{"id":214779,"date":"2025-11-10T06:55:39","date_gmt":"2025-11-10T05:55:39","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=214779"},"modified":"2025-11-10T12:35:23","modified_gmt":"2025-11-10T11:35:23","slug":"europa-kaempft-gegen-cyberkriminelle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2025\/11\/europa-kaempft-gegen-cyberkriminelle\/","title":{"rendered":"Europa k\u00e4mpft gegen Cyberkriminelle"},"content":{"rendered":"<p>Im Jahr 2018 kam ich zu Europol, der Strafverfolgungsbeh\u00f6rde der Europ\u00e4ischen Union. Damals wusste ich bereits, dass sich die organisierte Kriminalit\u00e4t rasch ver\u00e4ndern w\u00fcrde \u2013 aber nicht, wie schnell und wie tiefgreifend. Heute, im Jahr 2025, ist Cyberkriminalit\u00e4t kein Nischenthema mehr. Sie bildet das R\u00fcckgrat der globalen organisierten Kriminalit\u00e4t. Jeder Ransomware-Angriff, jede Phishing-Kampagne und jede betr\u00fcgerische Krypto-Transaktion macht dieses Gesch\u00e4ft lukrativ und destabilisiert unsere Gesellschaft.<\/p>\n<p>Der aktuelle <a href=\"https:\/\/www.europol.europa.eu\/publications-events\/main-reports\/iocta-report\">Cyberkriminalit\u00e4tsbericht<\/a> von Europol zeigt es deutlich: Daten sind heute der zentrale Rohstoff der Kriminalit\u00e4t. Sie sind Ziel, Werkzeug und Handelsware zugleich. Was einst mit vereinzelten Hackerangriffen begann, hat sich zu einem hochprofessionellen \u00d6kosystem entwickelt. Datendiebstahl ist zur tragenden S\u00e4ule der organisierten Kriminalit\u00e4t geworden, betrieben von spezialisierten Vermittlern, die Zug\u00e4nge zu kompromittierten Systemen kaufen, verkaufen und sogar vermieten.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Mit denselben Mitteln zur\u00fcckschlagen<\/h2>\n<p>Der Titel unseres Jahresberichts \u2013 \u00abSteal, Deal and Repeat\u00bb, auf Deutsch \u00abStehle, verkaufe und wiederhole\u00bb \u2013 ist daher vielmehr eine Diagnose als eine Metapher. Beunruhigend ist dabei nicht nur die steigende Raffinesse der digitalen Werkzeuge, sondern auch die Automatisierung der T\u00e4uschungsversuche. Hier hat der Einsatz von k\u00fcnstlicher Intelligenz (KI) durch Kriminelle den Kampf gegen Cyberkriminalit\u00e4t grundlegend ver\u00e4ndert. Grosse KI-Sprachmodelle und andere Formen generativer KI machen Social Engineering heutzutage effizienter als je zuvor: Phishing-E-Mails klingen beispielsweise t\u00e4uschend echt. Die KI ist damit zum Komplizen der Cyberkriminellen geworden.<\/p>\n<p>K\u00fcnstliche Intelligenz hat aber auch den Kampf gegen Cyberkriminalit\u00e4t grundlegend ver\u00e4ndert. So arbeitet das Innovation Lab von Europol gemeinsam mit dem Schweizer Bundesamt f\u00fcr Polizei (Fedpol) in der Schweiz an einem ChatGPT-\u00e4hnlichen System, das Beamtinnen und Beamten hilft, internationale Falldaten und mehrsprachige Informationen in Echtzeit zu durchsuchen. Die gleiche Technologie, die Kriminelle f\u00fcr ihre T\u00e4uschung nutzen, setzen wir damit zur <a href=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/?p=214773&amp;v\">Aufdeckung<\/a> ein. Diese Zusammenarbeit steht f\u00fcr einen Paradigmenwechsel in der Strafverfolgung: Wo fr\u00fcher im Nachhinein nur auf Vorf\u00e4lle reagiert wurde, handeln wir heute vorausschauend.