{"id":210960,"date":"2025-07-03T06:55:16","date_gmt":"2025-07-03T04:55:16","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=210960"},"modified":"2025-07-09T10:59:11","modified_gmt":"2025-07-09T08:59:11","slug":"wie-stark-beeinflusst-die-frauenfussball-em-2025-das-bip-der-schweiz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2025\/07\/wie-stark-beeinflusst-die-frauenfussball-em-2025-das-bip-der-schweiz\/","title":{"rendered":"Wie stark beeinflusst die Frauenfussball-EM 2025 das BIP der Schweiz?"},"content":{"rendered":"<p>Vom 2. bis zum 27. Juli 2025 liegen sich Fussballfans wieder in den Armen, singen, trinken und schauen fern. Der Grund: In der Schweiz findet die 14. Fussball-Europameisterschaft der Frauen statt. Dabei k\u00e4mpfen 16 Nationalteams in acht St\u00e4dten um den Titel, rund 700\u2019000 Zuschauerinnen und Zuschauer werden erwartet. Der Wettbewerb ist eines der sportlichen Highlights des Jahres 2025. Doch ist er auch f\u00fcr die Schweizer Wirtschaft von Bedeutung?<\/p>\n<p>Die EM-Organisatorin, die Union Europ\u00e4ischer Fussballverb\u00e4nde (Uefa), budgetiert f\u00fcr den Event Gesamteinnahmen von 120 Millionen Franken. Das ist rund doppelt so viel wie bei der letzten Ausgabe in England, die coronabedingt ein Jahr sp\u00e4ter als geplant im Jahr 2022 stattfand. Auch kostenseitig d\u00fcrften sich die Zahlen gegen\u00fcber dem Anlass von vor drei Jahren praktisch verdoppeln.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Als Ausgaben budgetiert die Uefa insgesamt gut 150 Millionen Franken. Dazu z\u00e4hlen die Organisation, die Preisgelder und Entsch\u00e4digungen f\u00fcr Vereine, deren Spielerinnen von den teilnehmenden Nationalteams aufgeboten wurden.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">M\u00e4nner-Fussball-EM deutlich gr\u00f6sser<\/h2>\n<p>Der Frauenfussball hat sich in den letzten Jahren dynamisch entwickelt. Trotzdem bleibt seine \u00f6konomische Bedeutung immer noch um ein Vielfaches hinter jener des M\u00e4nnerfussballs zur\u00fcck. Zum Vergleich: Die letzte M\u00e4nner-Europameisterschaft der Uefa, die 2024 in Deutschland stattfand, generierte Einnahmen von 2,4 Mrd. Franken bei Kosten von rund 1,2 Mrd. Franken. W\u00e4hrend die letzte EM der M\u00e4nner also einen satten Gewinn von 1,2 Mrd. Franken einbrachte, rechnet die Uefa bei der Frauenfussball-EM mit einem leichten Defizit.<\/p>\n<p>Die Einnahmen der Uefa folgen einem zyklischen Muster, mit Spitzenwerten in Jahren der Fussball-Europameisterschaft der M\u00e4nner (siehe Abbildung 1). Das ist typisch f\u00fcr internationale Sportverb\u00e4nde wie die Uefa, den Weltfussballverband (Fifa) oder das Internationale Olympische Komitee (IOC), deren Gesch\u00e4ftsmodell auf einem Vierjahreszyklus beruht und die allesamt ihren Hauptsitz in der Schweiz haben.<\/p>\n<p>Bei allen drei Organisationen geht ein Grossteil der Einnahmen auf den Verkauf von Medienrechten zur\u00fcck. Ein weiterer grosser Einnahmenanteil entf\u00e4llt auf die kommerziellen Rechte, also beispielsweise auf die Einnahmen durch den Verkauf von Werbefl\u00e4chen. Hingegen machen die Einnahmen durch den Ticketverkauf und das sogenannte Hospitality, das VIP-Tickets, Loungebereiche und weitere Annehmlichkeiten ausserhalb des Stadionerlebnisses umfasst, nur einen vergleichsweise geringen Teil aus.<\/p>\n<p>Auch beim diesj\u00e4hrigen Frauenfussball-Turnier werden gut 100 von insgesamt 120 Mio. Franken budgetierten Einnahmen auf den Verkauf von Medienrechten und kommerziellen Rechten zur\u00fcckgef\u00fchrt.