{"id":98018,"date":"2021-11-01T10:57:53","date_gmt":"2021-11-01T10:57:53","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2021\/11\/des-normes-internationales-pour-lindustrie-4-0\/"},"modified":"2023-08-23T22:48:32","modified_gmt":"2023-08-23T20:48:32","slug":"internationale-normen-fuer-industrie-4-0","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2021\/11\/internationale-normen-fuer-industrie-4-0\/","title":{"rendered":"Internationale Normen f\u00fcr Industrie 4.0"},"content":{"rendered":"<p>Normen regeln vielf\u00e4ltige materielle und immaterielle Gegenst\u00e4nde wie Produkte, Verfahren, Messmethoden, Prozesse und Dienstleistungen. Sie kommen in nahezu allen Branchen und Fachgebieten zum Einsatz. Normen wirken meistens im Hintergrund und werden von vielen als verstaubt oder als Relikt aus dem Industriezeitalter angesehen. Kaum jemand bringt sie mit topaktuellen Themen wie Smart-Technologie und Industrie 4.0 in Zusammenhang. Doch dieser Eindruck t\u00e4uscht.&#013;<\/p>\n<h2>Datenaustausch erm\u00f6glichen<\/h2>\n<p>&#013;<br \/>\nDie Industrie 4.0 basiert auf dem rasanten Fortschritt der Informations- und Kommunikationstechnologien. Entsprechend vielf\u00e4ltig und komplex ist dieses Gebiet. Damit wird auch klar, dass es kaum Normen gibt, die den gesamten Bereich der Industrie 4.0 abdecken. Zu verschieden sind ben\u00f6tigte Maschinenteile, Verbindungsst\u00fccke, Steuerungen oder andere digitale Elemente. Die Normung engagiert sich deshalb vor allem beim Datenaustausch, damit einzelne Systeme miteinander kommunizieren k\u00f6nnen (siehe <em>Kasten<\/em>). Denn die Industrie 4.0 soll letztlich zu einer effizienten und ressourcenschonenden Produktion f\u00fchren. So meldet beispielsweise das System, dass ein Bohrer nach weiteren 100 Bohrungen ersetzt werden muss. Da ein neuer Bohrer so rechtzeitig bereitgestellt werden kann, gibt es keine Ausfallzeiten.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nAuch Fehlproduktionen werden vermieden, weil der Bohrer ersetzt wird, bevor er fehlerhaft bohrt. Der Bohrer wird aber nicht wie fr\u00fcher beim routinem\u00e4ssigen Service ersetzt, sondern erst, wenn er wirklich verbraucht ist. Mit Sensoren wird der Bohrer \u00fcberwacht. Sobald ein vom Maschinenanwender definierter Grenzwert \u00fcberschritten ist, schickt die Maschine eine Meldung an ihren \u00abdigitalen Zwilling\u00bb. \u00dcber Internet kann diese Information von \u00fcberall abgerufen werden, oder je nach System wird sogar eine automatische Bestellung ausgel\u00f6st.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nDieses Zusammenspiel der einzelnen Elemente ist zentral f\u00fcr die Industrie 4.0. Daf\u00fcr braucht es professionelle Software, die auf standardisierten Schnittstellen basiert und so den Datenaustausch erm\u00f6glicht. \u00c4hnlich einer gemeinsamen Sprache stellen Normen also sicher, dass die Kommunikation zwischen den Systemen gelingt.&#013;<\/p>\n<h2>Kompatibilit\u00e4t ist Flexibilit\u00e4t<\/h2>\n<p>&#013;<br \/>\nDoch die Unternehmen sind nicht verpflichtet, sich an die Normen zu halten. Die Anwendung von Normen ist meist freiwillig. Bindend werden Normen dann, wenn sie Gegenstand von Vertr\u00e4gen zwischen Parteien sind, wenn sie eine Konformit\u00e4tsvermutung erwirken oder wenn der Gesetzgeber ihre Einhaltung zwingend vorschreibt.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nEs gibt auch Unternehmen, die ihre Produkte bewusst so gestalten, dass sie nicht mit anderen kompatibel sind. Damit m\u00f6chten sie die Konsumenten dazu bringen, nur ihre Produkte zu nutzen. Das mag seine Vorteile haben, schafft aber zugleich auch Abh\u00e4ngigkeiten oder schr\u00e4nkt die M\u00f6glichkeiten ein. Und wenn man davon ausgeht, dass im Bereich der Industrie oft individuelle L\u00f6sungen gesucht werden m\u00fcssen, dann ist das Verkn\u00fcpfen von standardisierten Elementen mit speziell gefertigten Komponenten nur mit offenen Systemen m\u00f6glich, die \u00fcber Schnittstellen verkn\u00fcpft werden k\u00f6nnen.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nDie Normung zielt entsprechend darauf ab, vor allem bei diesen Schnittstellen eine m\u00f6glichst gute Kompatibilit\u00e4t zu erreichen, um eine gr\u00f6sstm\u00f6gliche Flexibilit\u00e4t zur erhalten. Weitere Themen der Normung im Bereich der Industrie 4.0 sind Datensicherheit, Integration und Automation der Systeme, k\u00fcnstliche Intelligenz und Sicherheitsaspekte im Zusammenspiel von Maschinen und Mitarbeitenden.