{"id":210108,"date":"2025-07-15T07:00:12","date_gmt":"2025-07-15T05:00:12","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=210108"},"modified":"2025-07-15T11:41:24","modified_gmt":"2025-07-15T09:41:24","slug":"die-sportwettenregulierung-in-der-schweiz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2025\/07\/die-sportwettenregulierung-in-der-schweiz\/","title":{"rendered":"Die Sportwettenregulierung in der Schweiz"},"content":{"rendered":"<p>Der Geldspielmarkt boomt weltweit. Und die Sportwetten sind dabei einer der grossen Motoren. Selbst bei konservativer Sch\u00e4tzung liegen die globalen Ums\u00e4tze sowohl im legalen als auch im illegalen Markt jeweils bei mehreren Hundert Milliarden Euro pro Jahr. Allein im legalen Schweizer Markt bewegt er sich aktuell bei \u00fcber einer Milliarde Franken.<\/p>\n<p>Geldspiele sind verbunden mit den Risiken des Betrugs, der Spielsucht und der Geldw\u00e4scherei. Diesen Risiken wollte der Bund mit dem Erlass des Bundesgesetzes \u00fcber Geldspiele (BGS), das 2019 in Kraft getreten ist, noch effektiver entgegenwirken. Das Gesetz adressiert zudem die Verwendung der durch Geldspiele erwirtschafteten Ertr\u00e4ge. Aber welche Regeln hat der Bund zu diesem Zweck im Sportwettenbereich aufgestellt \u2013 und wo stellen sich Herausforderungen?<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Geldspiele im Dienste des Gemeinwohls<\/h2>\n<p>Die Verfassung sieht vor, dass Ertr\u00e4ge aus Sportwetten nur f\u00fcr gemeinn\u00fctzige Zwecke verwendet werden. Sportwetten, die interkantonal, online oder automatisiert durchgef\u00fchrt werden, d\u00fcrfen nur von der Loterie Romande und von Swisslos angeboten werden. Beide Gesellschaften sind kantonsgetragen. Sie verf\u00fcgen in ihrem jeweiligen Vertragsgebiet (bei der Loterie Romande die Westschweiz, bei Swisslos die Deutschschweiz und das Tessin) \u00fcber ein Monopol. Der Reingewinn der Lotteriegesellschaften fliesst in den Schweizer Sport und die zahlreichen Lotteriefonds der Kantone. Im Jahr 2024 waren das gut 850 Millionen Franken.<\/p>\n<p>Der Sportwettenmarkt in der Schweiz ist also bereits im Ansatz streng reguliert. Profite privater Unternehmen sind ausgeschlossen. Neben dem Sportwettenangebot der beiden Lotteriegesellschaften gibt es noch vereinzelte sogenannte lokale Sportwetten. Dabei handelt es sich vorwiegend um Wetten auf kleinere Pferderennen. Das Gesetz schafft zudem die Grundlage f\u00fcr die Sperrung des Zugangs zu ausl\u00e4ndischen Onlineangeboten (siehe Kasten).<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Das zul\u00e4ssige Sportwettenangebot in der Schweiz<\/h2>\n<p>Sportwetten k\u00f6nnen bei den beiden Lotteriegesellschaften online oder an Kiosken, Tankstellen und in Sportbars abgeschlossen werden. Zul\u00e4ssig sind neben den \u00abklassischen\u00bb Sportwetten, bei denen der Einsatz vor dem Sportereignis geleistet wird, seit 2019 auch Livewetten. Diese werden abgeschlossen, wenn ein Wettkampf bereits begonnen hat. Dabei \u00e4ndert sich die Wettquote laufend. Livewetten werden ausschliesslich online angeboten.<\/p>\n<p>Die beiden Lotteriegesellschaften d\u00fcrfen dabei nicht x-beliebige Wetten ins Angebot nehmen. Das Gesetz schreibt vor, dass Wetten auf Sportereignisse, die ein erh\u00f6htes Risiko der Wettkampfmanipulation beinhalten, unzul\u00e4ssig sind. Aus diesem Grund ver\u00f6ffentlicht die interkantonale Geldspielaufsicht (Gespa) als zust\u00e4ndige Aufsichtsbeh\u00f6rde eine <a href=\"https:\/\/www.gespa.ch\/de\/bekaempfung-illegaler-aktivitaeten\/manipulation-von-sportwettkaempfen\">Liste<\/a>, auf der im Detail festgehalten ist, welche Wetten auf welche Sportarten, Ligen und Wettk\u00e4mpfe zul\u00e4ssig sind.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Wettkampfmanipulation und Sportwettenbetrug<\/h2>\n<p>Es handelt sich um ein weltweit verbreitetes Ph\u00e4nomen: Kriminelle Einzelt\u00e4ter oder Gruppierungen versprechen Athleten oder Schiedsrichtern finanzielle Zuwendungen, wenn sie einen Sportwettkampf in einer bestimmten Weise beeinflussen. Ein Team soll beispielsweise mit mindestens vier Toren Unterschied verlieren \u2013 oder eine Tennisspielerin ihr zweites Servicegame abgeben. Und auf genau diese Ereignisse wird dann gewettet. Der wohl spektakul\u00e4rste Fall aus der j\u00fcngeren Geschichte ist der Fussball-Wettskandal, der im Jahr 2005 bekannt wurde. Damals hatten verschiedene Schiedsrichter den Ausgang von Fussballspielen im deutschen Fussball manipuliert. Die Aff\u00e4re hat dazu gef\u00fchrt, dass die Bem\u00fchungen zur Bek\u00e4mpfung der Wettkampfmanipulation in zahlreichen L\u00e4ndern intensiviert wurden.<\/p>\n<p>Wettkampfmanipulation verunm\u00f6glicht sichere Sportwetten. Und sie untergr\u00e4bt die Grundwerte des fairen Sports. Aus diesem Grund hat die Schweiz als eines der ersten L\u00e4nder die sogenannte Magglinger Konvention des Europarats ratifiziert. Mit dieser Konvention soll die Bek\u00e4mpfung der Wettkampfmanipulation im Sport gest\u00e4rkt und international koordiniert werden. Umgesetzt wurde die Konvention in der Schweiz im BGS. Die bereits erw\u00e4hnte Regel, dass manipulationsanf\u00e4llige Wetten nicht erlaubt sind, geht direkt auf die Konvention zur\u00fcck. Das Gesetz teilt der Gespa zudem die Rolle der nationalen Plattform zu. Bei Verdachtsf\u00e4llen von Wettkampfmanipulation bestehen diverse Meldepflichten der Wettanbieterinnen und der Akteure aus dem Sport. Die Gespa als nationale Plattform triagiert diese Meldungen und leitet sie, soweit sinnvoll, an ausl\u00e4ndische Partner oder die Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter. Sie ist in der Schweiz national und international die erste Anlaufstelle rund um das Thema Wettkampfmanipulation \u2013 und stellt den Informationsfluss zwischen den verschiedenen Akteuren sicher.