{"id":204394,"date":"2024-12-10T07:00:49","date_gmt":"2024-12-10T06:00:49","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=204394"},"modified":"2024-12-10T08:59:45","modified_gmt":"2024-12-10T07:59:45","slug":"die-agrarpolitik-2030-ist-ganzheitlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2024\/12\/die-agrarpolitik-2030-ist-ganzheitlich\/","title":{"rendered":"Die Agrarpolitik 2030+ ist ganzheitlich"},"content":{"rendered":"<p>Im Jahr 2022 hat der Bundesrat in einem <a href=\"https:\/\/www.parlament.ch\/centers\/eparl\/curia\/2020\/20203931\/Bericht%20BR%20D.pdf\">Bericht<\/a> aufgezeigt, in welche Richtung sich die Land- und Ern\u00e4hrungswirtschaft bis 2050 weiterentwickeln soll. Seine Vision ist, die Ern\u00e4hrungssicherheit durch nachhaltige Ans\u00e4tze von der Produktion bis zum Konsum zu st\u00e4rken. Gem\u00e4ss dem <a href=\"https:\/\/www.admin.ch\/gov\/de\/start\/dokumentation\/medienmitteilungen.msg-id-89439.html\">Zukunftsbild 2050<\/a> soll der Netto-Selbstversorgungsgrad<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> trotz wachsender Bev\u00f6lkerung wieder auf \u00fcber 50 Prozent steigen. Des Weiteren soll die Arbeitsproduktivit\u00e4t gegen\u00fcber 2020 um 50 Prozent erh\u00f6ht und gleichzeitig die Treibhausgasemissionen der Produktion gegen\u00fcber 1990 um 40 Prozent und jene des Lebensmittelkonsums gegen\u00fcber 2020 um zwei Drittel reduziert werden (siehe Abbildung).<\/p>\n<p>Im Mittelpunkt soll ein ganzheitlicher Ern\u00e4hrungssystemansatz stehen, der alle Beteiligten entlang der Wertsch\u00f6pfungskette umfasst: von den Landwirten \u00fcber die Verarbeitung und den Detailhandel bis hin zu den Konsumentinnen. Zudem soll die Selbstverantwortung der privaten Akteure gest\u00e4rkt werden.<\/p>\n<p>Das Parlament unterst\u00fctzt diese Pl\u00e4ne und hat den Bundesrat beauftragt, eine Vorlage zur Weiterentwicklung der Agrarpolitik ab 2030 (AP30+) auszuarbeiten. Das Augenmerk soll auf vier zentralen Aspekten liegen: erstens die Ern\u00e4hrungssicherheit durch eine diversifizierte, inl\u00e4ndische Nahrungsmittelproduktion mindestens auf aktuellem Niveau der Selbstversorgung gew\u00e4hrleisten. Zweitens den \u00f6kologischen Fussabdruck von der landwirtschaftlichen Produktion bis zum Konsum von Lebensmitteln reduzieren \u2013 dabei sind die Importe mitzuber\u00fccksichtigen. Drittens die wirtschaftlichen und sozialen Perspektiven f\u00fcr die Land- und Ern\u00e4hrungswirtschaft verbessern. Und viertens das agrarpolitische Instrumentarium, insbesondere die Direktzahlungen, vereinfachen und den administrativen Aufwand reduzieren. Nachfolgend wird f\u00fcr jeden der vier Aspekte aufgezeigt, welche Ans\u00e4tze bei der Erarbeitung der AP30+ vertieft werden und wie sich die agrarpolitischen Instrumente weiterentwickeln k\u00f6nnten.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Die Arbeitsproduktivit\u00e4t soll bis 2050 steigen, die Treibhausgasemissionen der Produktion sinken<\/h2>\n<h6 class=\"copy-small-bold\">INTERAKTIVE GRAFIK<\/h6>\n<div class=\"legacy_chart_custom\"><div class=\"chart chart--normal\" id=\"LANZ-12-2024_DE\"><\/div>\n<script>\n\n\n$(function () {\n    $('#LANZ-12-2024_DE').highcharts({     \n\nchart: {\n        type: 'line'\n    },\n    title: {\n        text: ''\n    },\n    subtitle: {\n        text: ''\n    },\n    xAxis: {\n        title: {\n            text: ''\n        },\n        categories: [\n            2000, 2001, 2002, 2003, 2004, 2005, 2006, 2007, 2008, 2009, 2010, 2011, 2012, 2013, 2014, 2015, 2016, 2017, 2018, 2019, 2020, 2021, 2022, 2023,\n            2024, 2025, 2026, 2027, 2028, 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der Zeitraum 2024 bis 2050 das mit dem Zukunftsbild 2050 angestrebte Ziel.