{"id":220073,"date":"2026-05-26T07:00:48","date_gmt":"2026-05-26T05:00:48","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=220073"},"modified":"2026-05-26T14:21:03","modified_gmt":"2026-05-26T12:21:03","slug":"service-public-wo-braucht-es-den-staat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2026\/05\/service-public-wo-braucht-es-den-staat\/","title":{"rendered":"Service public: Wo braucht es den Staat?"},"content":{"rendered":"<div class=\"content-copy-questions\">Herr Funk, bisher galt ein Marktversagen als hinreichende Begr\u00fcndung f\u00fcr eine staatliche Bereitstellung von Service public. Reicht das?<\/div>\n<p>Nein, das reicht nicht. Marktversagen kann zwar staatliches Handeln rechtfertigen. Es bedeutet aber nicht automatisch, dass der Staat die Leistung selbst erbringen muss. Service public ist zudem oft politisch gew\u00fcnscht und nicht aus einem Marktversagen abgeleitet. Viele staatliche Leistungen lassen sich \u00fcber Regulierung oder Auftragsvergabe effizienter durch private Anbieter bereitstellen. Das ist in vielen Bereichen \u00fcblich: Der Staat baut Strassen beispielsweise nicht selbst, sondern schreibt die Arbeiten aus.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Wann soll der Staat den Service public selbst erbringen?<\/div>\n<p>Ob Aufgaben besser privat oder staatlich erbracht werden sollen, h\u00e4ngt davon ab, wie gut sich Vertr\u00e4ge kontrollieren lassen. Da sich die Qualit\u00e4t einer Dienstleistung oft nur schwer messen l\u00e4sst, konzentrieren sich private Anbieter eher auf Kostensenkungen und vernachl\u00e4ssigen die Qualit\u00e4t. Zudem besteht ein Zielkonflikt, da gute Qualit\u00e4t Kosten verursacht. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das sogenannte Hold-up-Risiko: Wenn Leistungen vertraglich nicht zuverl\u00e4ssig abgesichert werden k\u00f6nnen, bleiben effiziente Investitionen aus. Die private Bereitstellung ist deshalb nur dann sinnvoll, wenn Qualit\u00e4tsinvestitionen verl\u00e4sslich abgesichert und zuverl\u00e4ssig \u00fcberpr\u00fcft werden k\u00f6nnen. Andernfalls kann staatliches Eigentum effizienter sein \u2013 besonders bei hohen gesellschaftlichen Kosten durch Qualit\u00e4tsm\u00e4ngel.<\/p>\n<p><span class=\"content-quotes\">Marktversagen kann zwar staatliches Handeln rechtfertigen. Es bedeutet aber nicht automatisch, dass der Staat die Leistung selbst erbringen muss.<\/span><\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Wie ist es bei Infrastrukturen wie Telekommunikation und Postlogistik?<\/div>\n<p>Beide k\u00f6nnen ohne Weiteres von privaten Unternehmen erbracht werden. Das Gros der Telekommunikationsdienstleistungen wird heute von privaten Anbietern im Wettbewerb erbracht. Auch im Postbereich kann der Service public durch einen privaten Anbieter erbracht werden \u2013 selbst im Falle eines Monopols. Eine postalische Grundversorgung, wie etwa eine gesellschaftlich gew\u00fcnschte Zustellfrequenz oder die Zustellung an entlegene Haushalte, kann vertraglich geregelt und bei Mehrkosten abgegolten werden. Gleiches gilt f\u00fcr den Ausbau peripherer Gebiete mit Glasfaser. Die Erf\u00fcllung dieser Vertr\u00e4ge ist einfach zu \u00fcberpr\u00fcfen. Schwieriger ist die \u00dcberpr\u00fcfung beispielsweise im sicherheitspolitischen Bereich oder bei Schulen. In diesen F\u00e4llen kann staatliche Bereitstellung effizient sein.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">F\u00fchren Staatsgarantien zu Wettbewerbsverzerrungen gegen\u00fcber privaten Anbietern?<\/div>\n<p>Eine Studie<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> von Swiss Economics im Auftrag des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft kam zum Ergebnis, dass die Staatsbetriebe des Bundes bei der Kapitalbeschaffung leichte Vorteile haben. Diese k\u00f6nnen aus impliziten oder wahrgenommenen Staatsgarantien resultieren. Schwerwiegender sind Wettbewerbsverzerrungen jedoch bei einer f\u00fcr Staatsbetriebe vorteilhaften Regulierung oder wenn sich Staatsunternehmen in wettbewerblichen M\u00e4rkten ausbreiten.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Wie beurteilen Sie die Governance-Strukturen des Bundes, um solche Wettbewerbsverzerrungen zu minimieren?<\/div>\n<p>Grunds\u00e4tzlich scheinen mir die Governance-Strukturen des Bundes zweckm\u00e4ssig. Die gr\u00f6sste Gefahr von Verzerrungen und Ineffizienzen besteht jedoch, wenn die Staatsunternehmen dank ihrer Staatsn\u00e4he und ihres aktiven Lobbyings die Gesetzgebung zu ihren Gunsten beeinflussen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em>Interview: Die Volkswirtschaft<\/em><\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Siehe dazu auch den etwas ausf\u00fchrlicheren Artikel: Salvi, M., N. Schnyder und M. Altorfer (2026). <a href=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2026\/01\/staatsnahe-unternehmen-kommen-guenstiger-an-kapital\/\">Staatsnahe Unternehmen kommen g\u00fcnstiger an Kapital<\/a>.\u00a0<em>Die Volkswirtschaft<\/em>, 29. Januar.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herr Funk, bisher galt ein Marktversagen als hinreichende Begr\u00fcndung f\u00fcr eine staatliche Bereitstellung von Service public. Reicht das? Nein, das reicht nicht. Marktversagen kann zwar staatliches Handeln rechtfertigen. Es bedeutet aber nicht automatisch, dass der Staat die Leistung selbst erbringen muss. Service public ist zudem oft politisch gew\u00fcnscht und nicht aus einem Marktversagen abgeleitet. 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