{"id":204517,"date":"2024-12-10T07:10:39","date_gmt":"2024-12-10T06:10:39","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=204517"},"modified":"2024-12-10T08:59:56","modified_gmt":"2024-12-10T07:59:56","slug":"zehn-vorschlaege-fuer-die-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2024\/12\/zehn-vorschlaege-fuer-die-zukunft\/","title":{"rendered":"Zehn Vorschl\u00e4ge f\u00fcr die Zukunft"},"content":{"rendered":"<p>Wir \u2013 die Interessengemeinschaft Agrarstandort Schweiz \u2013 wollen, dass es auch in der Zukunft attraktiv ist, in der Schweizer Land- und Ern\u00e4hrungswirtschaft zu arbeiten. Den konstruktiven Dialog entlang der Wertsch\u00f6pfungskette und eine liberale Grundhaltung erachten wir als Voraussetzung daf\u00fcr. Unsere zehn Vorschl\u00e4ge f\u00fcr die Zukunft verstehen wir als Beitrag zu mehr Eigenverantwortung, Nachhaltigkeit und geregelten internationalen Beziehungen.<\/p>\n<ol>\n<li><strong>Landwirtschaftsbetriebe werden als KMU gef\u00fchrt.<\/strong> Denn unternehmerisches Handeln f\u00fchrt auch in der stark von der Politik gepr\u00e4gten Agrarbranche zum Erfolg. Eine Strategie der Betriebe, die von den eigenen St\u00e4rken und standortbezogenen Voraussetzungen ausgeht, gibt den Mut, sich von der staatlichen Bevormundung zu befreien. Politische Vorgaben ohne Wertsch\u00f6pfungspotenziale wie \u00abder Selbstversorgungsgrad\u00bb k\u00f6nnen so locker beiseitegelassen werden. Die KMU beschaffen ihre Vorleistungen auf freien M\u00e4rkten, und sie nutzen freiwillige Label- und Vermarktungsorganisationen, um ihre Position am Markt zu st\u00e4rken und ihre Mehrwerte den Konsumierenden n\u00e4herzubringen.<\/li>\n<li><strong>Landwirtschaftsbetriebe sind als KMU zu behandeln<\/strong>. Dies bedeutet, dass sie von der Politik, der Verwaltung, ihren Marktpartnern und von ihren Bauernverb\u00e4nden als selbstbestimmte Unternehmen respektiert werden. Die Kommunikation erfolgt auf Augenh\u00f6he. \u00a0Die Verwendung von Begriffen wie \u00abb\u00e4uerlicher Familienbetrieb\u00bb f\u00fchrte in der Vergangenheit zu vielen Missverst\u00e4ndnissen. Die KMU sollen sich frei organisieren k\u00f6nnen. Egal ob AG, GmbH, einfache Gesellschaft, Nebenerwerbsbetrieb oder Genossenschaft, Frauen oder M\u00e4nner als Unternehmende.<\/li>\n<li><strong>Nachhaltiges Verhalten als K\u00f6nigsweg vorantreiben<\/strong>. Tierwohl-, Biodiversit\u00e4ts- und Klimaleistungen st\u00e4rken auch in Zukunft die Stellung der Schweizer Landwirtschaft in der Wertsch\u00f6pfungskette, bei den Konsumierenden und als Wettbewerbsvorteil gegen\u00fcber Importprodukten. Die Erf\u00fcllung der vom Parlament beschlossenen Absenkpfade f\u00fcr N\u00e4hrstoff\u00fcbersch\u00fcsse und Pestizidrisiken ist eine wesentliche Voraussetzung daf\u00fcr, dass die Branche den R\u00fcckhalt in der Bev\u00f6lkerung beibeh\u00e4lt und ihre Produktionsgrundlagen sichert.<\/li>\n<li><strong>Anerkennung und Geld vom Markt wertsch\u00e4tzen<\/strong>. Die Politik muss bereit sein, die Kr\u00e4fte des Markts so spielen zu lassen. Der Reflex der politischen Interventionen ist zu unterdr\u00fccken, denn dieser ist l\u00e4ngerfristig selten erfolgreich. Die Anerkennung durch den Markt \u2013 gute, marktgerechte Preise, Honorierung der Qualit\u00e4t von Produkten \u2013 motiviert B\u00e4uerinnen und Bauern mehr als Geld vom Staat. Der wirtschaftliche Erfolg ist, wo immer m\u00f6glich, gemeinsam mit Verarbeitung und Handel zu suchen.<\/li>\n<li><strong>Mehr Freiheiten schaffen und Freiheiten nutzen.