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Abb. 1: Medienrechte machen den Grossteil der Uefa-Einnahmen aus (2016\u20132026)<\/h2>\n<h6 class=\"copy-small-bold\">INTERAKTIVE GRAFIK<\/h6>\n<div class=\"chart chart--normal\" id=\"WEGM\u00dcLLER_7-2025_Abb1_DE\"><\/div>\n<script>\n$(function () {\n    $('#WEGM\u00dcLLER_7-2025_Abb1_DE').highcharts({\n    chart: {\n        type: 'column'\n    },\n    title: {\n        text: '',\n       \n    },\n    legend: {\n                            enabled: true,\n                            floating: false,\n                            verticalAlign: 'bottom',\n                            align:'center', \n \n                        },\n    xAxis: {\n        categories: [2016,2017,2018,2019,2020,2021,2022,2023,2024,2025,2026\n]\n    },\n    yAxis: {\n        min: 0,\n        title: {\n            text: 'Einnahmen in Mio. 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Die Finanzjahre dauern gem\u00e4ss Finanzberichten jeweils vom 1.7. bis zum 30.6.<\/div>\n<div class=\"diagram-legend\">Quelle: Uefa \/ Die Volkswirtschaft<\/div>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Frauenfussball\u2011EM erh\u00f6ht Schweizer BIP<\/h2>\n<p>Die Wertsch\u00f6pfung, welche die Fussballturniere bei der Uefa generieren, wird aufgrund des Hauptsitzes der Uefa in Nyon im BIP der Schweiz verbucht. Neben der Uefa betrifft das auch die Fifa und das IOC, die ihren Sitz in Z\u00fcrich beziehungsweise in Lausanne haben. Die Wertsch\u00f6pfung dieser Sportorganisationen f\u00e4llt in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung in den Wirtschaftszweig \u00abErbringung von Dienstleistungen des Sports, der Unterhaltung und der Erholung\u00bb (kurz: \u00abSport, Unterhaltung und Erholung\u00bb). Die durch die Frauenfussball-EM generierte Wertsch\u00f6pfung bei der Uefa wird 2025 ebenfalls in dieser Branche verbucht.<\/p>\n<p>Doch weil die Frauenfussball-EM in diesem Jahr in der Schweiz stattfindet, entsteht die Wertsch\u00f6pfung nicht nur bei der Uefa. Der Event generiert indirekt Wertsch\u00f6pfung in diversen weiteren Branchen. Vom Anlass profitieren beispielsweise auch die lokale Gastronomie und Hotellerie, der Detailhandel, das Transportwesen und die Logistikbranche.<\/p>\n<p>Die Erfahrungen aus fr\u00fcheren Grossveranstaltungen wie der Fussball\u2011EM der M\u00e4nner von 2008, der Eishockey-WM von 2009 oder dem Eidgen\u00f6ssischen Schwing- und \u00c4lplerfest zeigen zudem, dass nicht nur unmittelbare Branchen profitieren. Es entsteht zus\u00e4tzliche Nachfrage in vor- und nachgelagerten Bereichen wie dem Bauwesen, den Kommunikationsdienstleistungen, sonstigen Dienstleistungsbereichen wie der Immobilienbewirtschaftung und sogar in der \u00f6ffentlichen Verwaltung. So kann das erh\u00f6hte Besucheraufkommen auch tempor\u00e4re Besch\u00e4ftigungsimpulse und zus\u00e4tzliche Einkommen in den Regionen schaffen.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a><\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Bereinigtes BIP f\u00fcr Konjunkturanalyse<\/h2>\n<p>Insgesamt d\u00fcrften die \u00f6konomischen Auswirkungen der Frauen-Fussball-EM trotz zunehmender Popularit\u00e4t und teilweise ausverkaufter Spiele im Vergleich zu einer M\u00e4nner-EM jedoch marginal sein. Eine M\u00e4nner-EM oder Olympische Spiele verursachen tempor\u00e4r erhebliche Wertsch\u00f6pfungszuw\u00e4chse. Die Ausschl\u00e4ge, welche alle vier Jahre bei der Uefa sichtbar sind, gibt es in vergleichbarer Weise auch bei der Fifa und dem IOC.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> Und: Sie zeigen sich sogar alle zwei Jahre im BIP der Schweiz \u2013 beispielsweise 2022 anl\u00e4sslich der Fussballweltmeisterschaft in Katar oder 2024 bei den Olympischen Spielen in Paris.<\/p>\n<p>In einem Jahr mit solchen internationalen Sportgrossanl\u00e4ssen liegt die Wertsch\u00f6pfung der Schweiz rund 2 Mrd. Franken h\u00f6her als sonst. Die Wertsch\u00f6pfung in der Branche \u00abSport, Unterhaltung und Erholung\u00bb schwankt entsprechend stark: Zwischen 2022 (WM Katar) und 2023 (kein Sportevent) ging sie um 45 Prozent zur\u00fcck.