{"id":98226,"date":"2021-10-04T13:54:39","date_gmt":"2021-10-04T13:54:39","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2021\/10\/innovations-dans-les-pme-la-suisse-orientale-appuie-sur-laccelerateur\/"},"modified":"2023-08-23T22:48:36","modified_gmt":"2023-08-23T20:48:36","slug":"ostschweizer-kantone-beschleunigen-kmu-innovationen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2021\/10\/ostschweizer-kantone-beschleunigen-kmu-innovationen\/","title":{"rendered":"Ostschweizer Kantone beschleunigen KMU-Innovationen"},"content":{"rendered":"<p>Geht es um Innovation, stehen Unternehmen vor einer Vielzahl an finanziellen, technischen sowie marktseitigen Herausforderungen. Insbesondere in Unternehmen ohne eigene Entwicklungsabteilung reichen die firmeninternen Kr\u00e4fte f\u00fcr substanzielle Innovationsaktivit\u00e4ten h\u00e4ufig nicht mehr aus. Im Trend konzentrieren sich Schweizer KMU deshalb vermehrt auf rein punktuelle und inkrementelle Verbesserungen am Produkt und im Produktionsprozess. So optimieren sie graduell ihre Kostenstruktur, erreichen dadurch kurzfristige Einsparungen und k\u00f6nnen die S\u00e4ttigungsphase im Produktlebenszyklus noch verl\u00e4ngern. Allerdings k\u00f6nnen sie ihre Wettbewerbssituation mit einem solchen Innovationsverhalten nicht nachhaltig st\u00e4rken.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a>&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nTats\u00e4chlich gehen die Innovationsaktivit\u00e4ten sowie die Ausgaben f\u00fcr Forschung und Entwicklung (F&amp;E) in der Schweiz generell zur\u00fcck. Laut Untersuchungen der Konjunkturforschungsstelle der ETH Z\u00fcrich (KOF) sind finanzielle Restriktionen das gr\u00f6sste Innovationshemmnis f\u00fcr Schweizer KMU. Diese bestehen aufgrund begrenzter liquider Mittel, geringer Investitionskraft und niedrigen erwarteten Investitionsertr\u00e4gen, welche letztlich auch zu eingeschr\u00e4nkten Amortisationsm\u00f6glichkeiten von Investitionen f\u00fchren. Aktuelle Untersuchungen der Industrie- und Handelskammer St. Gallen-Appenzell oder des Swiss Manufacturing Survey (SMS) der Universit\u00e4t St. Gallen best\u00e4tigen dieses Bild. Sie zeigen zudem: Die finanziellen H\u00fcrden angesichts der durch die Corona-Pandemie eingetr\u00fcbten Wirtschaftslage werden sich weiter erh\u00f6hen.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a>&#013;<\/p>\n<h2>Fehlende Ressourcen<\/h2>\n<p>&#013;<br \/>\nGleichzeitig haben die Schweizer KMU einen erschwerten Zugang zu Fremdkapital und fallen bei den bestehenden Innovationsf\u00f6rderungen oft durch das Raster \u2013 ein Umstand, der den R\u00fcckgang an Innovationsaktivit\u00e4ten weiter verst\u00e4rkt.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> Eigentlich w\u00e4re eine verst\u00e4rkte Zusammenarbeit mit externen Innovationspartnern erforderlich, wie dies momentan im Trend liegt. Dabei werden Innovationsprozesse offener und kooperativer gestaltet. Die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Innovationsakteuren mit ganz unterschiedlichen Kompetenzen \u2013 von Zulieferern \u00fcber Dienstleistungs- und Industrieunternehmen bis hin zur Mitwirkung von Forschungsinstitutionen \u2013 erm\u00f6glicht in vielen neuen Gesch\u00e4ftsfeldern \u00fcberhaupt erst die Innovation.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nDoch gerade f\u00fcr KMU ist dies schwierig. Eine Herausforderung f\u00fcr sie ist insbesondere die Suche nach geeigneten Innovationspartnern sowie den richtigen Mix zu finden zwischen der Wahrung der eigenen Gesch\u00e4ftsinteressen und einem echten Kooperationsbeitrag. Zudem m\u00fcssen die richtigen methodischen und vertraglichen Konfigurationen gestaltet und die gewonnenen Wissensvorspr\u00fcnge rasch in Innovationen umgesetzt werden. Doch f\u00fcr solche Aufgaben stehen die notwendigen Ressourcen immer seltener zur Verf\u00fcgung.