{"id":220611,"date":"2026-06-08T07:00:00","date_gmt":"2026-06-08T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=220611"},"modified":"2026-06-08T11:01:41","modified_gmt":"2026-06-08T09:01:41","slug":"buerokratie-die-eu-raeumt-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2026\/06\/buerokratie-die-eu-raeumt-auf\/","title":{"rendered":"B\u00fcrokratie: Die EU r\u00e4umt auf"},"content":{"rendered":"<p>Der Handlungsbedarf ist gross. In den vergangenen Jahren hat die EU zahlreiche neue Vorschriften eingef\u00fchrt. Heute f\u00fchren \u00fcberbordende und teils doppelte Regulierungen zu h\u00f6heren Kosten, sie bremsen Investitionen und binden Ressourcen, die Unternehmen stattdessen f\u00fcr Innovationen einsetzen k\u00f6nnten. Besonders betroffen sind KMU, die oft nur begrenzte personelle und finanzielle Mittel haben. Dies belastet die Produktivit\u00e4t und das Wachstum in Europa.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Pragmatischer B\u00fcrokratieabbau<\/h2>\n<p>Hinter dem B\u00fcrokratieabbau steckt weniger Ideologie als vielmehr Pragmatismus: Ein aktueller OECD-Bericht\u00a0zeigt das Problem deutlich: In der EU arbeiteten im Jahr 2023 3,9 Prozent der Besch\u00e4ftigten im Bereich Compliance, aber nur 1,6 Prozent in Forschung und Entwicklung. Kurz gesagt: Europa braucht mehr Menschen in Laboren und weniger Menschen, die Formulare ausf\u00fcllen. Weniger B\u00fcrokratie kann helfen, dieses Verh\u00e4ltnis zugunsten von Innovation zu verschieben und damit die Grundlage f\u00fcr Wohlstand zu st\u00e4rken.<\/p>\n<p>Eine zentrale Rolle beim B\u00fcrokratieabbau spielen die sogenannten Omnibus-Pakete. Dabei handelt es sich um umfassende Gesetzespakete, mit denen mehrere EU-Rechtsakte gleichzeitig angepasst werden. Zehn Gesetzespakete mit angepassten Rechtsakten liegen bereits vor. Die Themen reichen von Lebensmittelsicherheit bis hin zu Automobilindustrie, Digitalisierung oder Chemikalien. Insgesamt sollen so bis 2029 die wiederkehrenden Administrativkosten der Unternehmen um 37,5 Milliarden gesenkt werden. Bislang betragen die Einsparungen durch die Omnibus-Pakete f\u00fcr EU-Unternehmen j\u00e4hrlich 11,9 Milliarden Euro (siehe Abbildung). Gemeinsam mit weiteren Initiativen betragen die Einsparungen j\u00e4hrlich 15 Milliarden Euro.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Insgesamt sollen die Unternehmen mit den administrativen Entlastungen j\u00e4hrlich 15 Mrd. Euro einsparen<\/h2>\n<h6 class=\"copy-small-bold\">INTERAKTIVE GRAFIK<\/h6>\n<div class=\"chart chart--normal\" id=\"HAGER_06-2026_DE\"><\/div>\n<script>\n$(function () {\n    $('#HAGER_06-2026_DE').highcharts({\nchart: {\n            type: 'bar'\n        },\n        title: {\n            text: ''\n        }, \n\ntooltip: {\n            pointFormat: 'J\u00e4hrliche administrative Einsparungen: <b>{point.y}<\/b><br\/>',\n            valueSuffix: ' Mio. 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Es vereinfacht die Nachhaltigkeitsberichterstattung und die Sorgfaltspflichten von Unternehmen. Konkret betroffen sind die EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD), die EU-Lieferketten-Richtlinie (CSDDD) sowie der CO<sub>2<\/sub>-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM), die seit 2023 und 2024 in Kraft sind. Ziel ist es, den administrativen Aufwand zu reduzieren und kleinere Firmen vor indirekten Zusatzbelastungen zu sch\u00fctzen. Tausende Unternehmen sollen dadurch von komplexen Berichterstattungspflichten entlastet werden.<\/p>\n<p>Gleichzeitig sollen die Sorgfaltspflichten auf jene Unternehmensgr\u00f6ssen konzentriert werden, in denen sie tats\u00e4chlich Wirkung entfalten. Mit den CSRD-Vereinfachungen fallen 85 Prozent der heute berichtspflichtigen Unternehmen aus dem Anwendungsbereich. Zudem wurde durch den sogenannten Value-Chain-Cap der Umfang der zu berichtenden Unternehmen innerhalb einer Wertsch\u00f6pfungskette standardisiert. Das Paket zeigt, dass sich politische Ziele und weniger B\u00fcrokratie verbinden lassen. Weitere Entlastungsvorlagen sollen noch dieses Jahr in Kraft treten.