<\/strong> Liberale Instrumente wie Lenkungsabgaben oder Zielvereinbarungen k\u00f6nnen Detailvorschriften und komplizierte Direktzahlungsprogramme ersetzen. So geben Lenkungsabgaben auf heikle Pestizidwirkstoffe, Importd\u00fcnger etc. den Landwirten mehr wirtschaftliche Freiheiten, denn nichts wird verboten: Sie k\u00f6nnen selbst entscheiden, was und wie viel sie einsetzen. Dadurch steigt die Effizienz, und das eingenommene Geld wird an die Akteure zur\u00fcckverteilt.<\/li>\n<li><strong>Handelsbeziehungen st\u00e4rken und Grenzschutz vereinfachen.<\/strong> Die F\u00e4higkeit zum Anschluss an interessante M\u00e4rkte im Ausland muss verbessert werden, indem unter anderem Verarbeiter Exportm\u00e4rkte zusammen mit (Milch-)Produzenten entwickeln. Es braucht im Interesse der Landwirtschaft eine starke Verarbeitungsindustrie in der Schweiz, die im Binnenmarkt und im Export von K\u00e4se, Schokolade, Biskuits und Spezialit\u00e4ten punktet. Zudem ist Versorgungssicherheit nur mit guten Handelsbeziehungen zu schaffen, damit Nahrungs- und Futtermittel sowie Saat- und Pflanzgut jederzeit und auch im Krisenfall in gen\u00fcgenden Mengen importiert werden k\u00f6nnen.<\/li>\n<li><strong>Den bilateralen Weg konsequent gehen<\/strong>. Die bilateralen Vertr\u00e4ge I+II mit der EU sind auf die Bed\u00fcrfnisse der Land- und Ern\u00e4hrungswirtschaft zugeschnitten und er\u00f6ffnen M\u00f6glichkeiten insbesondere f\u00fcr den Export von K\u00e4se. Es ist daher im Interesse der Agrarbranche, sich f\u00fcr ein geregeltes Verh\u00e4ltnis zu unseren Nachbarl\u00e4ndern und damit auch f\u00fcr die Bilateralen III einzusetzen.<\/li>\n<li><strong>Bei Preisen, Margen und Angebotsgestaltung auf den Staat verzichten. <\/strong>Direktzahlungen sollen auch k\u00fcnftig Leistungen f\u00fcr Biodiversit\u00e4t oder Landschaftspflege entsch\u00e4digen. Die Preise f\u00fcr Produkte sollen jedoch auf dem Markt gebildet werden. Der im Rahmen der Agrarpolitik 2030 vom Bundesrat vorgeschlagene ganzheitliche Ern\u00e4hrungssystemansatz darf den Einflussbereich des Staats nicht vergr\u00f6ssern. L\u00f6sungen f\u00fcr eine ges\u00fcndere und \u00f6kologische Ern\u00e4hrung sollen von den Gesch\u00e4ftspartnern in der Wertsch\u00f6pfungskette gesucht werden.<\/li>\n<li><strong>Datenbasierte Indikatoren als Treiber f\u00fcr Effizienz verstehen<\/strong>. Im Jahr 2024 begannen die Arbeiten an Nachhaltigkeitsindikatoren (\u00d6konomie, \u00d6kologie, Soziales), die gemeinsam von Akteuren der Branche und der Politik getragen werden. Sie sollten schwungvoll weitergef\u00fchrt werden, denn im Hinblick auf die Agrarpolitik 2030 er\u00f6ffnen sie neue Perspektiven. Indikatoren k\u00f6nnen schrittweise komplizierte Direktzahlungsprogramme ersetzen und die Erreichung von Zielen in der Wertsch\u00f6pfungskette erleichtern.<\/li>\n<li><strong>Wertsch\u00e4tzender Dialog in der Wertsch\u00f6pfungskette st\u00e4rken. <\/strong>Frau K\u00e4serin und Herr Milchproduzent kennen sich in der Schweiz. Aus der \u00dcberzeugung, im gleichen Boot zu sitzen, k\u00f6nnen sie gemeinsame Werte noch st\u00e4rker als bisher zu ihrem Unterscheidungsmerkmal gegen\u00fcber Importprodukten machen. Der wertsch\u00e4tzende Dialog zwischen ihnen bringt nicht nur lukrative Innovationen, sondern kann durchaus auch positiven Einfluss auf eine moderne Agrarpolitik haben.<\/li>\n<\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir \u2013 die Interessengemeinschaft Agrarstandort Schweiz \u2013 wollen, dass es auch in der Zukunft attraktiv ist, in der Schweizer Land- und Ern\u00e4hrungswirtschaft zu arbeiten. Den konstruktiven Dialog entlang der Wertsch\u00f6pfungskette und eine liberale Grundhaltung erachten wir als Voraussetzung daf\u00fcr. 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