{"id":214844,"date":"2025-11-04T07:00:24","date_gmt":"2025-11-04T06:00:24","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=214844"},"modified":"2025-11-04T10:01:35","modified_gmt":"2025-11-04T09:01:35","slug":"cyberkriminalitaet-den-taetern-auf-der-spur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2025\/11\/cyberkriminalitaet-den-taetern-auf-der-spur\/","title":{"rendered":"Cyberkriminalit\u00e4t: Den T\u00e4tern auf der Spur"},"content":{"rendered":"<p>Cyberkriminalit\u00e4t ist eine der dynamischsten Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der Schweiz. Dabei wird unterschieden zwischen Cybercrime und digitaler Kriminalit\u00e4t. Cybercrime sind Straftaten, die ohne digitale Infrastruktur nicht m\u00f6glich w\u00e4ren: zum Beispiel Hacking, Phishing und Ransomware. Unter digitale Kriminalit\u00e4t hingegen fallen klassische Delikte, die durch den Einsatz digitaler Mittel erleichtert oder versch\u00e4rft werden. Dazu geh\u00f6ren beispielsweise Erpressung, Betrug oder P\u00e4dokriminalit\u00e4t \u00fcber soziale Medien. Beide Formen nehmen stetig zu und betreffen Wirtschaft, Staat und Gesellschaft gleichermassen.<\/p>\n<p>In den Jahren 2020 bis 2024 haben sich Anzeigen wegen Cyberkriminalit\u00e4t in der Schweiz mehr als verdoppelt \u2013 eine Tendenz, die anh\u00e4lt (siehe Abbildung). Der hohe Digitalisierungsgrad der Gesellschaft tr\u00e4gt zu diesem Anstieg bei. Ebenso f\u00fchren einfachere Wege wie Onlineplattformen f\u00fcr Anzeigeerstattung und Aufkl\u00e4rung zu mehr gemeldeten F\u00e4llen. So zum Beispiel Suisse ePolice oder Cybercrimepolice.ch.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Die Anzahl Anzeigen von Cybercrime und digitaler Kriminalit\u00e4t pro Jahr nimmt zu<\/h2>\n<h6 class=\"copy-small-bold\">INTERAKTIVE GRAFIK<\/h6>\n<div class=\"chart chart--normal\" id=\"JEAN-11-2025_DE\"><\/div>\n<script>\n$(function () {\n  $('#JEAN-11-2025_DE').highcharts({\n    chart: {\n      type: 'column',\n      inverted: false,       \/\/ wichtig: Spalten, nicht Bars\n      zoomType: 'xy'\n    },\n    title: { text: '', align: 'left' },\n    subtitle: { text: '', align: 'left' },\n\n    xAxis: {\n      categories: ['2019','2020','2021','2022','2023','2024'],\n      crosshair: true\n    },\n\n    yAxis: {\n      title: { text: 'Anzahl Anzeigen' },\n      labels: { format: '{value}' },\n      reversedStacks: false,  \/\/ sorgt daf\u00fcr, dass die 1. 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Cybercrime-Straftaten hingegen w\u00e4ren ohne digitale Mittel nicht m\u00f6glich.<\/div>\n<div class=\"diagram-legend\">Quelle: Bundesamt f\u00fcr Statistik (BFS) \/ Die Volkswirtschaft<\/div>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Cyberdelikte werden seltener angezeigt<\/h2>\n<p>Im Vergleich zur durchschnittlichen Anzeigerate von konventionellen Straftaten ohne digitale Mittel wie Diebstahl oder K\u00f6rperverletzung ist die Anzeigerate bei Cyberdelikten jedoch tief. Das heisst, sie werden deutlich seltener angezeigt. Betroffene wissen trotz einfacherer Wege oft nicht, wie sie bei einer Anzeige vorgehen m\u00fcssen. Manche sch\u00e4men sich daf\u00fcr, Opfer eines Cyberangriffs geworden zu sein, oder f\u00fcrchten um ihre Reputation. Folglich ist von einer markanten Dunkelziffer auszugehen.<\/p>\n<p>Der Anteil der angezeigten Cyberdelikte an allen in der polizeilichen Kriminalstatistik erfassten Delikten lag gem\u00e4ss Bundesamt f\u00fcr Statistik (BFS) im Jahr 2024 bei rund 10 Prozent. Ber\u00fccksichtigt man die tiefe Anzeigerate, liegt der Anteil der Cyberdelikte wohl eher bei 50 Prozent. Cyberkriminalit\u00e4t ist also kein Randph\u00e4nomen. Sie betrifft breite Teile der Bev\u00f6lkerung und der Wirtschaft. In der Schweiz d\u00fcrfte der finanzielle Schaden durch Cyberkriminalit\u00e4t nach Einsch\u00e4tzung von Kriminalanalytikern j\u00e4hrlich mehrere Milliarden Schweizer Franken betragen \u2013 insbesondere angesichts der wohl hohen Dunkelziffer.