{"id":97497,"date":"2021-12-23T13:38:48","date_gmt":"2021-12-23T13:38:48","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2021\/12\/la-loi-de-lavantage-comparatif\/"},"modified":"2023-08-23T22:47:45","modified_gmt":"2023-08-23T20:47:45","slug":"was-ist-der-komparative-kostenvorteil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2021\/12\/was-ist-der-komparative-kostenvorteil\/","title":{"rendered":"Was ist der komparative Kostenvorteil?"},"content":{"rendered":"<p>Im wirtschaftspolitischen Diskurs sind \u00f6konomische Theoreme wichtig zur glaubw\u00fcrdigen Unterst\u00fctzung der eigenen Argumentation. Sie m\u00fcssen in der \u00d6ffentlichkeit jedoch verstanden werden. Einfach sind Theoreme, welche intuitiv nachvollziehbar sind. Dazu geh\u00f6rt beispielsweise das Gesetz der Nachfrage, wonach bei steigendem Preis (ceteris paribus) die nachgefragte Menge sinkt. Massnahmen wie eine Erh\u00f6hung des CO<sub>2<\/sub>-Preises zur Reduktion der Emissionen oder eine Erh\u00f6hung des Kita-Preises zum Abbau von Warteschlangen f\u00fcr Betreuungspl\u00e4tze werden unterst\u00fctzt, sofern diese Wirkung gewollt, oder eben abgelehnt, wenn die Wirkung unerw\u00fcnscht ist.<\/p>\n<p>Eine Herausforderung sind \u00f6konomische Theoreme, die intuitiv nicht nachvollziehbar erscheinen. Dazu geh\u00f6rt der komparative Kostenvorteil. Dieser besagt, dass f\u00fcr den Wohlstand eines Landes Handel \u2013 und damit eine Spezialisierung in der Produktion \u2013 immer besser ist als Autarkie mit Eigenherstellung aller ben\u00f6tigten G\u00fcter. Das Prinzip gilt auch, wenn das eine Land dem anderen Land in allen Belangen \u00f6konomisch unterlegen ist, sprich in der Herstellung von allen G\u00fctern weniger produktiv ist.<\/p>\n<p>Schnell kommt der Verdacht auf, dass vom Handel zwischen zwei ungleichen Volkswirtschaften das starke Land auf Kosten des schwachen Landes profitiert. Eine solche Einsch\u00e4tzung steht zwar im Widerspruch zum Theorem des komparativen Kostenvorteils. Aber f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit ist es kontraintuitiv, dass Handel auch dem schwachen Land n\u00fctzt.<\/p>\n<p>Vielleicht ist das ein Grund, weshalb das Stimmvolk dem Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und Indonesien mit 51,6 Prozent Ja-Stimmen \u00e4usserst knapp zustimmte. Viele Nein-Stimmende haben wohl den Eindruck gehabt, dass von diesem Abkommen nur die Schweiz, aber nicht Indonesien profitieren w\u00fcrde.<\/p>\n<h2><strong>Roger Federer als G\u00e4rtner?<\/strong><\/h2>\n<p>Hier ein Versuch, den komparativen Kostenvorteil anhand eines alltagstauglichen Beispiels darzustellen: Tennis-Ass Roger Federer muss sich entscheiden, ob er eine Stunde auf dem Trainingsplatz verbringen soll oder ob er diese Stunde daf\u00fcr nutzen soll, die Hecke in seinem Garten zu schneiden. Daf\u00fcr k\u00f6nnte er auch einen G\u00e4rtner beauftragen. Zus\u00e4tzlich wird angenommen \u2013 zugegeben etwas hypothetisch \u2013, dass Roger Federer im Vergleich zum G\u00e4rtner nicht nur der bessere Tennisspieler, sondern auch der schnellere und pr\u00e4zisere Heckenschneider sei. Wie nutzt er die zur Verf\u00fcgung stehende Stunde?<\/p>\n<p>Die Antwort ist klar: Roger Federer h\u00e4tte in diesem Fallbeispiel zwar in beiden T\u00e4tigkeiten einen Produktivit\u00e4tsvorteil. Da dieser Vorteil beim Tennis aber ungleich gr\u00f6sser ist als beim Heckenschneiden, wird er die Hecke dem G\u00e4rtner \u00fcberlassen. Im Ergebnis kommt es zu einer Arbeitsteilung, in welcher sich jede Seite spezialisiert. Der G\u00e4rtner seinerseits hat beim Heckenschneiden den geringeren Produktivit\u00e4tsnachteil. Beide Seiten k\u00f6nnen so das Maximum aus der eingesetzten Stunde realisieren.<\/p>\n<p>Allgemein ausgedr\u00fcckt: Mit Handel und damit Spezialisierung in der Produktion wird der Wohlstand aller beteiligten L\u00e4nder erh\u00f6ht. Das gilt es bei n\u00e4chsten Abstimmungen \u00fcber Freihandelsabkommen st\u00e4rker in das Bewusstsein der Bev\u00f6lkerung zu bringen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im wirtschaftspolitischen Diskurs sind \u00f6konomische Theoreme wichtig zur glaubw\u00fcrdigen Unterst\u00fctzung der eigenen Argumentation. Sie m\u00fcssen in der \u00d6ffentlichkeit jedoch verstanden werden. 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