&#013;<\/p>\n<h2>Wer erstellt die Normen?<\/h2>\n<p>&#013;<br \/>\nNormen werden von Experten in schweizerischen, europ\u00e4ischen und internationalen Normenkomitees erarbeitet. Alle Organisationen sind sehr bestrebt, dass m\u00f6glichst alle Anspruchsgruppen in den Normengremien vertreten sind. So unternimmt die Schweizerische Normen-Vereinigung (SNV) grosse Anstrengungen, um Expertinnen und Experten von Universit\u00e4ten, Gewerkschaften und auch Nichtregierungsorganisationen f\u00fcr die Norment\u00e4tigkeit zu gewinnen.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nDie SNV stellt f\u00fcr die Thematik Industrie 4.0 allerdings keine Schweizer Normen auf, wie sie dies etwa im Bauwesen, beim Strassenbau oder f\u00fcr Mineral\u00f6lprodukte macht. Der Grund daf\u00fcr ist, dass in der Schweiz zum Teil spezielle gesetzliche Anforderungen gelten, die in diesen reinen Schweizer Normen abgebildet sind. F\u00fcr die Industrie 4.0 gibt es keine solchen gesetzlichen Anforderungen.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nDie Schweiz ist aber in ein internationales Netzwerk eingebunden und delegiert Schweizer Fachleute in die internationalen Normenkomitees. Diese Fachleute bringen ihre Ideen und Expertise so bei der Internationalen Organisation f\u00fcr Normung (ISO), der Internationalen Elektrotechnischen Kommission (IEC), dem Europ\u00e4ischen Komitee f\u00fcr Normung (CEN) und weiteren Normungsorganisationen ein.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nGleichzeitig erm\u00f6glicht die Mitarbeit den Beteiligten, bereits fr\u00fch von den neuesten Diskussionen und Entwicklungen Kenntnis zu haben und diese f\u00fcr die eigene Organisation zu nutzen. Denn Normen entwickeln sich aus der Praxis f\u00fcr die Praxis. Der Wissensvorsprung kann auch bei der Industrie 4.0 dazu beitragen, dass sich ein Schweizer Unternehmen sehr fr\u00fch auf die neuesten Entwicklungen ausrichten kann.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nUnternehmen, ob klein oder gross, kommen langfristig kaum darum herum, sich mit der Industrie 4.0 zu besch\u00e4ftigen und in diese Richtung zu investieren. Tun sie es nicht, wird sich dies \u00fcber kurz oder lang nachteilig auswirken. Denn Mitstreiter werden kosteng\u00fcnstiger produzieren k\u00f6nnen, da die Industrie 4.0 zu einer effizienteren und ressourcenschonenderen Produktion f\u00fchrt. Normen erm\u00f6glichen dabei, Anlagen zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt zu erweitern oder einzelne Komponenten zu modernisieren.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Normen regeln vielf\u00e4ltige materielle und immaterielle Gegenst\u00e4nde wie Produkte, Verfahren, Messmethoden, Prozesse und Dienstleistungen. Sie kommen in nahezu allen Branchen und Fachgebieten zum Einsatz. 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Diese Norm enth\u00e4lt auch Anforderungen f\u00fcr die Bewertung und Behandlung von Informationssicherheitsrisiken, die auf die Bed\u00fcrfnisse der Organisation zugeschnitten sind.&#13;\n&#13;\n<strong>IEC PAS 63088:2017 - Smart Manufacturing:<\/strong> Beschreibt die Struktur und Funktion von Industrie 4.0-Komponenten als wesentliche Bestandteile der virtuellen Darstellung von Assets.&#13;\n&#13;\n<strong>ISO\/IEC 21823-Normenreihe - Internet der Dinge (IoT):<\/strong> Spezifiziert einen Rahmen und Anforderungen f\u00fcr die Interoperabilit\u00e4t, den Aufbau von IoT-Systemen mit Informationsaustausch, Peer-to-Peer-Konnektivit\u00e4t und nahtloser Kommunikation zwischen verschiedenen IoT-Systemen.&#13;\n&#13;\n<strong>ISO\/IEC 30161:2020 - Internet der Dinge (IoT):<\/strong> Regelt die Anforderungen an eine Datenaustauschplattform f\u00fcr verschiedene Dienste des Internets der Dinge."}],"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":98021,"main_focus":[155841,156692],"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":98025,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"106462","post_abstract":"Die Industrie 4.0 basiert vor allem auf einer reibungslosen digitalen Kommunikation zwischen vielen einzelnen Elementen. 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