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Die Schweiz und Europol: Eine Partnerschaft mit Geschichte<\/h2>\n<p>Seit dem <a href=\"https:\/\/www.fedlex.admin.ch\/eli\/cc\/2006\/181\/de\">Abkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und Europol<\/a> von 2004 arbeiten Europol und die Schweiz eng zusammen. Die Schweiz ist in s\u00e4mtliche Analyseprojekte eingebunden und z\u00e4hlt zu den aktivsten drittstaatlichen Partnern bei Nachrichtenaustausch und Fallinitiativen. Besonders stark ist die Zusammenarbeit in den Bereichen Finanz- und Wirtschaftskriminalit\u00e4t, Umweltkriminalit\u00e4t, organisierte Eigentumsdelikte, Menschenhandel und Terrorismusbek\u00e4mpfung. Das Europol-Verbindungsb\u00fcro von Fedpol \u2013 die st\u00e4ndige Vertretung der Schweiz bei Europol in Den Haag \u2013 arbeitet dabei mit einer Pr\u00e4zision, die beispielhaft ist: Schweizer Verbindungsbeamte sind Spezialisten auf ihren Gebieten. Das macht den Informationsaustausch zielgerichtet und verwertbar, sodass die Informationen zum Beispiel direkt in einem Strafverfahren genutzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Als Schengen-Mitglied spielt die Schweiz zudem eine f\u00fchrende Rolle, wenn es darum geht, wie Nicht-EU-L\u00e4nder an der digitalen Transformation von Europol mitwirken und von ihr profitieren k\u00f6nnen. Ein aktuelles Beispiel f\u00fcr die Wirksamkeit dieser Zusammenarbeit ist die internationale Operation \u00abEastwood\u00bb gegen die prorussische Hacktivistengruppe NoName057(16). \u00a0Europol und seinen Partnern, darunter Fedpol, gelang es, die zentrale Infrastruktur der Gruppe zu zerschlagen, \u00fcber hundert Server weltweit zu st\u00f6ren und mehrere Haftbefehle zu erlassen. Die Schweizer Beh\u00f6rden spielten dabei eine Schl\u00fcsselrolle, insbesondere bei der Identifizierung f\u00fchrender Mitglieder des Netzwerks \u2013 trotz ihrer Position ausserhalb des EU-Rechtsrahmens. Dieser Erfolg macht eines klar: Angesichts nationen\u00fcbergreifender, ideologisch motivierter Cyberbedrohungen kann kein Land allein bestehen.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Einen Schritt voraus<\/h2>\n<p>Im vergangenen Jahrzehnt stand die Abwehr digitaler Bedrohungen im Vordergrund. Im kommenden ist es wichtig, ihnen einen Schritt voraus zu sein. Denn die Grenze zwischen klassischer organisierter Kriminalit\u00e4t und Cyberkriminalit\u00e4t ist nahezu verschwunden. Ransomware-Gruppen agieren wie grosse Unternehmen, haben einen Kundenservice und Personalabteilungen. Cyberbetr\u00fcger nutzen dieselben Marketingstrategien wie legale Onlineh\u00e4ndler. Kriminelle Akteure agieren grenz\u00fcberschreitend und automatisiert. Um mitzuhalten, muss Europa vernetzt und vorausschauend sein.<\/p>\n<p>Die Zusammenarbeit findet zwischen Beh\u00f6rden, Staaten und zunehmend auch zwischen Mensch und Maschine statt. Darum sind die Partnerschaften von Europol mit den EU-Mitgliedsstaaten, der Schweiz und anderen Schengen-Mitgliedsl\u00e4ndern, ebenso wie mit der Privatwirtschaft, heute wichtiger denn je. Cyberkriminalit\u00e4t ist global, und wir m\u00fcssen sie mit globaler Zusammenarbeit bek\u00e4mpfen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Jahr 2018 kam ich zu Europol, der Strafverfolgungsbeh\u00f6rde der Europ\u00e4ischen Union. Damals wusste ich bereits, dass sich die organisierte Kriminalit\u00e4t rasch ver\u00e4ndern w\u00fcrde \u2013 aber nicht, wie schnell und wie tiefgreifend. Heute, im Jahr 2025, ist Cyberkriminalit\u00e4t kein Nischenthema mehr. Sie bildet das R\u00fcckgrat der globalen organisierten Kriminalit\u00e4t. 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