{"id":219347,"date":"2026-04-23T07:00:41","date_gmt":"2026-04-23T05:00:41","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=219347"},"modified":"2026-04-23T13:20:21","modified_gmt":"2026-04-23T11:20:21","slug":"luecken-im-digitalen-wissen-bei-stellensuchenden-wer-braucht-unterstuetzung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2026\/04\/luecken-im-digitalen-wissen-bei-stellensuchenden-wer-braucht-unterstuetzung\/","title":{"rendered":"L\u00fccken im digitalen Wissen bei Stellensuchenden: Wer braucht Unterst\u00fctzung?"},"content":{"rendered":"<p>Der digitale Wandel ver\u00e4ndert den Arbeitsmarkt rasant. Viele Berufe weisen heute ganz andere Anforderungsprofile auf als noch vor 10 oder 20 Jahren. Insbesondere digitale Kompetenzen werden immer wichtiger, und das nicht nur in B\u00fcrojobs oder technischen Berufen, sondern auch in Handwerksberufen. Stellensuchende ohne ausreichendes digitales Know-how riskieren, im Arbeitsmarkt abgeh\u00e4ngt zu werden.<\/p>\n<p>Mit einer Onlinebefragung haben wir untersucht, wie Stellensuchende ihre digitalen Kompetenzen einsch\u00e4tzen und ob sie in ihrer letzten T\u00e4tigkeit m\u00f6gliche Kompetenzl\u00fccken hatten.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Dabei wurde zwischen digitalen Basiskompetenzen wie beispielsweise der Bedienung digitaler Ger\u00e4te oder der Nutzung einfacher B\u00fcrosoftware sowie fortgeschrittenen digitalen Kompetenzen wie dem Entwickeln digitaler Inhalte und Kenntnisse beim Datenschutz unterschieden (siehe Kasten).<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Frauen und \u00c4ltere sch\u00e4tzen ihre Kompetenzen schlechter ein<\/h2>\n<p>Unsere Befragungsergebnisse zeigen, dass Frauen und \u00e4ltere Stellensuchende ihre digitalen Kompetenzen im Durchschnitt deutlich schlechter einsch\u00e4tzen als M\u00e4nner und j\u00fcngere Stellensuchende. W\u00e4hrend Frauen sich nur bei den fortgeschrittenen digitalen Kompetenzen schlechter einsch\u00e4tzen, schneiden \u00e4ltere Stellensuchende sowohl bei grundlegenden als auch bei fortgeschrittenen digitalen Kompetenzen schlechter ab. Die Einsch\u00e4tzungen sind zudem h\u00f6her mit besserer Bildung und anspruchvollerer letzter T\u00e4tigkeit.<\/p>\n<p>Unterschiedliche Selbsteinsch\u00e4tzungen sagen jedoch noch nichts \u00fcber m\u00f6gliche L\u00fccken in der digitalen Kompetenz und Wissensdefizite aus. Denn die Berufe, in denen Frauen und M\u00e4nner oder Stellensuchende unterschiedlichen Alters typischerweise arbeiten, sind sehr verschieden. Ein Bauarbeiter ben\u00f6tigt ganz andere Kompetenzen als eine Direktionsassistentin. Im n\u00e4chsten Schritt haben wir deshalb das objektiv erwartbare Niveau digitaler Kompetenzen gesch\u00e4tzt. Dieses ergibt sich aus den geforderten digitalen Kompetenzen bei der zuletzt ausge\u00fcbten T\u00e4tigkeit, dem h\u00f6chsten Bildungsabschluss der Person und mindestens drei Jahren Berufserfahrung. Liegt die Selbsteinsch\u00e4tzung mindestens 10 Prozent unter dem erwarteten Niveau, liegt eine potenzielle Kompetenzl\u00fccke vor.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Viele Stellensuchende haben L\u00fccken im digitalen Wissen<\/h2>\n<p>Die Ergebnisse zeigen, dass rund ein F\u00fcnftel der Stellensuchenden mangelnde digitale Basiskompetenzen aufweist (siehe Abbildung). Bei den fortgeschrittenen Kompetenzen ist es sogar fast ein Drittel. Diese Anteile sind relativ hoch und untermauern Bef\u00fcrchtungen, dass Stellensuchende bei der digitalen Transformation besonders gef\u00e4hrdet sind.<\/p>\n<p>Der Geschlechterunterschied best\u00e4tigt sich auch hinsichtlich der Wissensl\u00fccke. Bei den fortgeschrittenen digitalen Kompetenzen liegt der Anteil Frauen mit Kompetenzl\u00fccken bei 35 Prozent und ist damit 8 Prozentpunkte h\u00f6her als bei den M\u00e4nnern. Der Aufholbedarf bei diesen Kompetenzen ist bei den Frauen somit deutlich gr\u00f6sser. Bei den Basiskompetenzen zeigen sich keine signifikanten Unterschiede zwischen Frauen und M\u00e4nnern. Dass Frauen hier nicht im R\u00fcckstand sind, ist positiv zu bewerten angesichts der Tatsache, dass grundlegende digitale Kompetenzen inzwischen in nahezu allen Berufen wichtig sind.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Gesch\u00e4tzter Anteil der Befragten mit einer potenziellen L\u00fccke in der digitalen Kompetenz<\/h2>\n<h6 class=\"copy-small-bold\">INTERAKTIVE GRAFIK<\/h6>\n<div id=\"wunsch_04_2026_de\" style=\"width:100%; height:520px;\"><\/div>\n\n<script>\ndocument.addEventListener('DOMContentLoaded', function () {\n    Highcharts.chart('wunsch_04_2026_de', {\n        chart: {\n            type: 'scatter',\n            backgroundColor: '#ffffff',\n            spacingBottom: 90\n        },\n\n        title: {\n            text: 'Vorhergesagter Anteil mit potenzieller Kompetenzl\u00fccke'\n        },\n\n        credits: {\n            enabled: false\n        },\n\n        legend: {\n            enabled: true,\n            align: 'center',\n            verticalAlign: 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jeweiligen Gruppe mit einer potenziellen Kompetenzl\u00fccke. Eine potenzielle Kompetenzl\u00fccke liegt dann vor, wenn die Selbsteinsch\u00e4tzung der Kompetenzen mindestens 10 Prozent unter dem anhand objektiver Merkmale erwarteten Niveau liegt. Die Kreise zeigen die vorhergesagten Werte, die Balken die Sch\u00e4tzungsunsicherheit mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall.