{"id":220600,"date":"2026-06-09T07:00:41","date_gmt":"2026-06-09T05:00:41","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=220600"},"modified":"2026-06-09T11:37:27","modified_gmt":"2026-06-09T09:37:27","slug":"jetzt-brauchen-wir-die-regulierungsbremse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2026\/06\/jetzt-brauchen-wir-die-regulierungsbremse\/","title":{"rendered":"Jetzt brauchen wir die Regulierungsbremse"},"content":{"rendered":"<p>Das Unternehmensentlastungsgesetz (UEG), das vom Schweizerischen Gewerbeverband angestossen wurde, ist 2024 in Kraft getreten \u2013 ein l\u00e4ngst f\u00e4lliger Schritt im Kampf gegen die wachsende Regulierungsflut. Erstmals wurde der Bund verpflichtet, Gesetze effizient auszugestalten und die Belastung f\u00fcr Unternehmen m\u00f6glichst gering zu halten. Das war wichtig. Doch wer t\u00e4glich mit Formularen, Bewilligungen und Berichtspflichten k\u00e4mpft, weiss: Das allein reicht noch nicht.<\/p>\n<p>Einerseits sollen die Kosten von neuen Vorschriften k\u00fcnftig unabh\u00e4ngiger gesch\u00e4tzt werden. Denn heute besteht ein Interessenkonflikt. Kosten werden teilweise von derselben Verwaltungseinheit gesch\u00e4tzt, welche die Regulierung einf\u00fchren will. Das ist nicht neutral.<\/p>\n<p>Andererseits braucht es zus\u00e4tzlich eine Regulierungsbremse. Denn Regulierung und Staat wachsen trotzdem weiter. Gem\u00e4ss Professor Mark Schelker von der Universit\u00e4t Freiburg wurden in den letzten Jahren auf Bundesebene \u00fcber 5000 Seiten Gesetze, Verordnungen und Bundesbeschl\u00fcsse ge\u00e4ndert \u2013 pro Jahr.<\/p>\n<p><span class=\"content-quotes\">Der Staat sollte sich nicht als Helfer der Unternehmen inszenieren.<\/span><\/p>\n<p>Hochrechnungen des Schweizerischen Gewerbeverbands haben ergeben, dass Kosten in der H\u00f6he von rund 80 Milliarden Franken oder 10 Prozent des Bruttoinlandprodukts resultieren. Alle durch staatliche Regulation verursacht.<\/p>\n<p>Eine der Herausforderungen: Das Parlament \u00fcbertr\u00e4gt dem Bundesrat zu viele Kompetenzen. Die Verwaltung wiederum nutzt diesen Spielraum f\u00fcr neue Regeln \u2013 ein Teufelskreis. Und mit dem Nachvollzug von EU-Recht und Empfehlungen internationaler Organisationen wie der Weltgesundheitsorganisation bleiben Verordnungen und \u00abSoft Law\u00bb wohl auch in Zukunft Treiber der Regulierung. Deshalb braucht es einen neuen Anlauf f\u00fcr ein Verordnungsveto.<\/p>\n<p>KMU werden durch Regulierungen verh\u00e4ltnism\u00e4ssig st\u00e4rker belastet als Grossunternehmen. Zudem nutzen Grossunternehmen diese Regulierungen auch strategisch als Wettbewerbsvorteil. Im Zeitalter des \u00abGreen Deal\u00bb spannen beispielsweise viele Konzerne mit NGOs zusammen und unterst\u00fctzen Lieferkettengesetze. Dass sie neuerdings ebenfalls B\u00fcrokratieabbau fordern, ist positiv. Aber Deregulierung geht \u00fcber Sonntagspredigten und Forderungen nach effizientem Vollzug hinaus.<\/p>\n<p>Die f\u00fcr die Schweiz typischen kurzen Wege zwischen Verwaltung und Unternehmen sind wichtig. Und das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft leistet viel Wertvolles f\u00fcr die KMU. Dennoch sollte sich der Staat nicht als \u00abHelfer\u00bb der Unternehmen inszenieren. Entsprechend kann es nicht angehen, dass er Agenturen damit betraut, KMU zu beraten oder sie \u2013 wie vorgekommen \u2013 zur Umsetzung von OECD-Leitlinien anzuhalten. Ronald Reagan bezeichnete einmal den Satz \u00abI\u2019m from the government, and I\u2019m here to help\u00bb als schrecklich. Recht hat er.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Unternehmensentlastungsgesetz (UEG), das vom Schweizerischen Gewerbeverband angestossen wurde, ist 2024 in Kraft getreten \u2013 ein l\u00e4ngst f\u00e4lliger Schritt im Kampf gegen die wachsende Regulierungsflut. Erstmals wurde der Bund verpflichtet, Gesetze effizient auszugestalten und die Belastung f\u00fcr Unternehmen m\u00f6glichst gering zu halten. Das war wichtig. 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