{"id":215668,"date":"2025-12-09T07:00:37","date_gmt":"2025-12-09T06:00:37","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=215668"},"modified":"2025-12-09T16:36:16","modified_gmt":"2025-12-09T15:36:16","slug":"nicht-uebertragbare-krankheiten-kosten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2025\/12\/nicht-uebertragbare-krankheiten-kosten\/","title":{"rendered":"Nicht \u00fcbertragbare Krankheiten kosten"},"content":{"rendered":"<p>Nicht \u00fcbertragbare Krankheiten wie Krebs oder Herz-Kreislauf-Krankheiten geh\u00f6ren zu den h\u00e4ufigsten Todesursachen in der Schweiz. Im Unterschied zu \u00fcbertragbaren Krankheiten wie der Grippe sind sie nicht ansteckend. Aber sie kosten.<\/p>\n<p>Das Bundesamt f\u00fcr Gesundheit (BAG) hat eine <a href=\"http:\/\/www.prevention.ch\/Kostenstudie2025\">Studie<\/a> in Auftrag gegeben, um diese Kosten zu berechnen. Nicht \u00fcbertragbare Krankheiten verursachen einen Grossteil der gesamten Gesundheitskosten, n\u00e4mlich 72 Prozent. Das entspricht 65,7 Milliarden Franken j\u00e4hrlich. Die direkt damit verbundenen medizinischen Kosten \u2013 zum Beispiel f\u00fcr Arztbesuche, Spitalaufenthalte oder Medikamente \u2013 sind zwischen 2012 und 2022 um rund ein Drittel gestiegen. H\u00f6here Behandlungskosten pro Krankheitsfall erkl\u00e4ren fast die H\u00e4lfte des Anstiegs. Weiter steigen die Kosten, weil die Bev\u00f6lkerung w\u00e4chst und \u00e4lter wird.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Kostenintensive Krankheiten<\/h2>\n<p>Die neurologischen Krankheiten sind mit fast 10 Milliarden Franken j\u00e4hrlich die teuersten. Ins Gewicht fallen hier vor allem Demenzerkrankungen. Knapp dahinter folgen die kardiovaskul\u00e4ren Krankheiten. Dazu z\u00e4hlt beispielsweise Bluthochdruck. Sie verursachen Kosten von 9,5 Milliarden Franken \u2013 gleich viel wie die psychischen Erkrankungen. Die muskuloskelettalen Erkrankungen wie R\u00fcckenschmerzen kosten \u00fcber 9 Milliarden Franken pro Jahr, Krebserkrankungen 6,5 Milliarden Franken.<\/p>\n<p>Die alternde Bev\u00f6lkerung und der damit verbundene Anstieg chronischer Erkrankungen ist ein weiterer Kostentreiber im Gesundheitswesen \u2013 rund 2,2 Millionen Menschen in der Schweiz leiden an solchen Erkrankungen. Sie sind besonders kostenintensiv. So ben\u00f6tigen Demenzkranke oft langj\u00e4hrige Betreuung in Form von ambulanter Pflege, Spitex oder station\u00e4rer Langzeitpflege. Die im Alter h\u00e4ufig auftretende Osteoporose verursacht aufgrund teurer Medikamente, Physiotherapien oder l\u00e4ngerer Rehabilitationsaufenthalte ebenfalls hohe Kosten.<\/p>\n<p>\u00dcbergewicht und Adipositas erh\u00f6hen das Risiko f\u00fcr Folgeerkrankungen wie Diabetes Typ 2, Hypertonie und Arthrose. Auch zu wenig Bewegung ist ein Risikofaktor und erh\u00f6ht das Risiko f\u00fcr Demenz, Depression und Osteoporose \u2013 allesamt Krankheiten, die viel kosten. Konkret belaufen sich die Gesundheitskosten f\u00fcr die Folgekrankheiten von \u00dcbergewicht und Bewegungsmangel auf 5,4 Milliarden Franken. Aus der Studie <a href=\"https:\/\/www.prevention.ch\/files\/publicimages\/Polynomics_Volkswirtschaftliche_Kosten_Sucht_Schlussbericht-2020-09-28.pdf\">\u00abVolkswirtschaftliche Kosten von Sucht\u00bb<\/a>\u00a0wissen wir, dass auch weitere Risikofaktoren wie Tabak- und Alkoholkonsum Kosten in Milliardenh\u00f6he nach sich ziehen.