{"id":209250,"date":"2025-05-09T06:45:21","date_gmt":"2025-05-09T04:45:21","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=209250"},"modified":"2025-05-13T11:35:27","modified_gmt":"2025-05-13T09:35:27","slug":"was-macht-frankreich-fuer-schweizer-unternehmen-so-attraktiv","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2025\/05\/was-macht-frankreich-fuer-schweizer-unternehmen-so-attraktiv\/","title":{"rendered":"Was macht Frankreich f\u00fcr Schweizer Unternehmen so attraktiv?"},"content":{"rendered":"<p>Frankreich hat 68 Millionen Einwohner und liegt direkt an der Schweizer Grenze. Das macht das Land zu einem der wichtigsten Exportziele der Schweiz. Im Jahr 2024 war Frankreich der f\u00fcnftwichtigste Handelspartner hinter den USA, Deutschland, Italien und China. Der Warenhandel zwischen den beiden L\u00e4ndern betrug insgesamt 37\u00a0Milliarden Franken.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Rund die H\u00e4lfte des Handels konzentriert sich auf die drei Grenzregionen zur Schweiz:\u00a0Auvergne-Rh\u00f4ne-Alpes, Bourgogne-France-Comt\u00e9 und Grand Est. Besonders h\u00e4ufig exportierten Schweizer Firmen Medikamente, Pr\u00e4zisionsinstrumente und Nahrungsmittel. Auch der bilaterale Dienstleistungshandel ist bedeutend: Er macht \u00fcber 20\u00a0Milliarden Franken aus.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a><\/p>\n<p>Noch beeindruckender sind jedoch die Zahlen zur Investitionst\u00e4tigkeit. Die Schweiz ist laut der Banque de France der gr\u00f6sste europ\u00e4ische Investor in Frankreich.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> Ende 2023 belief sich der Investitionsbestand der Schweizer Unternehmen auf 114,5 Milliarden Euro. Damit lagen sie vor den deutschen Unternehmen (111,9 Milliarden Euro). Nur die USA investierten mehr (142,1 Milliarden Euro, siehe Abbildung).<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Die Schweiz ist nach den USA der zweitgr\u00f6sste Direktinvestor in Frankreich (2023)<\/h2>\n<h6 class=\"copy-small-bold\">INTERAKTIVE GRAFIK<\/h6>\n<div class=\"chart chart--normal\" id=\"SCHMID_5-2025_DE\"><\/div>\n<script>\n\n\n$(function () {\n    $('#SCHMID_5-2025_DE').highcharts({     \n\n chart: {\n        type: 'column'\n    },\n    title: {\n        text: ''\n    },\n    \n    xAxis: {\n        categories: ['USA','Schweiz','Deutschland','Vereinigtes K\u00f6nigreich','Luxemburg','Italien','Belgien','Niederlande','Spanien','Japan','Schweden','China und Hongkong','Kanada','Irland'\n            \t\t\t\t\t\t\t\n\n        ],\n        crosshair: true\n    },\n    yAxis: {\n        \n        title: {\n            text: 'Ausl\u00e4ndische Direktinvestitionen von Endinvestoren (in Milliarden Euro)'        },\n            labels: {\n            format: '{value}'\n            \n            },\n    },\n    tooltip: {\n     headerFormat: '{point.x}',\n     valueSuffix: ' Milliarden Euro'\n   \n   \n        },\nlegend: {\nenabled: false\n},\n   \n    \n    plotOptions: {\n        column: {\n            pointPadding: 0.2,\n            borderWidth: 0\n        }\n    },\n    series: [{\n        name: 'Ausl\u00e4ndische Nettodirektinvestitionen in Frankreich',\n        data: [142.1,114.5,111.9,90.2,58.0,54.5,49.1,44.2,28.0,18.5,15.9,13.5,12.6,9.6\n]\n\n    }]\n});\n\n\n\n\n\n});\n\n<\/script>\n<div class=\"diagram-legend\">Quelle: <a href=\"https:\/\/www.banque-france.fr\/fr\/publications-et-statistiques\/statistiques\/les-investissements-directs#:~:text=Sur%20le%20long%20terme%2C%20la,en%20France%20atteint%20919%20milliards\">Banque de France<\/a> \/ Die Volkswirtschaft<\/div>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Schweizer Unternehmen auf franz\u00f6sischen Bahnbaustellen<\/h2>\n<p>Viele Schweizer Unternehmen sind seit Langem in Frankreich t\u00e4tig. Sie haben dort einen guten Ruf und pflegen vertrauensvolle Beziehungen. Dass ein Viertel der Auslandschweizer in Frankreich wohnt (212\u2019000 von insgesamt 827\u2019000 Personen), hat sicher ebenfalls zu diesem sehr hohen Investitionsvolumen beigetragen.