{"id":223578,"date":"2026-10-06T07:00:46","date_gmt":"2026-10-06T05:00:46","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=223578"},"modified":"2026-10-06T14:59:04","modified_gmt":"2026-10-06T12:59:04","slug":"working-poor-chancen-schaffen-statt-jobs-verteuern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2026\/10\/working-poor-chancen-schaffen-statt-jobs-verteuern\/","title":{"rendered":"Working Poor: Chancen schaffen statt Jobs verteuern"},"content":{"rendered":"<p>Working Poor sind ein reales Problem. Dabei handelt es sich um Haushalte, die trotz erwerbst\u00e4tigen Haushaltsmitgliedern arm sind. Doch wer darin vor allem eine Folge zu tiefer L\u00f6hne sieht und deshalb nach Mindestl\u00f6hnen und zus\u00e4tzlichen Regulierungen ruft, greift zu kurz. Ob jemand trotz Arbeit arm ist, h\u00e4ngt weniger vom Stundenlohn ab als vom gesamten Arbeitspensum im Haushalt und von der Zahl der Personen, die davon leben. Besonders h\u00e4ufig betroffen sind gem\u00e4ss Bundesamt f\u00fcr Statistik Personen ohne nachobligatorische Ausbildung, Haushalte mit geringer Erwerbsbeteiligung sowie Familien mit hohen finanziellen Lasten.<\/p>\n<p>Aus Sicht der Arbeitgeber beginnt eine wirksame Armutsbek\u00e4mpfung mit einer einfachen Erkenntnis: Erwerbst\u00e4tigkeit bleibt der wirksamste Schutz vor Armut. Sie schafft Einkommen, f\u00f6rdert Qualifikationen und verbessert die Aufstiegschancen. Staatliche Mindestl\u00f6hne setzen bei der Lohnh\u00f6he an, lassen aber viele der genannten Ursachen der Erwerbsarmut unangetastet. Zudem ber\u00fccksichtigen sie weder Branchenunterschiede noch die unterschiedliche Produktivit\u00e4t einzelner T\u00e4tigkeiten.<\/p>\n<p><span class=\"content-quotes\">Der wirksamste langfristige Schutz vor Erwerbsarmut sind Ausbildung, Weiterbildung und Besch\u00e4ftigung.<\/span><\/p>\n<p>L\u00f6hne m\u00fcssen erwirtschaftet werden k\u00f6nnen. Werden Mindestl\u00f6hne \u00fcber das wirtschaftlich tragbare Niveau hinaus erh\u00f6ht, reagieren die Unternehmen entsprechend. Dies kann sich ganz unterschiedlich \u00e4ussern: weniger Einstiegsstellen und Ausbildungspl\u00e4tze, schlechtere Besch\u00e4ftigungschancen f\u00fcr Geringqualifizierte, h\u00f6here Automatisierung oder steigende Preise. Gerade gering qualifizierte Personen laufen Gefahr, dadurch schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben.<\/p>\n<p>Ein Lohn verg\u00fctet die individuelle Arbeitsleistung. Er kann nicht in jedem Fall den Bedarf ganzer Haushalte decken, der je nach Kinderzahl oder Wohnkosten stark variiert. Deshalb ist Erwerbsarmut kein reines Lohnproblem. Reicht das Einkommen trotz Erwerbst\u00e4tigkeit nicht aus, verf\u00fcgt die Schweiz \u00fcber gezielte Instrumente wie die Pr\u00e4mienverbilligung oder die Sozialhilfe, welche Working-Poor-Haushalte punktuell und bedarfsgerecht unterst\u00fctzen k\u00f6nnen. Sie schaffen keine zus\u00e4tzlichen H\u00fcrden f\u00fcr Besch\u00e4ftigung, wie dies Mindestl\u00f6hne tun. Wo Mindestl\u00f6hne dennoch sinnvoll und tragbar sind, k\u00f6nnen sie auch heute schon von den Sozialpartnern branchenspezifisch ausgehandelt werden.<\/p>\n<p>Der wirksamste langfristige Schutz vor Erwerbsarmut sind Ausbildung, Weiterbildung und Besch\u00e4ftigung. Wer seine Qualifikationen verbessert, steigert seine Produktivit\u00e4t und seine Verdienstm\u00f6glichkeiten. Ebenso wichtig sind Rahmenbedingungen, die h\u00f6here Erwerbspensen und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Die Schweiz geh\u00f6rt international zu den L\u00e4ndern mit hoher Besch\u00e4ftigung und vergleichsweise geringer Erwerbsarmut. Wer Erwerbsarmut wirksam bek\u00e4mpfen will, sollte also nicht Arbeit verteuern, sondern Besch\u00e4ftigung, Qualifizierung und Aufstiegschancen f\u00f6rdern. Ein Arbeitsmarkt, der m\u00f6glichst vielen Menschen den Einstieg und den beruflichen Aufstieg erm\u00f6glicht, ist die wirksamste Antwort auf Armut.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Working Poor sind ein reales Problem. Dabei handelt es sich um Haushalte, die trotz erwerbst\u00e4tigen Haushaltsmitgliedern arm sind. Doch wer darin vor allem eine Folge zu tiefer L\u00f6hne sieht und deshalb nach Mindestl\u00f6hnen und zus\u00e4tzlichen Regulierungen ruft, greift zu kurz. 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