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Hohe Produktionsverluste<\/h2>\n<p>Nicht \u00fcbertragbare Krankheiten belasten nicht nur das Gesundheitssystem, sondern auch die Wirtschaft. Wenn Mitarbeitende eines Unternehmens krankheitsbedingt ausfallen, k\u00f6nnen sie ihre Aufgaben nicht erf\u00fcllen. Das f\u00fchrt zu Einbussen in der Produktion.<\/p>\n<p>Im Jahr 2022 haben nicht \u00fcbertragbare Krankheiten knapp 43 Milliarden Franken Produktionsverluste verursacht. Das sind 13 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren. Diese Verluste entstehen zu einem grossen Teil wegen muskuloskelettaler und psychischer Krankheiten (siehe Abbildung). Die Gesundheitskosten und die Produktionsverluste zusammen betrugen im Jahr 2022 rund 109 Milliarden Schweizer Franken. Das entspricht etwa 14 Prozent des Bruttoinlandprodukts.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Produktionsverluste entstehen vor allem wegen muskuloskelettaler und psychischer Krankheiten (2022)<\/h2>\n<h6 class=\"copy-small-bold\">INTERAKTIVE GRAFIK<\/h6>\n<div class=\"chart chart--normal\" id=\"BAERISWYL-FAEHR-12-2025_DE\"><\/div>\n<script>\n$(function () {\n\n    Highcharts.setOptions({\n        lang: {\n            decimalPoint: ',',   \/\/ Dezimaltrennzeichen\n            thousandsSep: ' '    \/\/ Tausendertrennzeichen\n        }\n    });\n\n    $('#BAERISWYL-FAEHR-12-2025_DE').highcharts({\n\n        chart: {\n            type: 'bar'\n        },\n        title: { text: '' },\n\n        xAxis: {\n            categories: [\n                'Psychische Krankheiten',\n                'Muskuloskelettale Krankheiten',\n                'Kardiovaskul\u00e4re Krankheiten',\n                'Neurologische Krankheiten',\n                'Krebs',\n                'Erkrankungen des Verdauungssystems',\n                'Diabetes und Nierenkrankheiten',\n                'Angeborene Krankheiten',\n                'Krankheiten der Mundh\u00f6hle',\n                'Erkrankungen der Sinnesorgane',\n                'Chronische Atemwegserkrankungen',\n                'Andere nicht \u00fcbertragbare Krankheiten',\n                'Haut- und Unterhauterkrankungen',\n                'Endokrine, Stoffwechsel-, Blut- und Immunkrankheiten',\n                'Adipositas als Krankheit'\n            ]\n        },\n\n        yAxis: {\n            min: 0,\n            title: { text: 'in Milliarden Franken' },\n            stackLabels: { enabled: false },\n            reversedStacks: false   \/\/ <\u2013 hier festlegen\n        },\n\n        legend: {\n            reversed: false\n        },\n\n        plotOptions: {\n            series: {\n                stacking: 'normal'\n            }\n        },\n\n        tooltip: {\n            pointFormatter: function () {\n                return '<span style=\"color:' + this.color + '\">\\u25CF<\/span> ' +\n                    this.series.name + ': <b>' +\n                    Highcharts.numberFormat(this.y, 3, ',', ' ') +\n                    ' Mrd. 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Bei der Pr\u00e4vention besteht in der Schweiz grosses Potenzial. Es ist bekannt, was hilft: Auf Rauchen verzichten und m\u00f6glichst wenig Alkohol konsumieren, gen\u00fcgend bewegen, ausgewogen ern\u00e4hren sowie auf die psychische Gesundheit achten.