{"id":208660,"date":"2025-05-13T07:00:33","date_gmt":"2025-05-13T05:00:33","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=208660"},"modified":"2025-06-17T11:38:28","modified_gmt":"2025-06-17T09:38:28","slug":"franzoesische-grenzgaenger-eine-strukturelle-stuetze-des-schweizer-arbeitsmarkts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2025\/05\/franzoesische-grenzgaenger-eine-strukturelle-stuetze-des-schweizer-arbeitsmarkts\/","title":{"rendered":"Franz\u00f6sische Grenzg\u00e4nger: Eine strukturelle St\u00fctze des Schweizer Arbeitsmarkts"},"content":{"rendered":"<p>Trotz Wirtschaftskrisen und Pandemie ist die Zahl franz\u00f6sischer Grenzg\u00e4ngerinnen und Grenzg\u00e4nger in den letzten zwanzig Jahren stetig gestiegen. 2004 arbeiteten rund 96\u2019000 Personen aus Frankreich in der Schweiz, 2024 waren es \u00fcber 236\u2019000 Personen \u2013 also mehr als doppelt so viele.<\/p>\n<p>Der Anstieg begann schon vor der Pandemie. Zwischen 2018 und 2019 wuchs die Zahl um 4,3%. Selbst im Coronajahr 2020 nahm sie leicht zu (+0,25\u202f%). Danach beschleunigte sich das Wachstum deutlich: 2021 lag es bei 6,3%, 2022 bei 7,7% und in den Jahren 2023 und 2024 jeweils bei 5,3%.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Wie l\u00e4sst sich diese Entwicklung erkl\u00e4ren? Welche Wechselwirkungen bestanden schon vor der Pandemie? Und warum hat sich die grenz\u00fcberschreitende Mobilit\u00e4t in den letzten Jahren noch verst\u00e4rkt, insbesondere jene aus Frankreich?<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Der institutionelle Rahmen beg\u00fcnstigt die grenz\u00fcberschreitende Besch\u00e4ftigung<\/h2>\n<p>Grenzg\u00e4ngerinnen und Grenzg\u00e4nger gab es zwar schon immer, doch bei der Bestimmung ihrer Form und ihres Ausmasses spielt der institutionelle und regulatorische Rahmen eine entscheidende Rolle. Einen wichtigen Meilenstein markierte das Abkommen \u00fcber die Personenfreiz\u00fcgigkeit (FZA) zwischen der Schweiz und der EU, das 2002 in Kraft trat. Das bisherige Wachstum der Zahl ausl\u00e4ndischer Arbeitskr\u00e4fte l\u00e4sst sich aber nicht allein durch dieses Abkommen erkl\u00e4ren. Denn die zunehmende Mobilit\u00e4t von Arbeitskr\u00e4ften ist ein breiteres Ph\u00e4nomen.<\/p>\n<p>Einige Jahre danach ist jedoch ein starker Anstieg des Zustroms von Arbeitnehmenden aus dem Ausland zu beobachten, in erster Linie aus dem benachbarten Frankreich. 2003 z\u00e4hlte die Schweiz knapp 25% ausl\u00e4ndische Besch\u00e4ftigte, von ihnen waren 39% Grenzg\u00e4ngerinnen und Grenzg\u00e4nger, 54% von diesen kamen aus Frankreich. Mehr als zwanzig Jahre nach dem Inkrafttreten dieser Abkommen machten im Jahr 2024 die Franz\u00f6sinnen und Franzosen 58% der grenz\u00fcberschreitenden Arbeitskr\u00e4fte aus, wobei diese Zahlen derzeit stark ansteigen (siehe Abbildung).