{"id":224578,"date":"2026-11-05T07:00:53","date_gmt":"2026-11-05T06:00:53","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=224578"},"modified":"2026-11-05T11:40:29","modified_gmt":"2026-11-05T10:40:29","slug":"studentinnen-investieren-deutlich-weniger-in-digitales-knowhow-als-studenten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2026\/11\/studentinnen-investieren-deutlich-weniger-in-digitales-knowhow-als-studenten\/","title":{"rendered":"Studentinnen investieren deutlich weniger in digitales Know-how als Studenten"},"content":{"rendered":"<p>Welche Kurse Studierende w\u00e4hlen, pr\u00e4gt die F\u00e4higkeiten, mit denen sie sp\u00e4ter ins Berufsleben starten. Anders als Lernende haben Studierende bei der Wahl ihrer Studieng\u00e4nge und Kurse grosse Freiheiten. F\u00fcr sie ist es daher besonders wichtig, bereits an der Hochschule die richtigen F\u00e4higkeiten zu erwerben. Das setzt voraus, dass sie sowohl die eigenen Kompetenzen als auch die Anforderungen am Arbeitsmarkt realistisch einsch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Wie gut gelingt ihnen das bei digitalen Kompetenzen wie der Nutzung digitaler Tools, der Analyse digitaler Daten und der Anwendung von Programmiersprachen? Dies haben wir im Rahmen des Forschungsprogramms \u00abDigitale Transformation\u00bb (siehe Kasten) des Schweizerischen Nationalfonds untersucht. Hierf\u00fcr wurden Masterstudierende und Doktorierende der Universit\u00e4t Basel zwischen Herbst 2021 und Fr\u00fchjahr 2024 befragt. Konkret haben wir analysiert, wie Studierende ihre eigenen digitalen F\u00e4higkeiten und die Anforderungen im Arbeitsmarkt einsch\u00e4tzen, welche digitalen Kompetenzen sie w\u00e4hrend des Studiums erwerben, wie sie deren Wichtigkeit f\u00fcr den Arbeitsmarkterfolg einsch\u00e4tzen und wie attraktiv Berufe mit hohen digitalen Anforderungen sind.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Studentinnen untersch\u00e4tzen die Anforderungen<\/h2>\n<p>Unsere Analysen zeigen grosse Geschlechterunterschiede. Im Durchschnitt belegen Studenten mehr Kurse, die digitales Know-how vermitteln, und sie bewerten ihre digitalen Kompetenzen deutlich besser als Studentinnen. Beides l\u00e4sst sich jedoch nur teilweise damit erkl\u00e4ren, dass M\u00e4nner eher an digitalen Themen interessiert sind und deshalb tendenziell \u00f6fter Studieng\u00e4nge wie etwa Informatik w\u00e4hlen. Unsere Ergebnisse liefern Hinweise darauf, dass einige m\u00e4nnliche Studierende ihre digitalen Kompetenzen m\u00f6glicherweise \u00fcbersch\u00e4tzen. Dies zeigt sich in einer hohen Diskrepanz zwischen der Selbsteinsch\u00e4tzung einerseits und den Noten und tats\u00e4chlich besuchten Kursen andererseits.<\/p>\n<p>Was die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt angeht, \u00fcbersch\u00e4tzen im Durchschnitt sowohl Studentinnen als auch Studenten die digitalen Anforderungen typischer Berufe ihres Studienfachs. Allerdings untersch\u00e4tzen Studentinnen diese Anforderungen deutlich h\u00e4ufiger. Ein wichtiges Ergebnis dabei ist, dass Studentinnen, welche die erforderlichen Kompetenzen am Arbeitsmarkt untersch\u00e4tzen, auch weniger digitale Kompetenzen erwerben als Studentinnen mit realistischen Einsch\u00e4tzungen. Bei M\u00e4nnern findet sich kein solcher Zusammenhang. Unsere Resultate zeigen, wie wichtig es f\u00fcr Bildungsentscheidungen ist, dass Studierende fr\u00fchzeitig \u00fcber die Kompetenzanforderungen am Arbeitsmarkt informiert werden. Im Idealfall geschieht dies schon an den Gymnasien.