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Abb. 2: Die Wertsch\u00f6pfung in der Branche \u00abSport, Unterhaltung und Erholung\u00bb schl\u00e4gt wegen Sportgrossevents alle zwei Jahre aus (2016\u20132025)<\/h2>\n<h6 class=\"copy-small-bold\">INTERAKTIVE GRAFIK<\/h6>\n<div class='chart chart--normal' id='WEGM\u00dcLLER_7-2025_Abb2_de'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\nHighcharts.setOptions({\n    lang : {\n      months: \"1. Quartal,Februar,M\u00e4rz,2. Quartal,Mai,Juni,3. Quartal,August,September,4. 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Aus diesem Grund bereinigt das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) das Schweizer BIP um den Effekt der regelm\u00e4ssig stattfindenden Grossanl\u00e4sse von Uefa, Fifa und IOC. Das auff\u00e4llige zweij\u00e4hrige \u00abZackenmuster\u00bb in der Branche \u00abSport, Unterhaltung und Erholung\u00bb und abgeschw\u00e4cht auch im BIP verschwindet dadurch, was die Analyse der Zahlen im Hinblick auf die Konjunkturentwicklung vereinfacht.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a> Die Wertsch\u00f6pfung, welche hingegen indirekt in den anderen genannten Branchen generiert wird, kann zumindest zwischenzeitlich zus\u00e4tzliche Arbeitspl\u00e4tze in der Schweiz schaffen. Deshalb ist sie im BIP sichtbar, sowohl im Sportevent-bereinigten wie auch im unbereinigten.<\/p>\n<p>Der Effekt der Sportevent-Bereinigung zeigt sich am einfachsten anhand eines aktuellen Beispiels: Im 1. Quartal 2025 ging die Wertsch\u00f6pfung in der Branche \u00abSport, Unterhaltung und Erholung\u00bb ohne Sportevent-Bereinigung das zweite Quartal in Folge stark zur\u00fcck. Da 2025 keine internationalen Sportgrossanl\u00e4sse stattfinden, f\u00e4llt die damit verbundene Wertsch\u00f6pfung tiefer aus als 2024, als Paris die Olympischen Spiele austrug (siehe Abbildung 2). Dieser negative \u00abSportevent-Effekt\u00bb verringerte das BIP-Wachstum im 1. Quartal 2025 um rund 0,3 Prozentpunkte. Sportevent-bereinigt resultierte im 1. Quartal 2025 hingegen ein \u00fcberdurchschnittliches Wachstum von 0,6\u00a0Prozent. Diese Zahl ist f\u00fcr die Konjunkturprognose relevant. Denn der starke R\u00fcckgang in der Branche ist erkl\u00e4rbar aufgrund der internationalen Sportgrossanl\u00e4sse und deutet nicht auf eine Schw\u00e4che der Schweizer Wirtschaft hin.<\/p>\n<p>In Summe d\u00fcrfte die Frauenfussball-EM 2025 somit zwar Impulse in ausgew\u00e4hlten Branchen setzen, im Gegensatz zu anderen internationalen Grossveranstaltungen insgesamt jedoch nur bedingt gesamtwirtschaftliche Effekte auf das BIP erzeugen.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Quelle: <a href=\"https:\/\/www.uefa.com\/news-media\/documents\/president-committee-reports\/\">Annual & Financial Reports | UEFA.com<\/a>.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Siehe auch den Artikel \u00ab<a href=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2024\/04\/lohnen-sich-sportgrossanlaesse-volkswirtschaftlich\/\">Lohnen sich Sportgrossanl\u00e4sse volkswirtschaftlich?\u00bb<\/a>&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Siehe auch den Artikel \u00ab<a href=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2023\/02\/warum-die-wm-in-katar-das-schweizer-bip-erhoeht\/\">Warum die WM in Katar das Schweizer BIP erh\u00f6ht\u00bb. <\/a>&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Die methodischen Details dazu finden Sie in diesem <a href=\"https:\/\/www.seco.admin.ch\/dam\/seco\/de\/dokumente\/Wirtschaft\/Wirtschaftslage\/Konjunkturprognosen\/kt_2022_03_exkurs_sportevents22_de.pdf.download.pdf\/KT_2022_03_Exkurs_Sportevents22_de.pdf\">PDF<\/a>.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom 2. bis zum 27. 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