{"id":97365,"date":"2022-03-09T09:07:52","date_gmt":"2022-03-09T08:07:52","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch?p=97365&#038;preview=true&#038;preview_id=97365"},"modified":"2023-08-23T22:47:45","modified_gmt":"2023-08-23T20:47:45","slug":"deutschland-handeln-mit-dem-grossen-kanton","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2022\/03\/deutschland-handeln-mit-dem-grossen-kanton\/","title":{"rendered":"Deutschland: Handeln mit dem grossen Kanton"},"content":{"rendered":"<p>Schokoladen, K\u00e4sespezialit\u00e4ten und edle Uhren \u2013 eidgen\u00f6ssische Exportwaren geniessen bei meinen Landsleuten in Deutschland traditionell ein ausgezeichnetes Image. Auch ich pers\u00f6nlich entdecke die feinen K\u00f6stlichkeiten der alteingesessenen Berner Chocolatiers, liebe Raclette und gebe zu, dass die Uhr an meinem Handgelenk \u00abSwiss made\u00bb ist.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich ist das Sortiment des Handels zwischen den Nachbarstaaten aber wesentlich breiter. Denn beide L\u00e4nder sind f\u00fchrende Industrie- und Innovationsnationen.<br \/>\nBei den Ein- und Ausfuhren dominieren denn auch chemisch-pharmazeutische Produkte sowie Maschinen und Apparate. Daneben passieren vor allem Schweizer Pr\u00e4zisionsinstrumente, Bijouterie- sowie Bekleidungsartikel die Grenze gen Norden, umgekehrt kommen deutsche Fahrzeuge, Agrarerzeugnisse und Brennstoffe \u00fcber den Rhein in die Schweiz. Das bilaterale Handelsvolumen erklomm 2019 und 2020 die Marke von 100 Milliarden Franken. F\u00fcr die deutsche Wirtschaft steht die Schweiz seit Jahrzehnten in den Top Ten der weltweiten Ausfuhr- und Beschaffungsm\u00e4rkte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span class=\"content-quotes\">Wegen Corona wurde das gemeinsame Handelsvolumen um rund ein Jahrzehnt zur\u00fcckgeworfen.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hinter den beachtlichen Handelszahlen steht mehr als Endprodukte. Zum Beispiel die eng verflochtenen Wertsch\u00f6pfungsketten. T\u00e4glich wird eine Vielzahl industrieller Halbfabrikate, Investitionsg\u00fcter und Rohstoffe ausgetauscht \u2013 etwa in der Spezialchemie, der Pharmaindustrie oder im metallverarbeitenden Gewerbe als Zulieferer von Automobil- und Luftfahrtunternehmen. Diese Vorleistungen machen allein 60 Prozent des bilateralen Warenaustauschs aus.<\/p>\n<p>Auch der regelm\u00e4ssige Handels\u00fcberschuss, den die EU-Mitgliedsstaaten mit der Schweiz verzeichnen, erkl\u00e4rt sich mit der Ausfuhr von Vorprodukten, welche Schweizer Unternehmen zu Qualit\u00e4tserzeugnissen \u00abveredeln\u00bb und weltweit absetzen. Wie Deutschland ist auch die Schweiz ein Export-Weltmeister.<\/p>\n<p>Nach wie vor am st\u00e4rksten ist dieser grenz\u00fcberschreitende Handel zwischen Unternehmen aus den Deutschschweizer Kantonen und den Bundesl\u00e4ndern Baden-W\u00fcrttemberg, Nordrhein-Westfalen, Bayern und Hessen. Attraktive und erfolgreiche Gesch\u00e4ftsbeziehungen lassen sich aber auch weiter entfernt vom Rhein ausmachen.<br \/>\nDabei sind es besonders die klein- und mittelst\u00e4ndischen Unternehmen, die auf beiden Seiten das volkswirtschaftliche R\u00fcckgrat bilden. Sie pr\u00e4gen den Handel durch Unternehmergeist und Innovationskraft massgeblich mit.<\/p>\n<p>Doch der \u00abPandemieschock\u00bb hat Spuren hinterlassen. Wegen Corona wurde das gemeinsame Handelsvolumen um rund ein Jahrzehnt zur\u00fcckgeworfen. Zudem hat schon vor der Pandemie die relative Bedeutung des deutschen Marktes aufgrund der steigenden Globalisierung der Schweizer Importe und Exporte abgenommen: Im Jahr 2020 belief sich der Anteil Schweizer Importe aus Deutschland auf 27,1 Prozent, nachdem er im Jahr 2008 bei 34,7 Prozent gelegen hatte. Gleichzeitig gingen 2020 17,9 Prozent der Exporte aus der Schweiz nach Deutschland. Im Jahr 2008 waren es noch 20,3 Prozent. Dadurch schrumpft teilweise auch der Abstand zu anderen Schweizer Handelspartnern, etwa im Bereich der Schweizer Pharmaexporte. Bei alledem bleibt das Auf und Ab des Frankenkurses ein Faktor, mit dem jeder Handelstreibende und -reisende aus Deutschland und der Schweiz zu rechnen hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span class=\"content-quotes\">Die enge Verflechtung zwischen Deutschland und der Schweiz st\u00e4rkt die Wirtschaft auf beiden Seiten der Grenze.