{"id":210113,"date":"2025-07-01T07:00:01","date_gmt":"2025-07-01T05:00:01","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=210113"},"modified":"2025-07-03T09:37:19","modified_gmt":"2025-07-03T07:37:19","slug":"teilzeit-und-homeoffice-wirken-dem-fachkraeftemangel-entgegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2025\/07\/teilzeit-und-homeoffice-wirken-dem-fachkraeftemangel-entgegen\/","title":{"rendered":"Teilzeit und Homeoffice wirken dem Fachkr\u00e4ftemangel entgegen"},"content":{"rendered":"<p>Der Sozialphilosoph Frithjof Bergmann entwickelte das Konzept des \u00abNew Work\u00bb in den 1980er-Jahren. Es steht f\u00fcr eine Arbeitskultur, die sich durch Autonomie, Sinnhaftigkeit und flexible Arbeitsmodelle auszeichnet.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Arbeit soll sich an den Bed\u00fcrfnissen der Menschen orientieren \u2013 nicht umgekehrt. Zentral dabei ist, Arbeitszeit und Arbeitsort zu flexibilisieren sowie individuelle St\u00e4rken und eine Kultur des Vertrauens und der Offenheit zu f\u00f6rdern.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a><\/p>\n<p>Das Institut f\u00fcr Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) der Hochschule Luzern und Raiffeisen Schweiz haben gemeinsam am \u00abChancenreport Schweiz 2025\u00bb gearbeitet. Er beleuchtet unter anderem, wie Unternehmen die \u00abNew Work\u00bb-Prinzipien umsetzen, um der Herausforderung des Fachkr\u00e4ftemangels zu begegnen. Befragt wurden 214 Personen, vorwiegend Gesch\u00e4ftsleitungs- und Verwaltungsratsmitglieder mittelgrosser und grosser Schweizer Unternehmen. Die Ergebnisse liefern Einblicke in aktuelle Strategien und L\u00f6sungsans\u00e4tze.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Flexible Arbeitszeiten sind eine beliebte Strategie gegen Fachkr\u00e4ftemangel<\/h2>\n<h6 class=\"copy-small-bold\">INTERAKTIVE GRAFIK<\/h6>\n<div class='chart chart--normal' id='BLAETTLER-GESSLEIN-LAUN-OBRIST_07-2025'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#BLAETTLER-GESSLEIN-LAUN-OBRIST_07-2025').highcharts({\n\n        chart: {\n            type: 'bar'\n        },\n        title: {\n            text: ''\n        },\n\n        xAxis: {\n            categories: [\n                'Flexible Arbeitszeiten',\n                'Hybride Arbeitszeitmodelle (z. B. Homeoffice)',\n                'Interne Ausbildung',\n                'Bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie',\n                'H\u00f6here L\u00f6hne',\n                'Externe Schulungen',\n                'Flache Hierarchien',\n                'Internationale Fachkr\u00e4ftesuche',\n                'Flexible Handhabung der Pensionierung',\n                'Outsourcing',\n                'Weitere'\n            ]\n        },\n\n        yAxis: {\n            title: {\n                text: ''\n            },\n            labels: {\n                format: '{value}%'\n            }\n        },\n\n        legend: {\n            enabled: false\n        },\n\n        tooltip: {\n            pointFormat: '<b>{point.y}%<\/b>'\n        },\n\n        series: [{\n            name: 'Anteil',\n            data: [62.1, 59.3, 57.0, 53.3, 43.5, 41.6, 41.6, 27.6, 21.5, 15.9, 7.0]\n        }]\n    });\n});\n<\/script>\n<div class=\"diagram-legend\">Anmerkung: Die Abbildung zeigt die Ergebnisse einer Unternehmensbefragung zur Frage, welche Strategien und L\u00f6sungsans\u00e4tze gegen den Fachkr\u00e4ftemangel verfolgt werden. Es waren Mehrfachantworten m\u00f6glich.<\/div>\n<div class=\"diagram-legend\">Quelle: Behringer et al. (2024) \/ Die Volkswirtschaft<\/div>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Digitalisierung erlaubt flexible Arbeitszeiten<\/h2>\n<p>Mehr als die H\u00e4lfte der befragten Unternehmen bietet flexible Arbeitszeiten und hybride Arbeitszeitmodelle, f\u00f6rdert interne Ausbildungsangebote und ergreift Massnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie (siehe Abbildung). Drei dieser Strategien entsprechen den Grundlagen des \u00abNew Work\u00bb-Konzepts. Damit liegen sie deutlich vor anderen Strategien wie hohen L\u00f6hnen. Flexibilit\u00e4t schl\u00e4gt also Gehalt.<\/p>\n<p>Flexible Arbeitszeiten erm\u00f6glichen es den Mitarbeitenden, ihren Arbeitsalltag individuell zu gestalten, und machen einen Arbeitgeber deutlich attraktiver. Diese Massnahme ist branchen\u00fcbergreifend und unabh\u00e4ngig von der Unternehmensgr\u00f6sse am h\u00e4ufigsten.