{"id":216694,"date":"2026-03-19T07:00:35","date_gmt":"2026-03-19T06:00:35","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=216694"},"modified":"2026-03-23T15:20:32","modified_gmt":"2026-03-23T14:20:32","slug":"neue-impulse-fuer-den-regelbasierten-welthandel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2026\/03\/neue-impulse-fuer-den-regelbasierten-welthandel\/","title":{"rendered":"Neue Impulse f\u00fcr den regelbasierten Welthandel"},"content":{"rendered":"<p>Die amerikanischen Z\u00f6lle, die chinesischen Exportrestriktionen bei seltenen Erden oder die Nutzung von wirtschaftlichem Druck zum Erreichen geopolitischer Ziele \u2013 das regelbasierte internationale Handelssystem steht unter Druck. Offene M\u00e4rkte und verl\u00e4ssliche Handelsregeln waren lange das Fundament des globalen Wirtschaftswachstums. Gerade kleine und mittelgrosse Volkswirtschaften sind auf klare Spielregeln angewiesen, um in einer vernetzten Weltwirtschaft konkurrenzf\u00e4hig zu bleiben und nicht durch willk\u00fcrliche Handelsbarrieren benachteiligt zu werden.<\/p>\n<p>Gleichzeitig ist das Vertrauen in klassische multilaterale Institutionen wie die Welthandelsorganisation (WTO) ersch\u00fcttert, weil Reformen dort oft an Entscheidungsblockaden scheitern. Doch im Tauziehen der Grossm\u00e4chte und unter dem Eindruck protektionistischer Tendenzen gehen zwei Punkte h\u00e4ufig vergessen. Erstens: 72 Prozent des Welthandels folgen weiterhin den gemeinsam festgelegten Regeln der WTO. Und zweitens: Die grosse Mehrheit der L\u00e4nder hat ein starkes Interesse daran, das aktuelle regelbasierte Welthandelssystem zu bewahren.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Warum eine neue Initiative?<\/h2>\n<p>Gemeinsam mit Neuseeland, Singapur und den Vereinigten Arabischen Emiraten hat die Schweiz im September 2025 deshalb die \u00abFuture of Investment and Trade Partnership (FIT)\u00bb ins Leben gerufen. Diese plurilaterale Partnerschaft vereint kleine und mittelgrosse Volkswirtschaften mit klarem Bekenntnis zu offenem Handel und hat sich zum Ziel gesetzt, das regelbasierte Handelssystem zu bewahren und zu st\u00e4rken.<\/p>\n<p>Im November 2025 trafen sich die Handelsministerinnen und -minister der FIT-Partnerschaft in Singapur erstmals zu einem Ministertreffen. Dabei konnten sie eine Deklaration zur Lieferkettenresilienz verabschieden und die Mitgliedschaft erweitern. Momentan sind insgesamt 16 Staaten Teil von FIT. Auch mit dabei sind: Brunei, Chile, Costa Rica, Island, Liechtenstein, Malaysia, Marokko, Norwegen, Panama, Paraguay, Ruanda und Uruguay (siehe Abbildung).<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Die 16 Mitgliedsstaaten der FIT-Partnerschaft<\/h2>\n<h6 class=\"copy-small-bold\">INTERAKTIVE GRAFIK<\/h6>\n<div id=\"container\" style=\"height:520px; min-width:320px\"><\/div>\n\n<script src=\"https:\/\/code.highcharts.com\/maps\/highmaps.js\"><\/script>\n<script>\n(async () => {\n  const topo = await fetch(\n    'https:\/\/code.highcharts.com\/mapdata\/custom\/world.topo.json'\n  ).then(r => r.json());\n\n  \/\/ Deutsche Namen\nconst namesDE = {\n    ch: 'Schweiz',\n    nz: 'Neuseeland',\n    sg: 'Singapur',\n    ae: 'Vereinigte Arabische Emirate',\n    bn: 'Brunei',\n    cl: 'Chile',\n    cr: 'Costa Rica',\n    is: 'Island',\n    li: 'Liechtenstein',\n    my: 'Malaysia',\n    ma: 'Marokko',\n    no: 'Norwegen',\n    pa: 'Panama',\n    py: 'Paraguay',\n    rw: 'Ruanda',\n    uy: 'Uruguay'\n    };\n\n  const founders = new Set(['ch', 'nz', 'sg', 'ae']);\n  const members  = new Set(['bn','cl','cr','is','li','my','ma','no','pa','py','rw','uy']);\n\n  \/\/ Daten: [hc-key, value, name_de]\n  \/\/ value = 2 => Gr\u00fcnder, value = 1 => Mitglied\n  const data = Object.keys(namesDE).map(k => {\n    const value = founders.has(k) ? 2 : (members.has(k) ? 