{"id":222035,"date":"2026-07-14T07:00:40","date_gmt":"2026-07-14T05:00:40","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=222035"},"modified":"2026-07-14T17:02:17","modified_gmt":"2026-07-14T15:02:17","slug":"hochwasserschutz-eine-gemeinsame-verantwortung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2026\/07\/hochwasserschutz-eine-gemeinsame-verantwortung\/","title":{"rendered":"Hochwasserschutz: Eine gemeinsame Verantwortung"},"content":{"rendered":"<p>Der Klimawandel ist eine grosse Herausforderung f\u00fcr den Hochwasserschutz. In der Schweiz treten Starkniederschl\u00e4ge immer h\u00e4ufiger und intensiver auf, was das Risiko von Hochwasser und Murg\u00e4ngen in vielen Regionen erh\u00f6ht. Regelm\u00e4ssig treten Fl\u00fcsse \u00fcber die Ufer, besch\u00e4digen Strassen, \u00fcberfluten Keller und gef\u00e4hrden Wohnh\u00e4user. Die Hochwasser im August 2005 am Alpennordhang, im August 2007 im Einzugsgebiet der Aare und im Jura sowie zuletzt im Sommer 2024 in den Kantonen Wallis, Tessin und Graub\u00fcnden forderten mehrere Todesopfer und verursachten Sch\u00e4den in der H\u00f6he von mehreren Hundert Millionen Franken. Diese Ereignisse zeigen, dass es nicht darum geht, ob es zu neuen Hochwassern kommt, sondern darum, wann sie eintreten werden und wie gut die Schweiz darauf vorbereitet ist.<\/p>\n<p>Zudem bleibt der Druck auf die Raumplanung hoch, was die Herausforderungen zus\u00e4tzlich verst\u00e4rkt. Die Bev\u00f6lkerung w\u00e4chst und damit auch der Bedarf an Infrastruktur. Umso wichtiger wird es daher, Bauvorhaben umsichtig zu planen, nicht in Risikogebieten zu bauen und potenzielle Sch\u00e4den zu vermeiden, bevor sie entstehen.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Bund, Kantone und Gemeinden sind zust\u00e4ndig<\/h2>\n<p>In der Schweiz ist nicht ein einzelner Akteur f\u00fcr den Hochwasserschutz verantwortlich. Bund, Kantone, Gemeinden und Privatpersonen teilen sich diese Aufgabe auf. Der Bund legt die allgemeinen Rahmenbedingungen fest, erarbeitet nationale Strategien und unterst\u00fctzt die Massnahmen finanziell. Die <a href=\"https:\/\/www.planat.ch\/de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nationale Plattform Naturgefahren<\/a> (Planat) \u2013 eine im Jahr 1997 vom Bundesrat eingesetzte ausserparlamentarische Kommission \u2013 entwickelt die Schweizer Strategie zum Umgang mit Risiken aus Naturgefahren. Die aktualisierte Strategie von 2018 hat zum Ziel, \u00abeine risikokompetente Gesellschaft anzustreben, die bewusst und zukunftsgerichtet mit Risiken aus Naturgefahren umgeht\u00bb.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Gem\u00e4ss dem <a href=\"https:\/\/www.fedlex.admin.ch\/eli\/cc\/1993\/234_234_234\/de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bundesgesetz \u00fcber den Wasserbau<\/a> sind die Kantone f\u00fcr die Umsetzung des Hochwasserschutzes zust\u00e4ndig. Die Verantwortung f\u00fcr Planung, Koordination und Durchf\u00fchrung der Projekte tragen sie gemeinsam mit den Gemeinden. Letztere sind n\u00e4her am lokalen Geschehen und \u00fcbernehmen h\u00e4ufig den Unterhalt der Schutzbauten sowie das lokale Risikomanagement. Diese Aufgabenteilung erm\u00f6glicht es, die regionalen Gegebenheiten zu ber\u00fccksichtigen. So l\u00e4sst sich der Hochwasserschutz an die jeweilige Region anpassen. Denn ein Alpental stellt andere Anforderungen als ein grosser Flusslauf oder ein dicht bebautes Stadtgebiet. Die Koordination zwischen den verschiedenen staatlichen Ebenen ist daher unabdingbar.<\/p>\n<p>Auch Grundst\u00fcckseigent\u00fcmer und Anwohnerinnen spielen eine wichtige Rolle als erste Verteidigungslinie gegen Naturgefahren. Sie k\u00f6nnen Hochwasserrisiken verringern, indem sie einerseits ihre Geb\u00e4ude sch\u00fctzen, etwa mit erh\u00f6hten Lichtsch\u00e4chten oder R\u00fcckstauklappen in Abwasserleitungen. Andererseits k\u00f6nnen sie sich im Ereignisfall richtig verhalten, indem sie bei Hochwassergefahr beispielsweise keine Keller betreten und sich von Fliessgew\u00e4ssern fernhalten.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a><\/p>\n<p>Ebenso wird die Finanzierung der Hochwasserschutzmassnahmen zwischen Bund, Kantonen und Gemeinden aufgeteilt. Der Bundesanteil liegt je nach Projekt zwischen 35 und 65 Prozent. Die Anteile der Kantone und Gemeinden unterscheiden sich von Kanton zu Kanton. Damit ein Projekt Bundesmittel erh\u00e4lt, muss es ein g\u00fcnstiges Kosten-Nutzen-Verh\u00e4ltnis aufweisen: Jeder investierte Franken muss mehr als einen Franken an Hochwassersch\u00e4den einsparen.