<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Immer mehr Grenzg\u00e4ngerinnen und Grenzg\u00e4nger seit 2002<\/h2>\n<h6 class=\"copy-small-bold\">INTERAKTIVE GRAFIK<\/h6>\n<div class=\"chart chart--normal\" id=\"KHALDI-CREVOISIER_05-2025_ABB1_DE\"><\/div>\n<script>\n$(function () {\n    $('#KHALDI-CREVOISIER_05-2025_ABB1_DE').highcharts({\n   chart: {\n    type: 'column'\n},\ntitle: {\n    text: '',\n},\nlegend: {\n    title: {\n        text: '',\n        style: {\n            fontStyle: ''\n        }\n    },\n    layout: 'horizontal',\n    align: 'center',\n    verticalAlign: 'bottom',\n},\nxAxis: {\n    categories: ['2002','2003','2004','2005','2006','2007','2008','2009','2010','2011','2012','2013','2014','2015','2016','2017','2018','2019','2020','2021','2022','2023','2024']\n},\nyAxis: {\n    min: 0,\n    title: {\n        text: 'Anzahl Grenzg\u00e4nger'\n    },\n    labels: {\n        formatter: function () {\n            return Highcharts.numberFormat(this.value, 0);\n        }\n    }\n},\ntooltip: {\n    valueDecimals: 0,\n    shared: true,\n    headerFormat: '<b>{point.x}<\/b><br\/>',\n    pointFormat: '{series.name}: {point.y} <br\/>'\n},\nplotOptions: {\n    column: {\n        stacking: 'normal',\n        dataLabels: {\n            enabled: false\n        }\n    },\n    line: {\n        marker: {\n            enabled: true\n        }\n    }\n},\nseries: [{\n    name: 'Italien',\n    type: 'column',\n    data: [36568, 37296, 38450, 38676, 41990, 45510, 48747, 50310, 53559, 58278, 62523, 66198, 69649, 71263, 72877, 75424, 76280, 80288, 81713, 85451, 90658, 92627, 91101],\n    color: '#649795'\n}, {\n    name: 'Frankreich',\n    type: 'column',\n    data: [88264, 91256, 95721, 99546, 108819, 116745, 119858, 121234, 126837, 139545, 147672, 153693, 159052, 162897, 167820, 173319, 178035, 185624, 186087, 197799, 213037, 224365, 236219],\n    color: '#666666'\n}, {\n    name: '\u00d6sterreich',\n    type: 'column',\n    data: [6698, 6388, 6038, 5742, 6268, 6552, 6639, 6544, 6855, 7411, 7490, 7534, 7732, 7904, 8213, 8282, 8307, 8298, 8410, 8535, 8795, 8909, 8827],\n    color: '#cccccc'\n}, {\n    name: 'Deutschland',\n    type: 'column',\n    data: [33766, 33984, 33997, 34605, 37969, 41168, 42451, 44625, 46637, 50391, 53319, 55294, 57527, 59410, 61211, 61917, 61022, 61697, 62089, 63293, 65354, 65448, 66511],\n    color: '#655c99'\n}, {\n    name: 'Total',\n    type: 'line',\n    data: [165296, 168923, 174205, 178568, 195046, 209974, 217766, 222832, 234091, 255944, 271835, 283894, 295326, 303081, 311954, 321164, 326055, 338890, 341342, 358429, 381534, 395393, 406946],\n    color: '#887db1'\n}]\n});\n\n\n});\n<\/script>\n<div class=\"diagram-legend\">Quelle: Eigene Darstellung auf Basis von Daten des BFS \/ Die Volkswirtschaft<\/div>\n<p>Der freie Personenverkehr hat es ausl\u00e4ndischen Arbeitskr\u00e4ften leichter gemacht, in der Schweiz zu arbeiten und sich niederzulassen. Heute ist es einfacher, Diplome anerkennen zu lassen, Wohneigentum zu kaufen oder die Sozialversicherungen zwischen L\u00e4ndern zu koordinieren. Trotzdem entscheiden sich die meisten Grenzg\u00e4ngerinnen und Grenzg\u00e4nger gegen einen Wohnsitz in der Schweiz. Der Grund daf\u00fcr ist eine Kombination von wirtschaftlichen und geografischen Faktoren.