{"id":223700,"date":"2026-10-29T07:00:07","date_gmt":"2026-10-29T06:00:07","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=223700"},"modified":"2026-10-29T11:48:22","modified_gmt":"2026-10-29T10:48:22","slug":"kmu-brauchen-grossunternehmen-und-umgekehrt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2026\/10\/kmu-brauchen-grossunternehmen-und-umgekehrt\/","title":{"rendered":"KMU brauchen Grossunternehmen \u2013 und umgekehrt"},"content":{"rendered":"<p>Bilden kleine und mittlere Unternehmen (KMU) das R\u00fcckgrat der Schweizer Wirtschaft? Und w\u00e4re die Schweiz auch ohne ihre grossen multinationalen Unternehmen wirtschaftlich erfolgreich? Klar ist: 99,7 Prozent der Unternehmen in der Schweiz sind KMU; 90 Prozent davon haben weniger als zehn Angestellte (siehe Abbildung 1). Die restlichen 0,3 Prozent sind hingegen Grossunternehmen. Zu dieser Kategorie geh\u00f6ren alle Unternehmen mit mehr als 250 Besch\u00e4ftigten.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Anders sieht das Bild beim Besch\u00e4ftigungsanteil aus: Hier dominieren die wenigen Grossunternehmen. Sie stellen knapp ein Drittel aller Vollzeitstellen in der Schweiz.<\/p>\n<p>Ein \u00e4hnliches Bild zeigt sich bei der Wertsch\u00f6pfung: Grossunternehmen erwirtschaften zwei F\u00fcnftel der Wertsch\u00f6pfung. Mittlere Unternehmen kommen auf rund ein F\u00fcnftel, w\u00e4hrend diese bei Klein- und Kleinstunternehmen etwas geringer ausf\u00e4llt (siehe Abbildung 1). Ein Grund: Viele Klein- und Kleinstbetriebe sind in Dienstleistungsbranchen mit geringer Arbeitsproduktivit\u00e4t t\u00e4tig.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a><\/p>\n<p>Noch gr\u00f6sser sind die Unterschiede bei den Gewinnsteuern: Sch\u00e4tzungen zufolge entf\u00e4llt mehr als die H\u00e4lfte der Gewinnsteuerertr\u00e4ge auf Grossunternehmen, w\u00e4hrend Kleinstunternehmen lediglich 11 Prozent beitragen.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> Ein Grund ist, dass kleine Unternehmen deutlich seltener einen steuerbaren Gewinn ausweisen.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Abb. 1: Wenige mittlere und grosse Unternehmen, aber grosser Beitrag zur Wirtschaft (2023)<\/h2>\n<h6 class=\"copy-small-bold\">INTERAKTIVE GRAFIK<\/h6>\n<div class=\"legacy_chart_custom\"><div class='chart chart--normal' id='ZOBRIST-BINZ-KN\u00d6PFEL-HOFER-FREI_ABB1_DE'><\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n\n    $('#ZOBRIST-BINZ-KN\u00d6PFEL-HOFER-FREI_ABB1_DE').highcharts({\n\n        colors: [\n            \"#5a7298\",\n            \"#f07c2c\",\n            \"#66b6bc\",\n            \"#fbc65f\",\n            \"#8a2a1d\",\n            \"#2d5b52\"\n        ],\n\n        chart: {\n            type: 'column'\n        },\n\n        title: {\n            text: ''\n        },\n\n        subtitle: {\n            text: ''\n        },\n\n        xAxis: {\n            categories: [\n                'Unternehmen',\n                'Vollzeitstellen',\n                'Wertsch\u00f6pfung (BIP)',\n                'Einnahmen Gewinnsteuern'\n            ],\n            title: {\n                text: ''\n            }\n        },\n\n        yAxis: {\n            min: 0,\n            max: 100,\n            reversedStacks: false,\n\n            title: {\n                text: ''\n            },\n\n            labels: {\n                formatter: function () {\n                    return Highcharts.numberFormat(this.value, 0, ',', '.') + '%';\n                }\n            }\n        },\n\n        tooltip: {\n            useHTML: true,\n            formatter: function () {\n                return '<b>' + this.x + '<\/b><br>' +\n                    this.series.name + ': ' +\n                    Highcharts.numberFormat(\n                        this.y,\n                        this.y % 1 === 0 ? 0 : 1,\n                        ',',\n                        '.'\n                    ) + '%';\n            }\n        },\n\n        plotOptions: {\n            column: {\n                borderWidth: 0,\n                stacking: 'percent'\n            },\n            series: {\n                dataLabels: {\n                    enabled: true,\n                    inside: true,\n                    formatter: function () {\n                        return Highcharts.numberFormat(\n                            this.y,\n                            this.y % 1 === 0 ? 