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Aktuelle Herausforderungen<\/h2>\n<p>Nach dem Inkrafttreten des BGS wurden die Sportwettenprodukte der Loterie Romande und von Swisslos neu bewilligt. Nicht zuletzt die neu eingef\u00fchrten Livewetten sorgten dabei f\u00fcr Sorgenfalten auf der Stirn der Spielsuchtexperten. Immer deutlicher zeigt sich aber, dass die Risiken im Onlinebereich, beispielsweise die Spielsuchtproblematik, \u00fcberschaubar sind. Die beiden Lotteriegesellschaften sehen \u2013 gerade im Bereich der Verlustlimiten \u2013 Massnahmen zum Schutz der Spielenden vor, die deutlich \u00fcber die gesetzlichen Mindestanforderungen hinausgehen. Dazu kommen weitere Instrumente wie die Fr\u00fcherkennung gef\u00e4hrdeter Spielender sowie Sensibilisierungsmassnahmen. Das Onlinespiel bei den beiden Lotteriegesellschaften scheint aus der Optik des Spielerschutzes damit kaum Risiken zu bieten, die \u00fcber das hinausgehen, was der Gesetzgeber vorausgesehen hat.<\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise etwas untersch\u00e4tzt hat der Gesetzgeber die Marktentwicklung mit Blick auf den sogenannten terrestrischen Markt. Weiterhin werden bei den Sportwetten \u00fcber 70 Prozent des Umsatzes in den dezentralen Verkaufsstellen wie Kiosken erzielt. Und dort k\u00f6nnen Eins\u00e4tze und Gewinne weitestgehend anonym geleistet und bezogen werden. Dies birgt Risiken. Diese ber\u00fchren neben dem Schutz der Spielenden vor Spielsucht nicht zuletzt auch das Thema Geldw\u00e4scherei. Die beiden Lotteriegesellschaften haben bereits Massnahmen \u2013 namentlich durch gewisse Limitierungen an den Verkaufsstellen \u2013 ergriffen. Ob diese gen\u00fcgen, wird sich weisen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Geldspielmarkt boomt weltweit. Und die Sportwetten sind dabei einer der grossen Motoren. Selbst bei konservativer Sch\u00e4tzung liegen die globalen Ums\u00e4tze sowohl im legalen als auch im illegalen Markt jeweils bei mehreren Hundert Milliarden Euro pro Jahr. Allein im legalen Schweizer Markt bewegt er sich aktuell bei \u00fcber einer Milliarde Franken. 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Sogar von Internetzensur war die Rede.\r\n\r\nWelches Fazit kann heute gezogen werden? Die Sperre h\u00e4lt weitestgehend, was sie versprochen hat. Sie kann mit technischen Mitteln zwar relativ einfach umgangen werden. Gleichzeitig erm\u00f6glicht sie den Spielenden aber informierte Entscheidungen: Sie wissen in der Regel, wenn sie auf einer nicht bewilligten Site spielen \u2013 tun es also im Wissen um die damit verbundenen Risiken. Zudem haben sich diverse Anbieter bereits vor dem Inkrafttreten des Bundesgesetzes \u00fcber Geldspiele (BGS) 2019 aus der Schweiz zur\u00fcckgezogen, um nicht mit einer Sperrliste in Verbindung gebracht zu werden. Auch dieser Effekt ist positiv zu werten. Die Internettechnologie und auch die klassischen Browser entwickeln sich aber laufend weiter. Die technische Zugangssperre d\u00fcrfte damit tendenziell an Bedeutung und Wirksamkeit verlieren."}],"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":"","main_focus":[212364,212379],"serie_email":"","frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":"","redaktoren":[4306],"korrektor":5357,"planned_publication_date":"2025-07-15 05:00:12","original_files":null,"external_release_for_author":"20250715","external_release_for_author_time":"00:05:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/exedit\/682718a171120"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/210108"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/13315"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=210108"}],"version-history":[{"count":19,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/210108\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":212546,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/210108\/revisions\/212546"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5357"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4306"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/13315"}],"acf:post":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/212379"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/212364"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/212597"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=210108"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=210108"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=210108"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=210108"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=210108"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=210108"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}