{"id":97564,"date":"2021-12-23T13:33:51","date_gmt":"2021-12-23T13:33:51","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2021\/12\/banque-ouverte-le-plus-tot-sera-le-mieux\/"},"modified":"2023-08-23T22:47:48","modified_gmt":"2023-08-23T20:47:48","slug":"open-banking-abwarten-raecht-sich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2021\/12\/open-banking-abwarten-raecht-sich\/","title":{"rendered":"Open Banking: Abwarten r\u00e4cht sich"},"content":{"rendered":"<p>Fintech-Experten warnen: Die Schweiz drohe den Open-Banking-Trend zu \u00abverschlafen\u00bb.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Open Banking meint den standardisierten, gesicherten Datenaustausch zwischen einer Bank und vertrauensw\u00fcrdigen Drittanbietern auf Wunsch der Kundinnen und Kunden \u00fcber eine standardisierte Schnittstelle (API). Was hat es damit auf sich?<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst muss man wissen: In der EU sind die Banken durch die Richtlinie <a href=\"https:\/\/www.moneytoday.ch\/lexikon\/psd2\">PSD2<\/a> verpflichtet, ihre Schnittstellen auf Kundenwunsch hin zu \u00f6ffnen. Und auch die USA planen eine entsprechende Vorschrift.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> Im Gegensatz dazu hat die Schweiz einen marktgetriebenen, selbstbestimmten Weg gew\u00e4hlt.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a><\/p>\n<p>Entgegen der eingangs vorgebrachten Kritik funktioniert die Selbstregulierung aus Sicht der Finanzdienstleisterin und B\u00f6rsenbetreiberin SIX aktuell gut. Dies zeigt sich am Beispiel von Open Wealth \u2013 einer Brancheninitiative f\u00fcr standardisierte Schnittstellen in der Verm\u00f6gensverwaltung, die von der St. Galler Kantonalbank in Zusammenarbeit mit der Beratungsfirma Synpulse lanciert wurde. Innerhalb von nur neun Monaten nach der Definition der Standards konnten die Schnittstellen bereits \u00fcber die bLink-Plattform von SIX bei der St. Galler Kantonalbank umgesetzt werden. Damit ist die Schweiz bereits weiter als der regulierte EU-Raum, der mit PSD2 noch auf Schnittstellen im Zahlungsbereich fokussiert.<\/p>\n<p>Vor Kurzem ist auch die Z\u00fcrcher Kantonalbank mit dem Angebot live gegangen. Aufseiten der Drittanbieter haben sich \u00fcber bLink zudem die drei Portfolio-Management-Systeme Assetmax, Alphasys und Etops an die APIs angeschlossen. Die als Verein organisierte <a href=\"https:\/\/openwealth.ch\/#community\">Open-Wealth-Initiative<\/a> gewinnt kontinuierlich weitere Banken und Fintech-Unternehmen als Mitglieder und ist bestrebt, den Standard zu internationalisieren. Open Wealth birgt ein enormes Innovationspotential und bietet dem Schweizer Finanzplatz die Chance, die globale F\u00fchrungsposition in der Verm\u00f6gensverwaltung weiter auszubauen.<\/p>\n<p>Klar ist: F\u00fcr den Erfolg des marktgetriebenen Ansatzes braucht es ein koordiniertes Vorgehen. Insbesondere m\u00fcssen sich die Akteure idealerweise auf gemeinsame technische Standards einigen. In der Schweiz koordiniert deshalb der breit abgest\u00fctzte Branchenverband Swiss Fintech Innovations (SFTI) das entsprechende Vorgehen. So fasst der Verband beispielsweise alle anerkannten API-Standards und -Sicherheitsempfehlungen f\u00fcr verschiedene Gesch\u00e4ftsbereiche zusammen. Dar\u00fcber hinaus kl\u00e4rt die Schweizerische Bankiervereinigung rechtliche und sicherheitstechnische Fragen im Zusammenhang mit Open Banking ab und b\u00fcndelt die Interessen der Branche gegen\u00fcber den Beh\u00f6rden und der \u00d6ffentlichkeit. Mit API-Plattformen wie bLink von SIX (siehe <em>Kasten<\/em>), dem Open Business Hub von Swisscom oder der ix.Open-Finance-Plattform von Inventx stehen funktionst\u00fcchtige L\u00f6sungen bereit, die eine effiziente Umsetzung und Skalierung der Schnittstellen im Markt erlauben.