{"id":209136,"date":"2025-05-13T07:00:14","date_gmt":"2025-05-13T05:00:14","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=209136"},"modified":"2025-05-13T09:41:21","modified_gmt":"2025-05-13T07:41:21","slug":"schweiz-frankreich-foerderverfahren-fuer-gemeinsame-forschungsprojekte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2025\/05\/schweiz-frankreich-foerderverfahren-fuer-gemeinsame-forschungsprojekte\/","title":{"rendered":"Schweiz &#8211; Frankreich: F\u00f6rderverfahren f\u00fcr gemeinsame Forschungsprojekte"},"content":{"rendered":"<p>Wer forschen will, braucht Geld. In vielen L\u00e4ndern, so auch in der Schweiz, finanziert der Staat massgeblich die Forschung an Universit\u00e4ten und anderen \u00f6ffentlichen Institutionen. Ein Teil dieser F\u00f6rderung erfolgt via Wettbewerbsverfahren durch nationale Organisationen. Beim Schweizerischen Nationalfonds (SNF) k\u00f6nnen Forschende aus der Schweiz ein Gesuch um Finanzierung einreichen. Die besten Projekte erhalten dann F\u00f6rderung.<\/p>\n<p>Solche nationalen F\u00f6rdermechanismen sind jedoch in der Regel nicht auf grenz\u00fcberschreitende Zusammenarbeit ausgerichtet. Wollen Forschende aus zwei verschiedenen L\u00e4ndern ein gemeinsames Projekt durchf\u00fchren, m\u00fcssen sie das Gesuch bei ihrer jeweiligen nationalen F\u00f6rderorganisation einreichen. Dieses wird zweimal gepr\u00fcft, was sehr aufwendig ist. Und wenn eine der F\u00f6rderorganisationen Ja sagt, die andere aber Nein, scheitert die Finanzierung, und die Zusammenarbeit ist nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Der Schweizerische Nationalfonds hat deshalb mit zahlreichen ausl\u00e4ndischen F\u00f6rderorganisationen ein sogenanntes Lead-Agency-Abkommen abgeschlossen. Seit 2014 geh\u00f6rt auch die franz\u00f6sische Agence Nationale de Recherche (ANR) dazu. Das Abkommen vereinfacht die grenz\u00fcberschreitende Zusammenarbeit.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Ein Gesuch gen\u00fcgt<\/h2>\n<p>Forschende aus der Schweiz und Frankreich m\u00fcssen seitdem nur noch ein F\u00f6rdergesuch f\u00fcr gemeinsame Projekte einreichen. Eine der beiden F\u00f6rderorganisationen hat die Federf\u00fchrung: Sie beurteilt das Gesuch und trifft einen Entscheid. Die andere \u00fcbernimmt den F\u00f6rderentscheid und finanziert ihren nationalen Teil des Projekts. Dieses elegante Verfahren vereinfacht die Einreichung und reduziert den Aufwand f\u00fcr die Forschenden wie auch f\u00fcr die F\u00f6rderorganisationen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die F\u00f6rderorganisationen z\u00e4hlen diese Projekte zum regul\u00e4ren F\u00f6rderverfahren und zu den bestehenden Instrumenten. Dadurch entfallen zus\u00e4tzliche Ausschreibungen und separate Budgets f\u00fcr die Finanzierung der gemeinsamen Projekte. Das Lead-Agency-Verfahren basiert auf dem Vertrauen in die Partnerorganisation und ist daher die fortschrittlichste Form der bilateralen Zusammenarbeit.<\/p>\n<p>Seit 2014 hat das <a href=\"https:\/\/www.snf.ch\/de\/0FvRzWhf8uIF5Jv6\/news\/10-jahre-abkommen-mit-frankreich\">Abkommen mit Frankreich<\/a> 154 gemeinsame Forschungsprojekte erm\u00f6glicht. Daran beteiligten sich 26 schweizerische Forschungsinstitutionen und 85 franz\u00f6sische Institutionen. 