{"id":99072,"date":"2021-05-31T11:36:29","date_gmt":"2021-05-31T11:36:29","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2021\/05\/assumer-ses-responsabilites\/"},"modified":"2024-02-05T12:13:29","modified_gmt":"2024-02-05T11:13:29","slug":"tragen-wir-verantwortung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2021\/05\/tragen-wir-verantwortung\/","title":{"rendered":"Tragen wir Verantwortung"},"content":{"rendered":"<p>Ende November 2020 haben sich 50,7 Prozent der Schweizer Stimmbev\u00f6lkerung f\u00fcr die Konzernverantwortungsinitiative ausgesprochen. Das St\u00e4ndemehr wurde zwar nicht erreicht, aber das Verdikt ist \u2013 mitten in der Corona-Krise \u2013 eindeutig: Das Recht auf menschenw\u00fcrdige Arbeit, Gesundheit und Leben auch in den \u00e4rmsten L\u00e4ndern ist nicht verhandelbar. Multinationale Unternehmen m\u00fcssen Menschenrechte und Umweltschutz oben auf ihre Priorit\u00e4tenliste setzen. Die Abstimmung machte klar, dass die Stimmberechtigten bereit sind, sich zu engagieren, wenn Bund und Parlament ihre Anliegen nicht ernst nehmen.<\/p>\n<p>Und Grund zur Sorge beim Rohstoffabbau gibt es, wie Untersuchungen der Stiftung Brot f\u00fcr alle in der Demokratischen Republik Kongo, in Liberia und Uganda seit \u00fcber zehn Jahren zeigen. Dokumentiert sind beispielsweise Flussverschmutzungen, Zwangsumsiedlungen und Industrieunf\u00e4lle, die Dutzende von Menschen ohne Zugang zu angemessener Versorgung krank machen. Besonders stossend sind die Bedingungen im Kleinbergbau: In der Demokratischen Republik Kongo arbeiten Zehntausende von Arbeitern in bis zu 80 Meter tiefen Minen mit blossen H\u00e4nden \u2013 ohne angemessene Infrastruktur. Unf\u00e4lle geh\u00f6ren dort zum Alltag und enden oft t\u00f6dlich. Im Norden des Landes wird die prek\u00e4re Lage durch die Anwesenheit bewaffneter Milizen zus\u00e4tzlich versch\u00e4rft.<\/p>\n<h2><strong>Handeln tut not<\/strong><\/h2>\n<p>Der Gegenvorschlag zur Konzernverantwortungsinitiative k\u00f6nnte die Situation f\u00fcr diese Mineure verbessern \u2013 allerdings nur, wenn der Bund die involvierten Schweizer Firmen verpflichtet, zusammen mit den betroffenen Gemeinschaften transparente Wertsch\u00f6pfungsketten zu schaffen. Bei anderen Menschenrechtsverletzungen bringt der Gegenvorschlag des Bundesrats hingegen keine Verbesserung. Das hat zwei Gr\u00fcnde: Erstens bezieht sich die darin festgehaltene Sorgfaltspflicht nur auf die Mineralien Tantal, Zinn, Gold und Wolfram. Bei allen anderen Rohstoffen \u2013 wie Kupfer, Kobalt oder Erd\u00f6l \u2013 besteht f\u00fcr die Firmen keine Verpflichtung, sich glaubw\u00fcrdig f\u00fcr Menschenrechte einzusetzen. Zweitens sieht der Gegenvorschlag weder Sanktionen noch eine Beschwerdem\u00f6glichkeit f\u00fcr Opfer vor. Wenn die Tochterfirma eines Schweizer Unternehmens die Felder von Bauern verschmutzt oder gesundheitsgef\u00e4hrdende Giftstoffe ausst\u00f6sst, drohen der Muttergesellschaft keine Sanktionen.<\/p>\n<p>Eine Mehrheit des Stimmvolks w\u00fcnscht sich starke und verantwortungsvolle Unternehmen. Aus Schweizer Perspektive lohnt sich ein Blick ins Ausland, wo daf\u00fcr der gesetzliche Rahmen geschaffen wird. So hat beispielsweise das EU-Parlament am 11. M\u00e4rz 2021 mit grosser Mehrheit eine Resolution angenommen, die vorsieht, dass in der EU t\u00e4tige Unternehmen juristisch zur Rechenschaft gezogen werden k\u00f6nnen, wenn sie ihren umweltbezogenen und menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten nicht nachkommen. Die Einf\u00fchrung einer ebensolchen gesetzlichen Grundlage in der Schweiz ist einzig und allein eine Frage des politischen Willens.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ende November 2020 haben sich 50,7 Prozent der Schweizer Stimmbev\u00f6lkerung f\u00fcr die Konzernverantwortungsinitiative ausgesprochen. Das St\u00e4ndemehr wurde zwar nicht erreicht, aber das Verdikt ist \u2013 mitten in der Corona-Krise \u2013 eindeutig: Das Recht auf menschenw\u00fcrdige Arbeit, Gesundheit und Leben auch in den \u00e4rmsten L\u00e4ndern ist nicht verhandelbar. 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