{"id":214814,"date":"2025-12-04T06:45:24","date_gmt":"2025-12-04T05:45:24","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=214814"},"modified":"2025-12-04T09:21:05","modified_gmt":"2025-12-04T08:21:05","slug":"schweizer-trinkwasser-mehr-als-ein-durstloescher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2025\/12\/schweizer-trinkwasser-mehr-als-ein-durstloescher\/","title":{"rendered":"Schweizer Trinkwasser: Mehr als ein Durstl\u00f6scher"},"content":{"rendered":"<p>\u00abDie Reise eines Wassertropfens\u00bb: Das Thema Wasser ist in der Schweiz so omnipr\u00e4sent, dass mit dieser Geschichte vielen Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern hierzulande schon auf der Primarstufe der Wasserkreislauf nahegebracht wird. Doch gerade in der Schweiz geht die gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung von Trinkwasser oft vergessen, da dieses wertvolle Gut bei uns praktisch immer g\u00fcnstig und im \u00dcberfluss verf\u00fcgbar ist. Dabei ist Trinkwasser nicht nur unser wichtigstes Lebensmittel. Der einfache Zugang zu Trinkwasser tr\u00e4gt auch massgeblich zur Gesundheit und zur Hygiene der Bev\u00f6lkerung bei, sichert die soziale Stabilit\u00e4t und steigert die Lebensqualit\u00e4t erheblich.<\/p>\n<p>Deshalb setzt sich der Fachverband f\u00fcr Wasser, Gas und W\u00e4rme (SVGW) als Vertreter der Wasserversorger f\u00fcr eine sichere und nachhaltige Versorgung mit qualitativ einwandfreiem Trinkwasser in ausreichender Menge ein. Trinkwasser ist auch \u00f6konomisch ein entscheidender Produktionsfaktor: Es wird beispielsweise in der Landwirtschaft f\u00fcr das Tr\u00e4nken von Nutztieren, aber auch in der Lebensmittelindustrie und zahlreichen weiteren Industriezweigen ben\u00f6tigt. Nicht zuletzt ist die Trinkwasserversorgung auch unmittelbar sicherheitsrelevant. Da Hydranten in der Schweiz an das Trinkwassernetz angeschlossen sind, stellen die Wasserversorger einen Teil ihres produzierten Trinkwassers als L\u00f6schreserve bereit.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Trinkwasserverbrauch in der Schweiz<\/h2>\n<p>Die Schweiz gilt nicht umsonst als Wasserschloss Europas. Dank ergiebiger Grundwasservorkommen und zahlreichen Seen und Fl\u00fcssen stellt die Versorgung mit Trinkwasser auf der Angebotsseite nur in seltenen F\u00e4llen ein Problem dar. Grunds\u00e4tzlich steht in der Schweiz gen\u00fcgend Wasser f\u00fcr die Trinkwassergewinnung zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Die wichtigste Trinkwasserressource ist dabei das Grundwasser: 80 Prozent des Trinkwassers in der Schweiz werden aus Grund- und Quellwasser gewonnen. Die restlichen 20 Prozent stammen aus Oberfl\u00e4chengew\u00e4ssern wie Fl\u00fcssen oder Seen. Gem\u00e4ss einer Hochrechnung des SVGW stellten die Wasserversorger in der Schweiz 2023 insgesamt rund 925 Millionen Kubikmeter Wasser f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung, das Gewerbe und die Industrie bereit. Das entspricht gut 80 Prozent des Bielersees.<\/p>\n<p>Rund 55 Prozent des aufbereiteten Trinkwassers gehen an Haushalte und Kleingewerbe. Rund ein Viertel wird an Gewerbe und Industrie geliefert. Der Rest ist f\u00fcr \u00f6ffentliche Zwecke und Brunnen (4,6%) sowie den Selbstverbrauch der Wasserversorger, etwa zum Reinigen der Anlagen und der Leitungen, bestimmt (2,5%). Rund 11 Prozent des Trinkwassers gehen auf dem Weg von der Wasserversorgung bis zur Entnahmestelle verloren. Grund daf\u00fcr k\u00f6nnen undichte Leitungen oder Rohrbr\u00fcche sein. Vor dem Hintergrund, dass das Trinkwasserverteilnetz in der Schweiz mit einer Gesamtl\u00e4nge von 95\u2019400 Kilometern den Erdball mehr als zwei Mal umrunden k\u00f6nnte, sind diese Netzverluste allerdings vergleichsweise gering.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Verbrauch im Haushalt<\/h2>\n<p>Gem\u00e4ss einer Sch\u00e4tzung des SVGW liegt der t\u00e4gliche Trinkwasserverbrauch in Schweizer Haushalten pro Person bei rund 142 Litern. \u00dcber die H\u00e4lfte davon wird f\u00fcr die WC-Sp\u00fclung (28,9%) sowie die Dusche oder das Bad (25,3%) verwendet (siehe Abbildung). Dank sparsameren Toilettensp\u00fclungen sowie wassersparenden H\u00e4hnen und Duschbrausen konnte der Verbrauch in der Schweiz seit den 1980er-Jahren trotz Bev\u00f6lkerungswachstum kontinuierlich um etwa 40 Prozent reduziert werden. Gem\u00e4ss den j\u00fcngsten Zahlen k\u00f6nnte in den n\u00e4chsten Jahren der Wasserverbrauch wieder zunehmen, da die Sparpotenziale im Haushalt weitgehend ausgesch\u00f6pft sind und die Bev\u00f6lkerung in der Schweiz voraussichtlich weiter wachsen wird.