{"id":217356,"date":"2026-03-06T06:30:46","date_gmt":"2026-03-06T05:30:46","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=217356"},"modified":"2026-03-12T06:53:43","modified_gmt":"2026-03-12T05:53:43","slug":"immer-mehr-einpersonenhaushalte-in-der-schweiz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2026\/03\/immer-mehr-einpersonenhaushalte-in-der-schweiz\/","title":{"rendered":"Immer mehr Einpersonenhaushalte in der Schweiz"},"content":{"rendered":"<p>In der Schweiz gibt es immer mehr Haushalte. Zwischen 2014 und 2024 stieg die Zahl von 3,6 Millionen auf 4,1 Millionen. Am st\u00e4rksten wuchsen die Einpersonenhaushalte (+21%). Weniger stark wuchsen die Haushalte mit zwei Personen (+12%) bis f\u00fcnf Personen (+1%). Gleichzeitig ging die Zahl der Haushalte mit sechs oder mehr Personen zur\u00fcck (\u20137%). Das ist ein Trend, der sich auch im \u00fcbrigen Europa zeigt.<\/p>\n<p>Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind in der Schweiz die Migration und der demografische Wandel. Die Kinder der Babyboomer-Generation haben in den letzten Jahrzehnten ihre Ausbildung abgeschlossen und sind aus dem Elternhaus ausgezogen. Ihre Eltern wurden pensioniert und leben nun als Paar oder im Fall von Alleinerziehenden allein.<\/p>\n<p>Die Zahl der Haushalte d\u00fcrfte in den n\u00e4chsten 30 Jahren weiter steigen. Gem\u00e4ss dem Referenzszenario des Bundesamts f\u00fcr Statistik (BFS) nimmt sie zwischen 2025 und 2035 von 4,1\u00a0Millionen auf 4,5\u00a0Millionen zu und wird 2055 fast 4,9\u00a0Millionen erreichen. Das entspricht einem Anstieg um 18\u00a0Prozent gegen\u00fcber 2025. Ein Grund f\u00fcr diese Entwicklung ist das Bev\u00f6lkerungswachstum: Die st\u00e4ndige Wohnbev\u00f6lkerung der Schweiz d\u00fcrfte von 9,1\u00a0Millionen im Jahr 2025 auf 10,5\u00a0Millionen Personen im Jahr 2055 ansteigen. Verantwortlich daf\u00fcr ist ausschliesslich die Migration. Denn f\u00fcr den gesamten Zeitraum wird ein negativer Geburten\u00fcberschuss \u2013 also weniger Geburten als Todesf\u00e4lle \u2013 erwartet.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Zahl der Kleinhaushalte w\u00e4chst rasant<\/h2>\n<p>Der zweite Grund ist der Trend zu kleineren Haushalten. Die Zahl der Einpersonenhaushalte d\u00fcrfte von 1,5 Millionen im Jahr 2025 auf 1,9 Millionen im Jahr 2055 und damit um 26 Prozent zunehmen, die Zweipersonenhaushalte auf 1,6 Millionen (+19%). Bei den Haushalten mit drei oder mehr Personen ist ein Anstieg auf knapp 1,3 Millionen Haushalte (+8%) zu erwarten (siehe Abbildung). Damit bestehen im Jahr 2055 in der Schweiz voraussichtlich 40 Prozent der Haushalte aus einer Person, gegen\u00fcber 37% im Jahr 2025. Der Anteil der Zweipersonenhaushalte stagniert bei 33 Prozent, und der Anteil der Haushalte mit drei oder mehr Personen sinkt auf 27 Prozent.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Im Jahr 2050 z\u00e4hlt die Schweiz voraussichtlich 1,9\u00a0Millionen Einpersonenhaushalte<\/h2>\n<h6 class=\"copy-small-bold\">INTERAKTIVE GRAFIK<\/h6>\n<div class=\"chart chart--normal\" id=\"KOHLI_03-2026_DE\"><\/div>\n<script>\ndocument.addEventListener('DOMContentLoaded', function () {\n  Highcharts.setOptions({\n    lang: { decimalPoint: ',', thousandsSep: \"'\" }\n  });\n\n  Highcharts.chart('KOHLI_03-2026_DE', {\n    chart: { type: 'line' },\n    title: { text: '' },\n    subtitle: { text: '' },\n\n    xAxis: {\n      title: { text: '' },\n      categories: [\n        2012, 2013, 2014, 2015, 2016, 2017, 2018, 2019, 2020, 2021, 2022, 2023, 2024, 2025,\n        2026, 2027, 2028, 2029, 2030, 2031, 2032, 2033, 2034, 2035, 2036, 2037, 2038, 2039,\n        2040, 2041, 2042, 2043, 2044, 2045, 2046, 2047, 2048, 2049, 2050, 2051, 2052, 2053,\n        2054, 2055\n      ]\n    },\n\n    yAxis: {\n      title: { text: 'Anzahl der Haushalte in Millionen' },\n      labels: {\n        formatter: function () {\n          