1 : null);\n    return [k, value, namesDE[k]];\n  });\n\n  Highcharts.mapChart('container', {\n    chart: { map: topo },\n    title: { text: '' },\n\n    mapNavigation: {\n      enabled: true,\n      buttonOptions: { verticalAlign: 'bottom' }\n    },\n\n    legend: { enabled: true },\n\n    colorAxis: {\n      dataClasses: [\n        { from: 2, to: 2, name: 'Initiatoren', color: '#766ca4' },\n        { from: 1, to: 1, name: 'Mitgliedstaaten',  color: '#7ea8a7' }\n      ]\n    },\n\n    series: [{\n      name: '',\n      mapData: topo,\n      data,\n      joinBy: 'hc-key',\n      keys: ['hc-key', 'value', 'name_de'],\n\n      nullColor: '#d9d9d9',\n      borderColor: '#ffffff',\n      borderWidth: 0.5,\n\n      tooltip: {\n        pointFormatter: function () {\n          if (this.value == null) return '';\n          return `<span>${this.name_de || this.name || ''}<\/span>`;\n        }\n      },\n\n      dataLabels: {\n        enabled: true,\n\n        \/\/ Wichtig: damit kleine L\u00e4nder NICHT \"wegoptimiert\" werden\n        allowOverlap: true,\n        crop: false,\n        overflow: 'allow',\n\n        \/\/ leicht neben das Land setzen\n        align: 'left',\n        verticalAlign: 'middle',\n        x: 6,\n        y: 0,\n\n        formatter: function () {\n          if (this.point.value == null) return '';\n          return this.point.name_de || '';\n        },\n\n        \/\/ Lesbarkeit\n        padding: 2,\n        backgroundColor: 'rgba(255,255,255,0.8)',\n        borderRadius: 2,\n\n        style: {\n          color: '#000000',\n          fontSize: '10px',\n          fontWeight: 'normal',\n          textOutline: 'none'\n        }\n      }\n    }]\n  });\n})();\n<\/script>\n\n<div class=\"diagram-legend\">Quelle: Seco | Grafik: Die Volkswirtschaft<\/div>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Kein Angriff auf die WTO<\/h2>\n<p>Die Mitglieder sind \u00fcberzeugt, dass unvorhersehbare Handelspolitiken, wachsende geopolitische Spannungen und fragmentierte M\u00e4rkte die globale Wirtschaft schw\u00e4chen. Gerade L\u00e4nder wie die Schweiz, die stark in globale Wertsch\u00f6pfungsketten eingebunden sind, sehen darin ihr Wachstum und ihre Wettbewerbsf\u00e4higkeit bedroht. FIT setzt hier an, indem die Partnerschaft den regelbasierten Welthandel st\u00e4rkt und die WTO als dessen zentrale Institution erg\u00e4nzt und unterst\u00fctzt.<span style=\"color: #333333;\"> Diese Stossrichtung haben zuletzt zehn FIT-Mitglieder\u00a0 in einer <a style=\"color: #333333;\" href=\"https:\/\/www.wbf.admin.ch\/de\/newnsb\/ZOb8sNBseU2K4TfW6CRv1\">Ministererkl\u00e4rung<\/a> bekr\u00e4ftigt.<\/span><\/p>\n<p>Allerdings: Die Initiative soll sich von Mustern existierender multilateraler Organisationen wie der WTO unterscheiden. Anders als diese w\u00e4hlt FIT einen praktisch orientierten, pragmatischen Ansatz zur F\u00f6rderung von Handel und Investitionen. Nennenswert ist etwa die \u00abvariable Geometrie\u00bb. Sie erlaubt es, inhaltliche Arbeiten zu Themen voranzutreiben, ohne dass alle Mitglieder diese unterst\u00fctzen m\u00fcssen, wie das in Organisationen wie der WTO mit dem Konsensprinzip der Fall ist.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Was macht die FIT Partnership konkret?<\/h2>\n<p>FIT soll eine Plattform sein, um bei Handelsfragen flexibel und unb\u00fcrokratisch L\u00f6sungen zu suchen. Ein Beispiel sind resilientere Lieferketten. Sie sind f\u00fcr FIT angesichts der zunehmenden globalen Krisen essenziell. Die Mitglieder haben hierzu am Ministertreffen in Singapur eine gemeinsame, nicht verbindliche Deklaration zu \u00abBest Practices\u00bb verabschiedet. Diese soll den L\u00e4ndern eine Richtlinie bieten, wie sie sich bei Lieferkettenproblemen aufgrund einer globalen Krise besser koordinieren k\u00f6nnen, und handelsbeschr\u00e4nkende Reaktionen vermeiden. So soll etwa anders als w\u00e4hrend der Covid-Pandemie im Krisenfall auf Exportbeschr\u00e4nkungen kritischer G\u00fcter verzichtet werden.<\/p>\n<p>Mitglieder k\u00f6nnen sich je nach Interesse und Kapazit\u00e4t an einzelnen thematischen Arbeiten innerhalb von FIT beteiligen. Die Initiative f\u00fchrt aber zu keinen rechtlichen Pflichten. Das unterscheidet FIT deutlich von anderen Ans\u00e4tzen wie beispielsweise Freihandelsabkommen. Gleichzeitig f\u00f6rdert FIT den Austausch zwischen \u00f6ffentlicher Verwaltung und dem privaten Sektor, um praxistaugliche L\u00f6sungen f\u00fcr die Herausforderungen im globalen Handel zu finden. Am diesj\u00e4hrigen Weltwirtschaftsforum in Davos hat FIT gemeinsam mit dem Privatsektor einen Dialog dar\u00fcber gef\u00fchrt, wie globale Lieferketten k\u00fcnftig gest\u00e4rkt werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Weitere Arbeiten sind geplant zur F\u00f6rderung des digitalen Handels und zum Einsatz neuer Technologien im Handel. Hier geht es etwa darum, wie die papierlose Zollabfertigung gef\u00f6rdert werden kann und welche Rolle k\u00fcnstliche Intelligenz im grenz\u00fcberschreitenden Warenverkehr spielen k\u00f6nnte. Zudem soll FIT als \u00abLabor\u00bb dienen, um neue Ideen und Instrumente wie etwa die erw\u00e4hnte variable Geometrie zu testen, die sp\u00e4ter auch mit anderen Partnern oder bei der WTO verwendet werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Perspektiven f\u00fcr den Welthandel<\/h2>\n<p>Kurz gesagt: FIT steht f\u00fcr einen innovativen, pragmatischen Ansatz. In einer Zeit, in der h\u00e4ufig das Gesetz des St\u00e4rkeren gilt, ist es wichtig, dass sich die kleineren Staaten koordinieren. Die St\u00e4rke von FIT liegt in der F\u00e4higkeit, praktische L\u00f6sungen zu entwickeln und umzusetzen, ohne durch politische Positionen, veraltete institutionelle Strukturen und das Konsensprinzip paralysiert zu werden.