{"id":97928,"date":"2021-11-01T10:57:53","date_gmt":"2021-11-01T10:57:53","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2021\/11\/lintelligence-artificielle-peut-elle-sauver-le-climat\/"},"modified":"2023-08-23T22:48:23","modified_gmt":"2023-08-23T20:48:23","slug":"kuenstliche-intelligenz-kann-sie-unser-klima-retten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2021\/11\/kuenstliche-intelligenz-kann-sie-unser-klima-retten\/","title":{"rendered":"K\u00fcnstliche Intelligenz \u2013 kann sie unser Klima retten?"},"content":{"rendered":"<p>Es ist ein Bild, das nicht mehr aus dem Kopf geht: In den n\u00e4chsten 40 Jahren wird jeden Monat eine Stadt so gross wie New York City gebaut.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Dies vor allem in China, Indien und Nigeria. In seinem Buch \u00abWie wir die Klimakatastrophe verhindern\u00bb verwendet der US-Milliard\u00e4r Bill Gates dieses Beispiel, um zu veranschaulichen, wie schnell das St\u00e4dtewachstum voranschreitet \u2013 mit den entsprechenden negativen Folgen f\u00fcr das Klima.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a>&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nDer Schuldige ist schnell gefunden: der Mensch. Der j\u00fcngste Klimabericht des Weltklimarats (IPCC) kommt zum Schluss, dass menschliche Aktivit\u00e4ten alle wesentlichen Faktoren des Klimasystems beeinflussen.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a>&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nDer Klimawandel ist dabei nur eines von zahlreichen \u00abmenschgemachten\u00bb Problemen. Weitere Herausforderungen sind die Ausbeutung nat\u00fcrlicher Ressourcen, die Vernichtung der Biodiversit\u00e4t, Abf\u00e4lle im Meer, Wasserverbrauch und vieles mehr. Angesichts dessen stellt sich die Frage: Wie kann der Mensch die von ihm verursachte Zerst\u00f6rung aufhalten?&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nKann allenfalls die k\u00fcnstliche Intelligenz (KI) diese Entwicklung aufhalten? In der Wissenschaft wird diese Frage derzeit unter dem Schlagwort \u00abKI f\u00fcr das Gemeinwohl\u00bb (\u00abAI for Social Good\u00bb) er\u00f6rtert.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a> Techfirmen wie Intel und Google glauben daran und haben entsprechende Initiativen lanciert, welche die Anwendung von KI f\u00fcr das Gemeinwohl f\u00f6rdern m\u00f6chten. <a href=\"https:\/\/ai.google\/social-good\/\">Google<\/a> stellte in einem Ideenwettbewerb bis zu 25 Millionen Dollar in Aussicht, um die besten Vorschl\u00e4ge zu realisieren.&#013;<\/p>\n<h2><strong>Grosse Datenmengen<\/strong><\/h2>\n<p>&#013;<br \/>\nZun\u00e4chst gilt es aber klarzustellen, was KI \u00fcberhaupt vermag. Die St\u00e4rke der Technologie ist die Auswertung von grossen Datenmengen. Beispielsweise setzen Klimaforscherinnen f\u00fcr ihre Modellrechnungen auf KI. Weiter wird KI zur Optimierung der Steuerung von Verkehr eingesetzt und verbessert die Genauigkeit von Verkehrsprognosen, wie etwa in einem <a href=\"https:\/\/www.bmvi.de\/SharedDocs\/DE\/Artikel\/DG\/KI-Projekte\/kivi-kuenstliche-intelligenz-im-verkehrssystem-ingolstadts.html\">Pilotprojekt<\/a> in Ingolstadt, wo mittels KI-Systemen ein digitales Abbild des Verkehrssystems generiert wird, um daraus die Ampelanlagen entsprechend zu steuern. Die Verkehrsplaner erhoffen sich davon zudem weniger Stau und weniger Unf\u00e4lle.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nAuch in der Abfallverwertung ist KI im Einsatz. Dank automatisierter Bildklassifikationen und Objekterkennung sortieren <a href=\"https:\/\/zenrobotics.com\/\">Roboter<\/a> Abf\u00e4lle, die danach recycelt werden k\u00f6nnen. Vielversprechend scheinen auch Anwendungen in der Forstwirtschaft: Das Karlsruher Institut f\u00fcr Technologie (KIT) entwickelt derzeit ein intelligentes <a href=\"https:\/\/www.kit.edu\/kit\/pi_2021_020_mit-ki-waelder-schuetzen-und-bewirtschaften.php\">Assistenzsystem<\/a> f\u00fcr ein nachhaltiges Waldmanagement. Dieses soll helfen, den Wald widerstandsf\u00e4higer gegen\u00fcber dem Klimawandel zu machen.&#013;<\/p>\n<h2><strong>Ethische Einw\u00e4nde<\/strong><\/h2>\n<p>&#013;<br \/>\nDer grosse Unterschied zwischen KI und bisherigen Technologien besteht darin, dass Deep-Learning-Algorithmen ohne menschliches Zutun zu Auswertungen und Entscheidungen gelangen k\u00f6nnen. Das ist keine Zauberei, sondern beruht auf Mathematik und Statistik \u2013 die allerdings viel Rechenleistung verschlingt.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nBeim Einsatz von KI gilt es allerdings ethische und rechtliche Einw\u00e4nde zu beachten. Es ist wichtig und richtig, dass KI reguliert wird und die Anwendungsfelder zielgerichtet f\u00fcr das Wohl des Menschen eingesetzt werden. Entsprechend hat etwa eine Expertengruppe der EU-Kommission Leitlinien f\u00fcr \u00abvertrauensw\u00fcrdige\u00bb KI entworfen.