{"id":217351,"date":"2026-03-10T06:20:40","date_gmt":"2026-03-10T05:20:40","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=217351"},"modified":"2026-03-10T12:07:17","modified_gmt":"2026-03-10T11:07:17","slug":"wohnraum-bleibt-knapp","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2026\/03\/wohnraum-bleibt-knapp\/","title":{"rendered":"Wohnraum bleibt knapp"},"content":{"rendered":"<p>Auch im Jahr 2025 h\u00e4lt die Wohnungsknappheit an. Schweizweit sank die Leerwohnungsziffer innerhalb von f\u00fcnf Jahren von 1,72 auf 1 Prozent \u2013 ein Indiz daf\u00fcr, dass der Wohnungsmarkt vielerorts angespannt ist. Das ist der tiefste Wert seit 2013. In einer l\u00e4ngerfristigen Perspektive sind die derzeitigen Leerwohnungsziffern (noch) nicht besonders tief. Zwischen 2003 und 2005 sowie bereits zwischen 2008 und 2013 lag sie unter der 1-Prozent-Marke. Unterhalb dieser Marke wird oft von Wohnungsnot gesprochen.<\/p>\n<p>Die Entwicklung verl\u00e4uft regional unterschiedlich. In den Grosszentren ist die Situation bereits seit Jahren angespannt bis sehr angespannt. In den Tourismusgemeinden hat sich die Zahl der leer stehenden Wohnungen zwischen 2020 und 2023 halbiert, seither bewegt sie sich unter dem Landesschnitt. Seit 2023 gingen die Leerst\u00e4nde vor allem in den Agglomerationen und den mittleren und kleineren Zentren zur\u00fcck. Das bedeutet, dass die Wohnungsknappheit immer weitere Teile der Schweiz erfasst. F\u00fcr 2025 weisen 15 Kantone eine Leerwohnungsziffer von weniger als 1 Prozent aus, wobei sich die tiefsten Leerst\u00e4nde in den Kantonen Genf (0,34%), Zug (0,42%) und Z\u00fcrich (0,48%) finden. In 54,8 Prozent der Gemeinden liegt die Leerwohnungsziffer unter der 1-Prozent-Marke; 2020 war dies erst bei 32,3 Prozent der Fall.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Im Kanton Genf ist die Wohnungsknappheit am ausgepr\u00e4gtesten (2022)<\/h2>\n<h6 class=\"copy-small-bold\">INTERAKTIVE GRAFIK<\/h6>\n<div id=\"TSCHIRREN_03-2026_DE\" class=\"chart chart--normal\" style=\"height: 600px;\"><\/div>\n\n<script src=\"https:\/\/code.highcharts.com\/maps\/highmaps.js\"><\/script>\n\n<script>\njQuery(function ($) {\n  (async function () {\n    const topology = await fetch(\n      'https:\/\/code.highcharts.com\/mapdata\/countries\/ch\/ch-all.topo.json'\n    ).then(r => r.json());\n\n    \/\/ Leerwohnungsziffer 2025 (in %)\n    const data = [\n      ['ch-zh', 0.48], ['ch-fr', 1.11], ['ch-so', 2.05],\n      ['ch-bs', 0.92], ['ch-bl', 0.79], ['ch-sh', 0.83],\n      ['ch-ar', 1.12], ['ch-ai', 0.93], ['ch-sg', 1.37],\n      ['ch-gr', 0.57], ['ch-ag', 1.18], ['ch-be', 1.12],\n      ['ch-tg', 1.41], ['ch-ti', 1.92], ['ch-vd', 0.89],\n      ['ch-vs', 1.18], ['ch-ne', 1.82], ['ch-ge', 0.34],\n      ['ch-ju', 3.03], ['ch-lu', 0.78], ['ch-ur', 0.64],\n      ['ch-sz', 0.52], ['ch-nw', 0.5], ['ch-ni', 0.68],\n      ['ch-gl', 0.61], ['ch-zg', 0.42]\n    ];\n\n    const codeMap = {\n      'ch-zh': 'Z\u00fcrich','ch-be': 'Bern','ch-lu': 'Luzern','ch-ur': 'Uri',\n      'ch-sz': 'Schwyz','ch-nw': 'Obwalden','ch-ni': 'Nidwalden',\n      'ch-gl': 