{"id":98655,"date":"2021-07-22T14:37:44","date_gmt":"2021-07-22T14:37:44","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2021\/07\/le-reseau-est-la-bete-de-somme-de-la-transition-energetique\/"},"modified":"2023-08-23T22:49:28","modified_gmt":"2023-08-23T20:49:28","slug":"das-netz-ist-der-lastesel-der-energiewende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2021\/07\/das-netz-ist-der-lastesel-der-energiewende\/","title":{"rendered":"\u00abDas Netz ist der Lastesel der Energiewende\u00bb"},"content":{"rendered":"<h3>Frau Thoma, Sie sind seit gut acht Jahren BKW-Chefin. Was war der gr\u00f6sste Meilenstein in dieser Zeit?<\/h3>\n<p>Die BKW ist heute dreieinhalb Mal mehr wert als vor acht Jahren. Damals waren wir ein reines Stromunternehmen mit einer ungewissen Zukunft. Heute sind wir dank dem Ausbau des Dienstleistungsgesch\u00e4fts breiter aufgestellt. Als ich anfing, arbeiteten 100 Ingenieure bei uns \u2013 heute sind es allein bei BKW Engineering \u00fcber 3000. Das ist f\u00fcr mich der gr\u00f6sste Meilenstein.<\/p>\n<h3><strong>Ein historischer Schritt war die Abschaltung des Atomkraftwerks\u00a0M\u00fchleberg\u00a0Ende 2019. <\/strong><\/h3>\n<p>F\u00fcr viele Mitarbeitende war das sehr emotional \u2013 aus meiner Sicht war es in erster Linie ein rationaler Entscheid: Um den versch\u00e4rften Sicherheitsanforderungen zu gen\u00fcgen, h\u00e4tten wir einen dreistelligen Millionenbetrag investieren m\u00fcssen. Wir kamen zum Schluss, dass das Kapital anderswo besser investiert ist.<\/p>\n<h3>Sie traten den Chefposten bei der BKW an mit der Ansage, dass sich das Unternehmen angesichts der Energiewende stark ver\u00e4ndern m\u00fcsse. Woher nahmen Sie die Gewissheit?<\/h3>\n<p>Ich habe realisiert, dass die Ertr\u00e4ge wegen des tiefen Strompreises einbrechen. Andere Stromunternehmen reagierten weniger konsequent \u2013 und mussten am Schluss Notverk\u00e4ufe t\u00e4tigen. Wir hingegen konnten immer Dividenden ausbezahlen.<\/p>\n<h3><strong>Sie wollten unabh\u00e4ngiger von den Strompreisen werden?<\/strong><\/h3>\n<p>Ja. Ich wollte Bereiche schaffen, die nicht denselben Treibern unterliegen. Der Haupttreiber der BKW im Energiegesch\u00e4ft ist der Strompreis. Das Dienstleistungsgesch\u00e4ft ist die ideale Erg\u00e4nzung, da es unabh\u00e4ngig vom Strompreis und nicht kapitalintensiv ist. Zudem gibt es viele \u00dcberschneidungen mit unserem Kerngesch\u00e4ft: Seit \u00fcber 100 Jahren besch\u00e4ftigen wir Ingenieure, die Leitungen und Kraftwerke bauen.<\/p>\n<h3><strong>Wie viel Bern steckt noch in der BKW?<\/strong><\/h3>\n<p>Marktseitig nicht mehr viel. Unsere M\u00e4rkte sind international. Von den 10\u2019500 Mitarbeitenden arbeiten aber immer noch rund 3000 im Kanton Bern. Unsere Geschichte und unsere Kultur sind stark von Bern gepr\u00e4gt \u2013 was allerdings nicht immer von Vorteil ist.<\/p>\n<h3><strong>Was st\u00f6rt Sie?<\/strong><\/h3>\n<p>In Bern geht es mehr ums Verwalten als ums Gestalten. Jede Neuerung ist hart umk\u00e4mpft. Es gibt aber auch eine positive Seite: In Bern ist man gelassener im Vergleich zum Rest der Schweiz.<\/p>\n<h3><strong>Ist die BKW ein Gemischtwarenladen mit dem gemeinsamen Nenner Energie?