<\/p>\n<p>Schweizer Unternehmen sind in allen Branchen t\u00e4tig: von Pharma und Chemie \u00fcber Lebensmittel, Dienstleistungen, Energie, Tourismus, Mode, Logistik bis zu Bau und Infrastruktur. In den letzten Jahren waren sie etwa am Bau der neuen Bahnlinie Lyon\u2013Turin beteiligt: Der Mont-Cenis-Basistunnel soll l\u00e4nger werden als der Gotthard-Basistunnel \u2013 mit 57,1 Kilometern der bisher l\u00e4ngste Strassentunnel der Welt. Schweizer Dienstleistungs- und Zulieferbetriebe \u00fcbernehmen auch Arbeiten beim Grand Paris Express, der derzeit gr\u00f6ssten Baustelle Europas: Rund um Paris entstehen 200 Kilometer neue Metro-Linien und 68 Bahnh\u00f6fe.<\/p>\n<p>F\u00fcr Westschweizer KMU ist Frankreich oft das erste Ziel, wenn sie ins Ausland expandieren. Zwar schrecken einige vor den h\u00f6heren Steuern und dem manchmal schwer verst\u00e4ndlichen Rechtssystem zur\u00fcck. Doch eine breite Palette an regionalen, nationalen und europ\u00e4ischen F\u00f6rdermassnahmen gleicht diese Nachteile aus. Ein Beispiel hierf\u00fcr ist der Cr\u00e9dit d\u2019Imp\u00f4t Recherche (CIR), eine Steuerverg\u00fcnstigung f\u00fcr Unternehmen, die in Forschung und Entwicklung investieren. Das ist ein wesentlicher Faktor der Standortattraktivit\u00e4t Frankreichs.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Die Wirtschaft f\u00f6rdern<\/h2>\n<p>Zu Beginn seiner ersten Amtszeit beschloss Pr\u00e4sident Emmanuel Macron verschiedene Massnahmen zur F\u00f6rderung von Unternehmen. Er revidierte das Arbeitsgesetz, senkte den Steuersatz f\u00fcr Unternehmen von 33 auf 25 Prozent sowie die Arbeitgeberbeitr\u00e4ge auf Niedrigl\u00f6hne und lancierte mehrere Initiativen zur F\u00f6rderung der Digitalisierung. Daten<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a> zu Unternehmensgr\u00fcndungen und zur Ansiedlung ausl\u00e4ndischer Firmen in Frankreich zeigen, dass die Massnahmen erfolgreich waren. Und das trotz zahlreicher internationaler Krisen, insbesondere Covid-19, Ukraine-Krieg, h\u00f6herer Energiepreise und Engp\u00e4ssen in den Lieferketten.<\/p>\n<p>Die weltweiten Turbulenzen halten mit dem Handelskonflikt zwischen den USA und China weiter an. Das spricht f\u00fcr eine Konsolidierung der Beziehungen der Schweiz zu den direkten Nachbarn wie Frankreich. Dank der bilateralen Abkommen mit der Europ\u00e4ischen Union profitieren Schweizer Unternehmen in Frankreich von stabilen Rahmenbedingungen. Der Bundesrat will diesen Rahmen mit dem neuen Paket bilateraler Abkommen, das mit der Europ\u00e4ischen Kommission ausgehandelt wurde, weiter stabilisieren und ausbauen. Das entsprechende Gesetzespaket kommt in den n\u00e4chsten Monaten in die Vernehmlassung.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Standortvorteile trotz abk\u00fchlender Wirtschaft<\/h2>\n<p>Die Regierungen unter der Pr\u00e4sidentschaft von Emmanuel Macron haben die wirtschaftliche Attraktivit\u00e4t Frankreichs zu einer Priorit\u00e4t gemacht. Laut der Amerikanischen Handelskammer in Frankreich hat sich diese Politik positiv auf die Wahrnehmung des Landes ausgewirkt.