{"id":221791,"date":"2026-07-14T07:00:50","date_gmt":"2026-07-14T05:00:50","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=221791"},"modified":"2026-07-14T09:14:50","modified_gmt":"2026-07-14T07:14:50","slug":"kantonale-gebaeudeversicherungen-mehr-als-eine-versicherung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2026\/07\/kantonale-gebaeudeversicherungen-mehr-als-eine-versicherung\/","title":{"rendered":"Kantonale Geb\u00e4udeversicherungen: Mehr als eine Versicherung"},"content":{"rendered":"<p>Die Schweiz verf\u00fcgt \u00fcber ein einzigartiges System der Geb\u00e4udeversicherungen. In <a href=\"https:\/\/www.vkg.ch\/de\/ueber-uns\/kantonale-gebaeudeversicherungen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">19 Kantonen<\/a> \u00fcbernehmen die Kantonalen Geb\u00e4udeversicherungen (KGV) den Schutz von Geb\u00e4uden gegen Feuer- und Elementarsch\u00e4den. In den \u00fcbrigen 7 Kantonen wird diese Aufgabe von privaten Versicherungsunternehmen wahrgenommen. Dieses historisch gewachsene Nebeneinander hat sich bew\u00e4hrt. Es ist Ausdruck des schweizerischen F\u00f6deralismus. Besonders die KGV zeigen dabei, wie ein gemeinwohlorientiertes Modell wirksam zur Sicherheit von Bev\u00f6lkerung, Wirtschaft und Infrastruktur beitragen kann.<\/p>\n<p>Die 19 Kantonalen Geb\u00e4udeversicherungen versichern \u00fcber 80 Prozent aller Geb\u00e4udewerte in der Schweiz. Dies entspricht einem Versicherungsvolumen von circa 2800 Milliarden Franken. Geb\u00e4udeeigent\u00fcmerinnen und -eigent\u00fcmer profitieren von einem umfassenden Schutz gegen Feuer sowie gegen Naturgefahren wie Hochwasser, \u00dcberschwemmungen, Sturm, Hagel, Lawinen, Schneedruck, Felssturz, Steinschlag oder Erdrutsch.<\/p>\n<p>Die Vorteile der KGV gehen weit \u00fcber die reine Schadenverg\u00fctung hinaus. Ihr Erfolgsmodell basiert auf drei miteinander verkn\u00fcpften Aufgaben: Pr\u00e4vention, Intervention und Versicherung. Diese drei Wirkungsfelder bilden ein starkes Schutzsystem f\u00fcr Geb\u00e4ude: Die KGV sorgen daf\u00fcr, dass Sch\u00e4den m\u00f6glichst verhindert, Ereignisse effizient bew\u00e4ltigt und verbleibende Risiken versichert sind.<\/p>\n<p><span class=\"content-quotes\">Die 19 Kantonalen Geb\u00e4udeversicherungen versichern \u00fcber 80 Prozent aller Geb\u00e4udewerte in der Schweiz.<\/span><\/p>\n<p>Den Kantonalen Geb\u00e4udeversicherungen liegt das Solidarit\u00e4tsprinzip zugrunde. Alle Eigent\u00fcmerschaften in den Kantonen mit Kantonaler Geb\u00e4udeversicherung sind obligatorisch versichert und werden so Teil der umfassenden Solidargemeinschaft. Diese gew\u00e4hrleistet umfassenden Schutz zu tiefen Pr\u00e4mien. Die Versicherungspr\u00e4mien orientieren sich zudem nicht prim\u00e4r an der individuellen Gef\u00e4hrdung eines einzelnen Geb\u00e4udes, sondern am Risiko innerhalb des jeweiligen Kantons. Dadurch bleibt der Versicherungsschutz auch in exponierten Lagen bezahlbar. Im Schadenfall gew\u00e4hrleistet dieses System eine rasche und verl\u00e4ssliche Entsch\u00e4digung. Gleichzeitig arbeiten die KGV nicht gewinnorientiert. \u00dcbersch\u00fcsse fliessen in die St\u00e4rkung der Reserven, in Pr\u00e4ventionsmassnahmen wie beispielsweise Subventionen f\u00fcr Objektschutzmassnahmen, kostenlose Beratungen sowie Informationskampagnen oder kommen den Versicherten in Form von Pr\u00e4miensenkungen zugute.<\/p>\n<p>Die einzelnen KGV zeigen sich untereinander \u00fcber die Interkantonale Risikogemeinschaft ebenfalls solidarisch. Die Interkantonale Risikogemeinschaft wurde 1996 von den KGV und ihrem gemeinsamen R\u00fcckversicherer, dem Interkantonalen R\u00fcckversicherungsverband, gegr\u00fcndet. Im Falle von Naturgefahrenereignissen mit hohen Schadensummen bei einzelnen KGV kommt die Interkantonale Risikogemeinschaft zum Tragen: Es kommt zu einer solidarischen Lastenverteilung unter den KGV und dem Interkantonalen R\u00fcckversicherungsverband. Gemeinsam meistern die KGV grosse Ereignisse ohne jegliche staatliche Garantie oder Kostenbeteiligung. Dies ist mit ein Grund, weshalb das KGV-System auch auf internationaler Ebene immer wieder als vorbildlich beschrieben wird.