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nBesonders gross sind diese Herausforderungen im l\u00e4ndlichen Raum. Denn rurale Wirtschaftsr\u00e4ume haben im Vergleich zu urbanen Zentren monotonere Branchenstrukturen, kleinere Unternehmen sowie eine geringere Dichte an Innovationsakteuren. Innovationsanstrengungen von Unternehmen in diesen Regionen werden dadurch weiter erschwert, sodass sich die strukturellen Schwierigkeiten dort akzentuieren.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a> Hinzu kommt, dass die Corona-Pandemie durch Auftragsstornierungen, ver\u00e4nderte Personalstrukturen und Disruptionen in den globalen Lieferketten den Innovationsdruck, insbesondere den Bedarf an innovativen Technologien, weiter beschleunigt.<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a> Davon betroffen sind auch zahlreiche l\u00e4ndliche Gebiete in der Schweiz. Nun haben sich die Ostschweizer Kantone Glarus, Schaffhausen, Appenzell Ausserrhoden, Appenzell Innerrhoden, St. Gallen, Graub\u00fcnden, Thurgau sowie das Z\u00fcrcher Berggebiet zusammengetan und das Projekt \u00abInos\u00bb auf die Beine gestellt (siehe <em>Kasten<\/em>).&#013;<\/p>\n<h2>Ganzheitlicher F\u00f6rderansatz<\/h2>\n<p>&#013;<br \/>\nMit dem Innovationssystem Inos m\u00f6chten die beteiligten Ostschweizer Kantone den heimischen KMU Innovationen erleichtern. Durch die Zusammenarbeit mit Coaches und Experten aus Industrie und Forschung werden die Firmen im Netzwerk darin unterst\u00fctzt, neben kleineren Neuerungen auch grundlegende Innovationen wie zum Beispiel neue Gesch\u00e4ftsmodelle anzugehen.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nF\u00fcr die KMU ist der Zugang zu den Angeboten von Inos einfach und schnell, und er funktioniert \u00fcber das gesamte Netzwerk nach einheitlichen Abl\u00e4ufen. Die Angebote sind in drei aufeinander aufbauenden sogenannten Leveln strukturiert (siehe <em>Abbildung<\/em>). Im 1. Level erhalten die KMU zun\u00e4chst eine individuelle Erstberatung, im 2. Level ein firmenspezifisches Coaching.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nDie KMU sind dabei nicht an kantonale Grenzen und Angebote in der Ostschweiz gebunden. Das Motto von Inos ist deshalb Programm: \u00abGemeinsam Innovation beschleunigen\u00bb. Dazu dienen auch die im 2. Level geplanten thematischen Innovationsplattformen, durch welche die Kosten f\u00fcr Forschung und Entwicklung reduziert werden k\u00f6nnen. Indem mehrere KMU bei der Erforschung einer Thematik ihre Ressourcen b\u00fcndeln, wird die Zeit von der Produktentwicklung bis zur Lancierung am Markt reduziert, und die Themen k\u00f6nnen schneller vorangetrieben werden. Zudem erm\u00f6glichen es solche Innovationsplattformen, neue Anwendungsgebiete und Gesch\u00e4ftsfelder zu erschliessen, in welchen gewisse KMU noch \u00fcber geringe Kompetenzen verf\u00fcgen. Dadurch wird die Innovationskraft der Akteure beschleunigt, Markteintrittsh\u00fcrden werden verringert und die Belastung der Ressourcen pro Unternehmen reduziert.&#013;<\/p>\n<h2>Wegbereiter f\u00fcr Kooperationen<\/h2>\n<p>&#013;<br \/>\nZu den Angeboten von Inos geh\u00f6ren im 3. Level auch Projekte f\u00fcr Kooperationen zwischen KMU und weiteren Stakeholdern wie etwa Hochschulen, Forschungseinrichtungen oder Investoren. Inos agiert dabei als neutraler Initiant und Moderator, der M\u00f6glichkeiten von Kooperationen mit potenziellen Partnern identifiziert und die weiteren Schritte zusammen mit dem Unternehmen eruiert. In diesem Sinne ist Inos ein Wegbereiter f\u00fcr Kooperationen und bef\u00e4higt KMU, auch herausfordernde Innovationsvorhaben zu realisieren.