{"id":209486,"date":"2025-06-23T07:00:19","date_gmt":"2025-06-23T05:00:19","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=209486"},"modified":"2025-06-23T09:56:33","modified_gmt":"2025-06-23T07:56:33","slug":"usa-china-entkopplung-wie-schweizer-firmen-ihre-geschaeftsmodelle-widerstandsfaehiger-machen-koennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2025\/06\/usa-china-entkopplung-wie-schweizer-firmen-ihre-geschaeftsmodelle-widerstandsfaehiger-machen-koennen\/","title":{"rendered":"USA-China-Entkopplung: Wie Schweizer Firmen ihre Gesch\u00e4ftsmodelle widerstandsf\u00e4higer machen k\u00f6nnen"},"content":{"rendered":"<p>Die geopolitischen Spannungen zwischen den USA und China sind l\u00e4ngst Realit\u00e4t mit sp\u00fcrbaren Folgen f\u00fcr Schweizer Unternehmen. Zunehmende Handelsbarrieren, regulatorische Unsicherheiten und die Fragmentierung der beiden Wirtschaftsr\u00e4ume stellen Unternehmen vor grundlegende Fragen: Wie k\u00f6nnen sie Risiken fr\u00fchzeitig erkennen? Und wie widerstandsf\u00e4hig sind ihre Gesch\u00e4ftsmodelle wirklich?<\/p>\n<p>Viele Unternehmen sp\u00fcren die Auswirkungen bereits und haben vereinzelt Gegenmassnahmen ergriffen. Eine systematische Herangehensweise fehlt jedoch h\u00e4ufig. Hier setzt ein Forschungsprojekt an, das von der Schweizer Agentur f\u00fcr Innovationsf\u00f6rderung Innosuisse unterst\u00fctzt wird.<\/p>\n<p>Am Projekt beteiligt sind seit Anfang 2024 das Schweizerische Institut f\u00fcr Entrepreneurship (Sife) der Fachhochschule Graub\u00fcnden, das Center for Geopolitics and Competitiveness der Z\u00fcrcher Hochschule f\u00fcr Angewandte Wissenschaften (ZHAW), vier Schweizer Industriepartner sowie Switzerland Global Enterprise (SGE) \u2013 die Schweizer Organisation f\u00fcr Exportf\u00f6rderung. Ziel ist es, Unternehmen dabei zu helfen, ihre Gesch\u00e4ftsmodelle angesichts geopolitischer Risiken rund um die USA-China-Beziehung nachhaltig robuster auszurichten.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Sechs Szenarien als strategischer Kompass<\/h2>\n<p>Zentraler Bestandteil des Projekts ist die Entwicklung von sechs Szenarien, die m\u00f6gliche zuk\u00fcnftige Entwicklungen der Beziehungen zwischen den USA und China skizzieren (siehe Video). Diese reichen von einer vorsichtigen Entspannung mit erneuter Kooperation der beiden L\u00e4nder \u00fcber eine anhaltende Phase wirtschaftlicher Spannungen bis hin zu einer Eskalation mit potenziell milit\u00e4rischer Auseinandersetzung.<\/p>\n<p>Die Szenarien basieren auf umfangreichen wissenschaftlichen Literaturanalysen und zahlreichen Interviews mit Experten aus Wirtschaft und Politik. Sie dienen als strategisches Hilfsmittel, das es den Unternehmen erm\u00f6glicht, sich konkret auf m\u00f6gliche Entwicklungen vorzubereiten und fr\u00fchzeitig entsprechende Massnahmen zu ergreifen.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Die sechs Szenarien erkl\u00e4rt<\/h2>\n<p><iframe title=\"Fragmentation of global trade\" width=\"800\" height=\"450\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/GMIGZ9ETqSY?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<div class=\"diagram-legend\">Quelle: Switzerland Global Enterprise \/ Youtube<\/div>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Vom Risiko zur Resilienz: Strategien f\u00fcr Schweizer Unternehmen<\/h2>\n<p>Auf Basis dieser Szenarien wurden die Gesch\u00e4ftsmodelle der beteiligten Partnerunternehmen \u2013 Burckhardt Compression, G\u00fcdel, Kuhn Rikon und VAT Group \u2013 auf ihre geopolitische Resilienz hin untersucht. Die Unternehmen vertreten unterschiedliche Branchen und Gesch\u00e4ftsmodelle, was eine vielf\u00e4ltige Perspektive auf die Auswirkungen geopolitischer Risiken er\u00f6ffnete. In der Analyse zeigte sich, dass nicht nur die Lieferketten, sondern meist mehrere Bereiche des Gesch\u00e4ftsmodells betroffen sind. Um wirksame und nachhaltige Strategien zu entwickeln, gen\u00fcgt es daher nicht, nur einzelne operative Prozesse zu hinterfragen. Vielmehr braucht es eine umfassende Betrachtung des gesamten Gesch\u00e4ftsmodells.