45 Prozent der finanzierten Projekte stammen aus dem Mint-Bereich, 35 Prozent aus den Lebenswissenschaften und 12 Prozent aus den Geistes- und Sozialwissenschaften. 8 Prozent sind interdisziplin\u00e4re Projekte.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Von Nachhaltigkeit in Berggebieten bis zur Biomechanik des Herzens<\/h2>\n<p>Ein Beispiel f\u00fcr ein solches Projekt ist Mtn Paths der ETH Z\u00fcrich und des Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS). Das Projekt will herausfinden, wie sich mehr Nachhaltigkeit in den s\u00fcdlichen franz\u00f6sischen Alpen und im Zentralwallis erreichen l\u00e4sst. Nachhaltigkeit in Berggebieten umfasst die Widerstandsf\u00e4higkeit gegen\u00fcber dem Klimawandel und bezieht die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen mit ein. Sie basiert auf den vorhandenen lokalen nat\u00fcrlichen und menschlichen Ressourcen.<\/p>\n<p>Wie reagieren die Banken auf die steigenden Kosten der Regulierung? In einem weiteren Projekt untersuchen die Universit\u00e4t Z\u00fcrich und die Universit\u00e4t Paris Nanterre diese Frage am Beispiel der Derivatem\u00e4rkte. Derivate sind Finanzinstrumente, die ihren Wert von einem Basiswert wie Aktien oder W\u00e4hrungen ableiten. Im Jahr 2009 wurde auf dem G20-Gipfel eine Agenda f\u00fcr eine umfassende \u00dcberarbeitung der Derivatem\u00e4rkte festgelegt. Das schweizerisch-franz\u00f6sische Projekt bewertet die beabsichtigten und unbeabsichtigten Folgen dieser Agenda und zeigt auf, wie sich die Struktur und die Geografie der Derivatem\u00e4rkte seit 2009 ver\u00e4ndert haben. Ausserdem wollen die Forschenden neu entstehende Risiken erkennen, die mit diesen Ver\u00e4nderungen einhergehen.<\/p>\n<p>Das Projekt Liveheart des Forschungsinstituts Idiap und des els\u00e4ssischen Instituts f\u00fcr Genetik und Molekular- und Zellbiologie besch\u00e4ftigt sich mit dem menschlichen Herzen. Beim erwachsenen Menschen k\u00f6nnen Erkrankungen oder Infarkte die F\u00e4higkeit des Herzens, sich zusammenzuziehen, und die zellul\u00e4re Zusammensetzung des Herzens abrupt ver\u00e4ndern. Wie sich mechanische Kr\u00e4fte auf Herzzellen im Embryo und auf regenerierendes Gewebe auswirken, wird im Projekt intensiv untersucht. Die Forschenden wollen hochaufl\u00f6sende Zeitrafferaufnahmen und optische Ans\u00e4tze entwickeln, um die biomechanischen Eigenschaften des Herzens besser zu erfassen.<\/p>\n<p>Nach zehn Jahren der Zusammenarbeit ziehen der SNF und seine franz\u00f6sische Partnerorganisation ANR eine \u00fcberaus positive Zwischenbilanz. Das Lead-Agency-Verfahren st\u00f6sst auf eine grosse Resonanz bei den Forschenden und wird auch in Zukunft einen wichtigen Beitrag zur Erweiterung der grenz\u00fcberschreitenden Forschung leisten.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer forschen will, braucht Geld. In vielen L\u00e4ndern, so auch in der Schweiz, finanziert der Staat massgeblich die Forschung an Universit\u00e4ten und anderen \u00f6ffentlichen Institutionen. Ein Teil dieser F\u00f6rderung erfolgt via Wettbewerbsverfahren durch nationale Organisationen. Beim Schweizerischen Nationalfonds (SNF) k\u00f6nnen Forschende aus der Schweiz ein Gesuch um Finanzierung einreichen. 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