{"id":209378,"date":"2025-06-10T07:00:23","date_gmt":"2025-06-10T05:00:23","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=209378"},"modified":"2025-06-10T14:08:14","modified_gmt":"2025-06-10T12:08:14","slug":"digitalisierte-zollabfertigung-entlastung-in-krisenzeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2025\/06\/digitalisierte-zollabfertigung-entlastung-in-krisenzeiten\/","title":{"rendered":"Digitalisierte Zollabfertigung \u2013 Entlastung in Krisenzeiten"},"content":{"rendered":"<p>Die Schweiz ist tief in den internationalen Handel eingebunden: 2024 exportierte sie Waren im Wert von 394 Milliarden Franken und importierte f\u00fcr 328 Milliarden Waren.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> An der Grenze passieren alle diese G\u00fcter den Zoll. Dort werden sie gepr\u00fcft von Mitarbeitenden des Bundesamts f\u00fcr Zoll und Grenzsicherheit (BAZG). Diese haben zwei Hauptaufgaben: Einerseits tragen sie mit ihren Kontrollen dazu bei, gef\u00e4hrliche Waren aus dem Verkehr zu ziehen und Missbr\u00e4uche im grenz\u00fcberschreitenden Warenverkehr zu verhindern. Andererseits erheben sie Z\u00f6lle und Abgaben und stellen damit \u00fcber ein Drittel<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> der Bundeseinnahmen sicher.<\/p>\n<p>Doch das BAZG muss abw\u00e4gen \u2013 denn so wichtig die Kontrollen auch sind, sie m\u00fcssen effizient und effektiv sein. F\u00fcr die Schweizer Wirtschaft ist dieser Grundsatz von grosser Bedeutung, heute mehr denn je. Denn die Weltwirtschaft steht unter Druck: Geopolitische Spannungen, die voranschreitende Globalisierung oder die j\u00fcngst eingef\u00fchrten Z\u00f6lle der US-Regierung stellen eingespielte Abl\u00e4ufe auf den Pr\u00fcfstand. Weitere Handelshemmnisse wie unn\u00f6tige administrative H\u00fcrden oder lange Wartezeiten an der Grenze gilt es deshalb zu vermeiden.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Erleichterte Zollverfahren<\/h2>\n<p>Mit dem Transformationsprogramm <a href=\"https:\/\/www.bazg.admin.ch\/bazg\/de\/home\/themen\/dazit.html\">Dazit<\/a> kommt das BAZG dem Auftrag der Politik und dem Wunsch der Wirtschaft nach, die bis anhin breit gef\u00e4cherten Zoll-, Abgabenerhebungs- und Kontrollprozesse bis Ende 2026 zu vereinfachen, zu standardisieren und zu digitalisieren. So werden die Zollverfahren neu auf der Grundlage eines Standardprozesses ausgerichtet. Dieser sieht vor, dass die im Voraus digital erfassten Zollanmeldungen erst mit der sogenannten Aktivierung rechtsverbindlich werden. Dies erm\u00f6glicht eine weitgehende Automatisierung, die schon heute Realit\u00e4t ist, mittels Smartphone-App und Geofencing, an gewissen Grenz\u00fcberg\u00e4ngen bald auch mittels Kameras und digitaler Infopanels. Das f\u00fchrt zu einer wesentlichen Beschleunigung der Grenzprozesse.<\/p>\n<p>Um dieses ambitionierte Vorhaben realisieren zu k\u00f6nnen, werden auch die gesetzlichen Grundlagen \u00fcberarbeitet und das BAZG organisatorisch neu aufgestellt. Nach Abschluss der Beratung im Parlament folgt die Anpassung des Verordnungsrechts. Positive Auswirkungen der digitalen Transformation inklusive Totalrevision des Zollrechts werden in erster Linie bei den export- und importorientierten KMU und Grossunternehmen erwartet. Die j\u00e4hrlichen Einsparungen f\u00fcr die Wirtschaft werden auf 125 Millionen Franken gesch\u00e4tzt.<\/p>\n<p>In den letzten Jahren wurden bereits diverse Applikationen in Betrieb genommen. F\u00fcr die Wirtschaft zentral ist vor allem das elektronische Warenverkehrssystem <a href=\"https:\/\/www.bazg.admin.ch\/bazg\/de\/home\/services\/services-firmen\/services-firmen_einfuhr-ausfuhr-durchfuhr\/passar.html\">Passar<\/a>\u00bb. Mit diesem werden Zollverfahren durchgehend digital abgewickelt. Die Durchfuhr, zum Beispiel der Transit von internationalen G\u00fctern durch die Schweiz, erfolgt bereits heute vollst\u00e4ndig mit Passar. Aktuell liegt der Fokus auf der Umstellung beim Export. Gem\u00e4ss Vereinbarung mit der Wirtschaft ist das bis Ende 2025 geplant. Ab 2026 folgt die Umstellung bei den Einfuhren.