'Glarus','ch-zg': 'Zug','ch-fr': 'Freiburg',\n      'ch-so': 'Solothurn','ch-bs': 'Basel-Stadt',\n      'ch-bl': 'Basel-Landschaft','ch-sh': 'Schaffhausen',\n      'ch-ar': 'Appenzell Ausserrhoden','ch-ai': 'Appenzell Innerrhoden',\n      'ch-sg': 'St. Gallen','ch-gr': 'Graub\u00fcnden','ch-ag': 'Aargau',\n      'ch-tg': 'Thurgau','ch-ti': 'Tessin','ch-vd': 'Waadt',\n      'ch-vs': 'Wallis','ch-ne': 'Neuenburg','ch-ge': 'Genf',\n      'ch-ju': 'Jura'\n    };\n\n    const abbrMap = {\n      'ch-zh': 'ZH','ch-be': 'BE','ch-lu': 'LU','ch-ur': 'UR',\n      'ch-sz': 'SZ','ch-nw': 'OW','ch-ni': 'NW','ch-gl': 'GL',\n      'ch-zg': 'ZG','ch-fr': 'FR','ch-so': 'SO','ch-bs': 'BS',\n      'ch-bl': 'BL','ch-sh': 'SH','ch-ar': 'AR','ch-ai': 'AI',\n      'ch-sg': 'SG','ch-gr': 'GR','ch-ag': 'AG','ch-tg': 'TG',\n      'ch-ti': 'TI','ch-vd': 'VD','ch-vs': 'VS','ch-ne': 'NE',\n      'ch-ge': 'GE','ch-ju': 'JU'\n    };\n\n    Highcharts.setOptions({\n      lang: { thousandsSep: ' ', decimalPoint: ',' }\n    });\n\n    Highcharts.mapChart('TSCHIRREN_03-2026_DE', {\n      chart: { map: topology },\n\n      title: { text: 'Leerwohnungsziffer 2025 nach Kanton' },\n\n      colorAxis: {\n        min: 0,\n        max: 3.1,\n        tickInterval: 0.5,\n        stops: [\n          [0.00, '#35635e'],\n          [0.20, '#428178'],\n          [0.40, '#4ba9a3'],\n          [0.60, '#70bdc6'],\n          [0.80, '#abd7dc'],\n          [1.00, '#d5ebed']\n        ]\n      },\n\n      mapNavigation: { enabled: false },\n\n      tooltip: {\n        headerFormat: '',\n        useHTML: true,\n        outside: true,\n        backgroundColor: '#ffffff',\n        borderWidth: 0,\n        shadow: false,\n        style: { zIndex: 999999 },\n        pointFormatter: function () {\n          const code = this['hc-key'] || (this.properties && this.properties['hc-key']);\n          const name = codeMap[code] || this.name;\n          const val = (this.value != null)\n            ? 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Zwischen 2015 und 2019 entstanden im Schnitt gut 51\u2019000 Wohnungen pro Jahr, zwischen 2020 und 2024 waren es weniger als 46\u2019000 Einheiten. Im gleichen Zeitraum kamen 50\u2019350 neue Haushalte pro Jahr hinzu. Das ergibt eine L\u00fccke von rund 23\u2019000 Wohnungen.<\/p>\n<p>F\u00fcr das Wachstum der Anzahl Haushalte gibt es zwei wichtige Treiber: Einer davon ist die Zuwanderung. Die Nettozuwanderung in der Schweiz lag zwischen 2016 und 2021 bei knapp 60\u2019000 Personen. In den Jahren 2022 und 2024 waren es 80\u2019000 und im Jahr 2023 knapp 100\u2019000. Darin widerspiegeln sich das starke Wirtschaftswachstum dieser Jahre und der zus\u00e4tzliche Bedarf nach Arbeitskr\u00e4ften. Im Jahr 2025 wird die Nettozuwanderung voraussichtlich auf 75\u2019000 Personen sinken. Weil aber die Schweizer Bev\u00f6lkerung immer \u00e4lter wird und dadurch weniger Personen arbeiten, wird die Schweiz auch in Zukunft Arbeitskr\u00e4fte aus dem Ausland brauchen und damit auch mehr Wohnungen.