0 : 1,\n                            ',',\n                            '.'\n                        ) + '%';\n                    },\n                    style: {\n                        fontWeight: 'bold',\n                        textOutline: 'none'\n                    }\n                }\n            }\n        },\n\n        series: [\n            {\n                name: 'Kleinstunternehmen (1-9 Besch\u00e4ftigte)',\n                data: [89.5, 23, 17, 11]\n            },\n            {\n                name: 'Kleine Unternehmen (10-49 Besch\u00e4ftigte)',\n                data: [8.6, 22, 19, 17]\n            },\n            {\n                name: 'Mittlere Unternehmen (50-249 Besch\u00e4ftigte)',\n                data: [1.6, 22, 22, 19]\n            },\n            {\n                name: 'Grossunternehmen (250+ Besch\u00e4ftigte)',\n                data: [0.3, 33, 41, 54]\n            }\n        ]\n\n    });\n\n});\n<\/script>\n<\/div>\n<div class=\"diagram-legend\">Anmerkung: Bei den Angaben zu den Einnahmen durch Gewinnsteuern handelt es sich um eine Sch\u00e4tzung.<\/div>\n<div class=\"diagram-legend\">Quelle: Statistik der Unternehmensstruktur (Statent), Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (VGR), Wertsch\u00f6pfungsstatistik, Gemeinde- und Kantonssteuerf\u00fcsse, Berechnungen EBP Schweiz AG | Grafik: Die Volkswirtschaft<\/div>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Klein und Gross sind eng verflochten<\/h2>\n<p>Die Bedeutung von Grossunternehmen ist also klar, obwohl KMU ihnen zahlenm\u00e4ssig \u00fcberlegen sind. Doch wie h\u00e4ngen grosse und kleine Unternehmen wirtschaftlich zusammen? Sie beziehen voneinander zahlreiche Vorleistungen \u2013 von Rohstoffen und Vorprodukten \u00fcber IKT und Beratung bis zur Geb\u00e4udetechnik. Ein IT-KMU etwa bezieht Hardware und Basisdienstleistungen von Grossunternehmen, erbringt eigene Leistungen f\u00fcr andere KMU und Grossunternehmen und arbeitet zugleich mit spezialisierten Zulieferern zusammen. So entsteht ein dichtes Netz \u00fcber alle Unternehmensgr\u00f6ssen hinweg. Tendenziell sind die Gesch\u00e4ftsbeziehungen zwischen Unternehmen \u00e4hnlicher Gr\u00f6sse jedoch etwas enger.<\/p>\n<p>\u00d6ffentliche Statistiken wie die Statistik der Unternehmensstruktur (Statent), die Statistik der Unternehmensgruppen (Stagre) oder die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (VGR) liefern zwar Daten zu Gr\u00f6sse, Struktur und Umsatz von Unternehmen. Hingegen fehlen Daten zu den Verflechtungen der Wirtschaft und der verschiedenen Unternehmenstypen und der daraus entstehenden Wertsch\u00f6pfung. Eine Befragung<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a> von \u00fcber 500 Unternehmen im Kanton Z\u00fcrich schliesst diese L\u00fccke. Sie zeigt, dass Unternehmen verschiedener Gr\u00f6ssenklassen eng miteinander vernetzt sind: Z\u00fcrcher Unternehmen erzielen fast zwei Drittel ihres Umsatzes mit anderen Unternehmen und nur gut ein Drittel im Endkundengesch\u00e4ft.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Grossunternehmen sind wichtige Auftraggeber<\/h2>\n<p>Gesch\u00e4ftsbeziehungen zwischen Unternehmen \u00e4hnlicher Gr\u00f6sse fallen tendenziell enger aus: Kleinstunternehmen beziehen Vorleistungen h\u00e4ufiger von anderen Kleinstunternehmen, Grossunternehmen st\u00e4rker von anderen Grossunternehmen (siehe Abbildung 2). Gleichzeitig zeigt die Befragung die zentrale Rolle der Grossunternehmen im Wertsch\u00f6pfungsnetz. Sie sind in absoluten Zahlen sowohl die bedeutendsten Anbieter als auch Abnehmer von Vorleistungen. Rund zwei F\u00fcnftel des gesamten Werts der Vorleistungen entf\u00e4llt auf Grossunternehmen \u2013 sowohl f\u00fcr andere Grossunternehmen (49 Prozent) als auch f\u00fcr kleine und mittlere Unternehmen (29 Prozent) sind sie die wichtigsten Handelspartner.