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Enge internationale Zusammenarbeit<\/h2>\n<p>Im Kampf gegen Cyberkriminalit\u00e4t arbeiten Bund, Kantone und internationale Partner eng zusammen. Die Polizei steht bei ihren Ermittlungen vor einigen Herausforderungen. Dazu geh\u00f6rt die hohe Anzahl nicht gemeldeter F\u00e4lle. Ebenso geht die T\u00e4terschaft immer professioneller vor. Immer \u00f6fter stecken mehrere Bots hinter einem Angriff, oder es bestehen organisierte firmen\u00e4hnliche Strukturen im Hintergrund. Eine weitere Herausforderung ist, dass die Ermittlungen h\u00e4ufig Kantons- und Landesgrenzen \u00fcberschreiten, was eine enge Koordination und eine grenz\u00fcberschreitende zeitliche und inhaltliche Abstimmung der Ermittlungsmassnahmen erfordert. Bei internationalen F\u00e4llen koordiniert und f\u00fchrt das Bundesamt f\u00fcr Polizei (Fedpol) komplexe Ermittlungen.<\/p>\n<p>Regelm\u00e4ssig erzielt Fedpol internationale Ermittlungserfolge. Ein Beispiel: Im Jahr 2023 erfolgten mehrere Distributed-Denial-of-Service(DDoS)-Angriffe auf Websites verschiedener Bundesbeh\u00f6rden und anderer Organisationen in der Schweiz. Dabei wird die Website gezielt von Angreifern \u00fcberlastet, sodass Internetnutzer auf die Websites verschiedener Bundesbeh\u00f6rden keinen Zugriff mehr haben. Nicht nur in der Schweiz, sondern rund um den Globus k\u00e4mpfen Beh\u00f6rden regelm\u00e4ssig mit DDoS-Angriffen.<\/p>\n<p>Im Juni 2023 er\u00f6ffnete die Bundesanwaltschaft ein Strafverfahren gegen unbekannt. Die prorussische Gruppierung NoName bekannte sich zu den Angriffen \u2013 Nadelstiche, mit denen Beh\u00f6rden rund um den Globus regelm\u00e4ssig zu k\u00e4mpfen haben. Meist sind diese Angriffe eher st\u00f6rend, sie k\u00f6nnen aber auch erhebliche Folgen haben. Im Rahmen umfangreicher internationaler Ermittlungen konnten im Fr\u00fchjahr 2025 mehrere Mitglieder der Gruppierung identifiziert werden. Die Bundesanwaltschaft und Fedpol haben massgeblich dazu beigetragen.<\/p>\n<p>Die Bundesanwaltschaft hat das Strafverfahren anschliessend auf drei Schl\u00fcsselpersonen der Gruppierung ausgedehnt und diese zur Verhaftung ausgeschrieben. Die Betreiber der \u00fcber 200 angegriffenen Schweizer Websites wurden, wo dies m\u00f6glich war, durch das Bundesamt f\u00fcr Cybersicherheit (Bacs) vorab \u00fcber den bevorstehenden Angriff informiert und bei der Abwehr unterst\u00fctzt.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Erfolg gegen Ransomware-Gruppierung<\/h2>\n<p>Daten verschl\u00fcsseln, IT lahmlegen und das Opfer erpressen: So gehen Ransomware-Gruppierungen vor, die es auf eine Vielzahl von Schweizer Unternehmen abgesehen haben. Das Perfide f\u00fcr die Schweizer Volkswirtschaft ist dabei: Die geforderten Erpressungssummen d\u00fcrften angesichts der aus der Verschl\u00fcsselung resultierenden Stillstandskosten der betroffenen Firmen und Institute nur einen verschwindend kleinen Teil ausmachen. Denn die Gruppierungen beschr\u00e4nken sich nicht allein auf sogenanntes Big Game Hunting gegen grosse Unternehmen, sondern verschl\u00fcsseln und erpressen auch gerne und gezielt KMU.<\/p>\n<p>Gegen die bedeutende Ransomware-Gruppierung 8Base gelang Fedpol und der Bundesanwaltschaft gemeinsam mit internationalen Partnerbeh\u00f6rden im Februar 2025 ein Erfolg: Mehrere mutmassliche Mitglieder der kriminellen Gruppierung wurden festgenommen. \u00dcber 300 potenzielle Opfer wurden im Rahmen der Ermittlungen vor Angriffen gewarnt. Ebenso ver\u00f6ffentlichten die an der Operation beteiligten Polizeibeh\u00f6rden ein im Zuge der Ermittlungen entwickeltes Entschl\u00fcsselungstool f\u00fcr betroffene Unternehmen, damit diese ihre Daten endlich zur\u00fcckerhalten.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Cyberkriminalit\u00e4t ist eine der dynamischsten Bedrohungen f\u00fcr die innere Sicherheit der Schweiz. Dabei wird unterschieden zwischen Cybercrime und digitaler Kriminalit\u00e4t. Cybercrime sind Straftaten, die ohne digitale Infrastruktur nicht m\u00f6glich w\u00e4ren: zum Beispiel Hacking, Phishing und Ransomware. Unter digitale Kriminalit\u00e4t hingegen fallen klassische Delikte, die durch den Einsatz digitaler Mittel erleichtert oder versch\u00e4rft werden. 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