<\/p>\n<p>Der zweite Treiber f\u00fcr das Wachstum der Anzahl Haushalte ist die Haushaltsgr\u00f6sse: Die zunehmende Alterung der Schweizer Bev\u00f6lkerung, aber auch die Individualisierung f\u00fchrt dazu, dass die durchschnittliche Haushaltsgr\u00f6sse abnimmt. Menschen leben im Verlauf ihres Lebens immer h\u00e4ufiger allein oder in einem Kleinhaushalt. So sind f\u00fcr die gleiche Anzahl Menschen mehr Wohnungen n\u00f6tig. Bereits heute sind knapp 70 Prozent der Haushalte in der Schweiz 1- und 2-Personen-Haushalte.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Ver\u00e4nderte Wahrnehmung<\/h2>\n<p>Auch die Wahrnehmung des Wohnungsthemas hat sich ver\u00e4ndert. Dies zeigen Umfragen, die in den vergangenen Monaten erschienen sind. Sowohl im SRG-SSR-Wahlbarometer<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> von Ende Oktober als auch im UBS-Sorgenbarometer<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a>\u00a0von Anfang Dezember 2025 steht das Thema \u00abWohnungsknappheit\/Wohnungspreise\u00bb auf Rang 6 resp. 7 der wichtigsten politischen Probleme. In beiden Barometern werden die Krankenkassenpr\u00e4mien, die Zuwanderung, die Beziehungen zur EU, der Klimawandel oder die Asylpolitik als noch bedeutsamere Probleme eingestuft. Damit geh\u00f6rt der Wohnungsmarkt \u00abmittlerweile zu den zentralen Alltagsproblemen der Bev\u00f6lkerung\u00bb.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> Die Wohnkosten nehmen namentlich im Vergleich mit anderen Wirtschaftsthemen \u2013 Inflation, Armut, Steuerbelastung, Arbeitslosigkeit oder Stabilit\u00e4t Finanzsystem \u2013 einen h\u00f6heren Stellenwert ein.<\/p>\n<p>F\u00fcr das SRG-SSR-Wahlbarometer ist bemerkenswert, dass die Wohnungsknappheit an Dringlichkeit gewonnen hat, obwohl ein grosser Teil der Schweizerinnen und Schweizer mit ihrer pers\u00f6nlichen Wohnsituation zufrieden ist und nur wenige mit den Schwierigkeiten einer Wohnungssuche konfrontiert werden. Das Thema betrifft zunehmend auch nicht st\u00e4dtische Regionen, so die Autoren. Beide Umfragen zeigen, dass die Wohnungsfrage j\u00fcngere Personen st\u00e4rker besch\u00e4ftigt als \u00e4ltere. Im UBS-Sorgenbarometer sind die Wohnungspreise f\u00fcr die Gruppe der 18- bis 35-J\u00e4hrigen sogar die zweitgr\u00f6sste Sorge.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Aktionsplan Wohnungsknappheit \u2013 ein Orientierungsrahmen mit langfristigem Wirkungsanspruch<\/h2>\n<p>Der Aktionsplan Wohnungsknappheit<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a> ist eine Antwort auf die angespannte Lage am Wohnungsmarkt. Er wurde von Bund, Kantonen, St\u00e4dten und Gemeinden sowie Bau- und Immobilienwirtschaft und Zivilgesellschaft erarbeitet und im Februar 2024 vorgestellt. Er enth\u00e4lt 35 Massnahmen, die dazu beitragen sollen, dass mehr Wohnraum entsteht, insbesondere preisg\u00fcnstige und bedarfsgerechte Wohnungen.