<\/p>\n<p>Einerseits bietet die Schweiz ein attraktives wirtschaftliches Umfeld: ein kontinuierlicher Anstieg der Lebensqualit\u00e4t, eine tiefe Arbeitslosenquote und deutlich h\u00f6here L\u00f6hne als in Frankreich. Andererseits sprechen die Wohnkosten, der Wechselkurs, aber auch ein enger Bezug zum vertrauten institutionellen Rahmen \u2013 etwa Bildung, Gesundheit, Renten, Steuerwesen \u2013 f\u00fcr einen Wohnsitz in Frankreich.<\/p>\n<p>F\u00fcr viele ist Pendeln der ideale Kompromiss: Sie verdienen in der Schweiz, bleiben aber im gewohnten sozialen, administrativen und kulturellen Umfeld. Diese Entscheidung zeigt, dass grenz\u00fcberschreitende Mobilit\u00e4t nicht nur wirtschaftlichen \u00dcberlegungen folgt. Oft spielen auch die biografische Kontinuit\u00e4t und die Vorliebe f\u00fcr Vertrautes eine Rolle.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a><\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">G\u00fcnstigere makro\u00f6konomische Dynamik in der Schweiz<\/h2>\n<p>Die Unterschiede bei Reichtum, L\u00f6hnen und Arbeitsbedingungen zwischen Frankreich und der Schweiz sind gross \u2013 und sie werden gr\u00f6sser. Das erkl\u00e4rt, warum die Zahl der franz\u00f6sischen Grenzg\u00e4ngerinnen und Grenzg\u00e4nger weiterhin steigt. Ein wichtiger Indikator daf\u00fcr ist das Bruttoinlandprodukt (BIP) pro Kopf bei konstanter Kaufkraftparit\u00e4t (KKP), das es erm\u00f6glicht, die Inflation zu neutralisieren und gleichzeitig die Lebenshaltungskosten im jeweiligen Land zu ber\u00fccksichtigen. Dieser Indikator belegt einen Anstieg und dann eine langfristige Stabilisierung des Wohlstandsgef\u00e4lles auf hohem Niveau. Er zeigt ebenfalls, dass die Kaufkraft jener Besch\u00e4ftigten, die in der Schweiz arbeiten, gegen\u00fcber jenen mit einem franz\u00f6sischen Sal\u00e4r zugenommen hat.<\/p>\n<p>Zwischen 2020 und 2022 wuchs das Bruttonationaleinkommen in der Schweiz stark. Dieser weitere wichtige Indikator zeugt von einer raschen Erholung und einem nachhaltigen Anstieg des erwirtschafteten und umverteilten Wohlstands und macht die Schweiz f\u00fcr ausl\u00e4ndische Arbeitskr\u00e4fte noch attraktiver.<\/p>\n<p>Die beiden Indikatoren belegen die Resilienz des schweizerischen Wirtschaftsmodells angesichts der Ersch\u00fctterung durch die Pandemie. Die Unterschiede zwischen den Arbeitslosenquoten der beiden Wirtschaftsr\u00e4ume bleiben hoch und beg\u00fcnstigen die Migration der franz\u00f6sischen Arbeitskr\u00e4fte, die nach beruflicher Stabilit\u00e4t und nach Aufstiegschancen suchen. So hat sich das bereits deutliche Lohngef\u00e4lle seit der Pandemie verst\u00e4rkt.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Immobilienpreise und Wechselkurse sprechen f\u00fcr einen Wohnsitz in Frankreich<\/h2>\n<p>Nicht nur auf dem Arbeitsmarkt gibt es grosse Unterschiede zwischen der Schweiz und Frankreich. Auch die Immobilienpreise driften auseinander, seit der Pandemie noch deutlicher.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> Das macht es f\u00fcr Grenzg\u00e4ngerinnen und Grenzg\u00e4nger noch schwieriger, sich in der Schweiz niederzulassen \u2013 allein schon wegen der hohen Mieten oder Immobilienpreise.