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Dusche, Bad und Toilette machen \u00fcber die H\u00e4lfte des Wasserverbrauchs in Privathaushalten aus<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2025\/12\/DV_12-25_Meier_DE.png\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-216045\" src=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2025\/12\/DV_12-25_Meier_DE-1024x618.png\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"483\" srcset=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2025\/12\/DV_12-25_Meier_DE-1024x618.png 1024w, https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2025\/12\/DV_12-25_Meier_DE-300x181.png 300w, https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2025\/12\/DV_12-25_Meier_DE-768x463.png 768w, https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2025\/12\/DV_12-25_Meier_DE-1536x927.png 1536w, https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2025\/12\/DV_12-25_Meier_DE.png 1735w\" sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><\/p>\n<div class=\"diagram-legend\">Quelle: SVGW \/ Die Volkswirtschaft<\/div>\n<p>Da Trinkwasser mit einem durchschnittlichen Preis von rund 2 Franken pro 1000 Liter im Vergleich zu anderen Lebensmitteln g\u00fcnstig ist, l\u00e4sst sich der Verbrauch kaum \u00fcber den Wasserpreis steuern. Weil in der Schweiz grunds\u00e4tzlich gen\u00fcgend Wasser f\u00fcr die Trinkwasserproduktion zur Verf\u00fcgung steht, besteht dazu allerdings auch wenig Dringlichkeit. Zwar wird verschiedentlich die M\u00f6glichkeit diskutiert, Toilettensp\u00fclungen mit Regenwasser zu betreiben. Dazu muss allerdings eine eigene, vom Trinkwassernetz getrennte Rohrleitung eingerichtet werden. In Einzelf\u00e4llen kann das sinnvoll sein. Die Baukosten daf\u00fcr fallen aber deutlich h\u00f6her aus, als wenn Trinkwasser \u00fcber die bestehende Installation verwendet wird. Generell Toilettensp\u00fclungen mit Regenwasser zu betreiben, w\u00e4re vom Kosten-Nutzen-Verh\u00e4ltnis nicht sinnvoll, und der \u00f6kologische Gewinn w\u00e4re vergleichsweise gering.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Hohe Anforderungen an die Trinkwasserqualit\u00e4t<\/h2>\n<p>Wie alle anderen Lebensmittel muss auch Trinkwasser die Anforderungen der Lebensmittelgesetzgebung einhalten. Gerade weil Trinkwasser so bedeutend ist und wir so viel davon konsumieren, sind die Vorgaben an die Trinkwasserqualit\u00e4t besonders streng. Gl\u00fccklicherweise ist die Qualit\u00e4t des Schweizer Grundwassers nach wie vor gut. 60 Prozent des Grund- und Quellwassers k\u00f6nnen ganz ohne oder bereits nach einfacher Aufbereitung als Trinkwasser an die Bev\u00f6lkerung abgegeben werden. Eine einfache Aufbereitung beinhaltet dabei lediglich eine Bestrahlung mit UV oder eine Behandlung mit Ozon, um allf\u00e4llige Krankheitserreger wie Viren oder Bakterien abzut\u00f6ten.<\/p>\n<p>Allerdings hat sich die Wasserqualit\u00e4t aus historischer Perspektive nicht nur verbessert. Zwar ist die Trinkwasserqualit\u00e4t deutlich besser geworden. Doch seit den 1980er-Jahren m\u00fcssen wir eine zunehmende <a href=\"https:\/\/www.bafu.admin.ch\/de\/wasser\">Verunreinigung des Grundwassers<\/a> mit chemischen Stoffen wie Nitrat oder Pflanzenschutzmitteln hinnehmen. Das ist f\u00fcr die Wasserversorgung problematisch, da sich chemische Verunreinigungen nur mit aufwendigen Verfahren aus dem Rohwasser entfernen lassen. Solche Verfahren reichen von einer Behandlung mit Aktivkohle bis hin zu Anlagen zur Umkehrosmose. Diese sind teuer, energieintensiv und behandeln die Symptome, ohne die Ursache zu beheben. Gerade f\u00fcr kleine Wasserversorger sind die Kosten einer solchen Aufbereitung kaum zu bew\u00e4ltigen. Das f\u00fchrt dazu, dass immer mehr Versorgungen Wasser von gr\u00f6sseren Versorgern in der Umgebung einkaufen und die eigenen Quellen und Grundwasserbrunnen aufgeben.<\/p>\n<p>Das Erfolgsmodell der Schweiz mit seiner kleinr\u00e4umigen, dezentralen und deshalb resilienten Wasserversorgung ist damit in Gefahr. Heute versorgen \u00fcber 2500 Versorgungen die Bev\u00f6lkerung lokal mit Trinkwasser. Damit das auch in Zukunft m\u00f6glich ist, m\u00fcssen wir unser Grundwasser besser vor chemischen Verunreinigungen sch\u00fctzen. Deshalb setzt sich der SVGW daf\u00fcr ein, dass in den Fl\u00e4chen, unter denen das Grundwasser liegt, das wir trinken, weniger chemische Stoffe wie D\u00fcnger oder Pflanzenschutzmittel ausgebracht werden. Mit dem \u00abZustr\u00f6mbereich\u00bb besteht bereits ein planerisches Instrument f\u00fcr den Schutz dieser Areale. Diese Fl\u00e4chen wollen wir vorsorglich sch\u00fctzen, ohne die landwirtschaftliche Produktion ausserhalb dieser Gebiete einzuschr\u00e4nken.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00abDie Reise eines Wassertropfens\u00bb: Das Thema Wasser ist in der Schweiz so omnipr\u00e4sent, dass mit dieser Geschichte vielen Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern hierzulande schon auf der Primarstufe der Wasserkreislauf nahegebracht wird. 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