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Administrative Belastung um 25 bis 35 Prozent senken<\/h2>\n<p>F\u00fcr die Europ\u00e4ische Kommission ist dies jedoch erst der Anfang. Sie will die administrativen Belastungen insgesamt um mindestens 25 Prozent senken, bei KMU sogar um mindestens 35 Prozent. Bis Ende 2029 soll der gesamte Bestand an EU-Gesetzgebung \u00fcberpr\u00fcft werden, um veraltete, \u00fcberlappende oder unn\u00f6tige Vorschriften abzubauen. Dabei sollen s\u00e4mtliche Branchen untersucht werden.<\/p>\n<p>Die Vereinfachung soll zudem langfristig wirken. Die Kommission hat deshalb angek\u00fcndigt, die Entwicklung, die Umsetzung und die Durchsetzung von EU-Regeln grundlegend zu modernisieren. Ziel ist es, dass neue Vorschriften k\u00fcnftig wirksamer und effizienter ausgestaltet werden. In der <a href=\"https:\/\/commission.europa.eu\/law\/law-making-process\/better-regulation\/simplification-implementation-enforcement\/simpler-clearer-and-better-enforced-eu-rulebook_en\">\u00abBetter Regulation\u00bb-Kommunikation<\/a> von April 2026 wurden daf\u00fcr mehrere Massnahmen angek\u00fcndigt, darunter der \u00abRegulatory Deep Cleaning Action Plan\u00bb. Dieser soll veraltete, sich \u00fcberschneidende oder \u00fcberfl\u00fcssige Regeln sowie \u00fcberm\u00e4ssig komplexe Vorschriften beseitigen. Gleichzeitig soll der Grundsatz \u00abSimplicity by Design\u00bb f\u00fcr regulatorische Disziplin und Klarheit sorgen.<\/p>\n<p>Entscheidend wird jedoch sein, ob die Massnahmen im Alltag der Unternehmen tats\u00e4chlich sp\u00fcrbar sind. Deshalb f\u00fchrt die Kommission sogenannte Implementation-Dialogues und Reality-Checks mit Unternehmen und Branchenvertretern durch. Diese sollen regelm\u00e4ssig ermitteln, welche Regeln funktionieren und wo Anpassungen n\u00f6tig sind. Allein im Jahr 2025 fanden laut EU-Kommission mehr als 50 solcher Dialoge mit \u00fcber 1000 Beteiligten aus unterschiedlichen Branchen statt.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Kleine Entlastung, grosse Wirkung<\/h2>\n<p>Dieser Austausch soll in Zukunft weitergef\u00fchrt werden, unter anderem \u00fcber die neu geschaffene \u00abSimplification Platform\u00bb. Dort kommen Vertreter der EU-Mitgliedsstaaten und verschiedener Aussch\u00fcsse sowie weitere Stakeholder zusammen, die ein gemeinsames Interesse innerhalb eines Politikbereichs vertreten. Mit diesem inklusiven Ansatz will die EU-Kommission festlegen, welche regulierten Bereiche priorit\u00e4r vereinfacht werden sollen. Die Hoffnung dahinter: Schon kleine administrative Entlastungen k\u00f6nnen grosse Wirkung entfalten, wenn sie Hunderttausende Unternehmen betreffen. Zeit- und Kosteneinsparungen k\u00f6nnten sich rasch summieren und die Wettbewerbsf\u00e4higkeit Europas st\u00e4rken.<\/p>\n<p>Die Koexistenz von europ\u00e4ischen und nationalen Regeln bleibt aus Sicht der EU-Kommission auch weiterhin zentral f\u00fcr eine wettbewerbsf\u00e4hige, innovative und nachhaltige soziale Marktwirtschaft. Angesichts tiefgreifender globaler Ver\u00e4nderungen muss Europa seine St\u00e4rken allerdings gezielt nutzen und seine Wettbewerbsf\u00e4higkeit sichern. Die Vereinfachungsagenda mit den Omnibus-Paketen soll dazu einen wichtigen Beitrag leisten.<\/p>\n<p>Letztlich geht es darum, dass Regeln den B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern sowie den Unternehmen dienen und Wachstum f\u00f6rdern, statt es zu behindern. Nur so kann Europa sein wirtschaftliches Potenzial besser aussch\u00f6pfen und langfristigen Wohlstand sichern.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Handlungsbedarf ist gross. 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