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a><\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Studenten erwarten h\u00f6here Lohnvorteile<\/h2>\n<p>Ein weiterer Grund f\u00fcr Geschlechterunterschiede bei den digitalen Kompetenzen k\u00f6nnten unterschiedliche Ansichten dar\u00fcber sein, wie wichtig diese f\u00fcr einen guten Lohn sind. Unsere Ergebnisse zeigen zum einen, dass m\u00e4nnliche Studierende deutlich h\u00f6here Lohnpr\u00e4mien f\u00fcr digitale F\u00e4higkeiten erwarten als weibliche. Zum anderen investieren Studierende, die eine h\u00f6here monet\u00e4re Rendite von digitalen Kompetenzen erwarten, auch mehr in dieses Know-how. Die Tatsache, dass Frauen von einem geringeren Lohnzuwachs f\u00fcr digitale Kompetenzen ausgehen, erkl\u00e4rt aber ebenfalls nur teilweise, warum sie im Durchschnitt weniger davon erwerben.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a><\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Studentinnen bevorzugen Berufe mit weniger digitalen Anforderungen<\/h2>\n<p>Unterschiedliche Berufsw\u00fcnsche sind eine weitere m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung: In einem Experiment mit hypothetischen Stellenangeboten bewerteten Studentinnen T\u00e4tigkeiten, die ein hohes Mass an digitalen Kompetenzen erfordern, als wenig attraktiv. Bei m\u00e4nnlichen Studierenden zeigt sich keine Abneigung gegen\u00fcber solchen Berufen. Um digitale T\u00e4tigkeiten zu vermeiden, nehmen Studentinnen im Experiment Lohneinbussen von rund 7 Prozent des durchschnittlichen Jahreseinkommens in Kauf. Der Unterschied bleibt selbst innerhalb eines Studienfachs bestehen.<\/p>\n<p>Wird jedoch die Selbsteinsch\u00e4tzung der digitalen Kompetenzen ber\u00fccksichtigt, zeigt sich kein Geschlechterunterschied mehr. Daf\u00fcr sind zwei Erkl\u00e4rungen denkbar. Entweder schrecken Studentinnen vor T\u00e4tigkeiten mit hohem Bedarf an digitalen Kompetenzen zur\u00fcck, weil sie glauben, nicht \u00fcber die erforderlichen F\u00e4higkeiten zu verf\u00fcgen. Oder sie erwerben weniger digitale Kompetenzen, weil sie Berufe anstreben, die weniger von diesen F\u00e4higkeiten erfordern. Welche Erkl\u00e4rung zutrifft, l\u00e4sst sich mit den vorhandenen Daten nicht beantworten.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a><\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Das geschlechtsspezifische Lohngef\u00e4lle k\u00f6nnte zunehmen<\/h2>\n<p>Zusammenfassend zeigen unsere Analysen, dass Studentinnen deutlich weniger in digitale Kompetenzen investieren als ihre m\u00e4nnlichen Kommilitonen. Daf\u00fcr identifizieren wir drei Ursachen: Studentinnen erwarten geringere Lohnpr\u00e4mien f\u00fcr den Erwerb digitaler Kompetenzen, sie untersch\u00e4tzen die digitalen Kompetenzanforderungen am Arbeitsmarkt h\u00e4ufiger als Studenten, und sie meiden T\u00e4tigkeiten, die ein hohes Mass an digitalen Kompetenzen erfordern.<\/p>\n<p>Da digitale Kompetenzen zunehmend nachgefragt und hoch verg\u00fctet werden, d\u00fcrfte die ausgepr\u00e4gte Abneigung von Frauen gegen\u00fcber Berufen, die solche Kompetenzen voraussetzen, negative Auswirkungen auf ihren Arbeitsmarkterfolg haben. Insbesondere k\u00f6nnte sie das Lohngef\u00e4lle zwischen den Geschlechtern vergr\u00f6ssern, wenn die Nachfrage nach digitalen Kompetenzen weiter steigt. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass drei m\u00f6gliche Massnahmen den Arbeitsmarkterfolg \u2013 insbesondere von Frauen \u2013 verbessern k\u00f6nnten. Erstens: den Erwerb digitaler Kompetenzen f\u00f6rdern, beispielsweise mit mehr Pflichtkursen an den Universit\u00e4ten. Zweitens: verzerrte Selbsteinsch\u00e4tzungen der eigenen F\u00e4higkeiten korrigieren, etwa durch standardisierte Tests. Und drittens: fr\u00fchzeitig \u00fcber die Anforderungen und erzielbaren L\u00f6hne am Arbeitsmarkt informieren. Ohne Gegenmassnahmen k\u00f6nnte sich die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern auf dem Arbeitsmarkt verfestigen oder sogar verst\u00e4rken.