{"id":98860,"date":"2021-06-28T08:21:58","date_gmt":"2021-06-28T08:21:58","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2021\/06\/mettre-la-reprise-en-perspective\/"},"modified":"2023-08-23T22:49:29","modified_gmt":"2023-08-23T20:49:29","slug":"die-menschen-ins-zentrum-stellen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2021\/06\/die-menschen-ins-zentrum-stellen\/","title":{"rendered":"Die Menschen ins Zentrum stellen"},"content":{"rendered":"<p>Die Corona-Krise hinterl\u00e4sst in der Arbeitswelt Spuren. Laut Sch\u00e4tzungen kam es 2020 zu einem pandemiebedingten R\u00fcckgang der Arbeitsstunden um 8,8\u00a0Prozent. Zum Vergleich: W\u00e4hrend der Finanzkrise von\u00a02008\/2009 blieb die Stundenzahl mehr oder weniger stabil. Die Trageweite der aktuellen Krise ist somit viel gr\u00f6sser als damals: Viele Besch\u00e4ftigte haben ihre Stelle oder gar ihre Existenzgrundlage verloren, einige haben sich vollst\u00e4ndig aus dem Arbeitsmarkt zur\u00fcckgezogen, andere waren zwar weiterhin als \u00aberwerbst\u00e4tig\u00bb gemeldet, haben jedoch wenig oder gar nicht gearbeitet.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nF\u00fcr das zweite Halbjahr 2021 wird nun ein Aufschwung erwartet \u2013 dieser d\u00fcrfte jedoch fragil bleiben und weltweit uneinheitlich verlaufen. Prognosen zufolge wird das Besch\u00e4ftigungswachstum in den meisten L\u00e4ndern den massiven Einbruch w\u00e4hrend der Covid-19-Krise nicht kompensieren k\u00f6nnen.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nBesonders heftig trifft die Krise junge Erwachsene, Frauen, gering qualifizierte Arbeitskr\u00e4fte und informell Besch\u00e4ftigte \u2013 alles Bev\u00f6lkerungsgruppen, die bereits zuvor benachteiligt waren. Wenn viele von ihnen aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden, sinkt langfristig auch das Produktivit\u00e4tswachstum, namentlich aufgrund der erschwerten Umschulungsm\u00f6glichkeiten und des Gesundheitszustands der Betroffenen. Falls diese Effekte anhalten, reduzieren sie das Wachstumspotenzial weltweit. Eine Versch\u00e4rfung der sozio\u00f6konomischen Ungleichheiten gef\u00e4hrdet daher die Umsetzung der UNO-Agenda 2030 f\u00fcr eine nachhaltige Entwicklung und droht die bisher erzielten Fortschritte zunichtezumachen.&#013;<\/p>\n<h2><strong>Die Wunden heilen<\/strong><\/h2>\n<p>&#013;<br \/>\nUm zu verhindern, dass sozio\u00f6konomische Ungleichheiten und schlechte Arbeitsbedingungen langfristig Narben in der Wirtschaft und der Gesellschaft hinterlassen, m\u00fcssen Politikerinnen und Politiker Gegensteuer geben. Sie m\u00fcssen versuchen, eine starke Erholung der Wirtschaft in Gang zu setzen, die gezielt auf die Betroffenen ausgerichtet ist. Lediglich auf das Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) zu fokussieren, gen\u00fcgt hingegen nicht, um den auf dem Arbeitsmarkt angerichteten Schaden wieder auszugleichen.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nIn der aktuellen Aufschwungsphase muss die Politik daher den Arbeitsmarkt genau beobachten, um eine gemeinsame, nachhaltige Antwort zu finden. Bei ihren wirtschaftlichen Impulsmassnahmen sollten Regierungen die Menschen ins Zentrum stellen. Nur so k\u00f6nnen sie m\u00f6glichst breit abgest\u00fctzte Verbesserungen bei der Arbeitsproduktivit\u00e4t, beim Einkommen und bei der sozialen Absicherung herbeif\u00fchren.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nDies gilt auch f\u00fcr die internationale Zusammenarbeit: Bei der Entwicklungshilfe sollte Impulsmassnahmen, die die Arbeitnehmenden ins Zentrum stellen, Priorit\u00e4t einger\u00e4umt werden. Bei allen Massnahmen gilt es dabei zu gew\u00e4hrleisten, dass nach oben zeigende Besch\u00e4ftigungsindikatoren mit mehr menschenw\u00fcrdiger Arbeit, mehr Einkommen und mehr sozialer Sicherheit einhergehen \u2013 f\u00fcr alle Arbeitnehmenden und alle Haushalte \u00fcberall auf der Welt.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Corona-Krise hinterl\u00e4sst in der Arbeitswelt Spuren. Laut Sch\u00e4tzungen kam es 2020 zu einem pandemiebedingten R\u00fcckgang der Arbeitsstunden um 8,8\u00a0Prozent. Zum Vergleich: W\u00e4hrend der Finanzkrise von\u00a02008\/2009 blieb die Stundenzahl mehr oder weniger stabil. 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