<\/p>\n<p>Die abschreckende Wirkung wird durch die Wechselkursentwicklung noch verst\u00e4rkt. Der Wechselkurs CHF-EUR wirkt sich direkt auf die Kaufkraft der Arbeitnehmenden aus, die in Frankreich wohnen und einen Lohn in Schweizer Franken erhalten. Je st\u00e4rker der Franken im Vergleich zum Euro wird, desto mehr bekommen Pendlerinnen und Pendler f\u00fcr ihr Geld. Selbst wenn ihr Lohn in Franken gleich bleibt, steigt ihr Einkommen in Euro \u2013 und damit ihre Kaufkraft in Frankreich. Sie k\u00f6nnen sich dort mehr leisten.<\/p>\n<p>Dieser W\u00e4hrungsvorteil kommt zum bereits bestehenden strukturellen Lohngef\u00e4lle zwischen Frankreich und der Schweiz hinzu und festigt auf diese Weise die finanziellen Vorteile der Erwerbst\u00e4tigkeit jenseits der Grenze sowie die nachhaltige Attraktivit\u00e4t des Schweizer Markts f\u00fcr die in Frankreich wohnenden Personen. Seit Mitte 2022 ist diese Entwicklung besonders ausgepr\u00e4gt: Damals fiel der Schweizer Franken unter die Euro-Parit\u00e4t. Dies best\u00e4tigt den Einfluss des Wechselkurses als wichtiger struktureller Attraktivit\u00e4tsfaktor der grenz\u00fcberschreitenden Besch\u00e4ftigung.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Der grenz\u00fcberschreitende Arbeitsmarkt organisiert sich neu<\/h2>\n<p>Die sogenannte Shift-Share-Analyse hilft, das Besch\u00e4ftigungswachstum besser zu verstehen, indem sie es in drei Effekte unterteilt: national, branchenspezifisch und regional. Die Analyse zeigt, warum die Zahl der franz\u00f6sischen Grenzg\u00e4nger in der Schweiz seit der Pandemie einen historischen H\u00f6chstwert erreicht hat.<\/p>\n<p>So sind alle schweizerischen Grenzregionen seit 2020 attraktiver geworden: Der regionale Effekt \u2013 also der Indikator f\u00fcr die spezifische Dynamik einer bestimmten Region \u2013 fiel in allen Kantonen positiv aus. Vor der Pandemie (2011\u20132019) gab es noch deutliche Unterschiede zwischen den Regionen. Das bedeutet, dass sich das Wachstum der grenz\u00fcberschreitenden Besch\u00e4ftigung nicht nur durch die nationale Konjunktur oder die erfolgreichen Wirtschaftssektoren erkl\u00e4ren l\u00e4sst, sondern auch mit lokalen Faktoren. Dazu geh\u00f6ren etwa die Erreichbarkeit und die Verankerung des Grenzmarkts in der jeweiligen kantonalen Politik. Diese Entwicklung deutet auf die Entstehung einer neuen Geografie der grenz\u00fcberschreitenden Besch\u00e4ftigung hin.<\/p>\n<p>Diese Dynamik ist untrennbar mit einer ausgepr\u00e4gten sektoriellen Neuordnung verbunden. In den Jahren nach der Coronapandemie haben sich einige terti\u00e4re Sektoren besonders positiv entwickelt und sind zu wichtigen Wachstumstreibern geworden: Gesundheits- und Sozialwesen, Unternehmensdienstleistungen (Recht, Beratung, Technik) oder auch Hotellerie-Restauration. Diese Branchen weisen in zahlreichen Kantonen positive branchenspezifische Effekte auf, was ihre wachsende Bedeutung innerhalb der strukturellen Bed\u00fcrfnisse der Schweizer Wirtschaft belegt.