<\/div>\n<div class=\"diagram-legend\">Quellen: Schweizer Bauernverband (SBV) \/ Agroscope \/ Bundesamt f\u00fcr Statistik (BFS) \/ Die Volkswirtschaft<\/div>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Ern\u00e4hrungssicherheit sicherstellen<\/h2>\n<p>Der erste Aspekt beinhaltet, die Ern\u00e4hrungssicherheit weiter zu st\u00e4rken. Ein Ansatz hierf\u00fcr ist, die Ressourceneffizienz zu verbessern und standortangepasst zu produzieren. Zum Beispiel indem Milch prim\u00e4r mit der lokal gut verf\u00fcgbaren Ressource Gras und mit m\u00f6glichst geringem Einsatz von importiertem Kraftfutter produziert wird. Dazu werden \u00abBest Practices\u00bb im Pflanzenbau und in der Tierhaltung ermittelt, die es erlauben, die Produktivit\u00e4t zu steigern und gleichzeitig externe Inputs wie D\u00fcnger oder Pflanzenschutzmittel zu reduzieren. Optimierungen in den Bereichen Zucht, Innovation und Technologieeinsatz spielen hierbei eine zentrale Rolle. Zum Beispiel k\u00f6nnen J\u00e4troboter daf\u00fcr sorgen, dass deutlich weniger Herbizide eingesetzt werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Ausserdem soll die pflanzenbauliche Produktion vermehrt auf Kulturen wie Getreide, Sonnenblumen oder Eiweisserbsen umgestellt werden, die direkt f\u00fcr die menschliche Ern\u00e4hrung genutzt werden k\u00f6nnen, anstatt Futtermittel herzustellen. Das verbessert die Ressourceneffizienz ebenfalls. Wichtig dabei ist, dass sich das Angebot solcher Produkte mit der Nachfrage im Markt synchron entwickelt.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">\u00d6kologischer Fussabdruck reduzieren<\/h2>\n<p>Beim zweiten Aspekt, der Reduktion des \u00f6kologischen Fussabdrucks, ist es wichtig, nicht nur die Landwirte, sondern alle Akteurinnen entlang der gesamten Wertsch\u00f6pfungskette, inklusive Konsum, mit einzubeziehen. Ein m\u00f6glicher Ansatz sind Zielvereinbarungen mit dem Detailhandel. Darin k\u00f6nnten beispielsweise Ziele zur Steigerung des Absatzes von robusten Fr\u00fcchte- und Gem\u00fcsesorten oder zur Reduktion der Treibhausgasemissionen enthalten sein. Das g\u00e4be dem Detailhandel einen Anreiz, vermehrt nachhaltigere Produkte ins Sortiment aufzunehmen, und w\u00fcrde es den Konsumenten gleichzeitig einfacher machen, nachhaltige Konsumentscheide zu treffen.<\/p>\n<p>Auch im internationalen Handel soll die \u00f6kologische Nachhaltigkeit in Zukunft eine wichtigere Rolle spielen. Dazu wird eine produktspezifische Datenbank mit \u00d6kobilanz-Indikatoren viel gehandelter Produkte entwickelt. Diese soll als Grundlage dienen, um zuk\u00fcnftige Handelsabkommen verst\u00e4rkt an Nachhaltigkeitskriterien auszurichten.