return Highcharts.numberFormat(this.value, 2, ',', \"'\");\n        }\n      }\n    },\n\ntooltip: {\n  pointFormatter: function () {\n    let label = this.series.name;\n\n    if (this.series.options.dashStyle === 'longdash') {\n      label += ' (Szenario)';\n    }\n\n    return label + ': <b>' +\n      Highcharts.numberFormat(this.y, 2, ',', \"'\") +\n      '<\/b><br>';\n  }\n\n    },\n\n    plotOptions: {\n      series: { marker: { enabled: false } },\n      line: { dataLabels: { enabled: false } }\n    },\n\n    series: [\n      {\n        name: 'Eine Person',\n        data: [\n          1.22, 1.24, 1.26, 1.28, 1.30, 1.32, 1.34, 1.37, 1.41, 1.44, 1.47, 1.50, 1.51, 1.53,\n          null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null,\n          null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null,\n          null, null\n        ],\n        color: '#4B83C9'\n      },\n      {\n        name: 'Eine Person',\n        data: [\n          null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, 1.53,\n          1.55, 1.57, 1.60, 1.62, 1.64, 1.65, 1.67, 1.69, 1.71, 1.72, 1.74, 1.75, 1.77, 1.78,\n          1.79, 1.81, 1.82, 1.83, 1.84, 1.85, 1.86, 1.87, 1.88, 1.89, 1.90, 1.91, 1.92, 1.92,\n          1.93, 1.93\n        ],\n        color: '#4B83C9',\n        linkedTo: ':previous',\n        dashStyle: 'longdash',\n        showInLegend: false\n      },\n\n      {\n        name: 'Zwei Personen',\n        data: [\n          1.14, 1.15, 1.17, 1.19, 1.20, 1.22, 1.23, 1.25, 1.27, 1.28, 1.29, 1.30, 1.32, 1.33,\n          null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null,\n          null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null,\n          null, null\n        ],\n        color: '#FF730D'\n      },\n      {\n        name: 'Zwei Personen',\n        data: [\n          null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, 1.33,\n          1.35, 1.36, 1.37, 1.38, 1.40, 1.41, 1.42, 1.43, 1.44, 1.45, 1.46, 1.47, 1.48, 1.49,\n          1.50, 1.50, 1.51, 1.52, 1.53, 1.53, 1.54, 1.54, 1.55, 1.55, 1.56, 1.56, 1.57, 1.57,\n          1.58, 1.58\n        ],\n        color: '#FF730D',\n        linkedTo: ':previous',\n        dashStyle: 'longdash',\n        showInLegend: false\n      },\n\n      {\n        name: 'Drei Personen oder mehr',\n        data: [\n          1.13, 1.14, 1.16, 1.17, 1.18, 1.19, 1.19, 1.19, 1.19, 1.19, 1.20, 1.22, 1.23, 1.24,\n          null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null,\n          null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null,\n          null, null\n        ],\n        color: '#66b6bc'\n      },\n      {\n        name: 'Drei Personen oder mehr',\n        data: [\n          null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, 1.24,\n          1.24, 1.25, 1.25, 1.26, 1.27, 1.27, 1.28, 1.28, 1.28, 1.29, 1.29, 1.29, 1.30, 1.30,\n          1.30, 1.30, 1.30, 1.31, 1.31, 1.31, 1.31, 1.31, 1.32, 1.32, 1.32, 1.32, 1.33, 1.33,\n          1.33, 1.34\n        ],\n        color: '#66b6bc',\n        linkedTo: ':previous',\n        dashStyle: 'longdash',\n        showInLegend: false\n      }\n    ]\n  });\n});\n<\/script>\n\n<div class=\"diagram-legend\">Quelle: Statpop und Haushaltsszenarien (BFS) | Grafik: Die Volkswirtschaft<\/div>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Mehr Haushalte mit \u00e4lteren Menschen<\/h2>\n<p>Wer lebt zuk\u00fcnftig in Kleinhaushalten, deren Zahl in den n\u00e4chsten drei Jahrzehnten stark wachsen wird? Ein- oder Zweipersonenhaushalte bestehen haupts\u00e4chlich aus einer verwitweten Person oder einem \u00e4lteren Paar, dessen Kinder aus dem Elternhaus ausgezogen sind. Diese Haushalte bleiben aufgrund der h\u00f6heren Lebenserwartung mehrere Jahrzehnte lang bestehen. Nach dem Tod eines Ehepartners wohnt die \u00fcberlebende Person oft allein. Da die Jahrg\u00e4nge der Babyboomer relativ gross sind, f\u00fchrt dies zu einem markanten Anstieg der absoluten Zahl der Einpersonenhaushalte.