<\/strong><\/h3>\n<p>Nein. Wir sind ein Unternehmen, das in den Bereichen Infrastruktur, Energie und Geb\u00e4ude t\u00e4tig ist. Und diese drei Bereiche wachsen immer st\u00e4rker zusammen. H\u00e4user werden dank Fotovoltaikanlagen selbst zu kleinen Kraftwerken. Mit dem Dienstleistungsgesch\u00e4ft helfen wir den Eigent\u00fcmern, diese Energie optimal zu nutzen.<\/p>\n<p><span class=\"content-quotes\">In Bern ist man gelassener im Vergleich zum Rest der Schweiz<\/span><\/p>\n<h3><strong>Der Energiemarkt wird stark von der Politik bestimmt. Wie l\u00e4sst es sich in einem solchen Umfeld gesch\u00e4ften?<\/strong><\/h3>\n<p>Das ist f\u00fcr uns schwierig, da die Politik in kurzen Zeithorizonten denkt. Ein neues Kraftwerk ist eine langfristige Investition, die \u00fcber Jahrzehnte abgeschrieben wird. Das zeigt sich beispielsweise bei der Kernkraft: In den Sechzigerjahren forderte die Politik Kernkraftwerke \u2013 inzwischen hat der Wind gedreht. Auch bei der Wasserkraft droht ein solches Szenario: Wasserkraft ist heute stark erw\u00fcnscht und wird gef\u00f6rdert. Ob das so bleibt, ist ungewiss.<\/p>\n<h3><strong>Wie gehen Sie mit den politischen Rahmenbedingungen um?<\/strong><\/h3>\n<p>Wir haben ein grosses Risikoempfinden. Mit Investitionen im Energiebereich sind wir deshalb zur\u00fcckhaltend. Nebst dem Regulierungsrisiko gibt es auch ein grosses Marktrisiko: Die Strompreise sind sehr volatil. Dank dem Dienstleistungsgesch\u00e4ft als weiterem Standbein lassen sich diese Risiken besser abfedern.<\/p>\n<h3><strong>Sie haben das Stromgesch\u00e4ft einmal als \u00abdefizit\u00e4r\u00bb bezeichnet. Wie muss man sich das vorstellen?<\/strong><\/h3>\n<p>Bei den aktuell tiefen Marktpreisen k\u00f6nnen wir unseren Strom \u2013 insbesondere aus der Wasserkraft \u2013 auf dem Markt nicht gewinnbringend verkaufen. Allerdings schwanken die Preise stark. Anders sieht es im Monopolbereich aus, wo wir eine Million private Haushalte und KMU in den Kantonen Bern, Jura und Solothurn versorgen: Dort ist derzeit ein kleiner Gewinn m\u00f6glich, weil wir die Gestehungskosten verrechnen d\u00fcrfen, die im Moment \u00fcber den Marktpreisen liegen. Das betrifft aber nur 20 Prozent unserer Stromproduktion, der Rest ist vollst\u00e4ndig am Markt.<\/p>\n<p><span class=\"content-quotes\">Mit Investitionen im Energiebereich sind wir zur\u00fcckhaltend<\/span><\/p>\n<h3><strong>Wollen Sie sich langfristig ganz aus der Stromproduktion verabschieden? <\/strong><\/h3>\n<p>Wir wollen weiterhin eine Energiefirma bleiben und werden auch weiterhin in die Produktion von erneuerbaren Energien investieren. Die hohe Volatilit\u00e4t des Strommarktes birgt auch Chancen: Das Energiegesch\u00e4ft ist \u00abhigh risk, high fun\u00bb. Man muss sich dieses Risiko einfach leisten k\u00f6nnen.<\/p>\n<h3><strong>Nach dem gescheiterten Rahmenabkommen mit der EU ist auch ein allf\u00e4lliges Stromabkommen in weite Ferne ger\u00fcckt. Wie wirkt sich das auf die BKW aus?<\/strong><\/h3>\n<p>Das trifft vor allem unsere Handelsabteilung: Der Zugang zu den Stromm\u00e4rkten wird immer schwieriger. Zudem wird die Netzbetreiberin Swissgrid zusehends M\u00fche bekunden, die Spannung auf dem H\u00f6chstspannungsnetz stabil zu halten. Das betrifft uns jedoch nur indirekt. Letztlich werden wir die h\u00f6heren Kosten auf die Stromrechnung der Kunden \u00fcberw\u00e4lzen m\u00fcssen.