{"id":207422,"date":"2025-04-01T07:00:16","date_gmt":"2025-04-01T05:00:16","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=207422"},"modified":"2025-04-01T11:41:07","modified_gmt":"2025-04-01T09:41:07","slug":"die-brics-und-der-wandel-der-globalen-machtverhaeltnisse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2025\/04\/die-brics-und-der-wandel-der-globalen-machtverhaeltnisse\/","title":{"rendered":"Die Brics und der Wandel der globalen Machtverh\u00e4ltnisse"},"content":{"rendered":"<p>2001 publizierte Goldman Sachs den Bericht \u00abBuilding Better Global Economic Brics\u00bb, in dem die vier L\u00e4nder Brasilien, Russland, Indien und China als aufstrebende Wirtschaftsm\u00e4chte beschrieben wurden.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Das Akronym \u00abBRIC\u00bb spielt auf das englische Wort f\u00fcr Bausteine an und weist auf die wachsende Bedeutung der vier L\u00e4nder f\u00fcr die Weltwirtschaft hin. Die Prognosen des Berichts trafen zehn Jahre sp\u00e4ter ein: 2011 erreichten die vier Bric-Staaten einen Anteil von 27 Prozent am kaufkraftbereinigten weltweiten Bruttoinlandprodukt (BIP). Heute liegt er bei 40 Prozent (siehe Abbildung 1). Angesichts dieser Aussichten schlug der Bericht Reformen der globalen Wirtschafts- und Finanzordnung vor, die den Bric-Staaten mehr Einfluss verschaffen sollten \u2013 auch auf Kosten europ\u00e4ischer Staaten. So sollten zwei europ\u00e4ische Staaten den vier urspr\u00fcnglichen Bric-Staaten in der G7 weichen.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Abb. 1: Das wirtschaftliche Gewicht der Brics-Staaten w\u00e4chst (1992\u20132023)<\/h2>\n<h6 class=\"copy-small-bold\">INTERAKTIVE GRAFIK<\/h6>\n<div class=\"chart chart--normal\" id=\"GRAETZ-LIONNET-BRENGARD-03-2025_ABB1_DE\"><\/div>\n<script>\n\n\n\n$(function () {\n    $('#GRAETZ-LIONNET-BRENGARD-03-2025_ABB1_DE').highcharts({     \n\n  chart: {\n        type: 'line'\n    },\n    title: {\n        text: ''\n    },\n    subtitle: {\n        text: ''\n    },\n    xAxis: {\n    \n    title: {\n                text: ''\n            },\n        categories: [\n        \n1992,\t1993,\t1994,\t1995,\t1996,\t1997,\t1998,\t1999,\t2000,\t2001,\t2002,\t2003,\t2004,\t2005,\t2006,\t2007,\t2008,\t2009,\t2010,\t2011,\t2012,\t2013,\t2014,\t2015,\t2016,\t2017,\t2018,\t2019,\t2020,\t2021,\t2022,\t2023\n\n\n],\n\n    },\n    yAxis: {\n        title: {\n            text: 'Anteile am kaufkraftbereinigten Welt-BIP in %'\n        },\n        labels: {\n                formatter: function () {\n            return Highcharts.numberFormat(this.value, 0);\n        }\n            },\n       \n    },\n     tooltip: {\n     headerFormat: '<b>{point.x} <\/b><br>',\n     valueSuffix: '%'\n   \n   \n        },\n    plotOptions: {\n        line: {\n    \n\n            dataLabels: {\n                enabled: false\n            },\n            enableMouseTracking: true\n        },\n        series: {\nmarker: {\nenabled: false\n}\n}\n    },\n    series: [{\n        name: 'G7',\n        data: [\n      46.8,\t46.5,\t46.6,\t46.1,\t45.6,\t45.2,\t45.3,\t45.2,\t44.7,\t44.1,\t43.5,\t42.7,\t41.8,\t41,\t40,\t38.8,\t37.7,\t36.6,\t35.8,\t35.1,\t34.4,\t33.9,\t33.4,\t33,\t32.5,\t32.1,\t31.4,\t31.1,\t30.7,\t30.1,\t29.9,\t29.5\n\n], color: '#9c92bf'\n    }, {\n       name: 'G20',\n        data: [\n     74.3,\t74.5,\t74.7,\t74.3,\t74.2,\t74.2,\t74.1,\t74.3,\t74,\t73.8,\t73.6,\t73.6,\t73.3,\t73.3,\t73.1,\t73,\t72.8,\t72.8,\t73,\t73.3,\t73.4,\t73.6,\t73.7,\t73.8,\t73.8,\t73.9,\t73.9,\t73.8,\t74,\t74.2,\t74,\t74.3\n\n],color: '#655c99'\n       \n           },  \n           {\n        name: 'Brics',\n        data: [\n   21,\t21.2,\t21.3,\t21.6,\t21.9,\t22.1,\t21.9,\t22.3,\t22.7,\t23.2,\t23.8,\t24.6,\t25.2,\t25.9,\t26.8,\t27.9,\t28.8,\t30.2,\t31.2,\t32,\t32.6,\t33.4,\t34,\t34.4,\t35.2,\t35.7,\t36.5,\t37,\t38,\t38.6,\t38.6,\t39.4\n\n\n],color: '#327775'\n       \n           }\n           \n           \n           \n           ]\n});\n\n\n\n\n});\n\n<\/script>\n<div class=\"diagram-legend\">Anmerkung: Der Anteil der Brics-Staaten wird von 1992 bis 2023 mit allen zehn Mitgliedsstaaten berechnet.<\/div>\n<div class=\"diagram-legend\">Quelle: Internationaler W\u00e4hrungsfonds \/ Die Volkswirtschaft<\/div>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Brics expandieren<\/h2>\n<p>In den entwickelten Volkswirtschaften interessierten sich vor allem Investoren f\u00fcr das Konzept von Goldman Sachs. In Russland hingegen wurde es flugs auf politischer Ebene aufgenommen, als Steilpass zur St\u00e4rkung einer \u00abmultipolaren Weltordnung\u00bb: Die \u00abWeltordnung\u00bb sei \u00aban neue Machtzentren\u00bb anzupassen.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> China, das wirtschaftliche Schwergewicht der Gruppe, zeigte erst nach der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008\/2009 Interesse an einer engeren Zusammenarbeit. 2009 richtete Russland den ersten Bric-Gipfel in Jekaterinburg aus. Ein Jahr sp\u00e4ter trat auch S\u00fcdafrika der Gruppierung bei \u2013 damit wurden die Bric zu den Brics.<\/p>\n<p>Angesichts grosser politischer und wirtschaftlicher Differenzen innerhalb der Staatengruppe sowie einer mangelhaften Institutionalisierung ihrer Zusammenarbeit wurden die Brics zun\u00e4chst wenig beachtet.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> Dies \u00e4nderte sich 2023 auf dem 15. Gipfel in Johannesburg mit der \u00fcberraschenden Erweiterung der Gruppe um \u00c4gypten, \u00c4thiopien, den Iran und die Vereinigten Arabischen Emirate. Der darauffolgende 16. Gipfel in Kazan (Russland) 2024 erregte international ebenfalls viel Aufmerksamkeit. Der Gipfel unter russischer Leitung wurde trotz des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine von vielen Brics-Staatchefs besucht. F\u00fcr Aufsehen sorgte zudem die Einladung an Saudi-Arabien, das letztlich \u2013 wie auch Argentinien \u2013 der Staatengruppe doch nicht beitrat.<\/p>\n<p>Die Expansionsdynamik setzte sich fort: Im Januar 2025 trat Indonesien bei, womit die Anzahl Mitglieder auf zehn stieg. Die Erweiterungen machten die Gruppe noch heterogener und brachten teils rivalisierende Staaten zusammen. Brics sind keine internationale Organisation mit verbindlichen Beschl\u00fcssen. Sie haben kein formelles Statut und auch kein permanentes Sekretariat. Die Pr\u00e4sidentschaft rotiert j\u00e4hrlich. Dies erschwert es der Staatengruppe, \u00fcber l\u00e4ngere Zeit eine koh\u00e4rente Agenda zu verfolgen.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Gemeinsame Interessen<\/h2>\n<p>Trotz aller Unterschiede gibt es gemeinsame Interessen. Die Brics-Staaten fordern konsequent eine Reform der globalen Gouvernanz, insbesondere der Bretton-Woods-Institutionen \u2013 dazu geh\u00f6ren der Internationale W\u00e4hrungsfonds (IMF) und die Weltbank. Die Entscheidungsgremien dieser Institutionen spiegeln aus Sicht der Brics nicht mehr die tats\u00e4chlichen wirtschaftlichen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse. Deshalb verlangen sie unter anderem eine Neuverteilung der Stimmrechte im IMF. Daneben schufen sie 2014 mit der Gr\u00fcndung der Neuen Entwicklungsbank (New Development Bank, NDB) mit Sitz in Shanghai und des Notfallfonds (Contingent Reserve Arrangement, CRA) parallele Institutionen zu IMF und Weltbank. Hier zeigt sich auch die Bedeutung Chinas f\u00fcr die Gruppe: Knapp die H\u00e4lfte der finanziellen Mittel des Notfallfonds stammt aus Peking.