<\/div>\n<div class=\"diagram-legend\">Quelle: Eigene Auswertung der Autorin | Grafik: Die Volkswirtschaft<\/div>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Unterst\u00fctzung f\u00fcr \u00c4ltere besonders wichtig<\/h2>\n<p>Am gr\u00f6ssten sind die Unterschiede jedoch nach Alter. Bei den unter 30-J\u00e4hrigen liegt der Anteil mit Kompetenzl\u00fccken bei 12 Prozent (Basiskompetenzen) und 24 Prozent (fortgeschrittene Kompetenzen) und damit deutlich unter dem Durchschnitt aller Umfrageteilnehmenden, der bei 21 Prozent (Basiskompetenzen) und 31 Prozent (forgeschrittene Kompetenzen) liegt (siehe Abbildung). Fehlende digitale F\u00e4higkeiten scheinen somit ein Generationenproblem zu sein \u2013 auch bei den Stellensuchenden. Mit zunehmendem Alter steigen die Anteile. Auff\u00e4llig ist vor allem der starke Zuwachs der fehlenden digitalen Basiskompetenzen ab einem Alter von 50 Jahren. Fast ein Drittel der Umfrageteilnehmenden in dieser Gruppe weist hier L\u00fccken auf. Bei den fortgeschrittenen Kompetenzen ist es deutlich mehr als ein Drittel.<\/p>\n<p>Obwohl digitale Kompetenzen am Arbeitsmarkt immer wichtiger werden, weisen viele Stellensuchende also L\u00fccken auf \u2013 besonders Frauen und \u00e4ltere Menschen. Die Umfrage zeigt: \u00c4ltere Stellensuchende sind durch die digitale Transformation stark gef\u00e4hrdet und ben\u00f6tigen deutlich mehr Unterst\u00fctzung als andere Stellensuchende. Bei Frauen sollten fortgeschrittene Kompetenzen st\u00e4rker in den Fokus r\u00fccken. Ziel muss es sein, gezielte Weiterbildung und Unterst\u00fctzung anzubieten, um L\u00fccken in der digitalen Kompetenz zu schliessen und so die Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erh\u00f6hen.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Siehe Wunsch, Rochlitz und Arni (2025). <a href=\"https:\/\/link.springer.com\/article\/10.1186\/s41937-025-00142-9\">Jobseekers\u2019 Skills and Job Search Behaviour<\/a>. Swiss Journal of Economics and Statistics, 161\/11.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der digitale Wandel ver\u00e4ndert den Arbeitsmarkt rasant. Viele Berufe weisen heute ganz andere Anforderungsprofile auf als noch vor 10 oder 20 Jahren. Insbesondere digitale Kompetenzen werden immer wichtiger, und das nicht nur in B\u00fcrojobs oder technischen Berufen, sondern auch in Handwerksberufen. 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Diese wurden im Zeitraum von Oktober 2023 bis Februar 2024 mittels einer Onlineumfrage befragt. Die Teilnehmenden haben ihre digitalen Kompetenzen in zehn verschiedenen Dimensionen auf einer 7-Punkte-Skala von sehr schlecht bis sehr gut eingesch\u00e4tzt.\r\n\r\n<strong>Digitale Basiskompetenzen<\/strong> umfassen das Bedienen digitaler Ger\u00e4te wie Computer, das Anwenden von B\u00fcrosoftware wie Word, Powerpoint oder Adobe sowie die Kommunikation, die Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen via digitale Kommunikationstools wie Zoom, Microsoft Teams oder Skype. Auch das Suchen, Verarbeiten und Verwalten von Daten und digitalen Inhalten sowie das Onlineeinkaufen oder -verkaufen geh\u00f6ren dazu.\r\n\r\n<strong>Fortgeschrittene digitale Kompetenzen<\/strong> bedeuten digitale Inhalte entwickeln und programmieren, Abl\u00e4ufe automatisieren, Ger\u00e4te und pers\u00f6nliche Daten sch\u00fctzen sowie technische Probleme l\u00f6sen. Auch Probleme l\u00f6sen mithilfe digitaler Technologien wie z. B. durch Nutzung von KI und eigene L\u00fccken in der digitalen Kompetenz erkennen geh\u00f6ren dazu.\r\n\r\nDie Daten sind aufgrund freiwilliger Teilnahme nicht repr\u00e4sentativ. Die ausf\u00fchrliche Studie finden Sie <a href=\"https:\/\/link.springer.com\/article\/10.1186\/s41937-025-00142-9\">hier<\/a>."}],"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":"","main_focus":"","serie_email":"","frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":"","redaktoren":"","korrektor":5357,"planned_publication_date":"2026-04-23 05:00:41","original_files":null,"external_release_for_author":"20260428","external_release_for_author_time":"00:05:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/exedit\/69ca37be24354"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/219347"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4041"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=219347"}],"version-history":[{"count":21,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/219347\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":220072,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/219347\/revisions\/220072"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5357"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4041"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/220055"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=219347"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=219347"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=219347"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=219347"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=219347"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=219347"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}