<\/p>\n<p>Ein weiterer Teil dieser Ein- oder Zweipersonenhaushalte besteht aus jungen Erwachsenen. L\u00e4ngere Ausbildung und eine hohe berufliche Mobilit\u00e4t d\u00fcrften die Geburtenh\u00e4ufigkeit in der j\u00fcngeren Generation niedrig halten und die Zahl der Kleinhaushalte ansteigen lassen. Damit verlangsamt sich die Bildung von Paaren mit Kindern. Die Zahl der Haushalte mit drei oder mehr Personen geht jedoch aufgrund der Zuwanderung von Familien mit Kindern nicht zur\u00fcck.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Unterschiedliche Entwicklungen in den Kantonen<\/h2>\n<p>Die Zahl der Haushalte entwickelt sich je nach Region unterschiedlich. Ein Wachstum von 25 bis 35 Prozent ist in den Kantonen Luzern, St. Gallen, Waadt und Wallis zu erwarten, gegen\u00fcber weniger als 5 Prozent in den Kantonen Bern, Glarus, Schaffhausen, Neuenburg und Appenzell Ausserrhoden. Dieser mehr oder weniger ausgepr\u00e4gte Anstieg ist haupts\u00e4chlich darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass in der ganzen Schweiz mehr Ein- und Zweipersonenhaushalte entstehen. In den Kantonen Luzern, Wallis, St. Gallen, Thurgau und Waadt nimmt die Zahl der Einpersonenhaushalte zwischen 2025 und 2055 um mehr als 35 Prozent zu und die Zahl der Zweipersonenhaushalte um 25 bis 35 Prozent \u2013 dies auch im Kanton Genf.<\/p>\n<p>Haushalte mit drei oder mehr Personen werden nur in Kantonen deutlich zahlreicher, die in der N\u00e4he der grossen Zentren liegen. In den Kantonen Luzern, Genf, St. Gallen, Waadt, Aargau und Z\u00fcrich w\u00e4chst die Zahl dieser Haushalte zwischen 2025 und 2055 um 12 bis 25\u00a0Prozent. Hingegen ist ein R\u00fcckgang um 5 bis 10\u00a0Prozent in Kantonen zu erwarten, die relativ weit von den Zentren entfernt sind. Dazu geh\u00f6ren etwa Neuenburg, Nidwalden, Tessin, Obwalden, Jura, Graub\u00fcnden und Schaffhausen.<\/p>\n<p>Diese Entwicklungen erkl\u00e4ren sich dadurch, dass die Grossst\u00e4dte in der Schweiz f\u00fcr junge Erwachsene attraktiv sind. Sie ziehen f\u00fcr Ausbildung und Arbeit in urbane Regionen. Wenn sie eine Familie gr\u00fcnden, suchen sie gr\u00f6ssere Wohnungen innerhalb oder nahe bei den Agglomerationen. Auch die in die Schweiz einwandernden Personen ziehen mehrheitlich in Kantone in der N\u00e4he der grossen Zentren, die Familienwohnungen in der N\u00e4he ihres Arbeitsplatzes bieten.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Demografische Trends in Europa<\/h2>\n<p>Die aktuellen demografischen Entwicklungen in der Schweiz und in Europa, insbesondere die sinkende Geburtenh\u00e4ufigkeit, k\u00f6nnten den R\u00fcckgang der Haushaltgr\u00f6sse in den n\u00e4chsten Jahrzehnten in der Schweiz beschleunigen. L\u00e4ngerfristig d\u00fcrfte auch die Zahl der Familien abnehmen, da es in der Schweiz und in Europa in zwei bis drei Jahrzehnten weniger junge Erwachsene geben wird.<\/p>\n<p>Die Migration d\u00fcrfte den R\u00fcckgang der grossen Haushalte in der Schweiz nicht ausgleichen. Mittelfristig k\u00f6nnten die j\u00fcngst deutlich r\u00fcckl\u00e4ufigen Geburtenzahlen in Europa die Migration in die Schweiz bremsen, insbesondere von Familien. Schliesslich d\u00fcrften mehr Menschen ein sehr hohes Alter erreichen, da die Lebenserwartung weiterhin steigt, wenn auch langsamer. Deshalb wird es auch k\u00fcnftig viele Kleinhaushalte mit \u00e4lteren Menschen geben.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Schweiz gibt es immer mehr Haushalte. Zwischen 2014 und 2024 stieg die Zahl von 3,6 Millionen auf 4,1 Millionen. Am st\u00e4rksten wuchsen die Einpersonenhaushalte (+21%). Weniger stark wuchsen die Haushalte mit zwei Personen (+12%) bis f\u00fcnf Personen (+1%). Gleichzeitig ging die Zahl der Haushalte mit sechs oder mehr Personen zur\u00fcck (\u20137%). 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