<\/p>\n<p>Am zweith\u00e4ufigsten setzen Unternehmen hybride Arbeitszeitmodelle um, also die M\u00f6glichkeit f\u00fcr Mitarbeitende, teilweise im Homeoffice zu arbeiten. Die Kombination aus Pr\u00e4senz- und Remote-Arbeit verbessert die Work-Life-Balance. Vor allem gr\u00f6ssere Unternehmen greifen oft zu dieser L\u00f6sung. Das zeigt ihre F\u00e4higkeit und Bereitschaft, in flexiblere Arbeitsstrukturen zu investieren. Kleinere Unternehmen nutzen hybride Modelle seltener, m\u00f6glicherweise aufgrund beschr\u00e4nkter Ressourcen.<\/p>\n<p>Die Umsetzbarkeit hybrider Arbeitszeitmodelle variiert jedoch zwischen den Branchen. Finanz- und Unternehmensdienstleister bieten h\u00e4ufiger Homeoffice und Co. an. In der Bau- und Immobilienbranche sowie in der verarbeitenden Industrie sind diese Modelle seltener. Branchen mit h\u00f6herem Digitalisierungsgrad und einem gr\u00f6sseren Anteil an wissensbasierter Arbeit k\u00f6nnen flexiblere Arbeitszeitmodelle leichter umsetzen. Wo hingegen physische Pr\u00e4senz erforderlich ist, st\u00f6sst das Konzept an seine Grenzen.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Hohe L\u00f6hne oft in verarbeitender Industrie<\/h2>\n<p>Mehr als die H\u00e4lfte der befragten Unternehmen sieht in der Vereinbarkeit von Beruf und Familie einen zentralen L\u00f6sungsansatz im Kampf gegen den Fachkr\u00e4ftemangel. Massnahmen wie Unterst\u00fctzung bei der Kinderbetreuung tragen wesentlich dazu bei, Fachkr\u00e4fte zu gewinnen und an das Unternehmen zu binden.<\/p>\n<p>Rund 43 Prozent der Unternehmen setzen auf h\u00f6here L\u00f6hne als der Branchendurchschnitt, um qualifiziertes Personal zu gewinnen und zu halten. Solche finanziellen Anreize erh\u00f6hen unmittelbar die Attraktivit\u00e4t des Arbeitgebers. Die Bereitschaft, h\u00f6here L\u00f6hne zu zahlen, steigt jedoch nicht mit der Unternehmensgr\u00f6sse. Nur die verarbeitende Industrie und Produktion zeigt im Vergleich zu anderen Branchen eine leicht erh\u00f6hte Bereitschaft, h\u00f6here L\u00f6hne zu zahlen. Das deutet darauf hin, dass andere Massnahmen wie flexible Arbeitszeiten oder Homeoffice in diesem Umfeld schwerer umzusetzen sind.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Mischung aus Homeoffice und Pr\u00e4senzzeit<\/h2>\n<p>Der \u00abState of the Global Workplace Report 2024\u00bb des internationalen Analyse- und Beratungsunternehmens Gallup zeigt: Arbeitnehmende weltweit w\u00fcnschen sich flexible Arbeitsmodelle wie Homeoffice \u2013 allerdings nur in Kombination mit Pr\u00e4senztagen im Unternehmen. Wer ausschliesslich zu Hause arbeitet, f\u00fchlt sich h\u00e4ufiger einsam als Personen, die nur vor Ort t\u00e4tig sind (25 vs. 16 Prozent). Dies zeigt, dass flexible Arbeitszeitmodelle nicht nur zeitliche und \u00f6rtliche Freiheit bieten sollten, sondern auch den sozialen Austausch im Team f\u00f6rdern m\u00fcssen, um negativen Effekten wie Einsamkeit vorzubeugen.<\/p>\n<p>Laut dem deutschen Ifo-Institut arbeitet rund ein Viertel der Erwerbst\u00e4tigen in Deutschland zumindest gelegentlich von zu Hause aus. Ein Blick auf die Zentralschweiz zeigt \u00e4hnliche Tendenzen: Der \u00abFinanzmonitor Zentralschweiz 2025\u00bb der Hochschule Luzern belegt: Knapp 80 Prozent der 176 befragten Unternehmen erlauben ihren Mitarbeitenden ein bis f\u00fcnf Homeoffice-Tage pro Woche. Besonders verbreitet sind maximal zwei Homeoffice-Tage (40 Prozent), was wiederum eher f\u00fcr einen hybriden Ansatz spricht.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a><\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Siehe Bergmann (2019).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Siehe Sattelberger et al. (2022).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Siehe Behringer et al. (2025).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Sozialphilosoph Frithjof Bergmann entwickelte das Konzept des \u00abNew Work\u00bb in den 1980er-Jahren. Es steht f\u00fcr eine Arbeitskultur, die sich durch Autonomie, Sinnhaftigkeit und flexible Arbeitsmodelle auszeichnet. Arbeit soll sich an den Bed\u00fcrfnissen der Menschen orientieren \u2013 nicht umgekehrt. 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Hochschule Luzern.<\/li>\r\n \t<li class=\"content-copy\">Bergmann, Frithjof (2019). New Work New Culture: Work We Want and a Culture That Strengthens Us. John Hunt Publishing.<\/li>\r\n \t<li class=\"content-copy\">Gallup (2024). <a href=\"https:\/\/www.gallup.com\/workplace\/349484\/state-of-the-global-workplace.aspx\">State of the Global Workplace Report 2024<\/a>.<\/li>\r\n \t<li class=\"content-copy\">Ifo Institut (2023). Homeoffice bleibt auf hohem Niveau stabil.<\/li>\r\n \t<li class=\"content-copy\">Sattelberger, T., Rump, J. und S. Eilers (2022). Employability Management 5.0. 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