<\/p>\n<p>Die Brics-Staaten schaffen jedoch keinen gemeinsamen Wirtschaftsraum wie die Europ\u00e4ische Union, es gibt weder eine Freihandelszone noch ein gemeinsames Zollregime. Auch sind die Brics kein Regulator oder Standardsetzer. Dennoch arbeiten die L\u00e4nder an einer wirtschaftlichen Kooperation in verschiedenen Bereichen und streben eine st\u00e4rkere Unabh\u00e4ngigkeit vom US-Dollar an. Vor allem Russland und China setzen sich f\u00fcr die Verwendung alternativer W\u00e4hrungen im bilateralen Handel ein und wirken auf eine Senkung des Anteils des US-Dollars an den eigenen Zentralbankreserven hin. Peking strebt dies bereits seit Jahrzehnten in wechselnder Intensit\u00e4t an. Aufgrund seiner herausragenden globalen Bedeutung auch f\u00fcr den Handel zwischen Drittstaaten ist dennoch nicht von einer baldigen Abkehr von der dominanten Rolle des US-Dollars auszugehen \u2013 ausser im Falle eines Extremszenarios wie einer massiven Eskalation geopolitischer Spannungen. Es zeichnet sich aber ab, dass der Handel in lokaler W\u00e4hrung in den bilateralen Beziehungen zwischen Brics-Staaten stetig zunimmt, ausgehend von einem tiefen Niveau.<\/p>\n<p>Des Weiteren haben alle Brics-Staaten eine starke Position im globalen Rohstoff- und Landwirtschaftsmarkt. Dies gilt sowohl f\u00fcr fossile Energietr\u00e4ger, Grundnahrungs- und Futtermittel als auch f\u00fcr sogenannte kritische Rohstoffe wie Kupfer, Grafit oder Nickel<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a>. Die Brics-Staaten sind damit sowohl f\u00fcr die globale Ern\u00e4hrungssicherheit wie auch f\u00fcr industrielle Lieferketten von grosser Bedeutung (siehe Abbildung 2). Bisher haben die Brics-Staaten ihre Rohstoffmacht nur begrenzt politisch eingesetzt. In der Vergangenheit dienten Brics-Gipfeltreffen etwa Absprachen zwischen Russland und S\u00fcdafrika in Bezug auf den Platinmarkt.<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a> Auch unabh\u00e4ngig von Absprachen sind einzelne Brics-Staaten, insbesondere China, zentral f\u00fcr die Rohstoffe, die f\u00fcr die gr\u00fcne Transition ben\u00f6tigt werden. Dies verschafft dem Land bei der Herstellung und dem Einsatz entsprechender Technologien einen strategischen Vorsprung und bedeutet umgekehrt ein gewisses Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnis aus Sicht anderer L\u00e4nder.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Abb. 2: Brics-Staaten produzieren viele Rohstoffe (2023)<\/h2>\n<h6 class=\"copy-small-bold\">INTERAKTIVE GRAFIK<\/h6>\n<div class=\"chart chart--normal\" id=\"GRAETZ-LIONNET-BRENGARD-03-2025_ABB2_DE\"><\/div>\n<script>\n\n\n\n$(function () {\n    $('#GRAETZ-LIONNET-BRENGARD-03-2025_ABB2_DE').highcharts({     \n\nchart: {\n        type: 'column'\n    },\n    title: {\n        text: '',\n       \n    },\n    legend: {\n                            enabled: true,\n                            floating: false,\n                            verticalAlign: 'bottom',\n                            align:'center', \n \n                        },\n    xAxis: {\n        categories: ['Vanadium',\t'Kohle', 