<\/p>\n<p>Die Herausforderungen jedoch nehmen zu. Klimawandel, wachsende Siedlungsdichte und h\u00f6here Sachwerte f\u00fchren dazu, dass Naturereignisse immer gr\u00f6ssere und teurere Sch\u00e4den verursachen k\u00f6nnen. Umso wichtiger sind pr\u00e4ventive Massnahmen bei Planung, Bau und Unterhalt von Geb\u00e4uden. Denn der gr\u00f6sste Nutzen entsteht h\u00e4ufig dort, wo Sch\u00e4den gar nicht erst eintreten. Die Kantonalen Geb\u00e4udeversicherungen investieren daher seit Jahrzehnten konsequent in die Schadenpr\u00e4vention. Diese umfasst sowohl den Schutz vor Naturgefahren wie auch vor Br\u00e4nden.<\/p>\n<p><span class=\"content-quotes\">Umso wichtiger sind pr\u00e4ventive Massnahmen bei Planung, Bau und Unterhalt von Geb\u00e4uden.<\/span><\/p>\n<p>Die KGV f\u00f6rdern naturgefahrengerechtes Bauen, unterst\u00fctzen Forschung und Entwicklung sowie die Sensibilisierung von Eigent\u00fcmerinnen und Eigent\u00fcmern, Planenden und Beh\u00f6rden. Gemeinsam mit Partnern aus Verwaltung, Wissenschaft und Privatwirtschaft wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche Instrumente entwickelt. Dazu geh\u00f6ren etwa die Informationsplattform \u00ab<a href=\"https:\/\/www.schutz-vor-naturgefahren.ch\/bauherr.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Schutz vor Naturgefahren<\/a>\u00bb mit dem integrierten Naturgefahren-Check, das <a href=\"https:\/\/www.hagelregister.ch\/bauherren-architekten.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hagelregister<\/a> mit hagelgepr\u00fcften Bauteilen oder die Gef\u00e4hrdungskarte f\u00fcr Oberfl\u00e4chenabfluss, welche die Abflusswege von Wasser bei Starkregenereignissen aufzeigt.<\/p>\n<p>Auch praxisnahe L\u00f6sungen zeigen Wirkung. So wurden technische Systeme entwickelt, die beispielsweise schadenanf\u00e4llige Lamellenstoren bei drohendem Hagel automatisch hochfahren und dadurch Sch\u00e4den vermeiden. Solche Innovationen leisten einen direkten Beitrag zur Schadenreduktion. Sie senken langfristig die volkswirtschaftlichen Kosten von Naturereignissen.<\/p>\n<p>Eine weitere St\u00e4rke des Modells liegt in der engen Verbindung von Versicherung und Intervention. Die Kantonalen Geb\u00e4udeversicherungen engagieren sich direkt bei der Ausbildung, der Ausr\u00fcstung und der Finanzierung der Feuerwehren. Gut ausgebildete und ausger\u00fcstete Einsatzkr\u00e4fte sch\u00fctzen Menschenleben und begrenzen Sachsch\u00e4den wirksam. Je schneller und professioneller ein Ereignis bew\u00e4ltigt wird, desto geringer fallen die Sch\u00e4den aus. Davon profitieren nicht nur die Versicherten, sondern die Gesellschaft insgesamt.<\/p>\n<p>Gerade angesichts zunehmender Naturgefahren zeigt sich: Versicherungsschutz allein gen\u00fcgt nicht. Entscheidend ist ein System, das Risiken erkennt, Sch\u00e4den verhindert und im Ereignisfall rasch handelt. Die Kombination von Pr\u00e4vention, Intervention und Versicherung bildet deshalb einen wirkungsvollen Dreiklang. Die Kantonalen Geb\u00e4udeversicherungen leisten damit weit mehr als die Finanzierung der Wiederherstellung nach Schadenf\u00e4llen. Sie tragen zur Sicherheit von Geb\u00e4uden und Eigent\u00fcmerschaften sowie letztlich zur Resilienz der Gesellschaft und zur Stabilit\u00e4t des Wirtschaftsstandorts Schweiz bei \u2013 und bleiben damit auch k\u00fcnftig ein wichtiger Pfeiler des schweizerischen Risikomanagements im Umgang mit Naturgefahren.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schweiz verf\u00fcgt \u00fcber ein einzigartiges System der Geb\u00e4udeversicherungen. In 19 Kantonen \u00fcbernehmen die Kantonalen Geb\u00e4udeversicherungen (KGV) den Schutz von Geb\u00e4uden gegen Feuer- und Elementarsch\u00e4den. In den \u00fcbrigen 7 Kantonen wird diese Aufgabe von privaten Versicherungsunternehmen wahrgenommen. Dieses historisch gewachsene Nebeneinander hat sich bew\u00e4hrt. Es ist Ausdruck des schweizerischen F\u00f6deralismus. 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