<\/p>\n<p>Der Aktionsplan ist inzwischen zwei Jahre alt. Was hat er bisher bewirkt? N\u00fcchtern betrachtet ist noch keine wesentliche Ver\u00e4nderung zu sp\u00fcren. Aber es w\u00e4re auch unrealistisch, wenn der Aktionsplan innerhalb von wenigen Monaten eine Zunahme der Baut\u00e4tigkeit ausl\u00f6sen w\u00fcrde. Denn die empfohlenen Massnahmen zielen auf mittel- und langfristige Ver\u00e4nderungen ab. Auch die Massnahmen an sich lassen sich nicht \u00fcber Nacht umsetzen. Dies zeigte die erste Umfrage zum Umsetzungsstand nach einem Jahr, als lediglich eine Massnahme umgesetzt war. Inzwischen sind es 6 von 35.<\/p>\n<p>Bei den bereits umgesetzten Massnahmen geht es unter anderem um effizientere Planungs- und Bewilligungsverfahren. Eine Studie, die die Bundes\u00e4mter f\u00fcr Raumentwicklung und Wohnungswesen in Auftrag gegeben haben, macht dazu verschiedene Empfehlungen. Diese werden derzeit vom Bundesrat gepr\u00fcft. Weitere Massnahmen betreffen die Interessenabw\u00e4gung bei der Siedlungsentwicklung nach innen. Weil bei Projekten im bebauten Gebiet viele Interessen ber\u00fccksichtigt werden m\u00fcssen, ist eine nachvollziehbare Interessenabw\u00e4gung wichtig. Zudem setzt die Bauwirtschaft Hoffnungen auf eine zweiphasige Baubewilligung, bei der in einer ersten Phase die Nutzung und die Architektur bewilligt w\u00fcrden und die Pr\u00fcfung der technischen Anforderungen erst anschliessend folgen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Weiter hat der Bund die Rahmenbedingungen f\u00fcr die F\u00f6rderung des gemeinn\u00fctzigen Wohnungsbaus verbessert. So wurden die Darlehensbedingungen beim Fonds de Roulement angepasst. Dieser Fonds gew\u00e4hrt gemeinn\u00fctzigen Wohnbautr\u00e4gern Darlehen f\u00fcr den Kauf, den Bau und die Erneuerung von preisg\u00fcnstigen Wohnungen. Weiter hat der Bundesrat einen Verpflichtungskredit f\u00fcr B\u00fcrgschaften in der Wohnraumf\u00f6rderung verabschiedet. Dies erlaubt gemeinn\u00fctzigen Wohnbautr\u00e4gern, ihre Liegenschaften langfristig g\u00fcnstig zu finanzieren.<\/p>\n<p>Ausserdem hat der Aktionsplan wesentlich dazu beigetragen, die \u00d6ffentlichkeit und die betroffenen Akteure f\u00fcr die Herausforderungen auf dem Wohnungsmarkt zu sensibilisieren. Er wurde zu einem Referenzpunkt in der Debatte und ist zudem Ausgangspunkt f\u00fcr die Verbesserung der Rahmenbedingungen, um mehr Wohnraum und vor allem mehr preisg\u00fcnstige Wohnungen zu schaffen.<a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><\/a><\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Siehe <a href=\"https:\/\/sotomo.ch\/site\/projekte\/wahlbarometer-oktober-2025\/\">Wahlbarometer Oktober 2025 \u2013 Sotomo<\/a>.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Siehe <a href=\"https:\/\/www.gfsbern.ch\/de\/news\/ubs-sorgenbarometer-2025\/\">UBS Sorgenbarometer 2025 \u2013 GFS Bern<\/a>.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Siehe <a href=\"https:\/\/www.gfsbern.ch\/de\/news\/ubs-sorgenbarometer-2025\/\">UBS Sorgenbarometer 2025 | GFS Bern <\/a>, S. 12.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Siehe <a href=\"https:\/\/www.bwo.admin.ch\/de\/aktionsplan-wohnungsknappheit\">Aktionsplan Wohnungsknappheit<\/a>.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch im Jahr 2025 h\u00e4lt die Wohnungsknappheit an. 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