{"id":98614,"date":"2021-07-22T14:37:44","date_gmt":"2021-07-22T14:37:44","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2021\/07\/garder-un-oeil-sur-linflation\/"},"modified":"2023-08-23T22:49:08","modified_gmt":"2023-08-23T20:49:08","slug":"die-inflation-im-auge-behalten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2021\/07\/die-inflation-im-auge-behalten\/","title":{"rendered":"Die Inflation im Auge behalten"},"content":{"rendered":"<p>\u00abPreisstabilit\u00e4t herrscht, wenn niemand mehr \u00fcber Inflation spricht\u00bb, sagte ein fr\u00fcherer Gouverneur der Bank of England einmal. Ein extremes Beispiel f\u00fcr eine Zeit, in der man t\u00e4glich \u00fcber Inflation sprach, ist die Hyperinflation in Deutschland in den Jahren 1923 und 1924: Als Restaurantgast bestellte man damals das zweite Bier am besten gleich mit, um nicht eine halbe Stunde sp\u00e4ter tiefer daf\u00fcr in die Tasche greifen zu m\u00fcssen. Klar ist: Von einer Hyperinflation sind wir heute weit entfernt. Trotzdem gibt es Anzeichen, die auf einen anhaltenden allgemeinen Preisanstieg in den n\u00e4chsten Monaten hindeuten.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nInflation wird als Ver\u00e4nderung der Preise eines Korbs aus wichtigen Waren und Dienstleistungen des t\u00e4glichen Bedarfs definiert. Dieser Korb enth\u00e4lt weder Aktien noch Immobilien, und das aus gutem Grund: Verteuert sich eine Aktie, schadet das n\u00e4mlich niemandem. Im Gegenteil, w\u00e4chst doch das Verm\u00f6gen des Aktieninhabers. Daher ist ein nach oben tendierender Aktienkurs auch v\u00f6llig anders zu bewerten als ein steigender Bananenpreis. Im \u00dcbrigen kann bei einer Verteuerung von Fleisch und der gleichzeitigen Verbilligung von Gem\u00fcse der Preis des Gesamtkorbs durchaus unver\u00e4ndert bleiben. In diesem Fall sprechen \u00d6konomen von einer \u00ab\u00c4nderung der relativen Preise\u00bb. In der Schweiz bildet der Index der Konsumentenpreise die Preisentwicklung von 100\u2019000 typischen Konsumg\u00fctern und Dienstleistungen ab. Er wird erstellt vom Bundesamt f\u00fcr Statistik.&#013;<\/p>\n<h2><strong>Heizt der Aufschwung die Inflation an?<\/strong><\/h2>\n<p>&#013;<br \/>\nAktuell mahnen drei gewichtige Gr\u00fcnde dazu, die Inflationsrisiken aufmerksam zu beobachten. Erstens stehen die gewaltigen Summen, die die Zentralbanken und Regierungen der Industriel\u00e4nder in der Corona-Krise in die Volkswirtschaften pumpten, in keinem Verh\u00e4ltnis zur Diskrepanz, die derzeit zwischen der globalen Gesamtnachfrage und dem potenziellen Angebot besteht. Dabei haben sich die wirtschaftlichen Einschr\u00e4nkungen sowohl auf die Nachfrage als auch auf das Angebot ausgewirkt. Fiskalpolitische Unterst\u00fctzung ist daher nur so lange willkommen, wie die Einschr\u00e4nkungen in Kraft sind. Neue nicht gegenfinanzierte Ausgabenprogramme, wie sie etwa in den USA vorgesehen sind, k\u00f6nnten indes inflation\u00e4r wirken.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nZweitens gef\u00e4hrdet politischer Druck zur Finanzierung der Haushaltsdefizite die Unabh\u00e4ngigkeit der Zentralbanken, insbesondere, da diese eine verfr\u00fchte Versch\u00e4rfung ihrer Geldpolitik ausschliessen. Es ist zu bef\u00fcrchten, dass die Notenbanken nur schleppend auf einen Inflationsanstieg reagieren. Drittens gilt es die grossen deflation\u00e4ren Strukturtrends \u2013 wie die Alterung der Gesellschaft, die Globalisierung und die Digitalisierung \u2013 genau zu beobachten. China, das als Werkbank der Welt gilt, exportiert traditionell Deflation. Da sich diese Tendenz derzeit umzukehren scheint, k\u00f6nnte China k\u00fcnftig Inflation exportieren.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nDie Zentralbanken haben diese Inflationsrisiken zusehends auf dem Schirm, wie es scheint. So hat die US-Notenbank f\u00fcr die n\u00e4here Zukunft eine m\u00f6gliche Anhebung der Leitzinsen signalisiert. Somit k\u00f6nnte man sagen: Grund zur Beunruhigung besteht erst, wenn die Zentralbanken nicht mehr \u00fcber Inflation sprechen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00abPreisstabilit\u00e4t herrscht, wenn niemand mehr \u00fcber Inflation spricht\u00bb, sagte ein fr\u00fcherer Gouverneur der Bank of England einmal. 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