{"id":218298,"date":"2026-03-24T07:00:44","date_gmt":"2026-03-24T06:00:44","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=218298"},"modified":"2026-03-25T15:33:38","modified_gmt":"2026-03-25T14:33:38","slug":"wie-wirken-sich-erbschaften-auf-das-arbeitskraefteangebot-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2026\/03\/wie-wirken-sich-erbschaften-auf-das-arbeitskraefteangebot-aus\/","title":{"rendered":"Wie wirken sich Erbschaften auf das Arbeitskr\u00e4fteangebot aus?"},"content":{"rendered":"<div class=\"content-copy-questions\">In Ihrer j\u00fcngst erschienenen <a href=\"https:\/\/people.unil.ch\/mariusbrulhart\/2026\/01\/the-output-cost-of-inheritance\/\">Studie<\/a> haben Sie die Wirkung von Erbschaften auf das Arbeitskr\u00e4fteangebot untersucht. Zu welchem Schluss kommen Sie?<\/div>\n<p>Wir verfolgen 135\u2019000 einzelne Erwerbsbiografien nach dem Erhalt einer Erbschaft von mehr als 10\u2019000 Franken. Anonymisierte Steuerdaten aus dem Kanton Bern machen dies m\u00f6glich. Dabei ergibt sich ein deutlicher Befund: Je gr\u00f6sser die Erbschaft, desto st\u00e4rker sinken danach die Erwerbseinkommen, unser Mass f\u00fcr das Arbeitsangebot. Dieser Effekt ist besonders ausgepr\u00e4gt bei Menschen \u00fcber 50. Viele nutzen das geerbte Verm\u00f6gen, um eine Fr\u00fchpensionierung zu finanzieren.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Wie sehen die Auswirkungen von vergleichbaren Lottogewinnen auf das Arbeitsangebot aus?<\/div>\n<p>In den Berner Daten sehen wir auch rund 5000 Lottogewinne von \u00fcber 10\u2019000 Franken. Dabei stellen wir fest, dass Lottosieger ihr Arbeitsangebot danach noch st\u00e4rker zur\u00fcckfahren als Erben von vergleichbaren Verm\u00f6gen. Das liegt in erster Linie daran, dass ein grosser Lotteriegewinn \u00fcberraschend kommt. Erben hingegen reduzieren ihren Arbeitseinsatz teilweise schon vor dem Erhalt des Verm\u00f6gens, weswegen der Effekt zum Zeitpunkt des Erbes geringer ausf\u00e4llt.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Inwiefern ist die Studie von Bedeutung f\u00fcr unsere Volkswirtschaft?<\/div>\n<p>In unserer Studie machen wir ein Gedankenexperiment: Wir fragen, wie sich die Schweizer Wirtschaftsleistung \u00e4ndern w\u00fcrde, wenn es keine Erbschaften mehr g\u00e4be, alles andere aber unver\u00e4ndert bliebe. Mittels einer Modellrechnung kommen wir dabei zum Schluss, dass 1,7 Prozent mehr Lohnarbeit geleistet werden w\u00fcrde und das BIP daher um 1,1 Prozent gr\u00f6sser w\u00e4re. Meine Interpretation dieses Resultats ist, dass Erbschaften ein relevanter Faktor sind f\u00fcr die Bestimmung des gesamten Arbeitsangebots, aber dass andere Faktoren viel schwerer wiegen d\u00fcrften.<\/p>\n<p><span class=\"content-quotes\">Pro geerbtem Franken musste man in der Schweiz 1990 im Durchschnitt 4,6 Rappen an Erbschaftssteuern zahlen. Heute sind es noch 1,5 Rappen.<\/span><\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Welche anderen Faktoren?<\/div>\n<p>Am wichtigsten bleibt wohl das Lohnniveau: Je besser Arbeit entsch\u00e4digt wird, desto mehr sind die Menschen bereit zu arbeiten. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass Steuern und Abgaben auf Lohneinkommen das Arbeitsangebot einschr\u00e4nken.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Wie hoch ist das gesamte vererbbare Verm\u00f6gen in der Schweiz?<\/div>\n<p>Gem\u00e4ss <a href=\"https:\/\/e4s.center\/resources\/reports\/wealth-and-inheritance-in-21st-century-switzerland\/\">unserer Sch\u00e4tzung<\/a> wurden im Jahr 2025 100 Milliarden Franken in Form von Erbschaften und Schenkungen \u00fcbertragen. Das entspricht knapp 12 Prozent des BIP. Im Jahr 2000 waren es nur 32 Milliarden oder knapp 7 Prozent des BIP. Das wirtschaftliche Gewicht von Erbschaften nimmt also in der Schweiz stark zu.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Welche Schl\u00fcsse ziehen Sie f\u00fcr die Erbschaftssteuer?<\/div>\n<p>Pro geerbtem Franken musste man in der Schweiz 1990 im Durchschnitt 4,6 Rappen an Erbschaftssteuern zahlen. Heute sind es noch 1,5 Rappen. Gleichzeitig sind Abgaben auf L\u00f6hne und Konsum gestiegen. Das scheint mir eine \u00f6konomisch schwer zu rechtfertigende Entwicklung. Nicht zuletzt weil Erbschaftssteuern im Gegensatz zu den meisten anderen Steuerarten positive Arbeitsanreize erzeugen.<\/p>\n<p><em>Interview: \u00abDie Volkswirtschaft\u00bb<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Ihrer j\u00fcngst erschienenen Studie haben Sie die Wirkung von Erbschaften auf das Arbeitskr\u00e4fteangebot untersucht. Zu welchem Schluss kommen Sie? Wir verfolgen 135\u2019000 einzelne Erwerbsbiografien nach dem Erhalt einer Erbschaft von mehr als 10\u2019000 Franken. Anonymisierte Steuerdaten aus dem Kanton Bern machen dies m\u00f6glich. 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