<\/p>\n<h3><strong>Die BKW ist sehr gut durch die Corona-Krise gekommen. Wie haben Sie das Jahr 2020 erlebt?<\/strong><\/h3>\n<p>Am Anfang herrschte eine grosse Verunsicherung. Wir merkten jedoch rasch, dass die hohe Volatilit\u00e4t an den Stromm\u00e4rkten eine Chance f\u00fcr unsere H\u00e4ndler bietet. Indem wir auf sinkende Strompreise setzten, lagen wir im Nachhinein richtig.<\/p>\n<h3><strong>Derzeit sind die Zinsen sehr tief. Welche Auswirkungen hat dies auf die BKW?<\/strong><\/h3>\n<p>Wir sind sehr langfristig finanziert. Diese tiefen Zinsen tangieren uns daher einzig bei den wenigen Refinanzierungen. Um Geld zu beschaffen, haben wir vor zwei Jahren eine gr\u00fcne Anleihe, den \u00abGreen Bond\u00bb, lanciert.<\/p>\n<h3><strong>Angesichts der Negativzinsen geraten Ihre Einnahmen in der Netzsparte unter Druck: Derzeit erhalten Sie 3,83 Prozent Zins auf dem investierten Kapital \u2013 bezahlt von den Kundinnen und Kunden. Das Umwelt- und Energiedepartement (Uvek) pr\u00fcft eine Senkung dieses kalkulatorischen Zinssatzes (WACC). Was w\u00fcrde das f\u00fcr Sie bedeuten?<\/strong><\/h3>\n<p>Das k\u00e4me zu einer Unzeit. Wir k\u00f6nnten weniger ins Stromnetz investieren. Angesichts der zusehends dezentraleren Stromproduktion insbesondere durch Fotovoltaikanlagen auf den Hausd\u00e4chern sind derzeit ein Ausbau und eine Modernisierung des Niederspannungsnetzes sehr wichtig.<\/p>\n<h3><strong>Ein Zins von fast 4 Prozent t\u00f6nt doch nach einer guten Rendite?<\/strong><\/h3>\n<p>Das finde ich \u00fcberhaupt nicht: Das Netz ist der Lastesel der Energiewende. F\u00fcr den Unterhalt des Stromnetzes besch\u00e4ftigen wir 1000 Leute und investieren jedes Jahr \u00fcber 120 Millionen Franken. Hinzu kommen hohe Sicherheitsanforderungen. Unter dem Strich sind 3,8 Prozent Rendite somit eher eine bescheidene Entsch\u00e4digung daf\u00fcr. Das Netz ist schon jetzt das am wenigsten rentierende Gesch\u00e4ft der BWK. Man sollte diese wichtige Infrastruktur nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.<\/p>\n<h3><strong>Der Kanton Bern h\u00e4lt die Aktienmehrheit an der BKW. Profitieren Sie gegen\u00fcber der Konkurrenz auf den Finanzm\u00e4rkten von besseren Konditionen?<\/strong><\/h3>\n<p>Wir profitieren nicht wegen des Hauptaktion\u00e4rs, sondern wegen der systemrelevanten Anlagen. Sch\u00e4tzungsweise k\u00f6nnen wir uns dadurch um rund 0,125 Prozentpunkte g\u00fcnstiger finanzieren.<\/p>\n<h3><strong>Hat die Aktienmehrheit des Kantons f\u00fcr Sie \u00fcberhaupt einen Vorteil?<\/strong><\/h3>\n<p>Der Kanton Bern ist ein stabiler Ankeraktion\u00e4r, der am langfristigen Wohlergehen interessiert ist. Allerdings ist er auch ein anspruchsvoller Aktion\u00e4r, der Dividenden erwartet \u2013 sogar im Jahr 2013, als wir eine Milliarde Franken abschreiben mussten.