<\/p>\n<h2><strong>Grosses Potenzial<\/strong><\/h2>\n<p>Bei allem Fortschritt beim Thema Open Banking muss man aber auch festhalten: Wir befinden uns noch am Anfang einer Entwicklung, welche die Finanzbranche nachhaltig ver\u00e4ndern wird. Aus Sicht der Kundinnen und Kunden ist das Potenzial von Open Banking gross \u2013 auch wenn sich die meisten dessen noch nicht bewusst sind. Beispielsweise erm\u00f6glicht Open Banking, dass wir alle unsere Bankkonti \u00fcber eine App steuern k\u00f6nnen (\u00abMultibanking\u00bb) \u2013 und uns nicht bei jeder Bank einzeln einloggen m\u00fcssen. Oder kleine und mittlere Unternehmen (KMU) k\u00f6nnen den manuellen Aufwand in der Buchhaltung reduzieren, indem sie ihre Kontodaten \u00fcber eine API direkt in ihr Buchhaltungstool integrieren lassen. Die M\u00f6glichkeiten sind \u2013 \u00e4hnlich einem App-Store \u2013 sowohl im Unternehmens- als auch im Privatkundenbereich f\u00fcr jede einzelne API vielf\u00e4ltig.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Banken ist Open Banking eine Investition in die Zukunft. Allerdings ist derzeit trotz der positiven Entwicklung in der Schweiz f\u00fcr viele noch unklar, welche konkreten Anwendungsf\u00e4lle sich dereinst ergeben werden. Somit geht es zun\u00e4chst vor allem darum, sich auf einer strategischen Ebene mit Open Banking auseinanderzusetzen und Erfahrungen sowie notwendige Kompetenzen im Rahmen einer ersten konkreten Anwendung aufzubauen. Dabei ist es wichtig, neben der Monetarisierung der Schnittstellen weitere wesentliche Vorteile von Open Banking zu ber\u00fccksichtigen. Banken verbessern mit entsprechenden Anwendungen das Nutzererlebnis ihrer Kunden, erschliessen sich neue M\u00e4rkte und steigern ihre Transaktionsvolumina.<\/p>\n<h2><strong>\u00abEmbedded Finance\u00bb<\/strong><\/h2>\n<p>Open Banking und Open Finance, also die Bereitstellung von verschiedenen Typen von Finanzdaten (wie Konto, Verm\u00f6gen oder Vorsorge), sind dabei nur der erste Schritt auf dem Weg zu einer grundlegenden Ver\u00e4nderung der heutigen Wertsch\u00f6pfungskette f\u00fcr Finanzprodukte auf Basis von APIs.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a><\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Ausbauschritt l\u00e4sst sich unter dem Stichwort \u00abEmbedded Finance\u00bb zusammenfassen \u2013 also der Integration einer Finanzdienstleistung in ein bisher nicht finanzielles Angebot. Ein Beispiel: Embedded Finance erm\u00f6glicht Banken, das Angebot und die Beantragung von Krediten direkt in die Buchhaltungsl\u00f6sung eines Unternehmens zu integrieren.<\/p>\n<p>\u00abBanking-as-a-Service\u00bb geht ein wenig weiter. Sprich: Auch branchenfremde Firmen bieten Finanzdienstleistungen an. Um den regulatorischen Anforderungen zu gen\u00fcgen, agiert im Hintergrund meist ein Infrastrukturanbieter, der bereits \u00fcber eine Banklizenz verf\u00fcgt.<\/p>\n<p>So kann man etwa beobachten, wie der deutsche Immobilienvermittler Engel &amp; V\u00f6lkers angek\u00fcndigt hat, ein Bankkonto mit entsprechender Karte f\u00fcr seine Kunden anzubieten. Damit tritt das Unternehmen in Konkurrenz zu etablierten Banken. Karte und Konto sind dabei vermutlich nur der Anfang, und weitere Angebote wie Hypotheken werden folgen. Fintech-Unternehmen oder die grossen Techkonzerne dr\u00e4ngen auf dieser Basis bereits seit L\u00e4ngerem mit konkurrenzf\u00e4higen Finanzprodukten auf den Markt, so auch in der Schweiz. Grunds\u00e4tzlich l\u00e4sst sich sagen: Mit Banking-as-a-Service sinkt f\u00fcr neue Anbieter die Einstiegsbarriere, Finanzprodukte anzubieten, da sie weder eine Banklizenz noch ein eigenes Kernbankensystem ben\u00f6tigen.