'Platin',\t'Palladium',\t'Aluminium',\t'Seltene Erden',\t\t'Soja',\t'Reis',\t'Kupfer',\t'Weizen',\t'Zink',\t'Mais',\t'Erd\u00f6l',\t'Erdgas'\n]\n    },\n    yAxis: {\n        min: 0,\nmax:100,\n        title: {\n            text: 'Anteil an weltweiter Produktion in %'\n        },\n       \n    },\n    \n    tooltip: {valueDecimals: 2,\n        headerFormat: '<b>{point.x}<\/b><br\/>',\n        pointFormat: '{series.name}: {point.y}%<br\/>Total Brics: {point.stackTotal}%'\n    },\n    plotOptions: {\n        column: {\n            stacking: 'normal',\n            dataLabels: {\n                enabled: false\n            }\n        }\n    },\n    series: [{\n        name: 'Brasilien',\n        data: [6.18,\t0.1,\t0,\t0,\t1.5,\t0.02,\t38.33,\t1.3,\t0,\t1.02,\t0,\t10.61,\t3.63,\t0.6\n\n],\n        color: '#655c99'\n    }, {\n        name: 'Russland',\n        data: [19.32,\t4.8,\t12.77,\t43.8,\t5.42,\t0.74,\t1.21,\t0.13,\t8.3,\t11.75,\t2.58,\t1.21,\t11.5,\t11.4],\n        color: '#9c92bf'\n    }, {\n        name: 'Iran',\n        data: [0,\t0,\t0,\t0,\t0,\t0,\t0,\t0,\t0,\t0,\t0,\t0,\t4.8,\t6.2\n\n],\n        color: '#cdc5df'\n    }, {\n        name: 'Vereinigte Arabische Emirate',\n        data: [0,\t0,\t0,\t0,\t3.85,\t0,\t0,\t0,\t0,\t0,\t0,\t0,\t4.1,\t1.4\n\n],\n        color: '#bcd3d3'\n    }, {\n        name: '\u00c4gypten',\n        data: [0,\t0,\t0,\t0,\t0,\t0,\t0.01,\t0.72,\t0,\t1.24,\t0,\t0.54,\t0.6,\t1.4\n],\n        color: '#7ea8a7'\n    }, {\n        name: 'China',\n        data: [65.7,\t51.8,\t0,\t0,\t58.5,\t68.57,\t23.25,\t27.66,\t44,\t17.18,\t33.3,\t23.25,\t4.4,\t5.8],\n        color: '#327775'\n    }, {\n        name: 'S\u00fcdafrika',\n        data: [8.79,\t2.5,\t66,\t33.8,\t0,\t0,\t1.32,\t0,\t0,\t0.26,\t1.92,\t1.32,\t0,\t0\n\n],\n        color: '#666666'\n    }, {\n        name: 'Indien',\n        data: [0,\t11.1,\t0,\t0,\t5.85,\t0.83,\t3.03,\t26.36,\t0,\t13.91,\t7.1,\t3.03,\t4.85,\t0.8\n\n],\n        color: '#cccccc'\n    }, {\n        name: 'Indonesien',\n        data: [0,\t8.5,\t0,\t0,\t0,\t0,\t0.16,\t6.46,\t0.74,\t0,\t0,\t1.85,\t0.7,\t1.6\n],\n        color: '#f6f4f4'\n    }]\n});\n\n\n\n\n});\n\n<\/script>\n<div class=\"diagram-legend\">Anmerkung: Bei Kupfer handelt es sich um die Raffinerieproduktion.<\/div>\n<div class=\"diagram-legend\">Quellen: <a href=\"https:\/\/www.amis-outlook.org\/home\">Agricultural Market Information System<\/a> \/ <a href=\"https:\/\/pubs.usgs.gov\/periodicals\/mcs2024\/mcs2024.pdf\">U.S. Geological Survey<\/a> \/ <a href=\"https:\/\/www.energyinst.org\/statistical-review\">Energy Institute <\/a>\u00a0\/ Die Volkswirtschaft<\/div>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Was heisst das f\u00fcr die Schweiz?<\/h2>\n<p>Rund 10 Prozent des schweizerischen Aussenhandels entfallen auf die Brics-Staaten, wobei China den gr\u00f6ssten Anteil ausmacht. Auch wenn die Brics-Staaten in vielen Fragen unterschiedliche Interessen haben, ist das Potential der Staatengruppe angesichts der wirtschaftlichen und geopolitischen Dynamiken nicht zu verkennen. Es verleiht dem von den Brics bef\u00f6rderten Narrativ Gewicht, wonach eine Verlagerung der wirtschaftlichen Dynamik weg von den vormals dominierenden Staaten des Westens, hin zu Staaten des Globalen S\u00fcdens stattfindet und \u2013 auch durch Anpassungen der globalen Gouvernanz \u2013 weiter bef\u00f6rdert werden soll. \u00a0Mit dem Schlagwort der \u00abWestlessness\u00bb<a href=\"#footnote_6\" id=\"footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor\">[6]<\/a> wird