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a><\/p>\n<p>Im Jahr 2020 stieg die Besch\u00e4ftigung von Grenzg\u00e4ngerinnen und Grenzg\u00e4ngern mitten in der Coronapandemie. Allein im Gesundheits- und Sozialwesen wurden \u00fcber 1200 Personen zus\u00e4tzlich angestellt. Das zeigt, wie stark das Schweizer System von diesen Arbeitskr\u00e4ften abh\u00e4ngig ist. Im Gegensatz dazu haben traditionelle Sektoren wie der Bergbau oder der Prim\u00e4rsektor M\u00fche, Schritt zu halten. Sie weisen insgesamt schwache oder negative branchenspezifische Effekte auf. Diese zunehmende Diskrepanz zwischen der traditionellen Produktionsstruktur in bestimmten Kantonen und dem neuen Qualifikationsbedarf spiegelt den Wandel in der Schweizer Wirtschaft wider.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Arbeitskr\u00e4fte aus dem grenznahen Ausland als Wachstumskomponente<\/h2>\n<p>Auch auf regionaler Ebene ver\u00e4ndert sich der Arbeitsmarkt. Die Analyse macht unterschiedliche Verl\u00e4ufe in den Kantonen deutlich. Seit der Pandemie bleibt Genf in allen Sektoren sehr attraktiv \u2013 sogar in Bereichen, die negative branchenspezifische Effekte aufweisen, wie dem Baugewerbe oder der verarbeitenden Industrie. Der regionale Effekt in Genf bleibt eindeutig positiv. Das zeigt, dass die Region in der Lage ist, grenz\u00fcberschreitende Arbeitnehmende anzuziehen, auch wenn die konjunkturellen Bedingungen in bestimmten Branchen eher negativ sind. Das gilt besonders f\u00fcr qualifizierte Positionen etwa in den Bereichen Information (ICT) und spezialisierte Dienstleistungen. Dieses Ph\u00e4nomen l\u00e4sst darauf schliessen, dass die Genfer Grenzg\u00e4nger immer mehr qualifizierte Berufsprofile aufweisen, die der Struktur der lokalen arbeitenden Bev\u00f6lkerung entsprechen.<\/p>\n<p>Andere Kantone wie die Waadt weisen eine gem\u00e4ssigtere Dynamik auf: Die regionalen Effekte fallen hier weiterhin positiv aus, doch die branchenspezifischen Effekte beginnen nachzulassen, wahrscheinlich wegen der S\u00e4ttigung bestimmter Terti\u00e4rsektoren. Im Gegensatz dazu zeichnen sich die Kantone Jura und Neuenburg trotz einer manchmal weniger g\u00fcnstigen branchenspezifischen Spezialisierung mit sehr positiven regionalen Effekten aus. Das scheint auf eine effiziente territoriale Strategie zur\u00fcckzuf\u00fchren zu sein \u2013 eine Kombination aus erschwinglichem Wohnraum, hoher Lebensqualit\u00e4t und starker grenz\u00fcberschreitender Verankerung. Kantone wie beispielsweise Basel-Stadt verk\u00f6rpern das andere Extrem: eine relativ schw\u00e4chere Entwicklung der Grenzg\u00e4ngerbesch\u00e4ftigung, was mit einer branchenspezifischen Repositionierung und einer versch\u00e4rften regionalen Konkurrenz zusammenh\u00e4ngt.<\/p>\n<p>In der Westschweiz ist diese Neuordnung besonders ausgepr\u00e4gt. Grenzg\u00e4ngerinnen und Grenzg\u00e4nger spielen nun eine zentrale Rolle im Besch\u00e4ftigungswachstum in den meisten Sektoren und unterstreichen damit ihre mittlerweile strukturelle Rolle f\u00fcr das Funktionieren des schweizerischen Arbeitsmarkts. Seit der Pandemie sind sie nicht mehr nur eine schnelle L\u00f6sung f\u00fcr Engp\u00e4sse, sondern tragen langfristig zum Wirtschaftswachstum in strategisch wichtigen Bereichen bei.<\/p>\n<p>Die Shift-Share-Analyse offenbart, was in den globalen Zahlen verborgen bleibt: die stillschweigende, aber entscheidende Ver\u00e4nderung der Rolle der franz\u00f6sischen Grenzg\u00e4nger in der aktuellen wirtschaftlichen Dynamik, sowohl in den jeweiligen Sektoren als auch in den verschiedenen Regionen.