{"id":205392,"date":"2024-12-16T07:00:50","date_gmt":"2024-12-16T06:00:50","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=205392"},"modified":"2024-12-16T16:09:59","modified_gmt":"2024-12-16T15:09:59","slug":"ist-ein-hoher-anteil-an-teilzeitarbeit-ausdruck-von-reichtum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2024\/12\/ist-ein-hoher-anteil-an-teilzeitarbeit-ausdruck-von-reichtum\/","title":{"rendered":"Ist ein hoher Anteil an Teilzeitarbeit Ausdruck von Reichtum?"},"content":{"rendered":"<div class=\"content-copy-questions\">Herr Kopp, der Anteil der Teilzeitbesch\u00e4ftigten in der Schweiz stieg in den letzten 20 Jahren um 7 Prozentpunkte auf 37 Prozent. Wird dieser Trend anhalten?<\/div>\n<p>Ein Grund f\u00fcr diese Entwicklung sind die Frauen: Sie sind h\u00e4ufiger erwerbst\u00e4tig als fr\u00fcher \u2013 und das oft in Teilzeit. Da die Erwerbst\u00e4tigenquote in der Schweiz bereits hoch ist, ist allerdings fraglich, ob noch deutlich mehr Frauen in den Arbeitsmarkt kommen. Wahrscheinlicher ist, dass die Frauen in Zukunft ihre (Teilzeit-)Pensen steigern. Die Teilzeitarbeit hat aber auch bei den M\u00e4nnern zugenommen. Sie haben ihre Arbeitszeit vor allem durch vermehrte Familien- und Haushaltsarbeit ersetzt. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, d\u00fcrfte die Teilzeitquote weiter steigen.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Wie kommt es, dass die Schweiz bei der Teilzeitarbeit zu den Spitzenreitern geh\u00f6rt?<\/div>\n<p>Dies h\u00e4ngt vor allem damit zusammen, dass die Schweiz eine hohe Erwerbsquote hat \u2013 insbesondere wegen der Frauen. Viele Frauen sind erwerbst\u00e4tig, weil sie in einem Teilzeitpensum arbeiten k\u00f6nnen. In anderen L\u00e4ndern kommt es daf\u00fcr h\u00e4ufiger vor, dass Frauen gar nicht arbeiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span class=\"content-quotes\">Weltweit gibt es keinen klaren Zusammenhang zwischen Reichtum und Teilzeitarbeit.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Ist Teilzeitarbeit ein Ph\u00e4nomen von reichen L\u00e4ndern?<\/div>\n<p>Weltweit gibt es keinen klaren Zusammenhang zwischen Reichtum und Teilzeitarbeit. So haben arme L\u00e4nder wie Ghana und Ruanda hohe Teilzeitquoten, reiche L\u00e4nder wie Singapur oder die Vereinigten Arabischen Emirate hingegen tiefe. Innerhalb Europas findet man den Zusammenhang eher. Dies hat aber nicht damit zu tun, dass sich reichere L\u00e4nder Teilzeitarbeit eher leisten k\u00f6nnen. Denn eine hohe Teilzeitquote bedeutet nicht, dass insgesamt weniger gearbeitet wird. Das Arbeitsvolumen wird oft einfach auf mehr Schultern verteilt. Das zeigen die Wochenarbeitsstunden pro Person im erwerbsf\u00e4higen Alter. Diese sind wegen der steigenden Erwerbsquote in der Schweiz zwischen 2010 und 2022 leicht angestiegen \u2013 trotz gleichzeitig zunehmender Teilzeitquote.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Versch\u00e4rft der Teilzeittrend den Fachkr\u00e4ftemangel?<\/div>\n<p>Das ist unklar. Bleibt die Zahl der Erwerbst\u00e4tigen gleich, und immer mehr arbeiten Teilzeit \u2013 dann versch\u00e4rft das den Fachkr\u00e4ftemangel. Wenn dank Teilzeitarbeit aber mehr Menschen am Arbeitsmarkt teilnehmen, kann sie ihn gar lindern. In der Schweiz scheint eher Letzteres der Fall zu sein, wie die steigende Pro-Kopf-Wochenarbeitszeit der 15- bis 64-J\u00e4hrigen zeigt.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Braucht es Anreize f\u00fcr Vollzeitarbeit?<\/div>\n<p>Anreize zur Vollzeitarbeit bergen die Gefahr, dass M\u00e4nner wieder vermehrt Vollzeit arbeiten und Frauen ihr Pensum reduzieren.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">W\u00fcrde die Individualbesteuerung dazu f\u00fchren, dass Ehepaare ihre Teilzeitpensen aufstocken?<\/div>\n<p>Es ist m\u00f6glich, dass dadurch vor allem Zweitverdiener ihr Pensum erh\u00f6hen, weil das zus\u00e4tzliche Einkommen weniger stark besteuert w\u00fcrde. Das Ausmass ist allerdings unklar, da wir nicht genau wissen, wie stark Haushalte auf solche finanziellen Anreize reagieren.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Vor allem Frauen arbeiten in der Schweiz Teilzeit. Dennoch schreiben Sie in Ihrer Studie<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a>: \u00abM\u00e4nner, die eine Teilzeitstelle suchen, werden benachteiligt.\u00bb Wieso?<\/div>\n<p>M\u00e4nner, die eine Teilzeitstelle suchen, treffen bei Firmen auf st\u00e4rkere Ablehnung als Frauen. Vermutlich, weil sie den traditionellen Geschlechterrollen widersprechen.<\/p>\n<p><em>Interview: \u00abDie Volkswirtschaft\u00bb<\/em><\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Kopp, D. (2024). <a href=\"https:\/\/www.iza.org\/publications\/dp\/16845\/do-recruiters-penalize-men-who-prefer-low-hours-evidence-from-online-labor-market-data\">Do Recruiters Penalize Men Who Prefer Low Hours? Evidence from Online Labor Market Data<\/a>. IZA Working Paper 16845.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herr Kopp, der Anteil der Teilzeitbesch\u00e4ftigten in der Schweiz stieg in den letzten 20 Jahren um 7 Prozentpunkte auf 37 Prozent. Wird dieser Trend anhalten? Ein Grund f\u00fcr diese Entwicklung sind die Frauen: Sie sind h\u00e4ufiger erwerbst\u00e4tig als fr\u00fcher \u2013 und das oft in Teilzeit. 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