{"id":97769,"date":"2021-11-29T12:17:41","date_gmt":"2021-11-29T12:17:41","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2021\/11\/la-crise-une-chance-a-saisir\/"},"modified":"2023-08-23T22:48:09","modified_gmt":"2023-08-23T20:48:09","slug":"krise-als-chance-nutzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2021\/11\/krise-als-chance-nutzen\/","title":{"rendered":"Krise als Chance nutzen"},"content":{"rendered":"<p>Die aktuelle Gesundheitskrise hat erneut in Erinnerung gerufen, welche zentrale Bedeutung die forschende pharmazeutische Industrie f\u00fcr die \u00f6ffentliche Gesundheit hat: Die Pharmaindustrie hat sich in der Gesundheitskrise als Schl\u00fcsselindustrie erwiesen \u2013 indem sie in Rekordtempo Tests, Impfstoffe und Arzneimittel entwickelt und in grossen Mengen zur Verf\u00fcgung gestellt hat.<\/p>\n<p>In volkswirtschaftlicher Hinsicht entpuppte sich die Pharmaindustrie in der Pandemie als verl\u00e4ssliche Wachstumslokomotive und St\u00fctze der Schweizer Wirtschaft, von der immer mehr Branchen und Besch\u00e4ftigte abh\u00e4ngen. Attraktive innenpolitische Rahmenbedingungen in der Schweiz haben eine beeindruckende Entwicklung der forschenden Pharmaindustrie seit 1996 beg\u00fcnstigt. Hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung und eine konsequente strategische Ausrichtung auf innovative Technologien waren zentrale Erfolgsfaktoren. Zudem beg\u00fcnstigten strukturelle Wachstumstreiber wie die demografische Entwicklung und die wachsende Mittelschicht in Schwellenl\u00e4ndern das Wachstum. Verbesserte aussenwirtschaftliche Rahmenbedingungen (zum Beispiel der Abschluss der bilateralen Vertr\u00e4ge mit der EU) sowie die Ansiedlung neuer Unternehmen sorgten f\u00fcr zus\u00e4tzliche Dynamik \u2013 mit bemerkenswerten Ergebnissen: Die Besch\u00e4ftigung in der Pharmaindustrie liegt heute mit rund 47\u2019000 Mitarbeitenden rund 2,4 Mal so hoch wie 1996.<\/p>\n<p>In den vergangenen zehn Jahren ging mehr als ein Drittel des Schweizer Wirtschaftswachstums auf das Konto der Pharmaindustrie. Mit Exporterl\u00f6sen von rund 99 Milliarden Franken baute die Pharmaindustrie ihre Stellung als wichtigste Exportbranche weiter aus. Die in der Schweiz erzielte Bruttowertsch\u00f6pfung lag 2020 bei fast 37 Milliarden Franken, was einem Anteil von 5,4 Prozent an der gesamten Schweizer Wirtschaftsleistung entspricht.<\/p>\n<p>Vom Erfolg der Pharmaunternehmen profitieren \u2013 in steigendem Ausmass \u2013 auch andere Sektoren. Jeder Franken Wertsch\u00f6pfung in der Pharmaindustrie l\u00f6st 70 Rappen Wertsch\u00f6pfung in anderen Branchen aus. Von 1000 Franken Lohn in der Pharmaindustrie hingen 2020 durchschnittlich rund 2600 Franken Lohneinkommen in branchenfremden Unternehmen ab.<\/p>\n<h2><strong>Erfolg ist gef\u00e4hrdet<\/strong><\/h2>\n<p>Die Entwicklung der Pharmaindustrie in der Schweiz ist eine beispiellose Erfolgsgeschichte \u2013 was diese paradoxerweise gerade deshalb als gef\u00e4hrdet erscheinen l\u00e4sst. Denn der stolze Blick auf die Errungenschaften gen\u00fcgt nicht, um den Wohlstand f\u00fcr die Zukunft zu sichern. Die ungesunde Kombination aus innerem Reformstillstand und instabilen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entwickelt sich zu einer Gefahr f\u00fcr den Wohlstand und den Zugang zu Medikamenten in der Schweiz.<\/p>\n<p>Denn eine Gesellschaft, die sich neuen Entwicklungen verschliesst, verpasst nicht nur Chancen f\u00fcr Verbesserungen, sondern sie f\u00e4llt unweigerlich zur\u00fcck, wie das Beispiel der Digitalisierung zeigt: In einer zunehmend digitalisierten Welt ist der weltweite Zugang zu hochwertigen Gesundheitsdaten ein zentraler Erfolgsfaktor f\u00fcr erfolgreiche Behandlungen und den Innovationsstandort. W\u00e4hrend L\u00e4nder wie Finnland, Israel oder Grossbritannien die Chancen der Digitalisierung im Gesundheitssystem erkannt haben, liegt die Schweiz im internationalen Vergleich abgeschlagen auf den hinteren R\u00e4ngen. Um den R\u00fcckstand aufzuholen, muss die Gesundheitspolitik dringend in den Aufbau eines vernetzten Gesundheitsdaten\u00f6kosystems investieren und einen koh\u00e4renten Masterplan entwickeln.<\/p>\n<h2><strong>\u00dcberlebenswichtige EU<\/strong><\/h2>\n<p>Die Schweiz hat sich lange auf ihren Lorbeeren ausgeruht und dabei im internationalen Vergleich an Wettbewerbsf\u00e4higkeit eingeb\u00fcsst. Auch Monate nach dem Abbruch der Verhandlungen \u00fcber ein institutionelles Rahmenabkommen mit der Europ\u00e4ischen Union ist die k\u00fcnftige Europapolitik ungewiss. F\u00fcr den Schweizer Pharmastandort und mit ihm die Schweizer Wirtschaft sind stabile, vertraglich geregelte und zukunftsf\u00e4hige Beziehungen mit der EU jedoch \u00fcberlebenswichtig. Dies zeigt das Beispiel der gegenseitigen Anerkennung von technischen Vorschriften und Pr\u00fcfverfahren (Konformit\u00e4tsbewertungen) zwischen der EU und der Schweiz. Mit rund 48 Milliarden Franken stammten 2020 nach wie vor 46 Prozent der Exporterl\u00f6se aus europ\u00e4ischen L\u00e4ndern.