{"id":205589,"date":"2025-01-07T07:00:48","date_gmt":"2025-01-07T06:00:48","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=205589"},"modified":"2025-01-07T10:16:27","modified_gmt":"2025-01-07T09:16:27","slug":"immer-mehr-organisationen-in-der-schweiz-setzen-auf-jobsharing","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2025\/01\/immer-mehr-organisationen-in-der-schweiz-setzen-auf-jobsharing\/","title":{"rendered":"Immer mehr Organisationen in der Schweiz setzen auf Jobsharing"},"content":{"rendered":"<p>Um Arbeitskr\u00e4fte zu gewinnen und zu binden, sind Arbeitgeber zunehmend auf innovative Konzepte der Arbeitsgestaltung angewiesen. Ein Beispiel daf\u00fcr ist das Jobsharing: Zwei Personen teilen sich eine Stelle und die damit verbundenen Aufgaben. Dieses Modell l\u00e4sst sich auch bei F\u00fchrungspositionen anwenden, wie Portr\u00e4ts von F\u00fchrungsduos auf Unternehmenswebsites und in der Tagespresse zeigen. Das nennt man Topsharing.<\/p>\n<p>Durch das Teilen einer (F\u00fchrungs-)Position haben Arbeitskr\u00e4fte Zeit f\u00fcr andere T\u00e4tigkeiten wie etwa die Betreuung von Familienangeh\u00f6rigen, Freiwilligenarbeit oder eine andere berufliche T\u00e4tigkeit. So l\u00e4sst sich Teilzeit auch in Positionen erm\u00f6glichen, die sich nur schwer in reduzierter Arbeitszeit ausf\u00fchren lassen.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Organisationen aus drei Sprachregionen befragt<\/h2>\n<p>Jobsharing ist kein neues Konzept. Bereits vor zehn Jahren setzten Organisationen aus verschiedenen Branchen dieses Modell um, wie die Studie von Amstutz und Jochem (2014) im Auftrag vom Verein Part-Time Optimisation (PTO)<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> belegt.<\/p>\n<p>Um mehr \u00fcber die aktuelle Verbreitung und Umsetzung zu erfahren, f\u00fchrte das Institut f\u00fcr Personalmanagement und Organisation der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) eine erneute Erhebung durch. Daf\u00fcr wurde eine nach Organisationsgr\u00f6sse und Sprachregion geschichtete Zufallsstichprobe von 5000 Organisationen mit mehr als zehn Mitarbeitenden per Brief angeschrieben und zu einer Onlinebefragung eingeladen. Insgesamt nahmen 1064 Organisationen aus dem privaten, dem \u00f6ffentlichen und dem Non-Profit-Sektor teil.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Topsharing immer beliebter<\/h2>\n<p>Mehr als ein Viertel (28 Prozent) aller befragten Organisationen setzt Jobsharing um. Am h\u00e4ufigsten kommt dieses Modell in grossen Organisationen und im Non-Profit-Sektor vor. Jobsharing bei Mitarbeitenden ohne F\u00fchrungsfunktion ist h\u00e4ufiger als Topsharing. Letzteres wird am h\u00e4ufigsten in der Deutschschweiz und in grossen Organisationen angewendet. In den letzten zehn Jahren hat Jobsharing zugenommen. Gut 35 Prozent der Organisationen nutzen dieses Modell seit mehr als zehn Jahren, mehr als die H\u00e4lfte seit weniger als zehn Jahren.<\/p>\n<p>Die Anzahl der Jobsharing-Paare variiert stark. In vielen Organisationen arbeitet nur ein Paar in diesem Modell, w\u00e4hrend andere viele Duos besch\u00e4ftigen. Im Durchschnitt besch\u00e4ftigen die Organisationen vier Paare im Topsharing. \u00dcber alle Jobsharing-Paare sind Frau\/Frau-Paare weiterhin am h\u00e4ufigsten, die Mann\/Mann-Kombination am seltensten. Insgesamt zeigt sich, dass die Anzahl der Jobsharing-Paare mit und ohne F\u00fchrungsaufgaben in den letzten zehn Jahren gleich geblieben ist oder zugenommen hat (siehe Abbildung).<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Die Anzahl der Jobsharing-Paare hat in den letzten zehn Jahren zugenommen (2014-2024)<\/h2>\n<h6 class=\"copy-small-bold\">INTERAKTIVE GRAFIK<\/h6>\n<div class='chart chart--normal' id='KRONE-JANSEN-01-2025_de'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#KRONE-JANSEN-01-2025_de').highcharts({\n\n chart: {\n    type: 'bar'\n},\n\ntitle: {\n    text: ''\n},\n\nxAxis: {\n    categories: ['Starke Zunahme', 'Leichte Zunahme', 'Gleichbleibend', 'Leichte Abnahme', 'Starke Abnahme'],\n    labels: {\n        style: {\n            fontSize: '12px',\n            fontFamily: 'Helvetica'\n        }\n    }\n},\n\nyAxis: {\n    allowDecimals: false,\n    title: {\n        text: ''\n    },\n    labels: {\n        format: '{value}%'\n    },\n    stackLabels: {\n        enabled: true,\n        formatter: function() {\n            return this.stack;\n        }\n    }\n},\n\ntooltip: {\n    formatter: function() {\n        var categories = this.series.chart.xAxis[0].categories;\n        return '<b>' + categories[this.point.index] + '<\/b><br\/>' +\n            this.series.name + ': ' + this.y + '%<br\/>';\n    }\n},\n\nplotOptions: {\n    bar: {\n        stacking: ''\n    },\n    series: {\n        dataLabels: {\n            enabled: true,\n            formatter: function() {\n                return this.y + '%'; \/\/ F\u00fcgt Prozentzeichen zur Datenbeschriftung hinzu\n            }\n        }\n    }\n},\n\nseries: [{\n    name: 'Jobsharing ohne F\u00fchrungsfunktion',\n    data: [9.7, 34.6, 54.4, 0.8, 0.5],\n    stack: '2019',\n    color: '#327775'\n}, {\n    name: 'Topsharing',\n    data: [4.3, 21.5, 71.6, 2.6, 0],\n    stack: '2020',\n    color: '#655c99'\n}]\n});\n});\n\n\n\n<\/script>\n<div class=\"diagram-legend\">Quelle: Jansen und Hunn (2024) \/ Die Volkswirtschaft<\/div>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Fehlende Kenntnisse zur Umsetzung<\/h2>\n<p>72 Prozent der befragten Organisationen wenden Jobsharing nicht an. Das scheint jedoch nicht daran zu liegen, dass sich Organisationen mit und ohne dieses Modell in ihren organisationalen Rahmenbedingungen unterscheiden. So sind sie gleichermassen vom Fachkr\u00e4ftemangel betroffen und unterscheiden sich nicht hinsichtlich ihrer Massnahmen zur Geschlechtergleichstellung wie etwa der F\u00f6rderung von Frauen in F\u00fchrungspositionen oder der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.