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Siehe Strobl und Wunsch (2024a).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Siehe La Russa, Strobl und Wunsch (2024).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Siehe Strobl und Wunsch (2024b).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Welche Kurse Studierende w\u00e4hlen, pr\u00e4gt die F\u00e4higkeiten, mit denen sie sp\u00e4ter ins Berufsleben starten. 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Dezember 2024.<\/li>\r\n<\/ul>","post_kasten":[{"kasten_title":"Nationales Forschungsprogramm \u00abDigitale Transformation\u00bb","kasten_box":"Der Schweizerische Nationalfonds f\u00f6rderte die in diesem Artikel vorgestellte Studie im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms \u00ab<a href=\"https:\/\/www.nfp77.ch\/de\">Digitale Transformation<\/a>\u00bb (NFP 77). Dieses untersucht die Auswirkungen der digitalen Transformation in der Schweiz. Das Programm umfasst 46 Forschungsprojekte in den Bereichen \u00abBildung, Lernen und digitaler Wandel\u00bb, \u00abEthik, Vertrauensw\u00fcrdigkeit und Governance\u00bb sowie \u00abDigitale Wirtschaft und Arbeitsmarkt\u00bb, die zwischen 2020 und 2025 durchgef\u00fchrt wurden. Weitere in \u00abDie Volkswirtschaft\u00bb bisher erschienene Studien aus dem NFP 77:\r\n<ul>\r\n \t<li><a href=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2026\/10\/wie-die-digitalisierung-die-personalfuehrung-in-unternehmen-veraendert\/\">Wie die Digitalisierung die Personalf\u00fchrung in Unternehmen ver\u00e4ndert<\/a><\/li>\r\n \t<li><a href=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2026\/04\/luecken-im-digitalen-wissen-bei-stellensuchenden-wer-braucht-unterstuetzung\/\">L\u00fccken im digitalen Wissen bei Stellensuchenden: Wer braucht Unterst\u00fctzung?<\/a><\/li>\r\n \t<li><a href=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2026\/09\/wann-lohnt-sich-eine-breitere-stellensuche\/\">Wann lohnt sich eine breitere Stellensuche?<\/a><\/li>\r\n \t<li><a href=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2023\/04\/digitalisierung-in-kmu-potenzial-wird-oft-nicht-ausgeschoepft\/\">Digitalisierung in KMU: Potenzial wird oft nicht ausgesch\u00f6pft<\/a><\/li>\r\n<\/ul>"}],"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":"","main_focus":"","serie_email":"","frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":"","redaktoren":"","korrektor":5357,"planned_publication_date":"2026-11-05 06:00:53","original_files":null,"external_release_for_author":"20261105","external_release_for_author_time":"00:08:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/exedit\/6ad1c2be48d5c"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/224578"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4041"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=224578"}],"version-history":[{"count":32,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/224578\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":224849,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/224578\/revisions\/224849"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5357"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/14830"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4041"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/224850"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=224578"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=224578"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=224578"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=224578"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=224578"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=224578"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}