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die enge Verflechtung zwischen Deutschland und der Schweiz st\u00e4rkt die Wirtschaft auf beiden Seiten der Grenze. Dabei wandelt sich die Struktur des bilateralen Handels stetig.<\/p>\n<p>So steigt aktuell bei vielen Unternehmen die Aufmerksamkeit f\u00fcr heimatnahe Beschaffungs- und Absatzpartner (sogenanntes Reshoring). Denn die aktuelle Lieferkettenproblematik, die handels- und geopolitischen Unsicherheiten, aber auch der industrielle Strukturwandel besch\u00e4ftigen die Exportindustrie. Ein Beispiel ist die sich \u00e4ndernde Nachfrage nach bestimmten Rohstoffen und Anwendungen f\u00fcr die Dekarbonisierung und Elektrifizierung unserer Wirtschaft. Der damit einhergehende Technologiewandel etwa in der deutschen Automobilbranche hat auch Folgen f\u00fcr Zulieferunternehmen in der Schweiz. Zudem ver\u00e4ndern die stetig voranschreitende Digitalisierung und der zunehmende E-Commerce auch das Handelsgesch\u00e4ft und seine Logistik.<\/p>\n<p>Dabei sollte man nicht vergessen: Die Handelspolitik wird ein immer wichtigeres Element unserer Nachhaltigkeits- und Klimapolitik. Deutschland und die Schweiz haben im vergangenen Jahr neue Nachhaltigkeits- und Transparenzstandards f\u00fcr Unternehmen mit internationalen Lieferketten verabschiedet, die EU strebt dies ebenso an. Zudem soll das Vorhaben eines CO<sub>2<\/sub>-Grenzsteuerausgleichs als Teil des \u00abGreen Deal\u00bb der EU den Klimaschutz mit der Wettbewerbsgleichheit im Handel verbinden und f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Das beachtliche Wachstum unseres bilateralen Handels \u00fcber die letzten Jahrzehnte ist auch den wegbereitenden Vereinbarungen zwischen der EU und der Schweiz zu verdanken. Dazu z\u00e4hlen die Zollerleichterungen unter dem Freihandelsabkommen von 1972, die entfallenen Zollvoranmeldungen in einem gemeinsamen Zollsicherheitsraum und die gegenseitige Anerkennung von technischen Produktstandards. Deutschland hat ein grosses Interesse daran, diese g\u00fcnstigen Rahmenbedingungen im Zuge einer allgemeinen institutionellen Konsolidierung der Beziehungen zwischen der Schweiz und der EU zu erhalten und zu modernisieren, etwa hinsichtlich Dienstleistungen, Beschaffungswesen und Nachhaltigkeitsstandards.<\/p>\n<p>Deutschland und die Schweiz pflegen seit Langem einen offenen Dialog \u00fcber die Entwicklung ihrer Handelsbeziehungen, das wirtschaftliche und europ\u00e4ische Umfeld und konkrete Fragen der Handelserleichterung. Jedes Jahr trifft sich der traditionelle Regierungsausschuss des schweizerischen und des deutschen Wirtschaftsressorts. Dort wie in den vielf\u00e4ltigen Handelsgesch\u00e4ften unserer Unternehmen ist die Richtung klar: To be continued&nbsp;!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schokoladen, K\u00e4sespezialit\u00e4ten und edle Uhren \u2013 eidgen\u00f6ssische Exportwaren geniessen bei meinen Landsleuten in Deutschland traditionell ein ausgezeichnetes Image. Auch ich pers\u00f6nlich entdecke die feinen K\u00f6stlichkeiten der alteingesessenen Berner Chocolatiers, liebe Raclette und gebe zu, dass die Uhr an meinem Handgelenk \u00abSwiss made\u00bb ist. Tats\u00e4chlich ist das Sortiment des Handels zwischen den Nachbarstaaten aber wesentlich breiter. 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