<\/p>\n<p>Die Analyse im Projekt identifizierte f\u00fcnf besonders relevante Bereiche: Risikomanagementpraktiken, Eigent\u00fcmerstruktur, Ressourcenabh\u00e4ngigkeiten, Produktionsflexibilit\u00e4t und Marktpr\u00e4senz. Zum Beispiel k\u00f6nnte die Eigent\u00fcmerstruktur zum Risiko werden, wenn eine Schweizer Firma Tochtergesellschaften oder wichtige Anteilseigner in den USA hat. Dadurch k\u00f6nnte sie bei neuen US-Sanktionen gegen China unter starken regulatorischen Druck geraten, der ihren Handlungsspielraum massiv einschr\u00e4nkt. Umgekehrt k\u00f6nnen chinesische Exportbeschr\u00e4nkungen von Rohmaterialien wie seltenen Erden auch Schweizer Firmen direkt betreffen und dazu f\u00fchren, dass die Produktion eingestellt werden muss.<\/p>\n<p>Je nachdem, welche dieser f\u00fcnf Bereiche als besonders kritisch eingestuft werden, gibt es unterschiedliche strategische Anpassungsoptionen. Unternehmen k\u00f6nnen etwa ihre Tochterfirmen rechtlich unabh\u00e4ngig voneinander organisieren, um Risiken in der Eigent\u00fcmerstruktur zu mindern. Abh\u00e4ngigkeiten in der Beschaffung k\u00f6nnen durch Zukauf von Lieferanten oder Kunden verringert werden \u2013 das nennt man vertikale Integration. Unternehmen erhalten so mehr Kontrolle entlang der Wertsch\u00f6pfungskette. Ebenso reduzieren Unternehmen Abh\u00e4ngigkeiten durch die zirkul\u00e4re Beschaffung von Rohstoffen, also indem sie Rohstoffe verwenden, die bereits im Umlauf sind.<\/p>\n<p>All diese Strategieoptionen sind in einer Strategie-Toolbox zusammengefasst. Diese erlaubt es Unternehmen, gezielt jene Massnahmen auszuw\u00e4hlen, die auf ihre individuelle Risikolage zugeschnitten sind.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Praktische Risikoeinsch\u00e4tzung<\/h2>\n<p>Als praxisnahes Ergebnis wurde ein Instrument entwickelt, das Schweizer Unternehmen eine schnelle und systematische Einsch\u00e4tzung ihrer geopolitischen Risikosituation erm\u00f6glicht: der sogenannte <a href=\"https:\/\/www.s-ge.com\/en\/us-china-fragmentation-stress-test?ct\">US-China Economic Fragmentation Stress Test<\/a>. Er ber\u00fccksichtigt die zuvor erw\u00e4hnten kritischen Gesch\u00e4ftsbereiche und liefert den teilnehmenden Unternehmen unmittelbar n\u00fctzliche Erkenntnisse. Neben einem individuellen Risikoprofil erhalten sie spezifische Handlungsempfehlungen, die ihnen helfen, gezielt Schwachstellen zu beheben und ihre Gesch\u00e4ftsmodelle nachhaltiger und resilienter zu gestalten: eine wichtige Grundlage f\u00fcr Entscheidungen.<\/p>\n<p>Das Projekt zeigt, dass eine fr\u00fchzeitige und systematische Auseinandersetzung mit geopolitischen Risiken f\u00fcr Schweizer Unternehmen von strategischer Bedeutung ist. Wer sein Gesch\u00e4ftsmodell darauf testet und gegebenenfalls neu ausrichtet, kann seine Widerstandsf\u00e4higkeit gegen\u00fcber externen Schocks erh\u00f6hen. Gerade in einem zunehmend unsicheren geopolitischen Umfeld tr\u00e4gt dies dazu bei, die eigene Wettbewerbsf\u00e4higkeit langfristig zu sichern und Chancen gezielt zu nutzen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die geopolitischen Spannungen zwischen den USA und China sind l\u00e4ngst Realit\u00e4t mit sp\u00fcrbaren Folgen f\u00fcr Schweizer Unternehmen. Zunehmende Handelsbarrieren, regulatorische Unsicherheiten und die Fragmentierung der beiden Wirtschaftsr\u00e4ume stellen Unternehmen vor grundlegende Fragen: Wie k\u00f6nnen sie Risiken fr\u00fchzeitig erkennen? Und wie widerstandsf\u00e4hig sind ihre Gesch\u00e4ftsmodelle wirklich? Viele Unternehmen sp\u00fcren die Auswirkungen bereits und haben vereinzelt Gegenmassnahmen [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":13310,"featured_media":211639,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"ep_exclude_from_search":false,"footnotes":""},"post__type":[66],"post_opinion":[],"post_serie":[],"post_content_category":[154],"post_content_subject":[244,171],"acf":{"seco_author":13310,"seco_co_author":[13267,13311,2742],"author_override":"","seco_author_post_ocupation_year":"","seco_author_post_occupation_de":"Dr., Dozentin, Center for Geopolitics and Competitiveness, Z\u00fcrcher Hochschule f\u00fcr Angewandte Wissenschaften (ZHAW)","seco_author_post_occupation_fr":"Professeur de gestion internationale \u00e0 l\u2019Institut suisse d\u2019entrepreneuriat (Sife), Haute \u00e9cole sp\u00e9cialis\u00e9e des Grisons (FHGR), Coire","seco_co_authors_post_ocupation":[{"seco_co_author":13267,"seco_co_author_post_occupation_year":"","seco_co_author_post_occupation_de":"Wissenschaftliche Projektleiterin, Fachhochschule Graub\u00fcnden, Chur","seco_co_author_post_occupation_fr":""},{"seco_co_author":13311,"seco_co_author_post_occupation_year":"","seco_co_author_post_occupation_de":"Professor f\u00fcr Global Business and International Relations, Head of Center for Geopolitics &amp; Competitiveness, Z\u00fcrcher Hochschule f\u00fcr Angewandte Wissenschaften (ZHAW), Winterthur","seco_co_author_post_occupation_fr":""},{"seco_co_author":2742,"seco_co_author_post_occupation_year":"","seco_co_author_post_occupation_de":"Professor f\u00fcr Internationales Management, Schweizerisches Institut f\u00fcr Entrepreneurship, Fachhochschule Graub\u00fcnden, Chur ","seco_co_author_post_occupation_fr":"Professeur de gestion internationale \u00e0 l\u2019Institut suisse d\u2019entrepreneuriat (Sife), Haute \u00e9cole sp\u00e9cialis\u00e9e des Grisons (FHGR), Coire"}],"short_title":"","post_lead":"Die wirtschaftliche Entkopplung zwischen den USA und China schreitet voran und stellt Schweizer Unternehmen vor neue Herausforderungen. Ein Forschungsprojekt untersucht, wie sie ihre Gesch\u00e4ftsmodelle besser gegen geopolitische Risiken wappnen k\u00f6nnen. ","post_hero_image_description":"Wie gut sind Schweizer Firmen gegen geopolitische Risiken gewappnet? Oft fehlt eine systematische Herangehensweise.","post_hero_image_description_copyright_de":"Keystone","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":"","main_focus":"","serie_email":"","frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":"","redaktoren":[9757],"korrektor":5357,"planned_publication_date":"2025-06-23 05:00:19","original_files":null,"external_release_for_author":"20250623","external_release_for_author_time":"00:07:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/exedit\/6811f87461049"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/209486"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/13310"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=209486"}],"version-history":[{"count":22,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/209486\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":211646,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/209486\/revisions\/211646"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5357"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9757"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2742"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/13311"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/13267"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/13310"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/211639"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=209486"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=209486"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=209486"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=209486"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=209486"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=209486"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}