{"id":222040,"date":"2026-07-23T07:00:43","date_gmt":"2026-07-23T05:00:43","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=222040"},"modified":"2026-07-23T14:47:07","modified_gmt":"2026-07-23T12:47:07","slug":"wohin-fliessen-die-bundessubventionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2026\/07\/wohin-fliessen-die-bundessubventionen\/","title":{"rendered":"Wohin fliessen die Bundessubventionen?"},"content":{"rendered":"<div class=\"content-copy-questions\">Herr Schaltegger, der <a href=\"https:\/\/www.iwp.swiss\/iwp-subventionsreport-wer-erhaelt-das-geld-aus-bundesbern\/\">IWP-Subventionsreport<\/a> nennt ein Subventionsvolumen von rund 49 Milliarden Franken. Das Volumen ist seit 2015 trotz Schuldenbremse um \u00fcber 20 Prozent gestiegen. Wieso?<\/div>\n<p>Das ist kein Widerspruch. Die Schuldenbremse begrenzt den Saldo des Gesamthaushalts, nicht die Zusammensetzung der Ausgaben. Subventionen k\u00f6nnen also wachsen, solange sie mit h\u00f6heren Steuern finanziert sind \u2013 oder andere Ausgaben verdr\u00e4ngen. Der gr\u00f6sste Treiber ist demografisch: Der AHV-Zuschuss des Bundes allein liegt bei knapp 12 Milliarden Franken im Jahr. Dazu kommen Aufgaben, die zunehmend auf die Bundesebene gewandert sind. Schliesslich wirkt am fragmentierten Rand jene Mechanik, die der \u00d6konom Mancur Olson beschrieben hat: Jede einzelne Subvention hat eine organisierte Gruppe, die sie verteidigt, w\u00e4hrend die Kosten sich diffus auf alle verteilen. So w\u00e4chst das Aggregat der politischen Logik folgend.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Gut 80 Prozent der Subventionen gehen an staatliche oder staatsnahe Stellen wie die ETH oder die SBB sowie an Sozialversicherungen, Kantone und Gemeinden. Ein Hinweis auf verfestigte Strukturen?<\/div>\n<p>Der hohe Anteil ist zun\u00e4chst ein Beleg daf\u00fcr, dass das Gros der Mittel klassische Staatsaufgaben finanziert: Sozialwerke, Finanzausgleich, Bildung, Service public. Verfestigt sind diese Strukturen trotzdem \u2013 sie sind kaum reformierbar. Denn hinter den Ausgaben stehen m\u00e4chtige Interessentr\u00e4ger, die in Bern ihre eigenen Anliegen professionell mit einflussreichen Lobbyisten verfolgen.<\/p>\n<p><span class=\"content-quotes\">Heute ist die Asymmetrie einseitig: Der Empf\u00e4nger kennt seinen Vorteil genau, der Steuerzahler kennt die Zahlungsfl\u00fcsse nicht.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 19px; font-weight: 600;\">Der Report nennt \u00fcber 22\u2019000 Erstempf\u00e4nger von Bundessubventionen. Wie vollst\u00e4ndig ist die Liste wirklich?<\/span><\/p>\n<p>Es ist die umfassendste Aufstellung, die es f\u00fcr die Schweiz gibt \u2013 aber wir erheben ausdr\u00fccklich keinen Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit. Die Summe der Empf\u00e4nger ergibt ein Subventionsvolumen von rund 43 Milliarden Franken, nicht die vollen 49 Milliarden Franken also. Einzelne \u00c4mter lieferten Sammelposten, manche Bereiche wie die Direktzahlungen an die Landwirtschaft haben wir aus Datenschutzgr\u00fcnden nicht namentlich aufschl\u00fcsseln lassen. Und es ist eine Erstempf\u00e4ngeranalyse: Wir zeigen, wer das Geld zuerst erh\u00e4lt, nicht zwingend, wo es am Ende landet. Diese Grenzen sind der Preis daf\u00fcr, dass es \u00fcberhaupt erstmals diese Granularit\u00e4t gibt.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Sie schlagen ein \u00f6ffentliches Subventionsregister vor. Welchen Nutzen erhoffen Sie sich daraus?<\/div>\n<p>Es macht die diffusen Kosten sichtbar \u2013 und Sichtbarkeit ist die Vorbedingung jeder demokratischen Rechenschaft. Heute ist die Asymmetrie einseitig: Der Empf\u00e4nger kennt seinen Vorteil genau, der Steuerzahler kennt die Zahlungsfl\u00fcsse nicht. Ein Register korrigiert das ein St\u00fcck weit. Es geht uns ausdr\u00fccklich nicht darum, einzelne Zahlungen an den Pranger zu stellen \u2013 wir nehmen keine Bewertung der einzelnen Empf\u00e4nger vor. Es geht darum, dass Parlament und B\u00fcrger \u00fcberhaupt nachvollziehen k\u00f6nnen, wer was erh\u00e4lt, und auf dieser Grundlage priorisieren k\u00f6nnen. Ein \u00f6ffentliches Subventionsregister w\u00fcrde institutionalisieren, was f\u00fcr diesen Report neun Monate lang m\u00fchsam von Hand zusammengetragen wurde.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">\u00dcber die H\u00e4lfte der Bundesausgaben fliesst in Subventionen. Wer sind die Gewinner dieses Systems?<\/div>\n<p>Die strukturellen Gewinner sind die gut organisierten, konzentrierten Interessenvertreter, die ihren Posten verteidigen k\u00f6nnen, weil die Kosten auf alle verteilt bleiben. Das System belohnt nicht Bed\u00fcrftigkeit oder Verdienst, sondern Organisationsf\u00e4higkeit. Die Verlierer sind die nicht organisierten Steuerzahler, die unn\u00f6tig stark zur Kasse gebeten werden \u2013 und, langfristig, die Reformf\u00e4higkeit des Staates selbst. Genau deshalb setzen wir bei den Spielregeln an und nicht bei einzelnen Schuldigen.<\/p>\n<p><em>Interview: Die Volkswirtschaft<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herr Schaltegger, der IWP-Subventionsreport nennt ein Subventionsvolumen von rund 49 Milliarden Franken. Das Volumen ist seit 2015 trotz Schuldenbremse um \u00fcber 20 Prozent gestiegen. Wieso? Das ist kein Widerspruch. 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