<\/p>\n<h3><strong>Welches sind die Nachteile der Aktienmehrheit des Kantons? <\/strong><\/h3>\n<p>Durch die Kantonsmehrheit entsteht der Eindruck, wir seien ein staatliches Unternehmen. Das stimmt aber nicht: Die BKW ist ein privatrechtliches, b\u00f6rsenkotiertes Unternehmen. Mehrere Gutachten haben dies klargestellt: Wir haben keinen kantonalen Auftrag, was im \u00dcbrigen der Berner Regierungsrat auch so festh\u00e4lt. Wegen unseres Hauptaktion\u00e4rs m\u00fcssen wir uns aber \u00f6ffentlich st\u00e4rker rechtfertigen als andere Firmen.<\/p>\n<h3><strong>Im BKW-Gesetz steht, der Kanton leiste mit seiner Beteiligung einen Beitrag zur Erreichung der energiepolitischen Ziele. Inwiefern ist das f\u00fcr Sie relevant?<\/strong><\/h3>\n<p>Das BKW-Gesetz bindet den Aktion\u00e4r Kanton Bern \u2013 nicht die BKW. Wir sind allen unseren Aktion\u00e4ren gleichermassen verpflichtet.<\/p>\n<p><span class=\"content-quotes\">Der Vorwurf der Marktverzerrung ist haltlos<\/span><\/p>\n<h3><strong>Die BKW ist bei der Geb\u00e4udetechnik auch im Wettbewerbsmarkt t\u00e4tig und tritt somit zu\u00a0 Handwerksbetrieben in Konkurrenz. Aus wettbewerbspolitischer Sicht ist dies problematisch: Eigentlich sollte sich der Staat allenfalls bei einem nachweisbaren Marktversagen engagieren oder in F\u00e4llen, in denen es ein nat\u00fcrliches Monopol gibt \u2013 zum Beispiel beim Verteilnetz. <\/strong><\/h3>\n<p>Wie gesagt: Die BKW ist nicht staatlich und steht fast \u00fcberall im Wettbewerb. Wir sehen uns nicht als Konkurrenz zu den Handwerksbetrieben. Im Gegenteil: Wir tun sehr viel f\u00fcr die Branche. Wer uns seine Firma verkauft, der f\u00fchlt sich bei uns gut aufgehoben. Der Geb\u00e4udetechnikmarkt konsolidiert sich, unter anderem weil die IT-L\u00f6sungen immer komplexer werden.<\/p>\n<h3><strong>Kritiker werfen der BKW Wettbewerbsverzerrung vor. Was entgegnen Sie?<\/strong><\/h3>\n<p>So ein Vorwurf ist schnell gemacht. Doch worin soll die Wettbewerbsverzerrung bestehen? Wir sind halt einfach erfolgreich. Die Geb\u00e4udetechnikunternehmen, die wir aufkaufen, bleiben weiterhin selbstst\u00e4ndig am Markt. Wir haben in diesem Bereich einen schweizweiten Marktanteil von 3 Prozent. Der Vorwurf der Marktverzerrung ist also haltlos.<\/p>\n<h3><strong>Mit der Strategie \u00abBKW 2030\u00bb setzen Sie vor allem auf Wind- und Wasserkraft. Fotovoltaik ist weniger wichtig. Weshalb?<\/strong><\/h3>\n<p>Als wir diese Strategie festlegten, war die Fotovoltaik technologisch noch weniger ausgereift als heute. Inzwischen k\u00f6nnten wir uns durchaus vorstellen, in gr\u00f6ssere Anlagen im Ausland zu investieren \u2013 vor allem in Kombination mit Windanlagen. Die Installation kleiner Fotovoltaikanlagen auf den Hausd\u00e4chern ist f\u00fcr unsere Dienstleister interessant, weniger aber f\u00fcr die BKW als Stromproduzentin.<\/p>\n<h3><strong>Die Schweiz liegt bei der Wind- und der Solarproduktion pro Kopf in Europa auf dem zweitletzten Platz. Wie kommt das?<\/strong><\/h3>\n<p>Eine Windanlage zu bauen, ist in der Schweiz ein schwieriges Unterfangen. Seit 15 Jahren ist unser Windparkprojekt im bernischen Tramelan blockiert. In der Schweiz kann man eine Baubewilligung mit Einsprachen \u00fcber Jahre verz\u00f6gern. Bei der Fotovoltaik bin ich optimistischer, da es sich um kleinere Anlagen handelt.