<\/p>\n<p>Ob dieser Ansatz langfristig einen dauerhaften Beitrag zur Stabilisierung des regelbasierten Handelssystems leisten kann, wird sich zeigen. Es h\u00e4ngt davon ab, wie erfolgreich konkrete Initiativen umgesetzt werden und ob sich weitere Staaten anschliessen, um gemeinsam die Grunds\u00e4tze des offenen und regelbasierten Welthandels zu verteidigen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die amerikanischen Z\u00f6lle, die chinesischen Exportrestriktionen bei seltenen Erden oder die Nutzung von wirtschaftlichem Druck zum Erreichen geopolitischer Ziele \u2013 das regelbasierte internationale Handelssystem steht unter Druck. Offene M\u00e4rkte und verl\u00e4ssliche Handelsregeln waren lange das Fundament des globalen Wirtschaftswachstums. Gerade kleine und mittelgrosse Volkswirtschaften sind auf klare Spielregeln angewiesen, um in einer vernetzten Weltwirtschaft konkurrenzf\u00e4hig [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":4479,"featured_media":218886,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"ep_exclude_from_search":false,"footnotes":""},"post__type":[66],"post_opinion":[],"post_serie":[],"post_content_category":[97],"post_content_subject":[130],"acf":{"seco_author":4479,"seco_co_author":"","author_override":"","seco_author_post_ocupation_year":"","seco_author_post_occupation_de":"Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Ressort Freihandelsabkommen, Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco), Bern","seco_author_post_occupation_fr":"Collaborateur scientifique, secteur Circulation internationale des marchandises, Secr\u00e9tariat d\u2019\u00c9tat \u00e0 l\u2019\u00e9conomie (Seco), Berne","seco_co_authors_post_ocupation":null,"short_title":"Neue Impulse f\u00fcr den regelbasierten Welthandel","post_lead":"Der regelbasierte Handel ger\u00e4t weltweit immer st\u00e4rker unter Druck. Die Schweiz will gemeinsam mit anderen kleinen und mittelgrossen Staaten f\u00fcr verbindliche Handelsregeln k\u00e4mpfen \u2013 und lanciert daf\u00fcr die FIT-Partnerschaft.","post_hero_image_description":"Wartende Schiffe vor der K\u00fcste Singapurs. Die Schweiz und andere Staaten wollen mit der Initiative \u00abFuture of Investment and Trade Partnership\u00bb Bewegung in den Welthandel bringen.","post_hero_image_description_copyright_de":"Keystone","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":"","main_focus":"","serie_email":"","frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":"","redaktoren":[4306],"korrektor":5357,"planned_publication_date":"2026-03-19 06:00:35","original_files":null,"external_release_for_author":"20260320","external_release_for_author_time":"00:05:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/exedit\/695be27c01f37"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/216694"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4479"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=216694"}],"version-history":[{"count":25,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/216694\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":218947,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/216694\/revisions\/218947"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5357"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4306"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4479"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/218886"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=216694"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=216694"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=216694"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=216694"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=216694"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=216694"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}