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Flexiblere Logistik und raschere Grenz\u00fcbertritte<\/h2>\n<p>Ganz im Sinne von Dazit werden die Unternehmen mit Passar schrittweise administrativ entlastet. Die Firmen k\u00f6nnen ihre Daten selber erfassen und verwalten \u2013 jederzeit und \u00fcberall. Warenanmeldungen k\u00f6nnen bis zur Aktivierung beliebig korrigiert oder zur\u00fcckgezogen werden \u2013 das steigert die Flexibilit\u00e4t und die Effizienz der Logistik deutlich, dies bereits vor dem Grenz\u00fcbertritt. Neben Passar vereinfachen weitere Applikationen die Abl\u00e4ufe an der Grenze, allen voran die Gesamterneuerung des Erhebungssystems der Leistungsabh\u00e4ngigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA III).<\/p>\n<p>Das Zusammenspiel der Systeme bringt deutliche Erleichterungen. W\u00e4hrend ein Chauffeur bisher noch h\u00e4ufig an der Grenze anhalten musste, um Papierformulare vorzuzeigen oder die LSVA zu begleichen, kann er nun in immer mehr F\u00e4llen ohne Stopp weiterfahren, sofern keine Kontrolle erforderlich ist. K\u00fcnftig wird das der Normalfall sein. Damit die Abl\u00e4ufe auch grenz\u00fcberschreitend effizienter gestaltet werden k\u00f6nnen, steht das BAZG im engen Austausch mit seinen ausl\u00e4ndischen Partnern, um die Digitalisierungsbestrebungen koordiniert voranzutreiben.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Mehr F\u00e4lschungen wegen Onlinehandel<\/h2>\n<p>Vereinheitlichte, vereinfachte und digitalisierte Prozesse entlasten aber nicht nur die Wirtschaft, sondern auch das BAZG selbst. Denn dessen Arbeitsumfeld hat sich in den letzten Jahren stetig ver\u00e4ndert. So haben beispielsweise die Grenz\u00fcbertritte von Waren und Personen deutlich zugenommen. Zudem hat der boomende Onlinehandel dazu gef\u00fchrt, dass vermehrt gef\u00e4lschte oder potenziell gef\u00e4hrliche Produkte wie Medikamente oder Waffen in die Schweiz gelangen.<\/p>\n<p>F\u00fcr das BAZG geht es aber nicht darum, m\u00f6glichst viel, sondern das Richtige zu kontrollieren. Dazu werden risikobasierte Kontrollen durchgef\u00fchrt. Die neuen Anwendungen kommen auch in diesem Bereich zum Einsatz, zum Beispiel zur digitalen Pr\u00fcfung von Bewilligungen.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Kontrollen d\u00fcrfen nicht verw\u00e4ssern<\/h2>\n<p>Bei verd\u00e4chtigen Sendungen oder Personen interveniert das BAZG aber nach wie vor. In einem solchen Fall erfolgen nach der Risikoanalyse zus\u00e4tzlich physische Kontrollen. Diese helfen, Schmuggel, Kriminalit\u00e4t, illegale Migration und Terrorismus zu bek\u00e4mpfen. Gleichzeitig gew\u00e4hrleisten sie die korrekte Veranlagung und damit gleich lange Spiesse f\u00fcr alle Wirtschaftsbeteiligten.<\/p>\n<p>Auch mit Dazit bewegt sich das BAZG k\u00fcnftig im Spannungsfeld zwischen Sicherheit und Effizienz: Einerseits soll das BAZG den Anforderungen eines dynamischen Weltmarkts gerecht werden, andererseits d\u00fcrfen die Kontrollen an den Schweizer Grenzen nicht verw\u00e4ssern. Ohne moderne Einsatzmittel, angepasste Rechtsgrundlagen oder vereinfachte und digitale Prozesse w\u00e4re dies nicht m\u00f6glich. F\u00fcr den Zoll gilt daher: Gerade in Krisenzeiten ist Digitalisierung ein Muss!<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Definitive Statistik Aussenhandel 2024, inkl. Gold und Edelmetalle.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Die Z\u00f6lle allein machen nur rund 0,9 Prozent der Bundeseinnahmen aus.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schweiz ist tief in den internationalen Handel eingebunden: 2024 exportierte sie Waren im Wert von 394 Milliarden Franken und importierte f\u00fcr 328 Milliarden Waren. 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