<\/p>\n<p>Die Verflechtung mit den KMU ist dabei besonders augenf\u00e4llig: \u00dcber 50 Prozent der von Grossunternehmen bezogenen Vorleistungen stammen von KMU. Umgekehrt beziehen KMU \u00fcber 40 Prozent der von Grossunternehmen erbrachten Vorleistungen. Grossunternehmen sind damit nicht nur untereinander, sondern auch eng mit dem KMU-Sektor verflochten.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Abb. 2: Unternehmen aller Gr\u00f6ssen sind eng verflochten (2023)<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2026\/10\/DV_10-26_Zobrist_DE.png\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-224347 size-large\" src=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2026\/10\/DV_10-26_Zobrist_DE-1024x839.png\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"655\" srcset=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2026\/10\/DV_10-26_Zobrist_DE-1024x839.png 1024w, https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2026\/10\/DV_10-26_Zobrist_DE-300x246.png 300w, https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2026\/10\/DV_10-26_Zobrist_DE-768x629.png 768w, https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2026\/10\/DV_10-26_Zobrist_DE-1536x1258.png 1536w, https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2026\/10\/DV_10-26_Zobrist_DE.png 1735w\" sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><\/p>\n<div class=\"diagram-legend\">Anmerkung: Dargestellt sind die erbrachten Vorleistungen im Kanton Z\u00fcrich nach Unternehmenstypen. Die Str\u00f6me stellen den wertm\u00e4ssigen Anteil der Vorleistungen der befragten Unternehmen unterteilt nach Gr\u00f6ssenklassen der jeweiligen Abnehmenden dar.<\/div>\n<div class=\"diagram-legend\">Quelle: Amt f\u00fcr Wirtschaft (2026) | Grafik: Die Volkswirtschaft<\/div>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Regionale Zulieferer sind wichtig<\/h2>\n<p>Betrachtet man statt des Wertanteils die Anzahl der Zulieferbeziehungen, zeigt sich eine noch st\u00e4rkere Vernetzung der Wirtschaft. Grossunternehmen verf\u00fcgen mit durchschnittlich \u00fcber 300 Zulieferern erwartungsgem\u00e4ss \u00fcber die meisten Gesch\u00e4ftsbeziehungen \u2013 80 Prozent davon sind KMU. Grunds\u00e4tzlich gilt: Je gr\u00f6sser ein Unternehmen, desto mehr Zulieferbeziehungen unterh\u00e4lt es. Doch auch Kleinstunternehmen arbeiten im Durchschnitt mit 22 anderen Unternehmen zusammen.<\/p>\n<p>Die Befragung zeigt zudem, dass die Unternehmen stark regional verankert sind. Rund 70 bis 80 Prozent der bezogenen Vorleistungen stammen aus der Schweiz. Ein grosser Teil davon wird direkt im Kanton Z\u00fcrich bezogen. Kleinere Unternehmen beschaffen tendenziell etwas lokaler als grosse; die Unterschiede sind jedoch gering. Grossunternehmen erzeugen aufgrund ihrer bedeutenden Rolle als Abnehmer den gr\u00f6ssten Teil der lokalen Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen.<\/p>\n<p>Die Analyse liefert eine differenzierte Antwort zur Bedeutung der unterschiedlichen Unternehmenstypen. So wie der Wirtschaftsstandort Schweiz auf seine vielen KMU angewiesen ist, braucht er auch seine wenigen Grossunternehmen: als bedeutende Arbeitgeberinnen, Steuerzahler, Auftraggeberinnen und Auftragnehmer. Sie sind zentrale Kundinnen und Zulieferer f\u00fcr die vielen kleinen und mittleren Unternehmen \u2013 und umgekehrt.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Berechnungen basierend auf der Statistik der Unternehmensstruktur (Statent) und der VGR (BFS), EBP. Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2023.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Lauter und Nussbaumer (2025).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Moresi, E. (2022). Steuern der juristischen Personen. Statistik Luzern.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Siehe Amt f\u00fcr Wirtschaft (2026).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bilden kleine und mittlere Unternehmen (KMU) das R\u00fcckgrat der Schweizer Wirtschaft? Und w\u00e4re die Schweiz auch ohne ihre grossen multinationalen Unternehmen wirtschaftlich erfolgreich? Klar ist: 99,7 Prozent der Unternehmen in der Schweiz sind KMU; 90 Prozent davon haben weniger als zehn Angestellte (siehe Abbildung 1). Die restlichen 0,3 Prozent sind hingegen Grossunternehmen. 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