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Vom Dammbau zum integralen Risikomanagement<\/h2>\n<p>Bis in die 1980er-Jahre bestand Hochwasserschutz haupts\u00e4chlich aus technischen Bauwerken wie D\u00e4mmen oder Kan\u00e4len. Die grossen Hochwasserereignisse Ende der 1980er-Jahre und insbesondere das Hochwasser von 1987, das Sch\u00e4den in H\u00f6he von mehreren Milliarden Franken verursachte, zeigten jedoch: Um die meisten besiedelten Gebiete zu sch\u00fctzen, braucht es mehr als nur Bauwerke.<\/p>\n<p>Die Schweiz setzt daher nun auf ein integrales Risikomanagement. In diesem Zusammenhang spielt die Raumplanung eine Schl\u00fcsselrolle: Sie erm\u00f6glicht es, hochwassergef\u00e4hrdete Gebiete zu identifizieren, um dort \u2013 soweit m\u00f6glich \u2013 keine neuen Bauten zuzulassen. Die von den Kantonen oder Gemeinden erstellten <a href=\"https:\/\/www.bafu.admin.ch\/de\/gefahrenkarten\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gefahrenkarten<\/a> sind dabei ein zentrales Instrument. Sie zeigen Gebiete auf, die nicht nur von Hochwasser bedroht sind, sondern auch von anderen Naturgefahren wie Erdrutsch, Hangrutsch oder Lawinen. Ebenso zeigen sie die Intensit\u00e4t und die H\u00e4ufigkeit dieser Ereignisse. Diese Informationen fliessen in raumplanerische Entscheidungen ein, etwa bei der Frage, wo gebaut werden darf.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Den Fliessgew\u00e4ssern wieder Raum geben<\/h2>\n<p>Die sogenannten naturbasierten L\u00f6sungen sind ebenfalls ein zentraler Bestandteil des integralen Hochwasserrisikomanagements. Anstatt Fl\u00fcsse zu kanalisieren, sollte man ihnen mehr Raum geben. Ausdehnungsbereiche erm\u00f6glichen es dem Wasser, sich bei starken Hochwassern auszubreiten. Die Renaturierung bestimmter Flussabschnitte verlangsamt den Abfluss und f\u00f6rdert das Versickern des Wassers in den Boden.<\/p>\n<p>Diese Massnahmen haben mehrere Vorteile: Sie verringern das Hochwasserrisiko, f\u00f6rdern die Artenvielfalt und verbessern die Landschaftsqualit\u00e4t. Langfristig kosten sie oft weniger als rein technische Baumassnahmen.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Vorbeugen, warnen und eingreifen<\/h2>\n<p>Der Hochwasserschutz beschr\u00e4nkt sich nicht nur auf Pr\u00e4ventionsmassnahmen. Die Schweiz hat zudem ein leistungsf\u00e4higes System zur hydrologischen \u00dcberwachung, Vorhersage und Warnung bei drohenden Hochwassern. Das Bundesamt f\u00fcr Umwelt (Bafu) betreibt ein Netz von Messstationen an Schweizer Fliessgew\u00e4ssern, erstellt landesweite hydrologische Vorhersagen und warnt die kantonalen Beh\u00f6rden sowie die Bev\u00f6lkerung bei Gefahr \u00fcber das <a href=\"https:\/\/www.naturgefahren.ch\/#hazards-tab=all\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Naturgefahrenportal<\/a>.<\/p>\n<p>Ebenso erstellen Kantone und Gemeinden Einsatzpl\u00e4ne. Darin sind Massnahmen festgelegt, die bei Hochwasser ergriffen werden sollen \u2013 beispielsweise Personen evakuieren, Sachwerte sch\u00fctzen oder Rettungsdienste mobilisieren. Eine gute Vorbereitung tr\u00e4gt dazu bei, Sch\u00e4den zu begrenzen und die Bev\u00f6lkerung zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Ein System, das sich laufend anpassen muss<\/h2>\n<p>Der Hochwasserschutz in der Schweiz basiert auf einem ganzheitlichen und kooperativen Ansatz. Das integrale Risikomanagement verbindet technische Bauwerke, eine umsichtige Raumplanung und eine gute Krisenvorsorge. Das f\u00f6derale System ber\u00fccksichtigt lokale Besonderheiten und stellt gleichzeitig eine nationale Koordination sicher.<\/p>\n<p>Dieses System hat sich bew\u00e4hrt, ist jedoch nicht statisch. Der Klimawandel, die zunehmende Urbanisierung und \u00f6kologische Anforderungen erfordern eine st\u00e4ndige Anpassung. Innovation, Forschung und Erfahrungsaustausch sind unerl\u00e4sslich, um den Hochwasserschutz zu verbessern. Somit bleibt der Hochwasserschutz ein sich st\u00e4ndig weiterentwickelnder Prozess, der die gesamte Gesellschaft einbezieht.<a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><\/a><\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Siehe <a href=\"https:\/\/www.planat.ch\/de\/planat-1\">Website<\/a> von Planat.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Siehe die <a href=\"https:\/\/www.naturgefahren.ch\/gefahrenstufen\/hochwasser\/verhalten.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Website<\/a> des Bundes zum Verhalten bei Hochwasser.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Klimawandel ist eine grosse Herausforderung f\u00fcr den Hochwasserschutz. 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