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Wirtschaftliche und soziale Perspektiven verbessern<\/h2>\n<p>Der dritte Aspekt, die St\u00e4rkung der wirtschaftlichen und sozialen Dimension der Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft, ist ein zentrales Element der AP30+. Dazu werden Wertsch\u00f6pfungs- und Kostensenkungspotenziale analysiert und Ansatzpunkte gesucht, damit diese Potenziale k\u00fcnftig noch besser ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen. So wird beispielsweise gepr\u00fcft, wie bestehende agrarpolitische Instrumente im Bereich der Innovationsf\u00f6rderung optimiert und die landwirtschaftliche Bildung und Beratung gest\u00e4rkt werden k\u00f6nnten. Dies soll die Landwirte darin st\u00e4rken, die f\u00fcr sie geeignete Strategie zur Steigerung der Wertsch\u00f6pfung und zur Senkung der Kosten zu definieren.<\/p>\n<p>Zur Steigerung der Wertsch\u00f6pfung k\u00f6nnten landwirtschaftliche Betriebe ihre Produkte differenzieren, etwa durch den biologischen Landbau oder die integrierte Produktion. Auch die Diversifizierung in landwirtschaftsnahe T\u00e4tigkeiten wie die Produktion von erneuerbarer Energie k\u00f6nnte mehr Wertsch\u00f6pfung generieren. Um Kosten zu senken, k\u00f6nnten sich die Betriebe auf besonders rentable Betriebszweige spezialisieren oder die \u00fcberbetriebliche Zusammenarbeit intensivieren, was mit gr\u00f6sseren Skaleneffekten einhergeht. Zudem werden Massnahmen analysiert, um die Transparenz der Preisbildung entlang der Wertsch\u00f6pfungskette zu verbessern und die Position der Landwirtschaft gegen\u00fcber den Abnehmern zu st\u00e4rken.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Instrumentarium vereinfachen und Aufwand reduzieren<\/h2>\n<p>Die Weiterentwicklung des agrarpolitischen Regelwerks hat in der Vergangenheit zu einer h\u00f6heren Komplexit\u00e4t und zu einem stetig ansteigenden administrativen Aufwand f\u00fcr die Landwirtschaftsbetriebe gef\u00fchrt. Die AP30+ soll hier eine Trendwende bewirken: Durch mehr Selbstverantwortung sowie eine Vereinfachung des Direktzahlungssystems soll die Komplexit\u00e4t reduziert und der administrative Aufwand f\u00fcr die Betriebe sp\u00fcrbar gesenkt werden. Im Zentrum der Diskussion stehen Ans\u00e4tze wie eine st\u00e4rker indikator- bzw. ergebnisbasierte Ausgestaltung der Direktzahlungen oder die Abl\u00f6sung von Direktzahlungsprogrammen durch marktwirtschaftliche Instrumente, um den effizienten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln oder Kunstd\u00fcnger zu f\u00f6rdern. Die Digitalisierung soll zus\u00e4tzlich zur Reduktion des administrativen Aufwands beitragen und kann in Teilen bereits vor 2030 umgesetzt werden.<\/p>\n<p>Derzeit laufen die Vorbereitungsarbeiten unter Einbezug der verschiedenen Stakeholder. 2026 soll die AP30+ in die Vernehmlassung geschickt werden. Ziel ist es, dem Parlament mit der AP30+ eine ambitionierte und politisch mehrheitsf\u00e4hige Vorlage zu pr\u00e4sentieren, welche die Land- und Ern\u00e4hrungswirtschaft unterst\u00fctzt, einen substanziellen Schritt in Richtung des Zukunftsbilds 2050 zu machen.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Der Netto-Selbstversorgungsgrad berechnet sich aus den in einem Land konsumierten Lebensmitteln, die aus inl\u00e4ndischer Produktion stammen, abz\u00fcglich der Produktion, die auf importierten Futtermitteln basiert.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Jahr 2022 hat der Bundesrat in einem Bericht aufgezeigt, in welche Richtung sich die Land- und Ern\u00e4hrungswirtschaft bis 2050 weiterentwickeln soll. 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