<\/p>\n<h2><strong>Strategie kl\u00e4ren<\/strong><\/h2>\n<p>Open Banking als Beginn einer neuen API-basierten Welt zwingt somit die Banken, ihre strategische Positionierung am Markt zu hinterfragen: Bin ich als Bank in der Lage, n\u00e4her an die Bed\u00fcrfnisse meiner Kunden heranzukommen, um sie besser als jeder andere zu erf\u00fcllen und somit die Kundenschnittelle zu halten? Oder sollte ich gegebenenfalls andere Anbieter dabei unterst\u00fctzen, die Bed\u00fcrfnisse der Kunden zu erf\u00fcllen?<\/p>\n<p>Je fr\u00fcher die Schweizer Banken den ersten Schritt in Richtung Open Banking machen, desto gr\u00f6sser ist die Chance, im Wettbewerb auch zuk\u00fcnftig mit attraktiven Angeboten f\u00fcr die Kunden bestehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Netzwoche (2021).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Reuters (2021).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">SIF (2020).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Mastercard (2021).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fintech-Experten warnen: Die Schweiz drohe den Open-Banking-Trend zu \u00abverschlafen\u00bb. 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Juni.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/li>\r\n<\/ul>\r\n&nbsp;\r\n<ul>\r\n \t<li style=\"list-style-type: none;\">\r\n<ul>\r\n \t<li>Reuters (2021). <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/business\/finance\/what-is-open-banking-2021-07-09\/\">Explainer: What is Open Banking?<\/a> 9. Juli.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/li>\r\n<\/ul>\r\n&nbsp;\r\n<ul>\r\n \t<li style=\"list-style-type: none;\">\r\n<ul>\r\n \t<li>SIF (2020). <a href=\"https:\/\/www.sif.admin.ch\/sif\/de\/home\/dokumentation\/fokus\/open-finance.html\">Open Finance birgt grosses Potenzial<\/a>, 23. Dezember.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/li>\r\n<\/ul>\r\n&nbsp;","post_kasten":[{"kasten_title":"Grossbanken bei bLink an Bord","kasten_box":"Die Finanzdienstleisterin und B\u00f6rsenbetreiberin SIX hat f\u00fcr den Schweizer Finanzplatz die Open-Finance-L\u00f6sung bLink entwickelt: Finanzinstitute und Drittanbieter k\u00f6nnen sich \u00fcber die Plattform einfach und sicher verlinken und datenbasierte Services austauschen. Als ganzheitliche L\u00f6sung erm\u00f6glicht bLink die effiziente Skalierung von Schnittstellen-Standards, Partnerschaften und umfassenden \u00d6kosystemen. Aktuell sind zwei Schnittstellen im Bereich Kontoinformationen und Zahlungsverkehr sowie drei Schnittstellen im Bereich Verm\u00f6gensverwaltung (Open Wealth) live. Zurzeit machen die Banken UBS, Credit Suisse, Z\u00fcrcher Kantonalbank und St. Galler Kantonalbank sowie die Fintechs Klara, Bexio, Swiss Salary, Counteo, Limmobi, Assetmax, Alphasys und Etops bei bLink mit."}],"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":97567,"main_focus":[155827,156682],"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":97571,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"107995","post_abstract":"Banken sehen sich mit einer tiefgreifenden Pr\u00e4misse konfrontiert: Wer in Zukunft keine zeitgem\u00e4ssen Programmierschnittstellen (API) bereitstellt, wird langfristig kein funktionierendes Gesch\u00e4ftsmodell haben. Wie schnell diese Hypothese zur Realit\u00e4t wird, zeigen aktuelle Entwicklungen im Open Banking. In der EU sind Banken durch die Richtlinie PSD2 verpflichtet, Schnittstellen bereitzustellen, damit Drittanbieter wie Fintechs auf Kundenwunsch Zugriff auf deren Daten haben. F\u00fcr Verbraucher entstehen Mehrwerte, und die Innovation am Finanzplatz wird gest\u00e4rkt. Aus dem anf\u00e4nglichen Zwang ist inzwischen ein internationaler Wettbewerb mit enormer Eigendynamik entstanden, welche auch in der Schweiz zu Ver\u00e4nderungen f\u00fchren wird. 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