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nIn einem bereits realisierten Projekt aus dem Bereich der Lebensmittel-Direktvermarktung wurde der F\u00f6rderansatz von Inos bereits erfolgreich erprobt. Das betreffende KMU war unter anderem an der Entwicklung eines neuen Gesch\u00e4ftsmodells interessiert. Der von Inos aufgebaute Coach- und Expertenpool aus Praxis und Forschung konnte ihm mit einem spezifischen Coaching neue Gesch\u00e4ftsfelder und -modelle aufzeigen. Gemeinsam mit der Gesch\u00e4ftsleitung wurde schliesslich ein Testmarkt mit einer neuen Zielgruppe definiert. Das Beispiel illustriert, dass die Inos-F\u00f6rderung nicht allein auf forschungsbasierte Innovationen ausgerichtet sein muss. Insbesondere bietet sie den KMU handfeste Unterst\u00fctzung in der Erarbeitung und der Umsetzung von Innovationen aller Art.&#013;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Die drei Level im Angebotsportfolio von Inos<\/h3>\n<p>&#013;<br \/>\n<a href=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2021\/09\/budde-de.png\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-106825\" src=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2021\/09\/budde-de.png\" alt=\"\" width=\"2418\" height=\"610\" \/><\/a><\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Spescha und W\u00f6rter (2018, 2020).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Friedli, Deitermann, Remling und Haase (2020) sowie IHK (2020).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Spescha und W\u00f6rter (2018, 2020).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Seco (2018).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\">Friedli, Deitermann, Remling und Haase (2020).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geht es um Innovation, stehen Unternehmen vor einer Vielzahl an finanziellen, technischen sowie marktseitigen Herausforderungen. 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Innovation in der Schweizer Privatwirtschaft: \u00abErgebnisse der Innovationserhebung 2018\u00bb der Konjunkturforschungsstelle der ETHZ (KOF) im Auftrag des Staatssekretariats f\u00fcr Bildung, Forschung und Innovation (SBFI).<\/li>&#13;\n \t<li>Spescha, Andrin und Martin W\u00f6rter (2018). Innovation in der Schweizer Privatwirtschaft: \u00abErgebnisse der Innovationserhebung 2016\u00bb der Konjunkturforschungsstelle der ETHZ (KOF) im Auftrag des Staatssekretariats f\u00fcr Bildung, Forschung und Innovation (SBFI).<\/li>&#13;\n<\/ul>","post_kasten":[{"kasten_title":"Das Innovationssystem \u00abInos\u00bb in K\u00fcrze","kasten_box":"Das Netzwerk wird im Rahmen der Neuen Regionalpolitik (NRP) des Bundes durch die Kantone Glarus, Schaffhausen, Appenzell Ausserrhoden, Appenzell Innerrhoden, St. Gallen, Graub\u00fcnden und Thurgau sowie das Z\u00fcrcher Berggebiet finanziert. Die Gesch\u00e4ftsstelle von Inos ist beim Institut f\u00fcr Technologiemanagement der Universit\u00e4t St. Gallen angesiedelt. Der Bund beteiligt sich zur H\u00e4lfte an den Kosten. Das Programm l\u00e4uft zun\u00e4chst bis Ende 2023. Einen \u00dcberblick \u00fcber die Angebote von Inos bietet die Website <a href=\"http:\/\/www.inos.swiss\/\">www.inos.swiss<\/a>."}],"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":98229,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":98233,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"106128","post_abstract":"Finanzielle Restriktionen, Fachkr\u00e4ftemangel, ein dynamisches Regulierungsumfeld sowie der Trend hin zu Forschungskooperationen sind zentrale Innovationshemmnisse f\u00fcr Schweizer KMU. 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