<\/p>\n<p>Die Hauptgr\u00fcnde f\u00fcr das Fehlen von Jobsharing haben sich in den letzten zehn Jahren kaum ver\u00e4ndert. An erster Stelle werden \u2013 wie vor zehn Jahren \u2013 die fehlenden Anfragen respektive Bewerbungen f\u00fcr Jobsharing genannt. Es folgen die Schwierigkeiten, Funktionen zu teilen. Nur sehr wenige Organisationen geben an, dass Stakeholder dieses Arbeitsmodell ablehnen. Es scheint also einerseits vor allem an der mangelnden Aufkl\u00e4rung der Besch\u00e4ftigten \u00fcber die Vorteile von Job- und Topsharing zu liegen. Andererseits fehlt vielen Organisationen das Wissen, wie sich Stellen teilen lassen oder wie die Jobsharing-Paare unterst\u00fctzt werden k\u00f6nnen. Dies hindert sie daran, dieses Modell einzuf\u00fchren.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Begleitung als Schl\u00fcssel<\/h2>\n<p>Die Praxis zeigt, dass eine gezielte Begleitung der Unternehmen bei der Einf\u00fchrung von Job- und Topsharing-Modellen entscheidend bleibt. In den ersten drei Monaten erhalten die Unternehmen durchschnittlich zwei bis drei Coachingsitzungen pro Paar, um eine optimale Arbeitsstruktur zu etablieren. Ein zentraler Erfolgsfaktor ist die effiziente Kommunikation innerhalb des Paars. Durch die Digitalisierung in den letzten Jahren ist vieles einfacher geworden: Mit synchronisierten Dokumenten k\u00f6nnen sich Paare schneller informieren und effizienter mit ihrem Team kommunizieren. Dadurch nimmt der Bedarf an physischem Austausch zunehmend ab.<\/p>\n<p>F\u00fcr ein erfolgreiches Job- oder Topsharing sind zudem bestimmte Kernkompetenzen unverzichtbar. Besonders wichtig sind Flexibilit\u00e4t, Offenheit, Vertrauen, gemeinsame Werte, Grossz\u00fcgigkeit, kritisches Urteilsverm\u00f6gen und die F\u00e4higkeit zur Selbstreflexion sowie zum konstruktiven Umgang mit Konflikten.<\/p>\n<p>Eine der aktuellen Herausforderungen besteht darin, das Know-how jener Generation, die den Arbeitsmarkt verl\u00e4sst, zu bewahren und weiterzugeben. Intergenerationales Jobsharing, bei dem zwei Personen mit mindestens zehn Jahren Altersunterschied eine Stelle teilen, erm\u00f6glicht diesen Wissensaustausch. Bereits mehr als die H\u00e4lfte der befragten Organisationen setzt dieses Modell bei Funktionen mit und ohne F\u00fchrungsaufgaben ein und f\u00f6rdert so den Wissenstransfer zwischen den Generationen.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">PTO setzt sich f\u00fcr Jobsharing in der Schweiz ein und informiert und ber\u00e4t Arbeitnehmende und Arbeitgeber \u00fcber die Chancen und Herausforderungen dieses Arbeitsmodells.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um Arbeitskr\u00e4fte zu gewinnen und zu binden, sind Arbeitgeber zunehmend auf innovative Konzepte der Arbeitsgestaltung angewiesen. Ein Beispiel daf\u00fcr ist das Jobsharing: Zwei Personen teilen sich eine Stelle und die damit verbundenen Aufgaben. 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Hochschule f\u00fcr Wirtschaft FHNW.<\/li>\r\n<\/ul>","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":"","main_focus":"","serie_email":"","frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":"","redaktoren":[9757],"korrektor":5357,"planned_publication_date":"2025-01-07 06:00:48","original_files":null,"external_release_for_author":"20250107","external_release_for_author_time":"00:05:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/exedit\/677b8a36c288d"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/205589"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/12823"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=205589"}],"version-history":[{"count":28,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/205589\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":206137,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/205589\/revisions\/206137"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5357"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9757"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3910"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/12823"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/205856"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=205589"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=205589"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=205589"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=205589"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=205589"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=205589"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}