{"id":219041,"date":"2026-04-16T07:00:43","date_gmt":"2026-04-16T05:00:43","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=219041"},"modified":"2026-04-16T14:42:29","modified_gmt":"2026-04-16T12:42:29","slug":"was-bringt-uns-das-freihandelsabkommen-mit-dem-mercosur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2026\/04\/was-bringt-uns-das-freihandelsabkommen-mit-dem-mercosur\/","title":{"rendered":"Was bringt uns das Freihandelsabkommen mit dem Mercosur?"},"content":{"rendered":"<div class=\"content-copy-questions\">Herr Gschwend, Sie haben das Abkommen mitverhandelt. Was bringt es der Schweiz?<\/div>\n<p>In geopolitisch unsicheren Zeiten ist es f\u00fcr die Schweiz besonders wichtig, ihre Handelsbeziehungen breit abzust\u00fctzen und zu diversifizieren. Der Mercosur mit Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay ist ein bedeutender Wachstumsmarkt mit rund 270 Millionen Konsumentinnen und Konsumenten. Das Abkommen verbessert den Marktzugang f\u00fcr Schweizer Unternehmen, st\u00e4rkt ihre Wettbewerbsf\u00e4higkeit und schafft mehr Planungssicherheit. Gleichzeitig ist es ein wichtiges Signal f\u00fcr eine vertiefte wirtschaftliche Partnerschaft mit einer dynamischen Region.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Wo zeigt sich dieser Vorteil konkret?<\/div>\n<p>Ein wichtiger Punkt ist der Zollabbau. Nach einer \u00dcbergangszeit werden rund 96 Prozent der Schweizer Ausfuhren in die Mercosur-Staaten zollfrei. Davon profitieren vor allem exportstarke Branchen wie Pharma, Maschinenbau, Pr\u00e4zisionsinstrumente, Uhren, aber auch Produkte wie Kaffee und Energydrinks. Zugleich st\u00e4rkt das die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Schweiz und verhindert, dass sie gegen\u00fcber der EU ins Hintertreffen ger\u00e4t. Die EU hat n\u00e4mlich ebenfalls ein Freihandelsabkommen mit dem Mercosur abgeschlossen.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Profitiert davon nicht vor allem die Industrie \u2013 auf Kosten der Schweizer Landwirtschaft?<\/div>\n<p>So einfach ist es nicht. Die Schweiz gew\u00e4hrt zwar Zugest\u00e4ndnisse im Agrarbereich, diese sind aber begrenzt. Die Kontingente orientieren sich weitgehend an den bisherigen Importmengen. Zudem profitiert auch die Schweizer Landwirtschaft von einem besseren Marktzugang f\u00fcr ihre Produkte. Und das Abkommen sch\u00fctzt Bezeichnungen wie \u00abSwiss\u00bb f\u00fcr Schokolade oder Gruy\u00e8re.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Flutet mit dem Abkommen k\u00fcnftig billiges Industriefleisch den Schweizer Markt?<\/div>\n<p>Nein. Die Gesamteinfuhren von Fleisch werden aufgrund des Abkommens nicht zunehmen. Das aus den Mercosur-Staaten importierte Rindfleisch stammt \u00fcberwiegend aus Weidehaltung. Hormonelle Wachstumsf\u00f6rderer sind in allen vier Mercosur-Staaten verboten. Alle Schweizer Qualit\u00e4ts-, Deklarations- und Gesundheitsstandards bleiben vollumf\u00e4nglich anwendbar.<\/p>\n<p><span class=\"content-quotes\">Das Abkommen enth\u00e4lt weitreichende Verpflichtungen zu Arbeit, Klima und Biodiversit\u00e4t.<\/span><\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Wird das Abkommen den Import von genver\u00e4ndertem Soja beg\u00fcnstigen?<\/div>\n<p>Das Abkommen wird keinen Einfluss auf die Sojaimporte haben. Die Z\u00f6lle liegen auch ohne Abkommen bei null. Schweizer Regeln zu gentechnisch ver\u00e4nderten Organismen und Kennzeichnungspflichten bleiben unver\u00e4ndert streng. Die meisten Sojaimporte stammen aus Europa und unterliegen Branchenstandards f\u00fcr verantwortungsvolle Beschaffung ohne Gentechnik.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Steigt mit dem Abkommen der Druck auf Umwelt und Regenwald?<\/div>\n<p>Nein. Das zeigt auch eine Studie der Universit\u00e4t Bern. Das Abkommen enth\u00e4lt zudem weitreichende Verpflichtungen zu Arbeit, Klima und Biodiversit\u00e4t. Dazu geh\u00f6ren die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens, der Schutz der W\u00e4lder sowie Bestimmungen gegen weitere Abholzung. Vor allem aber schafft das Abkommen einen verbindlichen und neuen Rahmen, um solche Fragen mit den Partnerstaaten \u00fcberhaupt aufzunehmen und ihre Verpflichtungen in klar definierten Verfahren zu \u00fcberpr\u00fcfen.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Der Bundesrat hat am 25. Februar die Botschaft verabschiedet. In der EU ist das Abkommen umstritten. Es tritt Anfang Mai erst provisorisch in Kraft. Sollte die Schweiz zuwarten?<\/div>\n<p>Zuwarten w\u00fcrde die Diskriminierung der Schweizer Exportwirtschaft gegen\u00fcber den Konkurrenten aus der EU verl\u00e4ngern. In einem international angespannten Umfeld, das von erheblichen Unsicherheiten gepr\u00e4gt ist, ist es wichtiger denn je, auf die Diversifizierung der Handelsbeziehungen hinzuarbeiten. Unabh\u00e4ngig von der Situation in der EU ist dieses Abkommen f\u00fcr die Schweiz von grosser Bedeutung.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Falls es zum Referendum kommt: Ist das Abkommen mehrheitsf\u00e4hig?<\/div>\n<p>Die Chancen stehen gut, sofern es gelingt, allen Stakeholdern aufzuzeigen, dass das Abkommen den Unternehmen sp\u00fcrbare Vorteile bringt und die Resilienz unserer Wirtschaft erh\u00f6ht \u2013 auf eine Weise, die zur nachhaltigen Entwicklung beitr\u00e4gt und mit den Zielen der Schweizer Agrarpolitik vereinbar ist. Gerade in der aktuellen geopolitischen Lage d\u00fcrften das f\u00fcr viele gewichtige Argumente sein. Um den Wohlstand aufrechtzuerhalten, braucht die Schweiz einen m\u00f6glichst breiten, regelbasierten Marktzugang.<\/p>\n<p><em>Interview: \u00abDie Volkswirtschaft\u00bb<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herr Gschwend, Sie haben das Abkommen mitverhandelt. Was bringt es der Schweiz? In geopolitisch unsicheren Zeiten ist es f\u00fcr die Schweiz besonders wichtig, ihre Handelsbeziehungen breit abzust\u00fctzen und zu diversifizieren. Der Mercosur mit Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay ist ein bedeutender Wachstumsmarkt mit rund 270 Millionen Konsumentinnen und Konsumenten. 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