<\/p>\n<p>Wesentlich f\u00fcr eine erfolgreiche Pr\u00e4vention ist ein Zusammenspiel von individuellen und strukturellen Massnahmen. Zum einen muss die Gesundheitskompetenz der Bev\u00f6lkerung gef\u00f6rdert werden. Gesundheitskompetenz ist die F\u00e4higkeit einer Person, im t\u00e4glichen Leben Entscheidungen zu treffen, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken. Aber auch die Rahmenbedingungen unterst\u00fctzen gesundes Verhalten massgeblich. Dazu geh\u00f6ren beispielsweise das Werbeverbot f\u00fcr Tabakprodukte, Rauchverbote in \u00f6ffentlichen R\u00e4umen oder gut ausgebaute Fahrradwege.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Engagement des BAG<\/h2>\n<p>Im Bereich der Gesundheitsf\u00f6rderung und der Pr\u00e4vention engagiert sich das BAG vor allem in der Gesetzgebung und deren Vollzug. Dar\u00fcber hinaus erhebt das Amt Daten, erarbeitet fachliche Grundlagen, informiert und sensibilisiert die Bev\u00f6lkerung. So ver\u00f6ffentlicht das BAG \u00fcber das Monitoringsystem Sucht und nicht \u00fcbertragbare Krankheiten (<a href=\"http:\/\/www.monam.ch\">Monam<\/a>) relevante Daten und schliesst durch Ressortforschung bestehende Wissensl\u00fccken. Fachpersonen finden auf thematischen Portalen wie der Onlineplattform <a href=\"http:\/\/www.prevention.ch\">Prevention.ch<\/a> oder <a href=\"http:\/\/www.familienzentrierte-vernetzung.ch\">Familienzentrierte-vernetzung.ch<\/a> bew\u00e4hrte Beispiele aus der Praxis. Zudem f\u00f6rdert das BAG den Austausch zwischen den Akteurinnen und Akteuren der Gesundheitsf\u00f6rderung und der Pr\u00e4vention \u2013 etwa durch thematische runde Tische oder etablierte Austauschgremien.<\/p>\n<p>Die Nationale Strategie Pr\u00e4vention nicht \u00fcbertragbarer Krankheiten 2017\u20132028 des BAG konzentriert sich aktuell auf folgende Themen: Tabak und Nikotin, psychische Gesundheit sowie \u00dcbergewicht und Adipositas. Das sind drei Schwerpunkte mit grossem Handlungsbedarf. Die Ergebnisse der Kostenstudie zeigen, dass der heutige Fokus in der Pr\u00e4vention und der Gesundheitsf\u00f6rderung richtig ist. Sie liefern zudem wichtige Hinweise daf\u00fcr, welche Priorit\u00e4ten in der Nachfolgestrategie ab 2029 gesetzt werden sollten.<\/p>\n<p>Als Antwort auf die steigenden Kosten braucht es schliesslich ein Engagement auf mehreren Ebenen: So arbeiten das Eidgen\u00f6ssische Departement des Innern und das BAG seit Jahren daran, die Kosten im Bereich der Krankenversicherung zu senken. Ohne die in den letzten Jahren beschlossenen Massnahmen von Bundesrat und Parlament w\u00e4re das Kostenwachstum noch h\u00f6her ausgefallen. Kostend\u00e4mpfung bleibt eine Daueraufgabe.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht \u00fcbertragbare Krankheiten wie Krebs oder Herz-Kreislauf-Krankheiten geh\u00f6ren zu den h\u00e4ufigsten Todesursachen in der Schweiz. Im Unterschied zu \u00fcbertragbaren Krankheiten wie der Grippe sind sie nicht ansteckend. Aber sie kosten. Das Bundesamt f\u00fcr Gesundheit (BAG) hat eine Studie in Auftrag gegeben, um diese Kosten zu berechnen. 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