<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a> Demnach m\u00fcssen die KI-Anwendungen unter anderem die Gesetze und ethische Grunds\u00e4tze einhalten und d\u00fcrfen keine unbeabsichtigten Sch\u00e4den und Diskriminierungen verursachen. Die Entwicklung von KI hat dabei zu einer neuen Konstellation gef\u00fchrt: Die Herausforderung ist nicht die technologische Machbarkeit, sondern die ethische und rechtliche Regulierung des Digitalen.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nWeiter l\u00e4sst sich monieren, dass Technologie die Probleme nicht l\u00f6st, sondern dass sie lediglich einen zeitlichen Aufschub erzeugt. M\u00f6glicherweise bewirken die positiven Versprechungen der KI-Technologie sogar das Gegenteil, indem wir mit dem dringend n\u00f6tigen Handeln noch zuwarten: Abfall sortieren mittels KI ist gut, aber das Grundproblem, n\u00e4mlich zu viel Abfall, wird nicht gel\u00f6st.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nDie Alternative zum Technikoptimismus ist der Verzicht, das Weniger, das Einschr\u00e4nken von Wachstum, das Nichtmachen. Hier wirken aber starke M\u00e4chte dagegen: einerseits die Tatsache, dass die Erde bis im Jahr 2100 vermutlich \u00fcber 10 Milliarden Menschen z\u00e4hlen wird, und andererseits die Tatsache, dass \u00f6kologische Sensibilit\u00e4t und das entsprechende Handeln erst dann einsetzen, wenn die unterste Armutsgrenze verlassen werden konnte. Dies indes erfordert ein wirtschaftliches Wachstum, was wiederum zu mehr Emissionen f\u00fchrt. Wir scheinen somit in einem Dilemma gefangen zu sein: Wir wollen sozialen Wohlstand, und gleichzeitig muss dieser gelingen, ohne dass es zu einem Anstieg von Emissionen kommt.&#013;<\/p>\n<h2><strong>Sind wir \u00fcberfordert?<\/strong><\/h2>\n<p>&#013;<br \/>\nDass uns hier die KI-Technologie retten kann, scheint eine naheliegende und plausible L\u00f6sung, ihre Einsatzgebiete sind ja auch grenzenlos und die Resultate verbl\u00fcffend. Vermutlich \u00fcbertr\u00e4gt der Mensch diese Rettungshoffnung auf eine neue Technologie, um sich selbst zu entlasten, da er keinen g\u00f6ttlichen Sinngaranten mehr hat und er ohne diesen die grossen Probleme der Welt l\u00f6sen muss. Der Mensch, so scheint es, ist in den Zustand seiner \u00dcberforderung gekommen.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nKann KI also unser Klima retten? Oder ist die Entwicklung der KI-Technologie ein hilfloser Versuch des Menschen: Delegiert man Hoffnung und Verantwortung an die neue Technologie, um sich selbst zu entlasten?&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nKlar ist: KI bietet riesige Chancen, die Welt positiv zu gestalten \u2013 sofern man ihre unglaubliche Leistungsf\u00e4higkeit f\u00fcr soziales, wirtschaftliches und \u00f6kologisches Wohl einsetzt. Die Technologie kann zur Erreichung der UNO-Nachhaltigkeitsziele beitragen. KI zwingt uns aber auch dazu, viele Grundsatzfragen zu beantworten, die wir gerne verdr\u00e4ngen: Wie viel Wachstum vertr\u00e4gt die Welt? Wie wollen wir Menschen auf der Erde in Zukunft zusammenleben? Wie nutzen wir digitale Technologie zur L\u00f6sung menschgemachter Probleme? Und nicht zuletzt: Was ist der Mensch?<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Der Text gibt die pers\u00f6nliche Meinung des Autors wieder.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Gates (2021).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">IPCC (2021).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Floridi et al. (2020).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\">EU-Kommission (2019).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist ein Bild, das nicht mehr aus dem Kopf geht: In den n\u00e4chsten 40 Jahren wird jeden Monat eine Stadt so gross wie New York City gebaut. Dies vor allem in China, Indien und Nigeria. 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Climate Change 2021: The Physical Science Basis. Contribution of Working Group I to the Sixth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change.<\/li>&#13;\n<\/ul>","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":97931,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":97935,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"106336","post_abstract":"Mit \u00abArtificial Intelligence for Social Good\u00bb ist ein neuer Forschungsbereich entstanden, der mit k\u00fcnstlicher Intelligenz (KI) das Gemeinwohl verbessern will. Im Fokus steht dabei insbesondere die L\u00f6sung der aktuellen Umweltprobleme. Bereits im Einsatz ist KI beispielsweise in der Verkehrsplanung, in der Forstwirtschaft oder im Recycling. Allerdings vermag auch diese neue Technologie den Klimawandel nicht zu stoppen. 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