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Wettbewerbsf\u00e4higkeit des Schweizer Forschungs- und Innovationsstandorts und die stark innovationsgetriebenen Schweizer Unternehmen ist der m\u00f6glichst umfassende Zugang zu den europ\u00e4ischen Forschungsprogrammen essenziell. Ein erstklassiger Forschungsplatz wiederum ist strategisch von zentraler Bedeutung f\u00fcr den innovationsbasierten Wirtschaftsstandort Schweiz und die Pharmabranche als Schl\u00fcsselindustrie des Landes.<\/p>\n<h2><strong>Stillstand ohne Grenzg\u00e4nger <\/strong><\/h2>\n<p>Nicht zuletzt braucht die Pharmaindustrie den ungehinderten Zugang zum europ\u00e4ischen Arbeitsmarkt. Mehr als jeder f\u00fcnfte Besch\u00e4ftigte pendelt als Grenzg\u00e4nger zur Arbeit. In der Nordwestschweiz ist es sogar jeder Dritte. Von den in der Schweiz wohnhaften Besch\u00e4ftigten der Pharmaindustrie haben 44 Prozent eine ausl\u00e4ndische Nationalit\u00e4t, bei Erwerbst\u00e4tigen mit Hochschulabschluss sind es gar 62 Prozent.<\/p>\n<p>Politisch gilt es nun die Chancen der aktuellen Herausforderungen zu erkennen: Wir m\u00fcssen den durch die Pandemie ausgel\u00f6sten Handlungsdruck als kraftvollen Katalysator f\u00fcr unternehmerischen und gesellschaftlichen Wandel nutzen, um eingefahrene Denkmuster zu durchbrechen und um den politischen Reformstau zu \u00fcberwinden. Dies gilt sowohl f\u00fcr die Schaffung von zukunftsf\u00e4higen Rahmenbedingungen f\u00fcr den Forschungs- und Produktionsstandort wie auch f\u00fcr die Sicherstellung eines breiten, sicheren und schnelleren Zugangs zu innovativen Medikamenten und Therapien f\u00fcr alle Schweizer Patientinnen und Patienten.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die aktuelle Gesundheitskrise hat erneut in Erinnerung gerufen, welche zentrale Bedeutung die forschende pharmazeutische Industrie f\u00fcr die \u00f6ffentliche Gesundheit hat: Die Pharmaindustrie hat sich in der Gesundheitskrise als Schl\u00fcsselindustrie erwiesen \u2013 indem sie in Rekordtempo Tests, Impfstoffe und Arzneimittel entwickelt und in grossen Mengen zur Verf\u00fcgung gestellt hat. In volkswirtschaftlicher Hinsicht entpuppte sich die Pharmaindustrie [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":3376,"featured_media":169056,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"ep_exclude_from_search":false,"footnotes":""},"post__type":[67,69],"post_opinion":[71],"post_serie":[],"post_content_category":[154],"post_content_subject":[125],"acf":{"seco_author":3376,"seco_co_author":"","author_override":"","seco_author_post_ocupation_year":"","seco_author_post_occupation_de":"Dr. rer. publ., Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer, Interpharma, Basel","seco_author_post_occupation_fr":"Directeur d\u2019Interpharma, B\u00e2le","seco_co_authors_post_ocupation":null,"short_title":"Krise als Chance nutzen","post_lead":"Die Pharmaindustrie ist der wichtigste Wachstumsmotor der Schweiz. Damit das so bleibt, muss sich die Schweiz auch in Zukunft um attraktive Rahmenbedingungen f\u00fcr einen konkurrenzf\u00e4higen Pharmastandort bem\u00fchen. Dazu geh\u00f6ren insbesondere stabile Beziehungen zur Europ\u00e4ischen Union und Investitionen in ein vernetztes Gesundheitsdaten\u00f6kosystem.","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":97772,"main_focus":[155834,156687],"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"106984","post_abstract":"","magazine_issue":"20211201","seco_author_reccomended_post":"","redaktoren":[4127],"korrektor":4139,"planned_publication_date":"20211201","original_files":null,"external_release_for_author":"20211127","external_release_for_author_time":"22:30:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/exedit\/6284b3317fd93"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/97769"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3376"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=97769"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/97769\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":172014,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/97769\/revisions\/172014"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4139"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4127"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3376"}],"acf:post":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/156687"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/155834"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/169056"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=97769"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=97769"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=97769"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=97769"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=97769"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=97769"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}