{"id":213946,"date":"2025-10-07T07:12:46","date_gmt":"2025-10-07T05:12:46","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=213946"},"modified":"2025-10-07T09:35:48","modified_gmt":"2025-10-07T07:35:48","slug":"bessere-ausbildungsqualitaet-verhindert-lehrabbrueche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2025\/10\/bessere-ausbildungsqualitaet-verhindert-lehrabbrueche\/","title":{"rendered":"Bessere Ausbildungsqualit\u00e4t verhindert Lehrabbr\u00fcche"},"content":{"rendered":"<p>Bei rund einem Viertel aller Lernenden in der Schweiz kommt es w\u00e4hrend der beruflichen Grundbildung zu einer Lehrvertragsaufl\u00f6sung. Auch derzeit erw\u00e4gen gem\u00e4ss einer aktuellen <a href=\"https:\/\/workmed.ch\/wp-content\/uploads\/bericht-studie-lernende.pdf\">Studie<\/a> von Workmed, einem Joint Venture der Psychiatrie Baselland und des Krankenversicherers Swica, 22 Prozent der Lernenden einen Lehrabbruch. Belastende Faktoren sind der Studie zufolge \u00dcberforderungsgef\u00fchle und Leistungsdruck, zu hohe Erwartungen, fehlende Wertsch\u00e4tzung, ungen\u00fcgende Unterst\u00fctzung im Betrieb, Konflikte und eine schlechte Arbeitsatmosph\u00e4re.<\/p>\n<p>Eine Vertragsaufl\u00f6sung bedeutet nicht immer ein definitives Ende \u2013 viele nehmen eine neue Ausbildung in Angriff. Doch ein betr\u00e4chtlicher Teil verl\u00e4sst das Bildungssystem endg\u00fcltig ohne Abschluss. Heute erreichen rund 90 Prozent einen Abschluss. Damit bleibt auch nach 20 Jahren das gemeinsame Ziel von Bund und Kantonen unerreicht, dass 95 Prozent aller Jugendlichen einen Abschluss auf Sekundarstufe II schaffen \u2013 das heisst: entweder eine Fach-, eine Berufs- oder eine gymnasiale Maturit\u00e4t oder einen Lehrabschluss.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span class=\"content-quotes\">Stress, \u00dcberforderung und gesundheitliche Probleme werden oft bagatellisiert.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Ursachen sind strukturell. Die Berufswahl mit 14 oder 15 Jahren erfolgt im internationalen Vergleich sehr fr\u00fch. Und der \u00dcbergang von der Schule in die Arbeitswelt ist hart: weniger Ferien, lange Arbeitszeiten, Verzicht auf Freizeit und Erholung. H\u00e4ufig sind Konflikte mit Berufsbildenden oder im Team ausschlaggebend f\u00fcr Lehrvertragsaufl\u00f6sungen.<\/p>\n<p>Hinzu kommt ein hoher Produktivit\u00e4tsdruck: Stress, \u00dcberforderung und gesundheitliche Probleme werden oft bagatellisiert. Die Daten zeigen denn auch, dass Lernende \u00fcberdurchschnittlich unfallgef\u00e4hrdet sind. Besonders Berufe mit hohem Frauenanteil vereinen hohe physische und psychische Belastungen, beispielsweise in der Pflege oder im Coiffeurgewerbe. Hinzu kommen sexuelle Bel\u00e4stigungen, welche die Betroffenen aufgrund ihres jungen Alters noch verletzlicher machen. Der Grossteil der Bel\u00e4stigten schweigt oder bricht die Lehre ab.<\/p>\n<p>Auch die Ausbildenden stehen unter Druck. Eine aktuelle Studie der Eidgen\u00f6ssischen Hochschule f\u00fcr Berufsbildung (EHB) zeigt: 76 Prozent der Berufsbildenden haben keine Zeitressourcen f\u00fcr ihre zentrale Aufgabe. Ein Paradox in einem Land, das stolz auf sein duales System ist.<\/p>\n<p>Die Folgen sind gravierend: Wer ohne Berufsabschluss bleibt, tr\u00e4gt ein h\u00f6heres Risiko f\u00fcr Arbeitslosigkeit, tiefe L\u00f6hne und Armut. Lehrabbr\u00fcche sind deshalb kein individuelles Versagen, sondern Ausdruck ungen\u00fcgender Arbeits- und Ausbildungsbedingungen.<\/p>\n<p>Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) fordert deshalb eine bessere betriebliche Ausbildungsqualit\u00e4t mit gen\u00fcgend Ressourcen f\u00fcr die Begleitung der Lernenden. Gleichzeitig braucht es eine St\u00e4rkung der Berufsbildenden mit ausreichend Zeit, Weiterbildung sowie mehr Anerkennung. Ebenso unverzichtbar sind Verbesserungen beim Jugendarbeitsschutz: wirksame Lehraufsicht mit regelm\u00e4ssigen Betriebsbesuchen, Coachings der Lehrbetriebe, professionelle Schulsozialarbeit auch an Berufsfachschulen sowie mindestens acht Wochen Ferien f\u00fcr Lernende. Heute haben Lernende unter 20 Jahren nur Anspruch auf mindestens f\u00fcnf Wochen.<\/p>\n<p>Nur wenn die Berufslehre jugendgerecht, attraktiv und fair gestaltet ist, lassen sich Lehrabbr\u00fcche wirksam reduzieren und damit die dringend ben\u00f6tigten Fachkr\u00e4fte von morgen sichern.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei rund einem Viertel aller Lernenden in der Schweiz kommt es w\u00e4hrend der beruflichen Grundbildung zu einer Lehrvertragsaufl\u00f6sung. Auch derzeit erw\u00e4gen gem\u00e4ss einer aktuellen Studie von Workmed, einem Joint Venture der Psychiatrie Baselland und des Krankenversicherers Swica, 22 Prozent der Lernenden einen Lehrabbruch. 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