventionen zu verbessern. Die EFV kann etwa mit dem <a href=\"https:\/\/www.efv.admin.ch\/efv\/de\/home\/themen\/finanzpolitik_grundlagen\/subv_subvueberpruef.html\">Leitfaden zur Subventionsberichterstattung<\/a> daf\u00fcr sorgen, dass die Subventions\u00e4mter in allen Botschaften zu Gesetzesrevisionen mehr Wert darauf legen, Mitnahmeeffekte zu vermeiden und Eigenleistungen konsequenter einzufordern. Auch bei den periodischen Subventionspr\u00fcfungen sollte die EFV die Subventions\u00e4mter k\u00fcnftig noch besser darauf aufmerksam machen. Als Querschnittsamt verf\u00fcgt die EFV \u00fcber das notwendige Fachwissen sowie eine unabh\u00e4ngige Sicht auf die Ausgestaltung von Subventionen. Sie muss deshalb eine aktive Rolle bei der Einf\u00fchrung und der \u00dcberpr\u00fcfung von Subventionen spielen.<\/p>\n<p>Die EFK beschr\u00e4nkte sich bei ihrer Analyse auf technische Verbesserungen bei der Ausgestaltung von Subventionsbestimmungen. Selbstverst\u00e4ndlich h\u00e4ngt die Motivation zur Verbesserung der Subventionsgew\u00e4hrung auch vom politischen Willen des Parlaments ab, das Wachstum bei den Bundessubventionen einzud\u00e4mmen. Ein solcher Wille ist nicht immer klar ersichtlich.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Siehe <a href=\"https:\/\/covid19.easygov.swiss\/massnahmen-bund\/\">Massnahmen des Bundes<\/a> f\u00fcr die Wirtschaft im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Siehe EFK (2024). <a href=\"https:\/\/www.efk.admin.ch\/prufung\/subventionen-synthesebericht-vergangener-pruefungen\/\">Subventionen: Synthesebericht vergangener Pr\u00fcfungen<\/a>.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Siehe Bundesgesetz \u00fcber Finanzhilfen und Abgeltungen vom 5. Oktober 1990, SR 616.1.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seien es Leistungen an die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV), Direktzahlungen an Landwirte oder Einlagen in den Bahninfrastrukturfonds: Der Bund finanziert mit. 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