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Gem\u00e4ss den Daten des Bundesamts f\u00fcr Statistik (BFS) und der Erwerbst\u00e4tigenstatistik (ETS).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Der vorliegende Artikel fokussiert auf die wirtschaftlichen und geografischen Faktoren, die der Entscheidung zugunsten des Grenzg\u00e4nger-Status zugrunde liegen. Dennoch w\u00fcrde das Verst\u00e4ndnis dieser Dynamik davon profitieren, auch die Pr\u00e4ferenzen f\u00fcr ein vertrautes institutionelles Umfeld, territoriale Verbundenheit und sozialen Dispositionen (im Sinne von Bourdieu) einzubeziehen, die eine strukturierende Rolle in den Wohn- und Berufslaufbahnen spielen.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Siehe OECD, Real House Index)&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Das Gesundheits- und Sozialwesen verzeichnet in mehreren Kantonen positive branchenspezifische Effekte, insbesondere in Genf, Jura und Neuenburg. Angesichts der alternden Bev\u00f6lkerung, des Mangels an Pflegekr\u00e4ften und der Situation nach Corona belegt dies ein verst\u00e4rktes strukturelles Bed\u00fcrfnis. Analog dazu tragen die Unternehmensdienstleistungen im juristischen Bereich, in Beratung und Technik wesentlich zur grenz\u00fcberschreitenden Dynamik bei. Dies vor allem in Genf und Neuenburg. Das h\u00e4ngt mit dem verst\u00e4rkten Outsourcing und der Terti\u00e4risierung der schweizerischen Wirtschaft zusammen. Der Sektor Hotellerie-Restauration sticht ebenfalls heraus, da nach der Pandemie die Nachfrage nach Arbeitskr\u00e4ften aus dem grenznahen Ausland in die H\u00f6he schnellte, insbesondere um auf dringende Anpassungsbed\u00fcrfnisse zu reagieren.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Trotz Wirtschaftskrisen und Pandemie ist die Zahl franz\u00f6sischer Grenzg\u00e4ngerinnen und Grenzg\u00e4nger in den letzten zwanzig Jahren stetig gestiegen. 2004 arbeiteten rund 96\u2019000 Personen aus Frankreich in der Schweiz, 2024 waren es \u00fcber 236\u2019000 Personen \u2013 also mehr als doppelt so viele. Der Anstieg begann schon vor der Pandemie. 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R\u00e9rat (2012). <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.4000\/belgeo.6249\">Vivre la fronti\u00e8re: les pratiques spatiales transfrontali\u00e8res dans l\u2019Arc jurassien franco-suisse\u00bb<\/a>, Belgeo [Online], 1-2 | 2012, Online op 15 d\u00e9cembre 2012.<\/li>\r\n \t<li class=\"content-copy\">Lahire, B. (2001). L\u2019homme pluriel. Les ressorts de l\u2019action. Paris, Nathan (Essais &amp; recherches. Sciences sociales).<\/li>\r\n \t<li class=\"content-copy\">Moine, A. (2017). Les coop\u00e9rations de proximit\u00e9 dans l\u2019Arc jurassien franco-suisse : Un enjeu de la coh\u00e9sion sociale transfrontali\u00e8re. Revue G\u00e9ographique de l'Est, 57. DOI: 10.4000\/rge.6045.<\/li>\r\n \t<li class=\"content-copy\">R\u00e9rat, P. (2016). Mobilit\u00e9 quotidienne et attractivit\u00e9 r\u00e9sidentielle: les paradoxes du travail frontalier. 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