<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a> Die Vorteile von Frankreich f\u00fcr Unternehmen sind vor allem die Lebensqualit\u00e4t, qualifizierte Arbeitskr\u00e4fte, ein innovationsfreundliches Umfeld und eine gute Infrastruktur. Diese Einsch\u00e4tzung teilen auch viele Schweizer Unternehmen.<\/p>\n<p>Trotzdem gibt es auch Bedenken. Unternehmen sorgen sich \u00fcber die Massnahmen der Regierung zur Sanierung der \u00f6ffentlichen Finanzen. Denn sie bef\u00fcrchten Auswirkungen auf Steuern und Arbeitgeberbeitr\u00e4ge, die in Frankreich schon jetzt vergleichsweise hohe Kosten verursachen. Auch die Parlamentsdebatten \u00fcber ein neues Gesetz, um den administrativen Aufwand f\u00fcr Unternehmen zu senken und den Rechtsrahmen zu vereinfachen, werden aufmerksam beobachtet.<\/p>\n<p>Schliesslich verfolgen die Schweizer Unternehmen auch die konjunkturelle Entwicklung in Frankreich. In den letzten Jahren verlief diese \u00e4hnlich wie in der Schweiz. Nach der Pandemie erholte sich die Wirtschaft stark mit Wachstumsraten von 6,8 Prozent im Jahr 2021 und 2,5 Prozent im Jahr 2022. Danach hat sich das Wachstum deutlich verlangsamt (2023 und 2024 jeweils 1,1 Prozent).<a href=\"#footnote_6\" id=\"footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor\">[6]<\/a> F\u00fcr 2025 erwartet die Regierung nur noch ein Plus von 0,7 Prozent, das sind 0,2 Prozentpunkte weniger als Anfang Jahr. Gr\u00fcnde sind vor allem die US-Z\u00f6lle und deren Folgen f\u00fcr die Weltwirtschaft.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Siehe Bundesamt f\u00fcr Zoll und Grenzsicherheit: Swiss-Impex, Warenhandel, einschliesslich Gold und Edelmetalle.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Siehe Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft: <a href=\"https:\/\/app.powerbi.com\/view?r=eyJrIjoiZDYxZTlhYjAtM2VkMy00YjIwLWI2NzgtODdjMTk3MzE4YzEzIiwidCI6IjZjNGI0ZWU0LWMxNmYtNGQyZC05NGQ4LTU5ZTE3ODUyYTkzZiJ9\">Services Trade Cockpit 2024.<\/a>&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Siehe <a href=\"https:\/\/www.banque-france.fr\/fr\/publications-et-statistiques\/statistiques\/les-investissements-directs#:~:text=Sur%20le%20long%20terme%2C%20la,en%20France%20atteint%20919%20milliards.\">Focus: Les investissements directs<\/a> auf der Website der Banque de France.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Siehe <a href=\"https:\/\/www.ey.com\/fr_fr\/foreign-direct-investment-surveys\/barometre-de-l-attractivite-de-la-france\">Barom\u00e8tre de l\u2019attractivit\u00e9 en France<\/a> von EY, Jahre 2021\u20132024.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\">Siehe Bain und Company (2025). <a href=\"https:\/\/www.bain.com\/globalassets\/barometre-amcham-bain-2025---version-finale-.pdf\">Barom\u00e8tre AmCham-Bain 2025<\/a>. Le moral des investisseurs am\u00e9ricains en France. 25\u00e8me \u00e9dition.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_6\" class=\"footnote--item\">Siehe <a href=\"https:\/\/www.imf.org\/en\/Data\">Internationaler W\u00e4hrungsfonds<\/a>.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frankreich hat 68 Millionen Einwohner und liegt direkt an der Schweizer Grenze. Das macht das Land zu einem der wichtigsten Exportziele der Schweiz. Im Jahr 2024 war Frankreich der f\u00fcnftwichtigste Handelspartner hinter den USA, Deutschland, Italien und China. Der Warenhandel zwischen den beiden L\u00e4ndern betrug insgesamt 37\u00a0Milliarden Franken. 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