diese stetige Erosion des Anteils \u00abdes Westens\u00bb an der weltweiten Bev\u00f6lkerung, der weltweiten Wertsch\u00f6pfung und dem weltweiten Handel, aber auch ganz generell der abnehmende Einfluss der OECD-L\u00e4nder in den internationalen Beziehungen zusammengefasst. Dieses Narrativ ist, bei allen Differenzen, anschlussf\u00e4hig. Es \u00fcberzeugt in vielen Schwellen- und Entwicklungsl\u00e4ndern, die sich f\u00fcr ihre Anliegen hinsichtlich Repr\u00e4sentation und Reform der Weltwirtschaftsordnung im Rahmen der Brics Geh\u00f6r verschaffen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Strategie der Schweiz im Umgang mit den Brics muss somit zwei Dimensionen Rechnung tragen: Unabh\u00e4ngig von der Staatengruppe muss sie einerseits das wachsende wirtschaftliche Gewicht der Brics-Staaten und ihrer Partnerstaaten anerkennen. Andererseits muss sie die politischen Auswirkungen der Brics-Forderungen nach einer Neugestaltung der Weltordnung ber\u00fccksichtigen. In diesem Kontext ist es f\u00fcr die Schweiz wichtig, multilaterale Formen der Zusammenarbeit gezielt zu st\u00e4rken. Denn eine Fragmentierung der Weltwirtschaft und des Finanzsystems w\u00e4re f\u00fcr die auf Rechtssicherheit und Aussenhandel angewiesene Schweiz nachteilig. Auch die bilateralen Beziehungen zu einzelnen Brics-Staaten werden, wo immer m\u00f6glich, weiterentwickelt. Dadurch kann die Schweiz ihre Handels- und Wirtschaftsbeziehungen im Einklang mit ihrer Aussenwirtschaftsstrategie diversifizieren und sich unabh\u00e4ngiger von einzelnen M\u00e4rkten machen.<a href=\"#footnote_7\" id=\"footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor\">[7]<\/a><\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Siehe Goldman Sachs (2001).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Diese Begrifflichkeit stammt aus der Schlussdeklaration des 16. Gipfeltreffens der Brics (Kazan Declaration vom 23. Oktober 2024), beispielsweise in Art. 6 und dem vorangehenden Titel. Bei allen folgenden Zitaten aus diesem Dokument handelt es sich um eine eigene \u00dcbersetzung auf der Grundlage der englischen Fassung.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Siehe zum Beispiel World Economic Forum (2015).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Die Schweiz definiert keine \u00abkritischen Rohstoffe\u00bb. Die EU hingegen hat eine <a href=\"https:\/\/www.consilium.europa.eu\/de\/infographics\/critical-raw-materials\/\">Verordnung<\/a> zu kritischen Rohstoffen erlassen und 34 kritische Rohstoffe identifiziert. Sie definiert diese als \u00abwirtschaftlich wichtigste [\u2026] Rohstoffe mit hohem Risiko bez\u00fcglich Versorgungssicherheit\u00bb.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\">Siehe Reuters (2013).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_6\" class=\"footnote--item\">Siehe Puri (2018).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_7\" class=\"footnote--item\">Eine ausf\u00fchrliche Einsch\u00e4tzung zu den Brics-Staaten findet sich im <a href=\"https:\/\/www.eda.admin.ch\/content\/dam\/eda\/de\/documents\/aussenpolitik\/strategien\/2024-APB-Bericht_DE.pdf\">Aussenpolitischen Bericht 2024 des Bundesrats<\/a>.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2001 publizierte Goldman Sachs den Bericht \u00abBuilding Better Global Economic Brics\u00bb, in dem die vier L\u00e4nder Brasilien, Russland, Indien und China als aufstrebende Wirtschaftsm\u00e4chte beschrieben wurden. 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