{"id":98757,"date":"2021-07-02T11:25:26","date_gmt":"2021-07-02T11:25:26","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2021\/07\/briser-les-chaines\/"},"modified":"2024-02-01T17:03:23","modified_gmt":"2024-02-01T16:03:23","slug":"die-fesseln-ablegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2021\/07\/die-fesseln-ablegen\/","title":{"rendered":"Die Fesseln ablegen"},"content":{"rendered":"<p>Die meisten Regierungen der Industriel\u00e4nder haben in den letzten Jahrzehnten ihre staatlichen Aufgaben stark ausgebaut. Dies wurde immer wieder mit Marktversagen begr\u00fcndet, das indessen allzu oft nicht belegbar ist. Unbestritten ist hingegen, dass es dem Staat obliegt, die sogenannten \u00f6ffentlichen G\u00fcter bereitzustellen, denen das \u00abTrittbrettfahrer-Problem\u00bb eigen ist. Beispielsweise w\u00e4re es bei einem Angriff auf die Schweiz unm\u00f6glich, bloss jene Einwohner zu sch\u00fctzen, die selber einen Mitgliederbeitrag an einen Verein zur Landesverteidigung leisten w\u00fcrden. Um Trittbrettfahren zu verhindern, springt darum der Staat mit einer fl\u00e4chendeckenden Landesverteidigung ein.<\/p>\n<p>Doch der Staat tendiert wegen des stimmenmaximierenden Verhaltens der Politiker dazu, zu viele Aufgaben an sich zu reissen. Die Berufung auf einen politischen Auftrag berechtigt oft betriebswirtschaftliche Nachl\u00e4ssigkeit. Abhilfe schaffen hier die Methoden einer wirkungsorientierten Verwaltungsf\u00fchrung. Dabei geht es um den \u00abCitizen Value\u00bb \u2013 das Angebot von effizienten Dienstleistungen f\u00fcr den B\u00fcrger, der als Kunde betrachtet wird. Eine ebenso wichtige Rolle bei der Modernisierung der Verwaltung spielt die Simulation einer Wettbewerbssituation mittels Benchmarking. Weitere Schl\u00fcsselkonzepte sind die Dezentralisierung von Budgets und Kompetenzen (Globalhaushalte und dezentrale Budgetverantwortung), die Einf\u00fchrung einer umfassenden Kosten- und Leistungsrechnung sowie eine sinnvolle Verantwortungsteilung zwischen der \u00f6ffentlichen Hand und privaten Dienstleistern.<\/p>\n<h2><strong>Flexibel bleiben<\/strong><\/h2>\n<p>Einige dieser Massnahmen nimmt der Bundesrat in seinem Vorschlag zu einem \u00abBundesgesetz \u00fcber die Entlastung der Unternehmen von Regulierungskosten\u00bb zu Recht auf, denn auch die Schweiz bleibt von selbstgerechter \u00dcberregulierung nicht verschont. Schon im Jahr 2013 hat der Bundesrat die Regulierungskosten auf j\u00e4hrlich 10 Milliarden Franken veranschlagt und einen B\u00fcrokratieabbau f\u00fcr 13 ausgew\u00e4hlte Bereiche, darunter Mehrwertsteuer oder Arbeitssicherheit, ausgelotet. Will ein Staat b\u00fcrgernah und beweglich bleiben, muss er einen gesunden Wandel mit Fortschrittsgeist erm\u00f6glichen, statt ihn mit Regulierungskorsetten abzuschn\u00fcren.<\/p>\n<p>Konsequent auf die Regulierungsbremse tritt der Schweizerische Arbeitgeberverband (SAV) bei der Gestaltung des Arbeitsmarkts. Dort erm\u00f6glichen die Digitalisierung und eine global vernetzte Wirtschaft flexiblere Arbeitsformen. Das Arbeiten an bestimmten Orten und zu starren Zeiten wandelt sich f\u00fcr zahlreiche Aufgaben zu einer eigenverantwortlichen Leistungserf\u00fcllung, bei der sich Arbeit und Freizeit in Intervallen abwechseln. Deshalb pl\u00e4diert der Schweizerische Arbeitgeberverband daf\u00fcr, die Gestaltungsfreiheit bei den Arbeitsbedingungen zu erweitern \u2013 selbstredend unter Wahrung des Gesundheitsschutzes. Die Politik hat eine einmalige Chance, Fesseln abzulegen und eine zukunftsf\u00e4hige Regulierung mit Augenmass zu schaffen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die meisten Regierungen der Industriel\u00e4nder haben in den letzten Jahrzehnten ihre staatlichen Aufgaben stark ausgebaut. Dies wurde immer wieder mit Marktversagen begr\u00fcndet, das indessen allzu oft nicht belegbar ist. Unbestritten ist hingegen, dass es dem Staat obliegt, die sogenannten \u00f6ffentlichen G\u00fcter bereitzustellen, denen das \u00abTrittbrettfahrer-Problem\u00bb eigen ist. 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