{"id":215044,"date":"2025-12-11T06:40:19","date_gmt":"2025-12-11T05:40:19","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=215044"},"modified":"2025-12-11T10:18:59","modified_gmt":"2025-12-11T09:18:59","slug":"das-thema-wasser-hat-in-der-eu-hoechste-prioritaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2025\/12\/das-thema-wasser-hat-in-der-eu-hoechste-prioritaet\/","title":{"rendered":"Das Thema Wasser hat in der EU h\u00f6chste Priorit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p>Der Klimawandel macht das Thema Wasser zum Politikum. Zunehmend zeigt sich das auch in der EU. Insbesondere der Wasserstress nimmt in Europa zu. Damit ist gemeint, dass der Wasserbedarf den Wasservorrat \u00fcbersteigt und die Wasserqualit\u00e4t vermindert ist. Die Lage in der EU ist zwar weniger dramatisch als in anderen Weltregionen, doch einige EU-L\u00e4nder und -Regionen vor allem in S\u00fcd- und S\u00fcdosteuropa leiden zumindest saisonal zunehmend unter Wasserknappheit. Insgesamt sind laut der Europ\u00e4ischen Umweltagentur (EEA) rund 20 Prozent des EU-Territoriums und 30 Prozent der Bev\u00f6lkerung inzwischen von Wasserstress betroffen.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Projektionen weisen zudem darauf hin, dass die L\u00fccke zwischen Angebot und Nachfrage im Bereich Wasser weiterwachsen wird.<\/p>\n<p>Eine weitere Herausforderung ist die Wasserverschmutzung: durch Chemikalien, kohlebasierte Energiegewinnung und schwer abbaubare, f\u00fcr die Gesundheit von Menschen gef\u00e4hrliche per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS). Immerhin haben noch 77 Prozent des Grundwasserraums in der EU eine gute Wasserqualit\u00e4t. Doch die gr\u00f6sste Gefahr f\u00fcr Oberfl\u00e4chen- und Grundwasser ist die Landwirtschaft. Das zeigt ein EEA-Bericht<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a>, der davor warnt, dass die landwirtschaftliche Wasserverschmutzung in den kommenden Jahren und Jahrzehnten noch zunehmen k\u00f6nnte. Eine Folge der Verschmutzung ist auch der R\u00fcckgang der Biodiversit\u00e4t in den Gew\u00e4ssern: Im Jahr 2021 erreichten nur 38 Prozent der Fl\u00fcsse, Seen sowie \u00dcbergangs- und K\u00fcstengew\u00e4sser einen guten oder hohen \u00f6kologischen Zustand.<\/p>\n<p>Wasserstress ist ein wachsender Kostenfaktor: Die D\u00fcrre in Europa von 2022 verursachte Kosten von insgesamt 40 Milliarden Euro \u2013 unter anderem durch vernichtete Ernten. Das Hochwasser von 2021, welches vor allem Deutschland, Belgien und die Niederlande massiv betraf, f\u00fchrte zu einem Schaden von 44 Milliarden Euro in diesen drei L\u00e4ndern. Die Europ\u00e4ische Kommission geht von j\u00e4hrlichen volkswirtschaftlichen Kosten in H\u00f6he von 75 bis 485 Milliarden Euro<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> allein durch stickstoffbedingte Verschmutzung aus. Dazu z\u00e4hlen Emissionen aus allen Sektoren in Oberfl\u00e4chengew\u00e4sser, Grundwasser und Meeresgew\u00e4sser. Ohne Bem\u00fchungen beim Klimaschutz oder Klimaanpassungen bis zum Ende des Jahrhunderts k\u00f6nnten die Kosten um ein Vielfaches steigen. Durch Hochwasser besch\u00e4digte Infrastruktur ist ebenfalls ein wachsendes Problem.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Neuer Anlauf der EU-Kommission<\/h2>\n<p>Entsprechend ist das Thema Wasser eine wichtige Priorit\u00e4t der zweiten Von-der-Leyen-Kommission. Das zentrale Instrument der EU zur Sicherung der Wasserqualit\u00e4t ist die Wasserrahmenrichtlinie von 2000. Ihr Ziel war es, dass Fl\u00fcsse, Seen und K\u00fcstengew\u00e4sser bis 2015 sauber und \u00f6kologisch einwandfrei sind. Weil sich abzeichnete, dass die Ziele nicht in diesem Zeitraum zu erreichen sein w\u00fcrden, wurde die Frist bis 2027 verl\u00e4ngert. Weitere Instrumente zum Wasserschutz sind die 2024 verabschiedete Verordnung \u00fcber die Wiederherstellung der Natur, die Biodiversit\u00e4tsstrategie f\u00fcr 2030 und der Null-Schadstoff-Aktionsplan. Hinzu kommen die Grundwasserschutzrichtlinie, die Flutrichtlinie und die Trinkwasserrichtlinie.<\/p>\n<p>Insgesamt herrscht in der EU also kein gesetzgeberischer Mangel beim Thema Wasser. Allerdings hakt es an der Umsetzung und der Erreichung der formulierten Ziele. Daf\u00fcr gibt es mehrere Gr\u00fcnde: Einerseits ben\u00f6tigen Gew\u00e4sser f\u00fcr eine Erholung viel Zeit. Andererseits ist laut der EEA auch die zu langsame Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie verantwortlich. Das liegt auch daran, dass wasserrelevante Aspekte in anderen Politikfeldern nur ungen\u00fcgend ber\u00fccksichtigt werden und dass die n\u00f6tige finanzielle Ausstattung daf\u00fcr fehlt.<\/p>\n<p>Die Industrie fordert wiederum eine umfassende \u00dcberarbeitung der Wasserrahmenrichtlinie, um Umwelt- und Nachhaltigkeitsziele besser mit der wirtschaftlichen Wassernutzung in Einklang zu bringen. Immerhin einigten sich der Rat der EU und das Europ\u00e4ische Parlament im Oktober auf einen <a href=\"https:\/\/www.consilium.europa.eu\/de\/press\/press-releases\/2025\/09\/23\/water-pollution-council-and-parliament-reach-provisional-deal-to-update-priority-substances-in-surface-and-ground-waters\/\">Vorschlag<\/a> f\u00fcr eine Richtlinie, mit der die Listen der Schadstoffe, welche die Oberfl\u00e4chengew\u00e4sser und das Grundwasser gef\u00e4hrden, \u00fcberpr\u00fcft und aktualisiert werden sollen. Gleichzeitig wurde der Rahmen gest\u00e4rkt, um sch\u00e4dliche Chemikalien zu bek\u00e4mpfen und die Umsetzung der Vorgaben zu \u00fcberwachen.