<\/p>\n<h3><strong>Die BKW ist auch in den Gasmarkt eingestiegen. Wieso dieser Schritt? <\/strong><\/h3>\n<p>Ausl\u00f6ser war ein aktueller Entscheid der Wettbewerbskommission, der eine gewisse Liberalisierung des Gasmarktes zur Folge hat. Wir wollen den Kunden ein Rundum-Paket anbieten. Wir sind aber nicht in die Infrastruktur eingestiegen, sondern wir vertreiben lediglich das Gas.<\/p>\n<h3><strong>Wie gr\u00fcn ist die BKW?<\/strong><\/h3>\n<p>Wir sind ehrlich gr\u00fcn. Der Umbau der Energieversorgung ist ein Jahrzehnteprojekt. Wir unterst\u00fctzen die Energiewende, indem wir in erneuerbare Energien investieren und in der Geb\u00e4udesparte auf mehr Effizienz setzen. Wir sehen aber keinen Nutzen darin, fossile Kraftwerke zu verkaufen, nur damit wir gut dastehen. Denn dann l\u00e4uft ein Kraftwerk einfach bei einem anderen Betreiber weiter.<\/p>\n<h3><strong>Sie haben in den vergangenen acht Jahren die Mitarbeiterzahl verdreifacht. Welche Pl\u00e4ne haben Sie f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahre?<\/strong><\/h3>\n<p>Wir werden die BKW weiter an der Zukunft ausrichten. So wird die Flexibilisierung in der Stromversorgung wichtiger werden \u2013 und damit die Speicherkapazit\u00e4ten. Das Dienstleistungsgesch\u00e4ft wollen wir weiter ausbauen und zu einem integralen Technologieanbieter werden. Wir werden also weiter Leute einstellen.<\/p>\n<h3><strong>Das Parlament befindet demn\u00e4chst \u00fcber eine zweite Welle der Strommarktliberalisierung. Damit k\u00f6nnten auch Kleinkunden den Anbieter frei w\u00e4hlen. Welche Auswirkungen h\u00e4tte dies auf die BKW? <\/strong><\/h3>\n<p>So k\u00f6nnten sich innovative L\u00f6sungen besser durchsetzen. Derzeit ist dies kaum m\u00f6glich, denn die Kundinnen und Kunden haben ja keine Wahl. Diese sogenannte zweite Welle ist f\u00fcr mich aber eine Scheindiskussion.<\/p>\n<h3><strong>Inwiefern?<\/strong><\/h3>\n<p>Derzeit gibt es schweizweit nur wenige Versorger, die ihren Kunden den selbst produzierten Strom verkaufen. Alle andern kaufen am Markt ein und stellen den Marktpreis \u2013 mit einer Marge \u2013 durch. De facto hat die Liberalisierung also bereits stattgefunden. Diese k\u00fcnstliche Teilung des Strommarktes in Gross- und Kleinkunden macht keinen Sinn. Zudem: Wir wollen nur Kunden, die uns ebenfalls wollen. Unzufriedene Kunden sind nicht gut f\u00fcr das Gesch\u00e4ft.<\/p>\n<h3><strong>Eine Journalistin hat Sie als \u00abunbeirrbar\u00bb bezeichnet. K\u00f6nnte man auch stur sagen?<\/strong><\/h3>\n<p>Ich sehe mich als einen Menschen mit einem grossen Verantwortungsbewusstsein \u2013 gegen\u00fcber den Mitarbeitenden, den Aktion\u00e4ren und den Kunden. Insofern setze ich mich stur f\u00fcr das Wohlergehen des Unternehmens ein. Manchmal w\u00e4re ich gerne etwas netter \u2013 das ginge aber zulasten der BKW und ihrer Stakeholder.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frau Thoma, Sie sind seit gut acht Jahren BKW-Chefin. Was war der gr\u00f6sste Meilenstein in dieser Zeit? Die BKW ist heute dreieinhalb Mal mehr wert als vor acht Jahren. Damals waren wir ein reines Stromunternehmen mit einer ungewissen Zukunft. Heute sind wir dank dem Ausbau des Dienstleistungsgesch\u00e4fts breiter aufgestellt. 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