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Mehr Effizienz und Sauberkeit<\/h2>\n<p>Im Juni 2025 hat die Europ\u00e4ische Kommission zudem eine Wasserresilienzstrategie vorgestellt. Diese umfasst drei Ziele. Erstens: Die Reparatur des gest\u00f6rten Wasserzyklus, der vermehrt zu \u00dcberschwemmungen und D\u00fcrren f\u00fchrt. Zweitens: Mehr Wettbewerb in der Wasserwirtschaft, um eine effizientere Wassernutzung zu erm\u00f6glichen. Drittens: Garantie von sauberem und erschwinglichem Wasser und Sanit\u00e4reinrichtungen f\u00fcr alle. Insgesamt m\u00f6chte die Kommission mit der Strategie zu einer wasserresilienten Gesellschaft beitragen.<\/p>\n<p>Da Wassermanagement grunds\u00e4tzlich in die Kompetenz der Mitgliedsstaaten f\u00e4llt, enth\u00e4lt die Strategie keine verbindlichen Massnahmen, sondern nur Empfehlungen, Anreize und die Aussicht auf finanzielle Unterst\u00fctzung. Zudem will die EU-Kommission einen Aktionsplan f\u00fcr die Digitalisierung im Wassersektor und eine Forschungs- und Investitionsstrategie f\u00fcr Wassermanagement lancieren. Dazu soll die Europ\u00e4ische Investitionsbank ihr finanzielles Engagement im Wassersektor verst\u00e4rken.<\/p>\n<p>Zunehmend versucht die EU auch in ihren Aussenbeziehungen verst\u00e4rkt das Wasserthema zu ber\u00fccksichtigen, sei es durch die Vermittlung bei Wasserkonflikten oder durch globale Wasserprojekte in der internationalen Zusammenarbeit etwa mit Indien und China. Die 2021 initiierte EU-Infrastrukturinitiative Global Gateway bietet Potenzial f\u00fcr engere Zusammenarbeit im Wassermanagement mit Partnern weltweit, zumal die europ\u00e4ische Wasserwirtschaft global als sehr wettbewerbsf\u00e4hig gilt.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Zielkonflikte<\/h2>\n<p>Dass das Thema Wasser in der EU-Politik eine Priorit\u00e4t sein soll, dar\u00fcber besteht Konsens. Weniger einig ist man sich hingegen bei den daf\u00fcr n\u00f6tigen Mitteln. Gerade der Umgang mit den sogenannten Ewigkeitschemikalien PFAS ist umstritten. Denn sie sind f\u00fcr die Schl\u00fcsseltechnologien der Energiewende oftmals essenziell und lassen sich nicht ohne Weiteres ersetzen.<\/p>\n<p>Eine weitere Baustelle sind die Erneuerung und der Ausbau der Wasserinfrastruktur sowie eine Anpassung des Wasserverkehrs an Niedrigwasserst\u00e4nde. Der Investitionsbedarf bei der Infrastruktur ist erheblich, daher dr\u00e4ngen die Experten und das Europ\u00e4ische Parlament auf mehr Investitionen im n\u00e4chsten EU-Budget. Die Wirtschaft wiederum fordert beschleunigte Genehmigungsverfahren, wie es sie im Bereich der erneuerbaren Energien gibt, und einen Abbau b\u00fcrokratischer Hemmnisse zur schnelleren Marktzulassung von Innovationen.<\/p>\n<p>Insgesamt wird die EU in den kommenden Jahren eine oftmals schwierige Balance finden m\u00fcssen. Zu vermitteln gilt es zwischen \u00f6kologischer Nachhaltigkeit, einer umfassenden Wasserversorgung und den Anforderungen verschiedener Wirtschaftszweige. Es wird jedoch nur sehr schwer m\u00f6glich sein, alle Ziele gleichermassen zu ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Siehe Europ\u00e4ische Umweltagentur (2024).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Siehe Europ\u00e4ische Umweltagentur (2024).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Siehe Europ\u00e4ische Kommission (2025).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Klimawandel macht das Thema Wasser zum Politikum. Zunehmend zeigt sich das auch in der EU. 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Januar.<\/li>\r\n<\/ul>","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":"","main_focus":[215506,215508],"serie_email":"","frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":"","redaktoren":[4306],"korrektor":5357,"planned_publication_date":"2025-12-11 05:40:19","original_files":null,"external_release_for_author":"20251211","external_release_for_author_time":"00:05:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/exedit\/6908cd97bdc61"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/215044"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/13805"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=215044"}],"version-history":[{"count":16,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/215044\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":216254,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/215044\/revisions\/216254"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5357"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4306"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/13805"}],"acf:post":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/215508"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/215506"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/216262"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=215044"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=215044"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=215044"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=215044"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=215044"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=215044"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}